mini|Blick auf die Altstadt aus der Luft mini|Esslingen Marktplatz mini|Blick auf die Altstadt und Burg aus der Pliensauvorstadt Esslingen am Neckar ([], schwäbisch Esslenga [], bis 16. Oktober 1964 amtlich Eßlingen am Neckar) ist eine Große Kreisstadt mit Einwohnern () im baden-württembergischen Landkreis Esslingen. Die Stadt ist hinsichtlich der Bevölkerung die zehntgrößte Stadt Baden-Württembergs. Die Stadt Esslingen am Neckar liegt inmitten der Region Stuttgart innerhalb des gleichnamigen Regierungsbezirks, etwa zehn Kilometer südöstlich der Stadtmitte der Landeshauptstadt. Sie ist Sitz des Landratsamtes Esslingen und bevölkerungsreichste Stadt des Landkreises. Für die umliegenden Gemeinden bildet Esslingen ein Mittelzentrum. Die Einwohner haben den Necknamen Zwieblinger.
Erstmals im 8. Jahrhundert urkundlich erwähnt war Esslingen seit 1181 Freie Reichsstadt. 1803 verlor die Stadt ihre Unabhängigkeit und wurde in das Herzogtum Württemberg eingegliedert. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und prägte das Bild der Stadt.
Der baden-württembergische Abschnitt der Deutschen Fachwerkstraße führt durch die Stadt.
Geographie Geographische Lage mini|Esslingen am Neckar (2011) Esslingen am Neckar liegt an einer Engstelle des Neckartals südöstlich von Stuttgart. Der Fluss durchquert das Stadtgebiet von Südosten nach Nordwesten, wobei die Altstadt nördlich davon liegt. Hier befindet sich auch die Staustufe Esslingen. Aus der Gemeinde Altbach kommend, berührt der Neckar zunächst den Stadtteil Zell und verlässt das Stadtgebiet zwischen den Stadtteilen Mettingen und Weil in Richtung Stuttgart. Esslingen am Neckar greift im Osten in den Schurwald über, im Süden reichen die Ausläufer bis zur Filderebene.
Die Stadt erstreckt sich über eine Höhenlage von 230 Meter im Neckartal bis 498 Meter im Schurwald.
Flächennutzung Esslingen hat eine Gemarkungsfläche von 4643 Hektar. Davon bestehen 1193 Hektar aus Wald und 112 Hektar aus Gewässern. Auf 93 Hektar werden Weinreben angebaut, die dem Weinbaugebiet Württemberg angehören. 1662 Hektar sind bebaute Grundstücke, auf denen die etwa 96.000 Einwohner leben, mit Straßen, Plätzen, Wegen und Eisenbahn.
Nachbargemeinden
Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Esslingen am Neckar, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Kernen im Remstal (Rems-Murr-Kreis), Aichwald, Baltmannsweiler, Plochingen, Altbach, Deizisau, Denkendorf und Ostfildern (alle Landkreis Esslingen) sowie Stuttgart (Stadtkreis). mini|Gesamtansicht von Esslingen Stadtgliederung Die Stadt besteht aus folgenden 24 Stadtteilen:
Berkheim, Brühl, Hegensberg, Hohenkreuz, Innenstadt, Kennenburg, Kimmichsweiler/Oberhof, Krummenacker, Liebersbronn, Mettingen, Neckarhalde, Oberesslingen, Obertal, Pliensauvorstadt, Rüdern, Serach, Sankt Bernhardt, Sirnau, Sulzgries, Wäldenbronn, Weil, Wiflingshausen, Zell, Zollberg.
Zu Esslingen gehört ferner die Exklave Stadtwald Esslingen am Neckar Stiftswald Katzenbacher Hof im Stadtgebiet Stuttgart ()., Stuttgarter Zeitung vom 4. September 2010
Raumplanung Esslingen ist ein Mittelzentrum innerhalb der Region Stuttgart, deren Oberzentrum die Stadt Stuttgart ist. Zum Mittelbereich Esslingen gehören noch die Städte und Gemeinden im Norden des Landkreises: Aichwald, Altbach, Baltmannsweiler, Deizisau, Denkendorf, Hochdorf, Lichtenwald, Neuhausen auf den Fildern, Ostfildern, Plochingen, Reichenbach an der Fils und Wernau.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Esslingen am Neckar.
Schutzgebiete
Auf dem Esslinger Stadtgebiet liegen drei Naturschutzgebiete: das Krähenhäule nordöstlich von Wäldenbronn, der gleichzeitig als Schonwald ausgewiesene Stettener Bach an der nordöstlichen Gemeindegrenze zu Aichwald und der Alte Neckar an der östlichen Gemeindegrenze zu Altbach. Südlich von Weil liegt der Bannwald Weilerhalde und südlich von Sirnau der Schonwald Stiftungswald Sirnau.
Hinzu kommen die vier Landschaftsschutzgebiete Esslingen, Butzenwiesen-Klebwald-Kühhalde-Letten, Unteres Körschtal und Schurwaldrand Altbach-Plochingen-Reichenbach.
Außerdem hat Esslingen Anteile an den FFH-Gebieten Filder und Schurwald.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Ansicht Esslingens aus Matthäus Merians Topographia Suaviae (1643/1656) mini|links|Territorium der Reichsstadt (1725) mini|Speyrer Pfleghof in Esslingen (heute Kessler Sekt) mini|hochkant|Stauferstele (2016) mini|Blick Richtung Marktplatz und Burg mini|Innere Brücke mini|hochkant|Innerer Schelztorturm, 1228 erbaut, 1377 erwähnt, 1993 renoviert. mini|hochkant|Das alte Rathaus in Esslingen mini|Esslingen im Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1685 mini|hochkant|Esslingen um 1840 (Stahlstich) mini|Neues Rathaus in Esslingen, ehemaliges Palm’sches Palais mini|Gemälde „Partie in der Esslinger Altstadt“ von Gustav Schönleber, 1880 Frühe Geschichte Durch archäologische Funde wird eine dauernde Besiedlung im heutigen Stadtgebiet von Esslingen seit der Jungsteinzeit belegt. Unter der heutigen Stadtkirche wurden menschliche Siedlungsspuren aus der Zeit um 1000 v. Chr. dokumentiert. Aus der La-Tène-Zeit ist bei Esslingen eine Viereckschanze bekannt.Egon Gersbach: Ältermittelbronzezeitliche Siedlungskeramik von Esslingen am Neckar. In: Fundbericht Baden-Württemberg 1/1974. S. 226–250.
Römerzeit Im ersten Jahrhundert nach Christus wurde der Esslinger Raum Teil des Römischen Reichs, nachdem die Römer um 70 n. Chr. den Rhein überschritten hatten. In dieser Zeit entstand auf dem Gebiet von Oberesslingen ein römischer Gutshof und in Berkheim eine römische Villa. Die nächsten größeren Siedlungen waren Cannstatt und Köngen (Grinario).
Völkerwanderungs- und Merowingerzeit Aus nachrömischer Zeit fehlen im Neckartal um Esslingen bisher frühalemannische Funde, die auf den Fildern durchaus vorhanden sind. Aus Rüdern stammen einige Funde, die auf ein reiches Grab mit östlichen Einflüssen, wie etwa einem Satz dreiflügeliger Pfeilspitzen hinweisen. Dieses Grab ist als Fürstengrab vom Ailenberg bekannt. mini|Funde des Fürstengrabs vom Ailenberg im Landesmuseum Württemberg
Die Endung „-ingen“ des Ortsnamens deutet auf einen Personenverband, für den ein Mann namens Azzilo, Hezzilo oder Hetsilo als Grundherr oder Familienoberhaupt eine prägende Rolle spielte, sodass der Name „bei den Leuten des Azzilo“ bedeutet. Dieser Name, im Jahr 856 n. Chr. als Ezelinga und 866 als Hetsilinga urkundlich frühestens belegt, blieb schließlich in der heutigen Form erhalten.Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2012, ISBN 978-3-11-018908-7, S. 168.
Im 6. Jahrhundert wurden die Alamannen von den Merowingern unter König Chlodwig I. unterworfen. Die Alemannen übernahmen jedoch auch unter fränkischer Oberherrschaft Verwaltungsaufgaben und bildeten ein Herzogtum im Frankenreich. Im 8. Jahrhundert versuchten sie, wieder eine selbständige Herrschaft herzustellen. Der Versuch scheiterte 746 bei Cannstatt. Mit dem anschließenden Blutgericht zu Cannstatt wurde das Ende des alemannischen Herzogtums markiert.
In einer forschungsgeschichtlich bedeutenden archäologischen Grabung konnten durch Günter Fehring die Reste der Vitalis-Cella unter der Kirche St. Dionysius ergraben werden. Siedlungsbelege im Umfeld der Cella reichen bis in die späte Merowingerzeit. Älter sind die Reihengräberfelder in Oberesslingen und Sirnau.G. P. Fehring, B. Scholkmann, Peter R. Anstett: Die Stadtkirche St. Dionysius in Esslingen. (= Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg; Band 13). Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1040-3.
Esslingens urkundliche Bestätigung und Aufstieg Die erste urkundliche Erwähnung Esslingens stammt aus dem Jahr 777. Abt Fulrad von Saint-Denis vermachte die Cella über dem Neckar, die er vorher von einem alemannischen Adeligen mit dem Namen Hafti bekommen hatte, zusammen mit den Gebeinen des Märtyrers Vitalis für den Fall seines Todes dem merowingischen Reichskloster Saint-Denis bei Paris. Das Kloster ließ nach dem Tod des Abtes (784) die sterblichen Überreste von Vitalis aus Italien in die Cella überführen. Danach entwickelte sich der Ort zu einem stark besuchten Pilgerort. Die erste namentliche Erwähnung Esslingens erfolgte als Hetsilinga in einer Urkunde Ludwigs des Deutschen von 866, in der das Marktrecht des Ortes mit der Vitalis-Cella bestätigt wird. Das Marktrecht war vermutlich schon um das Jahr 800 verliehen worden, um die Einnahmen des Klosters und die Versorgung der Pilger zu sichern. Förderlich für die Errichtung eines Marktes und der Wallfahrt war die günstige Lage des Ortes an einer alten Fernstraße von Flandern nach Oberitalien, die bei Esslingen den Neckar querte.
Etwa von 950 bis 1050 war Esslingen Münzprägestätte. Aus dieser Zeit existieren nur wenige Aufzeichnungen. Es wird angenommen, dass Esslingen bereits ein gut ausgebauter Ort war, als Rudolf von Rheinfelden im Jahr 1077 in Esslingen einen Fürstentag abhielt. Noch im selben Jahr zog Heinrich IV. gegen den Gegenkönig Rudolf zu Felde, wobei es zu einem Gefecht bei Esslingen kam. War der Ort zuvor vermutlich im Besitz der Herzöge von Schwaben, so kam er vermutlich 1079 gemeinsam mit der Herzogswürde von Schwaben und der Burg Hohenstaufen an Friedrich I. und damit an die Staufer.
Die Staufer an der Macht Friedrich I. Barbarossa übertrug 1181 seinem Stellvertreter in Esslingen politische und rechtliche Aufgaben, die das Umland betrafen, und machte Esslingen spätestens damit zur Freien Reichsstadt.
Am 30. Dezember 1213 schenkte König Friedrich II. die Esslinger Stadtkirche St. Dionys mit dem gegenüber liegenden Pfleghof dem Domkapitel Speyer. An dieses Ereignis erinnert seit 2016 eine Stauferstele vor der früheren Lateinschule in der Abt-Fulrad-Straße 3.Stauferstele Esslingen auf stauferstelen.net. Abgerufen am 7. Juni 2016. Im 13. Jahrhundert wurde in Esslingen mit dem Bau vieler großer Gebäude begonnen. Klöster wurden gebaut, die Brücke über den Neckar stammt aus dieser Zeit und die Kirche St. Vitalis wurde ausgebaut. 1229 wurde in einer Schenkung an das Kloster Salem erstmals das Esslinger Stadtrecht und das Amt des Schultheißen genannt.
Mehrere Stauferherrscher hielten in Esslingen Hof, darunter Heinrich (VII.) und Konrad IV. Rudolf von Habsburg verlieh der Stadt 1284 eine Stadtverfassung, in der dem Patriziat und den Zünften der Stadt Mitverwaltung eingeräumt wurde.
Mit dem Reichtum kamen im 13. Jahrhundert die Bettelorden in die Stadt. Sie predigten Armut und Buße und kümmerten sich um das Seelenheil der Stadtbevölkerung. Die Dominikaner, Franziskaner und Karmeliter erhielten schon bald bedeutende Schenkungen und Nachlässe, mit denen sie im Stadtgebiet Klöster und Kirchen errichteten.
Streit mit Württemberg 1246 kämpfte Esslingen im Gegensatz zu Graf Ulrich I. von Württemberg in der Schlacht bei Frankfurt auf der Seite der Staufer. Damit begann ein jahrhundertelanger Streit mit den Württembergern, der auch im Reichskrieg Heinrich VII. gegen Eberhard I. zum Tragen kam, als sich 1312 Stuttgart neben anderen Städten Württembergs dem Reich und der Stadt Esslingen unterwerfen mussten, bevor der Friedensschluss von 1316 die württembergischen Städte wieder aus Esslinger Herrschaft entließ. Im Jahr 1356 machte sich Karl IV. den fortdauernden Zwist zu Nutze, als er infolge eines Zunftstreits die Stadt Esslingen durch Eberhard den Greiner belagern ließ. Im späten 14. Jahrhundert entbrannten weitere Feindseligkeiten zwischen den schwäbischen Städten und den Württembergern, die erst nach der Schlacht bei Döffingen 1388 abklangen.