Als weibliche Ejakulation wird das stoßweise Freisetzen eines Sekrets auf dem Höhepunkt der sexuellen Erregung bei Frauen bezeichnet, der mit einem intensiven Lusterlebnis verbunden ist. Das Ejakulat wird durch die Ausgänge der Paraurethraldrüse (Glandula paraurethralis oder Skene-Drüse) abgesondert. Diese sexuelle Reaktion der Frau unterlag lange Zeit einer medizinischen und gesellschaftlichen Tabuisierung. Weiterer Forschungsbedarf besteht unter anderem zur genauen Zusammensetzung des Ejakulats, des genauen anatomischen und physiologischen Entstehungsorts sowie der Vorgänge, die zum Auslösen der Ejakulation führen.Z. Pastor, R. Chmel: Differential diagnostics of female „sexual“ fluids: a narrative review. In: International urogynecology journal. Band 29, Nr. 5, Mai 2018, S. 621–629, , PMID 29285596 (Review), (Volltext als PDF).F. D. Rodriguez, A. Camacho, S. J. Bordes, B. Gardner, R. J. Levin, R. S. Tubbs: Female ejaculation: An update on anatomy, history, and controversies. In: Clinical anatomy. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] Juli 2020, , PMID 32681804 (Review) (Volltext als PDF).The Federative International Programme for Anatomical Terminology (FIPAT): Terminologia anatomica – Second Edition – International Anatomical Terminology. Auf: anlage.fk.uinjkt.ac.id von 2019, S. 148.

Auslöser Eine weibliche Ejakulation wird in der Regel durch eine ausgiebige Stimulation der gesamten Klitoris einschließlich des Bereichs der sogenannten Gräfenberg-ZonePer Olov Lundberg: Die periphere Innervation der weiblichen Genitalorgane. In: Sexuologie. Band 9, Nr. 3, 2002, S. 98 und 101 (Volltext als PDF).H. E. O’Connell, N. Eizenberg, M. Rahman, J. Cleeve: The anatomy of the distal vagina: towards unity. In: The journal of sexual medicine. Band 5, Nr. 8, August 2008, S. 1883–1891 (Review), doi:10.1111/j.1743-6109.2008.00875.x, PMID 18564153.E. A. Jannini, O. Buisson, A. Rubio-Casillas: Beyond the G-spot: clitourethrovaginal complex anatomy in female orgasm. In: Nature Reviews Urology. Band 11, Nr. 9, September 2014, S. 531–538, doi:10.1038/nrurol.2014.193, PMID 25112854 (Review). entweder bei erregendem Vorspiel (Petting), VaginalverkehrSabine zur Nieden: Weibliche Ejakulation: Variationen zu einem uralten Streit der Geschlechter (= Beiträge zur Sexualforschung. Band 84). Psychosozial-Verlag, Gießen 2004, ISBN 3-89806-267-8, S. 111 f.Phasen der sexuellen Erregung bei Mann und Frau. Auf physiologie.cc – Abschnitt „Sexuelle Erregung“ und „Funktionsmuster bei der Frau“; abgerufen am 10. Dezember 2020. oder bei Masturbation ausgelöst.Yella Cremer: Yoni-Massage: Lust, Heilung und Intimität. Arkana, München 2018, ISBN 978-3-442-34243-3.Michaela Riedl: Yoni Massage. Entdecke die Quellen weiblicher Liebeslust – sinnlich-energetisch-spirituell. Nietsch, Freiburg im Breisgau 2006, ISBN 3-934647-05-7. Die bei starker sexueller Erregung hervorgerufenen Kontraktionen des Musculus pubococcygeus, eines der Muskeln, die die weiblichen Genitalien im Bereich des Beckenbodens umgeben, und der gleichzeitige Sekretionsvorgang der Skene-Drüse können eine Ausstoßung von Ejakulat bewirken.John W. Huffman: The detailed anatomy of the paraurethral ducts in the adult human female. In: American Journal of Obstetrics and Gynecology. 1948, Band 55, S. 86–101. Der Orgasmus der Frau kann sowohl mit als auch ohne weibliche Ejakulation als befriedigend erlebt werden.

Squirting mini|hochkant|Flüssigkeitsschwall aus der Vulva. Es werden Volumina von wenigen Millilitern bis ca. 100 ml beschrieben.Florian Wimpissinger, Christopher Springer, Walter Stackl: International online survey: female ejaculation has a positive impact on women's and their partners' sexual lives. In: BJU International. 2013, Band 112, Artikel E 177–E 185 , hier S. 179, Tabelle 3.Deborah Sundahl: Weibliche Ejakulation & der G-Punkt. Nietsch, Freiburg 2006, ISBN 3-934647-95-2, S. 80 f.

Bei der weiblichen Ejakulation und dem sogenannten Squirting („Spritzen“ von größeren Mengen Flüssigkeit) handelt es sich im Grunde um zwei verschiedene Vorgänge, die gleichzeitig während eines Orgasmus auftreten können: Squirting allein bezeichnet ein stoßweises Ausspritzen von in der Blase befindlichem Urin. Die Weibliche Ejakulation ist daher gegebenenfalls sowohl ein Ausstoßen des weißlichen bis durchsichtigen Ejakulats aus der Skene-DrüseS. Salama, F. Boitrelle, A. Gauquelin, L. Malagrida, N. Thiounn, P. Desvaux: Nature and origin of „squirting“ in female sexuality. In: The journal of sexual medicine. Band 12, Nr. 3, März 2015, S. 661–666, , PMID 25545022, PDF. als auch ein Ausstoßen von Urin aus der Blase, wobei sich beide Flüssigkeiten unmittelbar vermischen, da die Drüsenmündungen direkt neben der Harnröhrenöffnung liegen. „Squirt-Flüssigkeit besteht hauptsächlich aus Wasser und großen Mengen Harnsäure, Harnstoff, Kreatinin und Natrium“,Gesundheitsbibliothek Flo / Sameena Rahman: Weibliche Ejakulation: Was ist Squirting und wie fühlt es sich an? Auf: flo.health/de, aktualisiert am 3. Mai 2023; zuletzt abgerufen am 5. Oktober 2023. enthält aber auch das prostataspezifische Antigen PSADiane Tomalty et al.: Should We Call It a Prostate? A Review of the Female Periurethral Glandular Tissue Morphology, Histochemistry, Nomenclature, and Role in Iatrogenic Sexual Dysfunction. In: Sexual Medicine Reviews. Band 10, Nr. 2, April 2022, S. 183–194. – ein Enzym, aus den Skene-Drüsen.

An der weiblichen Ejakulation ist die Muskelkontraktion (Muskelkraft) und die Kontraktionsabfolge des Musculus pubococcygeus beteiligt.John Delbert Perry, Beverly Whipple: Pelvic muscle strength of female ejaculators: Evidence in support of a new theory of orgasm. In: The Journal of Sex Research. Band 17, 2010, S. 22, (Volltext als PDF).V. Puppo: Anatomy and physiology of the clitoris, vestibular bulbs, and labia minora with a review of the female orgasm and the prevention of female sexual dysfunction. In: Clinical anatomy. Band 26, Nr. 1, Januar 2013, S. 134–152, , PMID 23169570 (Review) (Volltext als PDF).

Häufigkeit Die Frage, wie viele Frauen beim Orgasmus ejakulieren, konnte bislang (Stand 2020) nur sehr ungenau abgeschätzt werden. Direkte Beobachtungen sind nur für wenige Einzelfälle publiziert worden. Umfragen mit Hunderten von Fragebögen zeigten sehr unterschiedliche Ergebnisse. In den 1960er Jahren gingen Masters und Johnson von einem Prozentsatz von 4,7 Prozent aus.Nick Fleming: A Review of Female Ejaculation During Orgasm. (PDF; 49 kB). In: Jan Cioe (Hrsg.): Psychology 353: Human Sexuality I. 2006, S. 3. Neuere Studien vermuteten hingegen einen deutlich höheren Prozentsatz von bis zu 54 %.C. A. Darling, J. K. Davidson, C. Conway-Welch: Female Ejaculation. Perceived Orgins, the Grafenberg Spot/Area and Sexual Responsiveness. In: Archives of Sexual Behavior. Band 19, Nr. 1, 1990, S. 29–47, doi:10.1007/BF01541824.Z. Pastor: Female ejaculation orgasm vs. coital incontinence: a systematic review. In: The journal of sexual medicine. Band 10, Nr. 7, Juli 2013, S. 1682–1691, , PMID 23634659 (Review), PDF.

Mit der Technik Kunyaza sollen in Ruanda über 80 Prozent der Frauen Ejakulationen erleben.Habeeb Akande: African Sexual Technique Triggering Female Ejaculation: Kunyaza, Kachabali and Gukuna Sexual Practices. Unterlagen zu einer Panel Presentation, Cambridge University, 2018.

Entdeckungsgeschichte Im altchinesischen Prosagedicht Rezepturen zum Nähren des Lebens (Yang Sheng Fang), das aus den seit der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts bekannten Mawangdui-Gräbern stammt, wurde eine detaillierte Beschreibung gefunden, wie eine Frau zur Ejakulation gebracht werden kann.Rudolf Pfister: DER MILCHBAUM UND DIE PHYSIOLOGIE DER WEIBLICHEN EJAKULATION Bemerkungen über Papiermaulbeer- und Feigenbäume im Süden Altchinas. In: Asiatische Studien. 2007, S. 813–844.

Aristoteles berichtete um 300 v. Chr. von einer flüssigen Absonderung beim weiblichen Orgasmus, die jedoch keine Spermien enthalte. Galen beschrieb im 2. Jahrhundert eine weibliche Prostata, aus der von Frauen Spermien ejakuliert werden können.Britta-Juliane Kruse: Verborgene Heilkünste. Geschichte der Frauenmedizin im Spätmittelalter. (= Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte. Band 5; = Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker. Band 239). (Phil. Dissertation FU Berlin 1994: Verborgene Heilkünste. Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Handschriften und Drucken des 15. und 16. Jahrhunderts). de Gruyter, Berlin/New York 1996, ISBN 3-11-014704-1, S. 226.Sophia M. Connell: Aristotle and Galen on sex difference and reproduction. A new approach to an ancient rivalry. In: Studies In History and Philosophy of Science. Teil A, Band 31, Nr. 3, Sept. 2000, S. 405–427, doi:10.1016/S1369-8486(00)00007-8. Renate Syed konnte anhand einer Untersuchung einiger bedeutender Werke der altindischen Sexualwissenschaft wie beispielsweise des Kamasutras des 4. Jahrhunderts n. Chr. darlegen, dass den Autoren dieser Texte die weibliche Ejakulation ebenfalls bekannt war.Renate Syed: Zur Kenntnis der „Gräfenberg-Zone“ und der weiblichen Ejakulation in der altindischen Sexualwissenschaft. Ein medizinhistorischer Beitrag. In: Sudhoffs Archiv. 1999, Band 83, Nr. 2, S. 171–190.Matthias David, Frank C. K. Chen, Jan-Peter Siedentopf: Themen der Zeit – Ernst Gräfenberg: Wer (er)fand den G-Punkt? In: Deutsches Aerzteblatt. 2005, Band 102, Nr. 42, Artikel A-2853/B-2407/C-2270.

Die Kunyaza-Technik soll in Ruanda, Uganda und Kenia seit mindestens 150 Jahren, vielleicht schon seit dem 16. Jahrhundert praktiziert werden und dort bis zu 80 % der Frauen zur Ejakulation bringen.

In der Renaissance bezieht sich der Anatom Realdo Colombo in seiner Arbeit über die Funktion der Klitoris auf die weibliche Ejakulation.

Eine detaillierte Beschreibung als „schwallartiger Erguss“ während der Erregung verfasste 1672 der niederländische Arzt Regnier de Graaf in seinem Werk über die weiblichen Geschlechtsorgane. Er wies auch auf eine besonders sensible Zone in der vorderen Scheidenwand hin, die er mit der Prostata des Mannes verglich.Regnier de Graaf: De Mulierum Organis Generationi Inservientibus Tractatus Novus. Erstveröffentlichung 1672, Nachdruck unter dem Titel New Treatise Concerning the Generative Organs of Women. In: Journal of reproduction & fertility. 1972, .Zitiert in: Alice Kahn Ladas, Beverly Whipple, John D. Perry: The G spot: and other discoveries about human sexuality. 1st Owl Books edition, Holt Paperbacks, New York 2005, ISBN 0-8050-7759-6.

Im Jahre 1904 vertrat der Psychologe Havelock Ellis die Theorie, dass die weibliche Ejakulation analog zum Sperma sei und aus den Bartholin-Drüsen stamme.

1950 beschrieb der deutsche Gynäkologe Ernst Gräfenberg diese Zone und ihre Bedeutung,Ernst Gräfenberg: The Role of the Urethra in Female Orgasm. In: International Journal of Sexology. Band 3, Nr. 3, 1950, S. 145 (online) Auf: academia.edu; abgerufen am 4. Januar 2021. / Volltext als PDF Auf: andreadrian.de; abgerufen am 4. Januar 2021. die später als Gräfenberg-Zone (umgangssprachlich, aber fachlich unkorrekt G-Punkt) bezeichnet wurde. Der Gynäkologe Chua Chee Ann aus Malaysia fand 1997 in der Scheidenvorderwand auch eine noch reizempfindlichere AFE-Zone (umgangssprachlich, aber fachlich ebenfalls unkorrekt A-Punkt).Chua Chee Ann: A proposal for a radical new sex therapy technique for the management of vasocongestive and orgasmic dysfunction in women: The AFE Zone Stimulation Technique. In: Sexual and Marital Therapy. Band 12, Nr. 4, 1997, S. 357, doi:10.1080/02674659708408179.