mini|248px|Der Pivco-PIV 3 von Pivco Industries
Der Think City ist ein Elektroauto-Modell vom norwegischen Unternehmen Think Global, das von 2007 bis 2011 hergestellt wurde.
Geschichte des Unternehmens
Pivco Industries und Aufkauf durch Ford
Ford hatte 1999 die Aktienmehrheit des kleinen norwegischen Fahrzeugherstellers Pivco Industries erworben und das Unternehmen in Think Nordic AS umbenannt, um dessen Elektroauto-Entwicklung in Gestalt des seinerzeit aktuellen Modells PIV 4 – unter dem neuen Namen Think City (A266) – mit in das eigene Portfolio aufnehmen zu können. Hintergrund war eine gesetzliche Verordnung des California Air Resources Board, einer Umweltbehörde in Kalifornien (USA), welche der Automobilindustrie auferlegte, in stufenweiser Anhebung bis zum Jahre 2005 mindestens 10 % ihrer Fahrzeuge ohne Emissionsausstoß zu produzieren.L. Wells Bedsworth, M. R. Taylor: Learning from California’s Zero Emission Vehicle Program. California Economic Policy Bd. 3, H. 4 (September 2007), S. 5, linke Spalte (in englischer Sprache) (PDF; 553 kB) Gegen diese Verordnung wurde 2001 eine juristische Klage angestrengt.
Nachdem die Umsetzung dieser Verordnung durch einen Beschluss des Gerichts des Bundesstaates Kalifornien im Juni 2002 untersagt worden ist,Battery electric vehicles California Energy Commission, Consumer Energy Center, (in englischer Sprache) wurde das entstandene Tochterunternehmen Think Nordic AS, das von Ford noch zusätzlich mit den Geschäftssparten Think Technology und Think Mobility flankiert worden war, in Gestalt der Think Group im Februar 2003 wieder verkauft, obwohl noch kurz zuvor die komplette Produktionsstätte auf das Nachfolgemodell (A306) umgerüstet worden war. Als Begründung für den Verkauf gab Ford an, der Verkauf der Think-City-Elektroautos hätte sich als nicht so erfolgreich herausgestellt, wie die Verantwortlichen sich dies erhofft hätten, und umweltfreundliche Alternativen wie das Hybridauto seien inzwischen zur Marktreife entwickelt worden. Außerdem hätte man sich mehr politische Initiative erhofft, welche den Markt für Elektroautos unterstützt. In den zweieinhalb Jahren (vom November 1999 bis März 2002) hat Ford 1005 Fahrzeuge vom Typ A266 produziert, die in 14 Länder verkauft wurden. Die Verkaufszahlen waren, aus der Sicht eines Automobil-Großkonzerns – wie Ford – betrachtet, nicht so befriedigend, dass man nach Änderung der juristischen Reallage in Kalifornien noch so ohne Weiteres bereit gewesen wäre, sich im Marktsegment der Elektroautos weiter zu engagieren.
Stopp des Elektroautoprogramms durch Ford und Verkauf an KamKorp Obwohl es z. B. in den USA noch lange Wartelisten für potentielle Käufer gab, sollten 440 Stück davon – bei denen der Leasingvertrag mit Ford ausgelaufen war – der Verschrottung zum Opfer fallen.Nina Berglund: Ford blasted for crushing 'Think' cars Aftenposten, 24. August 2004 (in englischer Sprache) Erst einige interessierte Käufer und nicht zuletzt Greenpeace haben den 440 Autos dazu verholfen, dass sie weiterhin im Einsatz sind.
Durch die Beendigung der Produktion des Think City seitens Ford im August 2002 war die Zukunft von Think Nordic lange Zeit ungewiss und eine Weiterentwicklung oder gar erneute Massenproduktion sehr unwahrscheinlich.
Erst nachdem im Februar 2003 KamKorp Microelectronics Inc (Schweiz) die Firma aufgekauft hatte, ging es wieder vorwärts. Bereits ein Jahr später, im März 2004, wurde der gemeinsam entwickelte Prototyp des Think Public der Öffentlichkeit vorgestellt.
Wirtschaftliche Schieflage, Neuausrichtung und Sanierung Das Geschäftskonzept für den Microbus Think Public sah vor, dass dieser von Kunden zum Zwecke des innerstädtischen Verkehrs gemietet werden sollte. Doch haperte es an der Umsetzung. Dadurch geriet das Unternehmen Ende 2005 / Anfang 2006 in eine wirtschaftliche Schieflage (Konkurs ungefähr im Februar 2006). In der Folge wurde Ende März 2006 Think Nordic an die norwegische Investorengruppe InSpire verkauft, die das Unternehmen in Think Global umbenannte und ihm, abgesehen von der Sanierung, eine andere Ausrichtung und Produktpolitik verordnete: ihr erklärtes Ziel war es, Think Global zu einem reinen Elektrofahrzeughersteller zu machen, welcher eine Anzahl an Modellen in Gestalt einer Produktpalette am Markt bereithält, die unterschiedlichen Nutzerbedürfnissen gerecht wird.
Ab November 2007 produzierte Think Global AS ein verbessertes Modell des Think City, das zusätzlich mit ABS, Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern, Airbags, Servolenkung und einem Sonnendach ausgestattet wurde. Wegweisend war jedoch die Ausstattung mit einer optionalen Telematikeinheit (RAC – Remote Access Control), wodurch das Auto ab Werk als Carsharingfahrzeug eingesetzt werden konnte. Autos mit dieser Option haben einen Knopf mit der Beschriftung "Assist" in der Mittelkonsole. Drückte man diesen Knopf länger, wurde man mit einem Callcenter verbunden, ähnlich wie es GM Onstar oder andere Anbieter auch anbieten.
Im März 2008 gelang Think Global eine Vereinbarung zur Kooperation mit dem Lithium-Ionen-Akkuhersteller und General-Electric-Tochterunternehmen A123 Systems. General Electric investierte zusätzlich vier Millionen US-Dollar in Think Global und weitere 20 Millionen US-Dollar in A123 Systems, um bei dem Tochterunternehmen die Produktionskapazität aufzustocken und dieses so in die Lage zu versetzen, die benötigten Lithium-Ionen-Akkus an Think liefern zu können.
Entgegen dem Geiste der Abmachung vom März testete dennoch Think Global im Juni des gleichen Jahres erfolgreich drei Lithium-Ionen-Akkupacks der Firma EnerDel – eines Konkurrenten von A123 Systems – an Versuchsfahrzeugen in der Nähe von Indianapolis, an einem vorgeplanten Produktionsstandort von Think.Daniel Englander: TH!NK tests battery, but where’s A123? greentechmedia-Internetportal, 10. Juni 2008 (in englischer Sprache)
Trotz der sichtbaren Fortschritte, die das Unternehmen machte, verbunden mit dem Ziel, die Stückzahl weit über 2500 pro Jahr zu steigern, geriet Think Global Mitte Dezember 2008 in einen finanziellen Engpass, sodass Think-Chef Richard Canny mitteilte, das Unternehmen benötige für seine kurzfristigen Finanzoperationen dringend umgerechnet zwischen 14,5 und 29 Millionen US-Dollar an Kreditbürgschaften von der norwegischen Regierung, andernfalls müsse die Produktion angehalten und erst im Folgejahr fortgeführt und bis zu 70 Prozent der Belegschaft entlassen werden. Es galt, Kreditlinien, welche von den Banken bewilligt werden mussten, abzusichern.Electric carmaker suddenly in trouble New York Times – Wheels Blog, 17. Dezember 2008 (in englischer Sprache) Ein Intervenieren durch Charles Gassenheimer, dem Chef des Akkulieferanten EnerDel, sorgte im Januar 2009 für die Gewährung einer Kreditbürgschaft in Höhe von 40 Millionen Norwegischen Kronen (5,69 Millionen US-Dollar), sodass die Kurzfrist-Liquidität gewährleistet blieb.
Ende August 2009 konnte schließlich eine Rekapitalisierung des Unternehmens durch bestehende und neue Investoren gemeldet werden: Danach stieg der US-Akkuhersteller Ener1 (Fort Lauderdale, Florida), Mutterkonzern von EnerDel, mit 31 Prozent Anteil bei Think Global ein; ferner traten RockPort Capital Partners (Boston, Massachusetts), Element Partners (Philadelphia) und Kleiner Perkins (Palo Alto, Kalifornien) hinzu, des Weiteren Valmet Automotive mit Sitz in Finnland sowie Investinor, ein von der norwegischen Regierung gestützter Investment-Fonds. Für die Minderheitsbeteiligung von Valmet Automotive an Think Global und die vereinbarte technische Zusammenarbeit beider Unternehmen erhielt Valmet die Erlaubnis, den Think City in Finnland bauen zu dürfen. Doch nicht nur das: Mit diesem Schritt ging die Auslagerung der in Norwegen ansässigen Fahrzeugmontage nach Finnland einher. Tatsächlich ist die Produktion der Fahrzeuge des Think City im Dezember 2009 dann bei Valmet in Uusikaupunki/Finnland gestartet.
Für den Einstieg von Ener1 bei Think Global erhielt EnerDel im Gegenzug längerfristige Exklusivrechte für die Belieferung von Think mit Akkus zur Bestückung von dessen seinerzeitigen und bevorstehenden Modellen.David Herron: The dance between Fisker, Think, Enerdel, and A123Systems examiner.com-Internetportal, 18. Januar 2010 (in englischer Sprache) Diese Exklusivrechte betrafen wohl nur die Fahrzeuge, welche Think Global in den USA zu produzieren gedachte, denn Think hat zu einem späteren Zeitpunkt, nämlich am 25. Januar 2010, bekanntgegeben, dass EnerDel von da an für die Belieferung sämtlicher in den USA und 60 Prozent der in Europa produzierten Fahrzeuge mit Akkus beauftragt sein würde.Candace Lombardi: Think City EV promises 80 percent charge in 15 min. cnet News, 27. Januar 2010 (in englischer Sprache) Dies bedeutet, dass A123 Systems Think Global mit einem Teil der restlichen 40 Prozent der Akkus für Fahrzeuge in Europa beliefert und somit die Beziehung zwischen Think Global und A123 Systems nicht einfach aufgelöst, sondern vereinbarungsgemäß weitergeführt worden ist, da A123 Systems und EnerDel auch schon vorher Think Global mit Akkus beliefert haben und dementsprechend eine gewisse Kontinuität in den Geschäftsbeziehungen der drei Firmen untereinander bestanden hat.
Im Jahr 2010 wurde von Think Global in Elkhart im US-Bundesstaat Indiana ein neues Fahrzeugwerk eröffnet.Viknesh Vijayenthiran: Think electric minicar begins production in Indiana Fox News, 16. Dezember 2010 (in englischer Sprache) Die ersten Fahrzeuge aus der dortigen Produktion sind Mitte Dezember 2010 ausgeliefert worden.
Im März 2011 hat Valmet Automotive seine Produktion des Think City EV in Finnland bis auf Weiteres ausgesetzt. Auch von Think in Norwegen wurde angedeutet, dass die Nachfrage am Modell City zu Jahresbeginn äußerst verhalten war. Dies hat Think Global erneut in finanzielle Nöte gebracht, da mit einer solchen Entscheidung die gesamte europäische Produktion von Think Global faktisch zum Erliegen kam.Eric Loveday: Report: Think facing financial diffuclties; Valmet halts production of City EV AutoblogGreen-Internetportal, 15. April 2011 (in englischer Sprache)
Im Mai 2011 hat Ener1 sein millionenschweres Investment in den kriselnden norwegischen Elektroautohersteller Think Global abgeschrieben und alle Anteile an der Think Holding zurückgegeben.Eric Rosenbaum: Green Energy Losers: Ener1 Posts Wide Loss www.thestreet.com-Internetportal, 11. Mai 2011 (in englischer Sprache)
Insolvenz und anschließende Übernahme durch den russischen Investor Zingarewitsch