mini|hochkant=1.2|Gründach des Rathauses von Chicago mini|hochkant=1.2|Ein extensiv begrüntes Parkhausdach mini|hochkant=1.2|Das Gründach bedeckt das Steinhaus des Hotels Rogner Bad Blumau von Friedensreich Hundertwasser wie ein Erdhaus mini|hochkant=1.2|Bodentiefe Gründächer werden als Teil der Landschaft wahrgenommen
Dachbegrünungen wie Gründächer und Dachgärten sind eine Form der Bauwerksbegrünung. Dachbegrünung bezeichnet sowohl den Vorgang des Bepflanzens von Dächern als auch die Gesamtheit von Pflanzen, Substrat und notwendiger Unterkonstruktion.
Sie ist ein möglicher Bestandteil ökologischen Bauens. In der Ökologie gelten Dachbegrünungen als Siedlungsbiotop, das insbesondere lokalklimatisch und in Bezug auf die Regenwasser-Bewirtschaftung eine Rolle spielt. Vorwiegend nach Art des Bewuchses werden extensive (Dünnschichtaufbau mit Substrat, trockenheitsverträgliche Vegetation) und intensive (vollwertiger Bodenaufbau bis hin zu Baumbepflanzung möglich) Dachbegrünungen unterschieden.
Dachbegrünung auf Flachdächern und Dächern mit geringer Neigung lassen sich mit wenig Aufwand installieren. Auch Sattel- und andere Steildächer können begrünt werden, indem das Pflanzsubstrat wie bei großflächiger Fassadenbegrünung durch Kammern, Taschen, Lamellen oder speziellen Geotextilien fixiert wird.
In Deutschland werden Dachbegrünungen teilweise öffentlich gefördert. Dies kann durch Direktzuschüsse, Festsetzungen in Bebauungsplänen oder indirekt, durch Splittung der Abwassergebühren geschehen.
Eine historische Form der Dachbegrünung ist das Grassodenhaus.
Der Bundesverband GebäudeGrün gibt 2026 die Kosten für eine extensive Dachbegrünung mit 30 bis 60 €/m2 und für eine intensive Dachbegrünung mit 80 €/m2 an.Kosten für eine extensive Dachbegrünung. Abgerufen im Februar 2026. In: gebaeudegruen.info
Vor- und Nachteile
Vorteile: Schutz der Dachabdichtung vor Wind, Regen, Temperaturschwankungen und UV-Strahlung. Die Lebenserwartung der Dachabdichtung, die bei ungeschützten Bitumendachbahnen rund 20 Jahre beträgt, kann sich durch die Dachbegrünung vervielfachen.Das Gründach, Folge des Podcasts GVH GrundGedanken, Grundeigentümerverband Hamburg, 26. April 2022. Verbesserung des Gebäude- und Raumklimas. Im Winter verbessern Substratauflage und Bewuchs den Dämmwert des Dachaufbaus. Im Sommer hat die Dachbegrünung einen kühlenden Effekt für die darunterliegenden Räume ebenso wie für das lokale Mikroklima. Zum einen bremsen Wärmespeicherkapazität und Dämmwert der Substratschicht den Wärmedurchgang ins Gebäudeinnere. Zum anderen kühlt das Substrat durch die Verdunstung des gespeicherten Regenwassers die darunterliegenden Räume sowie die darüberstehende Luftschicht. Durch die Dämmwirkung der Dachbegrünungsschicht kühlen die darunterliegenden Räume im Winter weniger aus. Verbesserung des Stadtklimas. Dachbegrünungen können CO2, Staub und Schadstoffe aus der Luft filtern. Durch die Verdunstungskälte des feuchten Substrats und die Verschattungswirkung des Bewuchses wirkt ein Gründach der Aufheizung der Stadt durch Bildung von Wärmeinseln über versiegelten Flächen entgegen. Wasserrückhaltung. Da ein begrüntes Dach Wasser speichert und oft mehr als die Hälfte des jährlichen Niederschlags wieder verdunstet, werden Siedlungsentwässerung, Vorfluter und Kläranlagen entlastet. Durch die Pufferwirkung des wasserspeichernden Substrats läuft das Überschusswasser auch bei Starkregen erst mit ca. 15-minütiger Verzögerung ab. Siehe auch: Schwammstadt Ersatzhabitat. Ein Gründach schafft Lebensräume für Pflanzen und Tiere, beispielsweise Vögel und Schmetterlinge. In Berlin wurden auf Gründächern mehr als 50 verschiedene Honig- und Wildbienenarten gezählt. Optische und funktionale Aufwertung des Gebäudes. Das Gründach kann als Dachgarten zur Erholung und zum Anbau von Zier- und Nutzpflanzen dienen. Die Dachbegrünung absorbiert Schall und reduziert den Lärm innerhalb wie außerhalb des Gebäudes. Gründächer wirken sich allgemein positiv auf das Wohlbefinden des Menschen aus. Ein extensive begrüntes Dach kann mit Mauerpfeffer, Fetthennen und anderen trockenheitsresistenten Arten bepflanzt werden, so dass kaum Pflege erforderlich ist. Bei Kombination mit Photovoltaik-Elementen wird durch den kühlenden Effekt der Bepflanzung der Wirkungsgrad der PV-Anlage um bis zu 8 % gesteigert.
Nachteile: Aufwand und Kosten zur Herstellung des Gründachs. Einige Großstädte fördern Gründächer jedoch mit bis zu 50 % der Kosten. Eine intensive Dachbegrünung erfordert eine gewisse Pflege. Intensiv begrünte Dächer benötigen in der Regel eine Bewässerung oder müssen als Wanne zum Speichern des Regenwassers konstruiert werden, um in trockenen Perioden nicht auszutrocknen. Die Auflast auf der Dachkonstruktion erhöht sich bei extensiver Begrünung um mindestens 40 kg/qm, in der Regel aber 80–170 kg/m². Das typische Gewicht von rund 120 kg/m² entspricht dem Gewicht einer Kiesschicht von 5 bis 6 cm Höhe. Eine intensive Dachbegrünung erfordert eine stärkere Substratschicht mit Flächenlasten ab etwa 300 kg/m². Gewichtsangaben für den wassergesättigten Zustand mit Vegetation. Schneelast und gegebenenfalls Verkehrslast kommen hinzu.Planungshinweise, Abschnitt Statik, Bundesverband Gebäudegrün e.V. Abgerufen im Februar 2026. In: gebaeudegruen.info
Unter Umständen ist zusätzlich eine Drainageschicht erforderlich.
Stadtklimatische Wirkung von Gründächern mini|hochkant=1.2|Gründächer des Ökohauses Arche in Frankfurt am Main
In Stadtgebieten liegt die Lufttemperatur höher als im nicht bebauten Umland. Die Ursachen sind vielfältig: Verkehr, Industrie, Gewerbe und private Gebäude emittieren Wärme, die aufgrund höherer atmosphärischer Gegenstrahlung durch den erhöhten Aerosolgehalt in der Stadtluft weniger stark abgestrahlt wird. Auf versiegelten Flächen wird weniger Wasser verdunstet als auf Grünflächen. Dadurch entsteht auch weniger Verdunstungskälte, welche die Umgebung kühlt. Die Bebauung sowie versiegelte Straßen- und Wegeflächen haben eine hohe Wärmekapazität und geben tagsüber gespeicherte Wärme in der Nacht an die Umgebung ab. Bei Strahlungswetterlagen können die Temperaturen in der Stadt in den Abend- und Nachtstunden um bis zu 10 °C höher liegen. Siehe städtische Wärmeinsel Dichte Bebauung behindert den Luftaustausch zwischen der Stadt und den umgebenden Flächen (über Kaltluftschneisen) sowie mit der Atmosphäre.
Dachflächen spielen auf Grund ihres hohen Anteils an der Stadtfläche bei der Ausprägung dieser Temperaturunterschiede eine wesentliche Rolle. Durch Begrünung der Dachflächen können in der näheren Umgebung die Lufttemperatur, die Luftfeuchtigkeit und die Strahlungsverhältnisse beeinflusst werden, wie in unterschiedlichen Messungen nachgewiesen worden ist.K. Höschele, H. Schmidt: Klimatische Wirkung einer Dachbegrünung. In: Garten und Landschaft, Heft Nr. 6, S. 334–337, 1974.
Die Wirksamkeit von Dachbegrünungen in Bezug auf die Abschwächung der Wärmeinsel ist dabei nicht universell für alle begrünten Dächer gleich, da sie von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. Diese Faktoren beinhalten die gegebenen klimatischen Bedingungen, die Transpiration der Vegetation, die Blattdichte und Art der verwendeten Vegetation, die Sonnenreflexion sowie die Verdunstung aus dem Wachstumsmedium.
In den Sommermonaten wird die kurzwellige Einstrahlung an der Gebäudeoberfläche reduziert, da die Pflanzen einen Großteil der Strahlung absorbieren oder reflektieren. Als weiterer Effekt kommt die Abkühlung durch Wasserdunstung an den Blattoberflächen mit der dabei entstehenden Verdunstungskälte hinzu.M. Köhler, M. Schmidt: Hof-, Fassaden- und Dachbegrünung – zentraler Baustein der Stadtökologie. 12-jährige Erfahrungen mit einer Begrünungsutopie. Landschaftsentwicklung und Umweltforschung, Schriftenreihe im Fachbereich Umwelt und Gesellschaft Nr. 105, TU Berlin 1997. Die Intensität der Verdunstung hängt dabei unter anderem von der Blattdichte ab. Als Maß für die Blattdichte wird in einigen Studien der LAI (Leaf Area Index) herangezogen, welcher den gesamten einseitigen Flächenanteil des photosynthetischen Gewebes pro Flächeneinheit des Bodens darstellt und damit die Menge der Blätter beschreibt. Der Wert des LAI ist von der Vegetationsart abhängig und liegt bei Gründächern üblicherweise bei 1. Eine in den Subtropen durchgeführte Studie fand heraus, dass eine Erhöhung des LAI mit einer Senkung der Wärmeabgabe einhergeht. In jedem Fall ist sie dabei jedoch niedriger als die Wärmeabgabe des unbegrünten Referenzdachs.
Messungen zeigten Temperaturunterschiede von 10 °C an der Oberfläche von begrünten gegenüber unbegrünten Dächern in den Mittagsstunden der Sommermonate auf. Diese Effekte sind bei der intensiven Dachbegrünung größer als bei der extensiven Dachbegrünung, da die größere Pflanzenmasse mehr Oberfläche schafft und das größere Bodenvolumen einen höheren Wasservorrat bereitstellen kann.
Gründächer können insbesondere den Tagesgang ausgleichen, vor allem die hohe Aufheizung in der Tagesmitte des Sommers abmildern. Bei langfristigen Ergebnisauswertungen „verschwimmt“ dieser Effekt, so dass beispielsweise die Berechnungen des Jahresmittels nur geringe Temperaturunterschiede von wenigen Grad zwischen begrünten und unbegrünten Dächern ausweisen. Zur Minderung der Aufheizung im Sommer tragen auch Fassadenbegrünungen durch die Verschattung und die erhöhte Verdunstungskälte bei.
Eine Studie in Bonn ergab, dass die Kombination aus einer Dachbegrünung mit einem 20-prozentigen Dachflächenanteil und einem Flächenentsiegelungsgrad auf dem Boden von 10 %, die aus der Nachverdichtung resultierende Klimawirkung neutralisieren kann. Dies äußerte sich in einer Reduktion der Lufttemperatur. Im Bereich des Fußgänger-Niveaus dagegen (2 m über dem Boden), konnten signifikante Veränderungen an der Lufttemperatur nur mit einem Begrünungsanteil der Dachfläche von 100 % in Kombination mit einer für Dachbegrünung unrealistischen Albedo von 80 % erreicht werden.
Eine in Hongkong durchgeführte Studie fand heraus, dass es drei Hauptfaktoren gibt, die einen maßgeblichen Einfluss auf die thermische Effizienz von Dachbegrünungen haben: Albedo: Begrünte Dächer speichern durch ihre vergleichsweise höhere Albedo weniger Wärme. Wärmeübertragung zwischen Gründach und Luft: Diese geht mit der Evapotranspiration einher und kann daher durch stärkeren Wind schneller beseitigt werden Feuchtigkeit im Substrat: Ein hoher Feuchtigkeitsgehalt mindert die Wärmespeicherfähigkeit. Eine in Taiwan durchgeführte Studie zeigte, dass die größte Senkung der Oberflächentemperatur des begrünten Dachs in einem heiß-trockenen Klima zur Mittagszeit erzielt wird. Je höher die Umgebungstemperatur, desto wirksamer die kühlende Wirkung des Gründachs.
Bauliche Ausführung mini|hochkant=1.2|Gründach – Haus in Polen
Eine wesentliche Voraussetzung für die Dachbegrünung ist die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion. Bei Neubauten kann die Belastung bereits beim Entwurf berücksichtigt werden. Warmdächer sind einschalige Konstruktionen ohne Hinterlüftung mit oder ohne Wärmedämmung. Sie sind oft für eine nachträgliche Dachbegrünung geeignet. Kaltdächer sind zweischalige, hinterlüftete Konstruktionen, deren hohl liegende Außenhaut im Bestand teilweise nur geringe Tragfähigkeitreserven hat und dann ohne Ertüchtigung nur für eine extensive Dachbegrünung geeignet ist. Wärmegedämmte Umkehr- bzw. Duo- oder Plus-Dächer mit oberhalb der Abdichtung liegender Wärmedämmung sind sowohl für extensiv als auch für intensiv begrünte Umkehrdächer geeignet. Zur schnelleren Ableitung von Niederschlagswasser sollten evtl. zusätzliche Drainschichten vorgesehen werden.
mini|hochkant=1.2|Schnittzeichnung Dachbegrünung