Das Kloster Belbuck (in älterer Literatur oft Kloster Belbog) war ein im späten 12. Jahrhundert gegründetes, ab 1208 auch castrum sancti Petri („Burg des heiligen Petrus“) genanntes und bis 1534 bestehendes Regularkanoniker-Stift des Prämonstratenserordens in Hinterpommern, nahe der Stadt Trzebiatów (Treptow an der Rega) im heutigen Powiat Gryficki (Greifenberger Kreis) der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Geographische Lage Die heute nur noch archäologisch fassbare mittelalterliche Klosteranlage stand in Hinterpommern auf einem Hügel im Nordwesten Treptows am rechten Ufer der Rega, die wenige Kilometer weiter nördlich in die Ostsee mündet. In der Neuzeit befand sich an der Stelle das Dorf Belbuck, aus dem nach dem Zweiten Weltkrieg der heutige Treptower Stadtteil Białoboki hervorgegangen ist.

Geschichte Herkunft des Ortsnamens Am ehemaligen Standort des Klosters auf dem vom Wasser umgebenen Hügel bei Treptow soll sich vor der Christianisierung eine wendische Kultstätte befunden haben, an der der Lichtgott Bialbog verehrt wurde. Der Ortsname Belbog oder Belbuck wird darauf zurückgeführt.

Klostergründungen von 1170/1180 und 1208 Die Gründung des Klosters Belbuck erfolgte im Zusammenhang mit der im Laufe des 12. Jahrhunderts begonnenen Christianisierung PommernsRoderich Schmidt: Das historische Pommern. Personen – Orte – Ereignisse. 2. Auflage. Böhlau-Verlag, Köln / Weimar / Wien 2009, ISBN 978-3-412-20436-5, S. 101–114 [zuerst 2007]. und der militärischen Expansion Dänemarks in den südlichen Ostseeraum, die auf eine Unterwerfung der pommerschen Herzöge abzielte; die Herzöge wiederum hatten Interesse daran, durch vorangegangene Kriege entvölkerte und wüst gewordene küstennahe Landstriche wieder zu besiedeln und bewirtschaften zu lassen.Jürgen Petersohn: Der südliche Ostseeraum im kirchlich-politischen Kräftespiel des Reichs, Polens und Dänemarks vom 10. bis 13. Jahrhundert. Mission, Kirchenorganisation, Kultpolitik. Böhlau-Verlag, Köln u. a. 1979 (Ostmitteleuropa in Vergangenheit und Gegenwart, Band 17), S. 438–452. Die dortigen Klostergründungen des späten 12. Jahrhunderts wurden dementsprechend maßgeblich durch dänische Konvente beeinflusst.Stella Maria Szacherska: The political role of Danish monasteries in Pomerania 1171–1223. In: Medieval Scandinavia, 1977, Band 10, S. 122–155; jüngst Jens E. Olesen: Der Einfluss dänischer Klöster auf den Ostseeraum. In: Felix Biermann, Oliver Auge, Christopher Herrmann (Hrsg.): Glaube, Macht und Pracht. Geistliche Gemeinschaften des Ostseeraums im Zeitalter der Backsteingotik (Archäologie und Geschichte im Ostseeraum, Band 6). Leidorf-Verlag, Rahden (Westf.) 2009, ISBN 978-3-89646-466-8, S. 49–58.

Nach den Klöstern Grobe auf Usedom und Broda bei Neubrandenburg war Belbuck die dritte prämonstratensische Gründung in Pommern.Hermann Hoogeweg: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern. Band 1, Verlag Leon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1924, S. 15 f. Das Kloster wurde zwischen 1170 und 1180 (das genaue Datum ist unsicher) vom pommerschen Herzog Kasimir I. gestiftet und mit Regularkanonikern aus dem prämonstratensischen TrinitatisstiftAlfons Zák: Das Prämonstratenserstift S. Trinitatis in Lund Sueviae. In: Analecta Praemonstratensia, 6, 1930, S. 373 f. im damals dänischen Lund besetzt.Jürgen Petersohn: Der südliche Ostseeraum im kirchlich-politischen Kräftespiel des Reichs, Polens und Dänemarks vom 10. bis 13. Jahrhundert. Mission, Kirchenorganisation, Kultpolitik. Böhlau-Verlag, Köln / Weimar / Wien 1979 (Ostmitteleuropa in Vergangenheit und Gegenwart, Band 17), S. 445–447; Ambrosius Schneider: Kolonisation und Mission im Osten. In: Ders., Adam Wienand, Wolfgang Bickel, Ernst Coester (Hrsg.): Die Cistercienser. Geschichte, Geist, Kunst. 3., erweiterte Auflage. Wienand-Verlag, Köln 1986, S. 77–105, hier S. 81 [zuerst 1974]. Werner Buchholz (Hrsg.): Pommern. 2. Auflage. Siedler-Verlag, Berlin 2002, S. 42 (Deutsche Geschichte im Osten Europas, Band 9). Der Herzog überschrieb dem Stift elf Dörfer, von denen jedoch zehn wüst lagen und nur Gunbin (Gummin) noch bewohnt war, und gab ihm die Hälfte des Fischwehrs in der Rega und des Sees Niflose (Lievelose oder der Eiersberger See) mit dem zugehörigen Fischerdorf; außerdem sollte die Kirche in Treptow dem Stift inkorporiert werden, sobald der dortige Priester ausscheide.Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1, 2. Auflage (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Reihe 2, Band 1). Böhlau Verlag, Köln/Wien 1970, Nr. 84; vgl. Martin Wehrmann: Geschichte von Land und Stadt Greifenberg. Greifenberg 1927, S. 18 (Nachdruck: Hamburg 1988, ISBN 3-926033-01-0). – Veralteter Druck der Urkunde bei Fridrich von Dreger: Codex Diplomaticus. Oder Uhrkunden, So die Pommersch- Rügianisch- und Caminische auch andere benachbarte Lande angehen. Aus lauter Originalien oder doch Archivischen Abschriften in Chronologischer Ordnung. Band 1: bis Anno 1269 incl. Stettin 1748, S. 10–11; . Die Klosterkirche wurde bereits 1181 vollendet und der Altar eingesenkt.

Das neue Kloster wurde allerdings von seinem Gründungskonvent schon um 1185 wieder aufgegeben,Bengt Büttner: Die Pfarreien der Insel Rügen. Böhlau-Verlag, Köln / Weimar / Wien 2007 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V, Band 42), ISBN 978-3-412-00706-5, S. 43 f. wobei ein über St. Trinitatis in Lund nach Belbuck gelangtes Kalendarium zusammen mit anderen Handschriften an das Zisterzienserkloster Kolbatz gelangte.Jürgen Petersohn: Das Kalendarium in der Handschrift der Kolbatzer Annalen. In: Ders.: Forschungen und Quellen zur pommerschen Kultgeschichte vornehmlich des 12. Jahrhunderts. Böhlau-Verlag, Köln / Wien 1972, S. 52–61 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V, Heft 18).

Im Jahr 1208 wurde das Stift Belbuck am gleichen Ort von den pommerschen Herzögen Bogislaw II. und Kasimir II., insbesondere auf Betreiben ihrer frommen Mutter Anastasia, der Witwe Bogislaws I., wiederbelebt und erhielt, nachdem die verbliebenen frühen Klosterbauten mit Wehrmauern, Wällen und Gräben umgeben worden waren, den Namen castrum sancti Petri. Reste der Architektur waren noch im 19. Jahrhundert zu sehen.Marian Rebkowski: Kolbacz (Kolbatz) and Bialoboki (Belbuck). Archaeology of two 12th century monasteries in Pomerania. In: Felix Biermann, Oliver Auge, Christopher Herrmann (Hrsg.): Glaube, Macht und Pracht. Geistliche Gemeinschaften des Ostseeraums im Zeitalter der Backsteingotik (Archäologie und Geschichte im Ostseeraum, Band 6). Leidorf-Verlag, Rahden (Westf.) 2009, ISBN 978-3-89646-466-8, S. 125–140. Besetzt wurde es diesmal mit Prämonstratensern aus dem Stift Mariëngaarde bei Hallum in Friesland. Laut der herzoglichen Schenkungsurkunde von 1208 waren zu diesem Zeitpunkt von den elf zuvor geschenkten Dörfern noch immer zehn unbewirtschaftet; zusätzlich wurde nun ein zwölftes, ebenfalls wüstes Dorf geschenkt.Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Reihe 2, Band 1). Böhlau Verlag, Köln / Wien 1970, Nr. 146. – Veralteter Druck der Urkunde bei Fridrich von Dreger: Codex Diplomaticus. Oder Uhrkunden, So die Pommersch- Rügianisch- und Caminische auch andere benachbarte Lande angehen. Aus lauter Originalien oder doch Archivischen Abschriften in Chronologischer Ordnung. Band 1: bis Anno 1269 incl. Stettin 1748, S. 75–76; .

+ Im Zeitraum 1170–80/1208 dem Kloster Belbuck überlassene Dörfer Ortsname 1170–80/1177Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Reihe 2, Band 1). Böhlau Verlag, Köln / Wien 1970, Nr. 84. Ortsname 1208Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Reihe 2, Band 1). Böhlau Verlag, Köln / Wien 1970, Nr. 146. Neuzeitlicher Ortsname Zustand 1170–1180 und 1208 Anmerkungen Gunbin Gummin Gummin bewohnt Wistrouece Wistroweze Wustrow wüst Mirolauece Miroslawece ? wüst nicht näher bestimmbar Wischou Wiscou Wischow wüst Karcene Karzene ? wüst möglicherweise KarnitzLudwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 2. Stettin 1784, S. 407, Nr. 4; .Martin Wehrmann: Geschichte von Land und Stadt Greifenberg. Greifenberg 1927, S. 17–18 (Nachdruck: Hamburg 1988, ISBN 3-926033-01-0). (früher Carnitz) Darsuue Darsuue Darsow wüst Brosamuste Brosamuste nicht näher bestimmbarNach Meinung von Albert Ulrich: Chronik des Kreises Greifenberg in Hinterpommern. 1990, S. 284–287, handelt es sich um „Broitz“. wüst Drosdowe Drosdoue Drosedow wüst Kynowe oder ChinoweMartin Wehrmann: Geschichte von Land und Stadt Greifenberg. Greifenberg 1927 (Nachdruck: Hamburg 1988, ISBN 3-926033-01-0), S. 17–18. Kynowe Kienow wüst Harchouue Jarchowe Jarchow wüst - Latin ? 1208 wüst nicht näher bestimmbar Strigotine Strigotine Streckenthin wüst

Siedler aus Friesland wurden geworben und sorgten für den Aufbau einer Gemeinschaft. In der Umgebung des Klosters entstanden insgesamt 16 Kirchen, 32 Dörfer und 2 Nonnenklöster.

Dies wurde vor allem durch die Gunst der pommerschen Herzöge möglich: 1214 erhielt das Kloster von Herzog Bogislaw II. das Dorf Cossalitz am Gollenberg als Schenkung, das 1266 Stadtrecht erhielt und unter dem Namen Köslin bekannt wurde; außerdem erließ der Herzog den Siedlern aus Friesland alle Dienste und Abgaben. Ein beachtlicher Gebietszuwachs trat ein, als die Herzogswitwe Anastasia am 7. Juli 1224 dem Kloster aus ihrem Leibgedinge 26 Dörfer und andere Nutzungen schenkte, mit der Auflage, das unter der Leitung des Abtes im gleichen Jahr in Treptow gegründete Nonnenkloster ausreichend auszustatten. Als Dörfer werden genannt: Prust, Dargislaff, Glansee, Zimdarse, Lewetzow sowie die wüst liegenden Dörfer Glowazo, Betzin (Betsin) und Pogerelitz. Ferner gehören dazu: Triebs, Topatel (Upatel?), Schwedt, Baldekow, Gervin, Jarchow, Scrilove (wüst), Darsow, Suckow, Molstow, Behlkow, Klätkow, Wefelow, Borntin, Görke, Woedtke, Zapplin, Gumtow, Zedlin und Bilowe (wüst) sowie weiter Dörfer im Lande Kolberg, im Lande Pyritz und im Lande Stargard.Schulz-Vanselow (1979), S. 8–10.

Das Nonnenkloster, dessen Standort früher südlich der Wischower Kirche lag, trug den Namen Marienbusch, rubus sanctae Mariae ( bedeutet Brombeerstaude), und wurde zwischen 1235 und 1240 von Stiftsdamen aus dem Mariëngaarder Tochterstift Bethlehem bezogen. An der Stelle befand sich wegen der dort am Hang der Rega entspringenden zahlreichen Quellen lange Zeit ein Wallfahrtsort, an dem sich Gehbehinderte Heilung erhofften.