rahmenlos|rechts|210px|Leopoldstadt
Liste der Straßen, Gassen und Plätze des heutigen 2. Wiener Gemeindebezirks Leopoldstadt.
Charakteristische Straßennamen in der Leopoldstadt In der Leopoldstadt so wie auch in der Brigittenau sind die donaunahen Straßen im Zusammenhang mit dieser bzw. der Donauregulierung benannt. Im seit etwa 2010 entstehenden Nordbahnviertel wurden bevorzugt Namen mit Bezug zur Nordbahn gegeben.
Folgende Verkehrsflächen wurden nach Nebenflüssen der Donau benannt: Ennsgasse, Erlafstraße, Innstraße, Ybbsstraße; dazu im 20. Bezirk Kampstraße, Leithastraße, Pielachstraße, Salzachstraße und Traisengasse. In dieses Umfeld gehören auch die Wachaustraße und im 20. Bezirk die Donaueschingenstraße, die Marchfeldstraße und die Pöchlarnstraße.
Folgende Verkehrsflächen wurden nach Personen benannt, die mit der Donauregulierung in Zusammenhang stehen: Engerthstraße, Wehlistraße, Pasettistraße, nur im 20. Bezirk: Gasteigergasse, Wexstraße
Verkehrsflächen mit Bezug zur Nordbahn im neuen Nordbahnviertel: An den Kohlenrutschen, Krakauer Straße, Lembergstraße, Rabensburger Straße. In dieses Umfeld gehören auch der Rothschildplatz (Financiers des Eisenbahnbaus) sowie der Eva-Popper-Weg und die Fanny-Mintz-Gasse, die stellvertretend für Personen stehen, die über die Nordbahn deportiert wurden. Bereits zur Zeit des alten Nordbahnhofes wurde die Nordbahnstraße benannt.
Eine Besonderheit der Leopoldstadt sind die Benennungen von Konrad Ley (1801–1881). Der Bezirksvorsteher 1862–1874 hatte die Angewohnheit, neu entstandene Verkehrsflächen nach den Vornamen seiner Verwandten zu benennen. Resultat sind Helenengasse, Herminengasse, Josefinengasse, Konradgasse und (möglicherweise) die Hedwiggasse. Nach ihm selbst wurde später die Leystraße benannt.
Historische Straßennamen – Kaianlagen – Einzelnachweise – Literatur – Weblinks
A mini|hochkant|Bei Afrikanergasse 2 (links) / Praterstraße 51 (rechts) zweigt die Gasse von der Straße ab. mini|hochkant|Der erst 2016/17 angelegte Straßenzug „Am grünen Prater“ Adambergergasse, 1894 benannt nach der Schauspielerin Antonie Adamberger (1790–1867); sie debütierte 1807 am Burgtheater und wurde sofort als Hofschauspielerin engagiert. Sie glänzte vor allem in naiven Rollen und wurde der Liebling des Wiener Publikums. Von Zeitgenossen wurde sie „wegen ihrer Schönheit, ihres Talents und ihrer Sittenreinheit“ gerühmt. Adamberger war 1812–1813 mit dem Theaterdichter Theodor Körner verheiratet, ab 1817 mit dem Archäologen Joseph von Arneth, siehe die Arnethgasse im 16. Bezirk Ottakring. Die Gasse hieß davor Theresiengasse und bestand um 1830 noch nicht. Adele-Jellinek-Promenade, 2022 benannt nach Adele Jellinek (1890–1943). Sie war Schriftstellerin und schrieb Essays und Erzählungen in der Sozialdemokratie nahestehenden Zeitungen und Zeitschriften. 1943 wurde sie ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Die Promenade ist ein Teil des Gehweges entlang des Donaukanals, zwischen der Bezirksgrenze und dem Siemens-Nixdorf-Steg. Adele-Perlmutter-Platz, 2021 benannt nach der Fotografin Adele Perlmutter (1845–1941). Sie kam um 1860 mit ihrer Familie aus Galizien nach Wien. 1862 gründete ihr Vater das Fotoatelier Adèle, das sie gemeinsam mit ihren Brüdern Max und Wilhelm betrieb. Sie hatte rasch großen Erfolg als Porträtfotografin. Unter anderem wurde sie 1868 zur k.k. Hoffotografin ernannt; in dieser Funktion war sie für einige Porträtaufnahmen von Mitgliedern der Kaiserhauses verantwortlich. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem bei der Weltausstellung 1873, und wiederholt wurde ihr von der Photographischen Gesellschaft die Medaille des Guten Geschmacks verliehen. Der Platz entspricht der Verbreiterung am Anfang der Praterstraße bei der Abzweigung zur Ferdinandstraße 2. Afrikanergasse, 1862 indirekt benannt nach dem nordafrikanischen Staat Marokko. Im Jahr 1783 traf eine Gesandtschaft aus Marokko in Wien ein, die mit Kaiser Joseph II. Verhandlungen über einen Handels-, Friedens- und Freundschaftsvertrag führte. Der Besuch der Delegation war der Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens Wiens im Jahr 1783 und fand in Straßennamen, Wirtshausschildern und zeitgenössischen Darstellungen einen reichen Niederschlag. Die Gasse hieß daher ursprünglich Marokkanergasse. Zur Beseitigung der Doppelbezeichnung mit der Marokkanergasse im 3. Bezirk wurde sie 1862 in Afrikanergasse umbenannt. Bezug nehmend auf diese Gasse, die Kleine und die Große Mohrengasse wurde das Stadtviertel in den 2010er Jahren inoffiziell Afrikanerviertel genannt. Alexander-Poch-Platz, 1970 benannt nach dem Geistlichen Alexander Poch (1904–1966), Pfarrer der Leopoldskirche (1938–1966). Er zeichnete sich besonders während der NS-Zeit durch seine Ablehnung des Regimes aus. Durch seine Hilfsbereitschaft für Verfolgte und Gefährdete war er weit über seine Pfarrgemeinde hinaus bekannt und geschätzt.Alexander Poch auf wien.gv.at (Historischer Rückblick der Rathauskorrespondenz) Poch stellte u. a. falsche Taufscheine aus, um Juden zu retten.Alexander Poch in Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 4, Kremayr & Scheriau, Wien 2004, ISBN 3-218-00748-8, S. 564. Siehe auch Arnezhoferstraße. Der Platz ist der Vorplatz der 1671 eingeweihten Leopoldskirche zwischen Großer und Kleiner Pfarrgasse; der Durchbruch zu dieser erfolgte nach 1912 und vor 1925. Alliiertenstraße, 1909 benannt nach den Verbündeten Österreichs während des Wiener Kongresses. 1814 empfing Kaiser Franz I. seine Alliierten, Zar Alexander von Russland und König Friedrich Wilhelm von Preußen, die geplantermaßen gleichzeitig zum Wiener Kongress eintrafen, Am Tabor, am stadtzentrumsseitigen Ende der damaligen Straße nach Prag, mit großem Gefolge und zog mit ihnen durch die Jägerzeile (heute Praterstraße) in die Stadt. (Das 1896/1897 erbaute Haus Praterstraße 33 erhielt in Erinnerung daran den Namen Zu den drei Alliierten und wird heute als Alliiertenhof bezeichnet.) Die Alliiertenstraße war bis 1909 ein durch die Donauregulierung und den Bau des Nordbahnhofs vom weiteren Verlauf getrennter Teil der Prager Reichsstraße; siehe auch Alliiertenviertel und die Prager Straße im 21. Bezirk Floridsdorf. Aloisgasse, 1858 benannt nach dem Unternehmer Alois Miesbach (1791–1857); er war einer der bedeutendsten Industriellen Österreichs. Er baute einen Baustoffkonzern auf, der sich – von seinem Neffen Heinrich Drasche weitergeführt – zum heutigen Weltkonzern Wienerberger entwickelte. Miesbach führte sein Unternehmen als Patriarch alten Stils. Er fühlte sich für seine Arbeiter verantwortlich und spendete einen Teil seiner Einnahmen für soziale Einrichtungen (Krankenhaus, Kinderbetreuungseinrichtungen) und Stiftungen. Seine Arbeiter rekrutierte er zumeist aus Böhmen und Mähren (Ziegelböhm). Er kaufte in der Leopoldstadt Grundstücke auf und baute ab 1850 zahlreiche Zinshäuser. Die Miesbachgasse ist ebenfalls nach ihm benannt. Am Augartenspitz, 2014 benannt. Die Ecke Obere Augartenstraße / Castellezgasse wird seit etwa 2006 volkstümlich „Augartenspitz“ genannt und wurde nun amtlich registriert. Bei der Verkehrsfläche handelt es sich um ein ca. 45 m langes Stück des Gehsteigs vor dem Haus Obere Augartenstraße 1E, dem MuTh. Die Fläche vor der Castellezgasse gehört nicht dazu. Da – als Novum in Wien – nur der Gehsteig, nicht aber die Straße umbenannt wurde, ändert sich an den Adressen nichts. auf www.wien.gv.at Am Auwald, 2016 benannt nach der Au-Landschaft des Praters. Ein Auwald ist eine natürliche Pflanzengesellschaft entlang eines Baches oder Flusses (hier der Donau), die von Überschwemmungen und hohen Grundwasserpegeln stark beeinflusst wird. Ein feuchtes Augebiet existiert im Prater nur mehr südöstlich des Lusthauses. Die Verkehrsfläche befindet sich im Neubaugebiet Viertel Zwei bei der Trabrennbahn Krieau. Am grünen Prater, 2016 benannt nach dem Prater, einem weitläufigen, etwa 6 km² umfassenden Areal in der Leopoldstadt. Die älteste Erwähnung des Praters findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1162, in der Kaiser Friedrich I. Barbarossa Grundstücke zwischen der Schwechat und der Donau bei Mannswörth, die Pratum (lateinisch „Wiese“) genannt werden („quod dictur Pratum“) einem Adeligen namens Conrad de Prato („Cuonradus, qui dictur de Prato“) schenkte.Urkunde Nr. 373 in: Die Familie de Prato nannte sich später Prater. Die Verkehrsfläche befindet sich im Neubaugebiet Viertel Zwei bei der Trabrennbahn Krieau. Am Tabor, nichtamtlich vor 1830, offiziell 1890 benannt nach der Bezeichnung eines im 15. Jahrhundert an anderer Stelle (nahe dem Gaußplatz im 20. Bezirk) zur Verteidigung gegen die Hussiten errichteten Tabors, einer Wehranlage, die auch als Mautstelle an der Brücke über die unregulierte Donau fungierte. Der Name wurde 1698 auf den hier angelegten neuen Tabor mit gleicher Funktion übertragen (das Mauthaus Am Tabor 2, Ecke Taborstraße 80, besteht noch; um 1830 befand sich das k.k. Mauthaus in einem anderen Gebäude direkt an der heutigen Alliiertenstraße). Die Straße Am Tabor wurde 2008 und 2013 auf dem Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof um vier Häuserblöcke bis zur Ernst-Melchior-Gasse verlängert. Siehe auch Taborstraße und Volkertviertel. An den Kohlenrutschen, 2008 benannt nach den ehemaligen Förderanlagen für Kohle im Bereich des Nordbahnhofs. Die Kaiser Ferdinands-Nordbahn beschaffte ihre Kohlen für den Bahnhof u. a. aus dem Ostrauer Revier. Am Nordbahnhof gab es noch nach dem Zweiten Weltkrieg Kohlenhöfe und Kohlenrutschen zwischen bzw. an den Gleisdämmen, von wo aus über Kohlenhändler Haushalte mit Kohle zum Heizen beliefert wurden. Die Gasse befindet sich im Nordbahnviertel. Anitta-Müller-Cohen-Platz, 2018 benannt nach der Sozialarbeiterin, Politikerin und Journalistin Anitta Müller-Cohen (geb. Rosenzweig, 1890–1962); während des Ersten Weltkriegs war sie am Ausbau der Sozialfürsorge in Wien beteiligt. 1929 wurde sie zu einer der Vize-Präsidentinnen der World Federation of Jewish Women gewählt. 1935 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Palästina. Während des Zweiten Weltkriegs und danach konzentrierte sie ihre Aktivitäten auf neue Immigranten, insbesondere Flüchtlinge aus Österreich. Der Platz befindet sich an der Abzweigung der Straße der Wiener Wirtschaft (bis 2018 Walcherstraße) von der Lassallestraße beim Praterstern. Der Platz hieß 2018–2019 Müller-Cohen-Platz. Arnezhoferstraße, 1906 benannt nach dem Geistlichen Johann Ignaz Arnezhofer († 1679); er war von 1671 bis 1679 erster Pfarrer der auf den Grundsteinen der ehemaligen Synagoge errichteten Leopoldskirche; siehe auch Alexander-Poch-Platz. Die Benennung der Straße erfolgte auf Veranlassung des antisemitischen Bürgermeisters Karl Lueger. Die Behauptung, Arnezhofer habe 1670 im Auftrag von Kaiser Leopold I. als Kommissar zur Ordnung israelitischer Angelegenheiten die Vertreibung der Juden aus dem Ghetto Unterer Werd organisiert, wurde 2006 in einem Gutachten des Wiener Stadt- und Landesarchivs als mit größter Wahrscheinlichkeit falsch bezeichnet, obwohl bei der Straßenbenennung 1906 darauf Bezug genommen wurde.Peter Autengruber, in: Oliver Rathkolb, Peter Autengruber, Birgit Nemec, Florian Wenninger: Forschungsprojektendbericht Straßennamen in Wien seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“, Wien 2013, S. 317. Sie wurde der Gruppe Sonderfälle zugeordnet (siehe S. 317). Die Arnezhoferstraße verbindet die Venediger Au und die Wolfgang-Schmälzl-Gasse; sie war zuvor ein Teil der Erlafstraße. Aspernallee, 1907 benannt nach der ehemals selbstständigen Gemeinde Aspern. Die Straße wurde als eine von sechs Alleen vom 1560 erstmals erwähnten Lusthaus im Wiener Prater am Ende der Hauptallee aus angelegt und zielt auf das jenseits der Donau gelegene Dorf Aspern. Siehe auch Belvedereallee. Die Straße endet am südöstlichen Ende des Handelskais bzw. am Beginn der Hafenzufahrtsstraße an der Donau. Die Bezeichnung war zuvor schon volkstümlich in Gebrauch, mitunter auch als Aspernalleestraße. Siehe auch die Aspernstraße im 22. Bezirk Donaustadt.