Chiba (veraltet auch Tschiba; jap. ) ist eine der Präfekturen Japans. Sie liegt in der Region Kantō am Südostrand der Insel Honshū. Präfekturhauptstadt von Chiba ist die gleichnamige Stadt Chiba. Beide sind nach dem inzwischen aufgelösten gleichnamigen Landkreis Chiba und der dort im Mittelalter herrschenden Adelsfamilie Chiba benannt.
Geographie Sie grenzt im Norden an die Präfektur Ibaraki und im Westen an die Präfekturen Tokio und Saitama. Die Präfektur erstreckt sich größtenteils über die Bōsō-Halbinsel mit dem Bōsō-Hügelland (), dessen höchste Erhebung der 402 m hohe Atago-yama ist; das ist der niedrigste höchste Punkt unter allen 47 Präfekturen. Der nördliche Teil der Präfektur wird größtenteils durch das Shimousa-Plateau () gebildet, während sich im Nordosten der Präfektur die fruchtbare Kujūkuri-Ebene () erstreckt.
Die Präfektur Chiba ist für Touristen vor allem deshalb bekannt, weil sich hier, bei Narita, der internationale Flughafen von Tokio befindet und auch das Tokyo Disneyland auf der Gemarkung von Urayasu.
Geschichte Die Präfektur Chiba umfasst weitgehend die Ritsuryō-Provinzen Awa, Kazusa und Shimousa und entstand, nach mehreren Verwaltungsreformen, am 15. Juni 1873 aus den davor gebildeten Präfekturen Kisarazu und Imba. Nahezu ihre heutigen Grenzen erreichte sie 1875, als die Landkreise Katori, Sōsa und KaijōPräfekturverwaltung Chiba: mit Zeittafel zur Präfekturgeschichte von Chiba, abgerufen am 21. August 2021. von Niihari, das sonst nach Ibaraki eingegliedert wurde, im Nordosten Teil von Chiba wurden und gleichzeitig mehrere Landkreise von Chiba im Nordwesten an Ibaraki und ein kleines Gebiet an Saitama übertragen wurden.
Der Name Chiba bedeutet auf Deutsch Tausend Blätter und war der Name der Herrscherfamilie Chiba im zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert. Deren Residenz Chiba () lag in Chiba, einem Landkreis der Provinz Shimousa unter dem aus der Antike stammenden Ritsuryō-System.
In Chiba befindet sich der Tempel Shinsho-ji, ein weitläufiger Komplex aus dem 10. Jahrhundert, der der buddhistischen Shingon-shū gehört, die für ihre strikte Askese bekannt ist.
Wirtschaft
Industrie Die Präfektur Chiba beherbergt eines der größten Industriegebiete Japans. Vor dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich die Industrie in der Präfektur auf die Brauereiindustrie, insbesondere auf die Herstellung von Sojasauce, Sake und Mirin, dem süßen Kochsake. Nach dem Krieg expandierte das verarbeitende Gewerbe stark. Die Präfektur wurde 1950 als Standort für eine große Fabrik von Kawasaki Steel ausgewählt. Zur gleichen Zeit begann die Präfekturregierung mit einem groß angelegten Landgewinnungsprogramm, um große Grundstücke am Wasser auszubaggern. Der groß angelegte Bau von Fabriken, Lagerhäusern und Docks auf diesem zurückgewonnenen Land rund um die Bucht von Tokio bildete schließlich die Keiyō-Industriezone. Die Präfektur Chiba steht heute in Bezug auf die Industrieproduktion an sechster Stelle in Japan, wobei sich der Großteil der Industrie auf die Erdöl-, Chemie-, Stahl- und Maschinenindustrie konzentriert. Zusammen machen diese Industrien fünfundvierzig Prozent der Exporte der Präfektur aus. In den letzten Jahren hat die Regierung mehr als achtzig Industrieparks finanziert, um die Entwicklung auch im Landesinneren voranzutreiben.
Landwirtschaft Die Präfektur weist auch die zweithöchste landwirtschaftliche Produktion Japans auf. Von allen Präfekturen erzeugt nur Hokkaidō mehr landwirtschaftliche Produkte, und Chiba führt Hokkaidō bei der Gemüseproduktion an. Erdnüsse gelten als Spezialität von Chiba: 78 Prozent der Erdnüsse des Landes werden in der Präfektur erzeugt.
Die Präfektur Chiba ist landesweit führend in der Produktion verschiedener Gemüsesorten, darunter Karotten, Kohl, Daikon-Rettich, Negi, die allgegenwärtige japanische Sorte der walisischen Zwiebel, Loquat, Nashi, die japanische Sorte der Birne, die seit zweihundert Jahren in der Präfektur angebaut wird, Tomaten und Spinat. Sie ist landesweit der zweitgrößte Produzent von Mais. Auch Reis wird angebaut, und Algen, insbesondere Nori, werden in großen Mengen in der Bucht von Tokio geerntet.
Politik mini|links|Das Parlamentsgebäude im Gebäudekomplex der Präfekturverwaltung im Bezirk Mitte der Stadt Chiba
Gouverneur von Chiba ist seit 2021 Toshihito Kumagai, vorher Bürgermeister der Stadt Chiba. Bei der Gouverneurswahl 2025 wurde Kumagai mit breiter Unterstützung aus den nicht kommunistischen Parteien und über 85 % der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung sank auf 31,93 %. Im fortan 95-köpfigen Parlament blieb die Liberaldemokratische Partei bei den Wahlen im April 2023 mit 44 Sitzen klar stärkste Partei, die KDP gewann 15 Sitze, die Kōmeitō acht. 20 Sitze gingen an Kandidaten ohne formale Parteinominierung, und die LDP-Fraktion hält mit parteilosen/beitretenden Fraktionsmitgliedern ihre absolute Mehrheit.
Im nationalen Parlament ist Chiba seit 2024 durch 13 direkt gewählte Abgeordnete im Unterhaus vertreten, und ins Oberhaus wählt die Präfektur drei Abgeordnete pro Wahl. Nach der Unterhauswahl 2026 wird Chiba durch (Stand: Juli 2026) zwölf Liberaldemokraten, darunter Präsident Eisuke Mori (fraktionslos), und ex-Premier Yoshihiko Noda (Chūdō) repräsentiert, die Oberhausdelegation Chibas besteht nach den Wahlen 2022 und 2025 und seitherigen Parteiumbildungen aus drei Liberaldemokraten, zwei Konstitutionellen Demokraten und einer DVP-Abgeordneten.
Partnerschaften Chiba unterhält Partnerschaften mit dem Bundesstaat Wisconsin in den USA und dem Bundesstaat Pará in Brasilien.Präfekturverwaltung Chiba: Internationale Partnerschaften der Präfektur Chiba und der Gemeinden in Chiba (japanisch) Seit 2005 bestehen außerdem Austauschbeziehungen mit der Stadt Düsseldorf in Deutschland,Präfekturverwaltung Chiba: die 2019 zum Abschluss einer Partnerschaft führten.Präfekturverwaltung Chiba, 31. Januar 2019: , abgerufen am 25. März 2019.
Verwaltungsgliederung Bei der Einführung der heutigen Gemeindeformen 1889 wurde Chiba in 358 Gemeinden eingeteilt, davon 316 Dörfer. Erst 1921 wurde mit der Erhebung der Stadt Chiba (Chiba-machi) aus dem Kreis Chiba (Chiba-gun) zur Chiba-shi die erste Stadt kreisfrei. Die Zahl der Gemeinden sank in fast 100 Jahren von 349 (1920), über 310 (1950) und 111 (1955) auf derzeit 54 (seit 2010 nach Abschluss der Großen Heisei-Gebietsreform). 37 kreisfreie (-shi) und 16 kreisangehörige Städte (-machi) sowie ein Dorf (-mura) sind seit 2013 noch übrig. Die Zahl der Landkreise (-gun) sank seit 1889 bis heute von 21 auf sechs.
In nachstehender Tabelle sind die Landkreise kursiv dargestellt, darunter jeweils (eingerückt) die Gemeinden innerhalb dieser. Die ersten beiden Ziffern des Gebietskörperschaftscodes sind wie überall der Präfekturschlüssel von Chiba, die dritte Stelle gibt wie überall die Gebietskörperschaftsart an. Die sechs Landkreise sind zwar seit den 1920er Jahren keine Verwaltungseinheiten mehr, werden aber zur geographischen Einteilung weiterhin genutzt; ihnen wurden daher runde (durch 20 teilbare) Schlüssel zugeordnet, die kreisangehörigen Gemeinden erhielten fortlaufend sich anschließende Schlüssel; durch Fusionen/Eingemeindungen/Aufwertungen zu -shi sind inzwischen aber vielerorts Lücken entstanden. Am Anfang der Tabelle stehen die kreisfreien Städte. Darunter ist mit der Hauptstadt Chiba seit 1992 eine „Großstadt per Regierungsverordnung“. Funabashi ist seit 2003 eine „Kernstadt“, Kashiwa folgte im Jahr 2008.
+ Liste der Gemeinden in der Präfektur ChibaCode NameFläche (in km²)Bevölkerung Bevölkerungsdichte (Ew./km²) lat. (Hepburn) jap. 1. Oktober 2015Ergebnisse der Volkszählung 2015 nach e-stat (englisch), abgerufen am 1. April 2019 1. Oktober 2015 12100 Chiba-shi 971.8823576,1 12202Chōshi-shi 64.415765,0 12203Ichikawa-shi 481.7328385,2 12204Funabashi-shi 622.8907275,1 12205Tateyama-shi 47.464431,3 12206Kisarazu-shi 134.141965,4 12207Matsudo-shi 483.4807876,8 12208Noda-shi 153.5831483,2 12210Mobara-shi 89.688897,6 12211Narita-shi 131.190613,5 12212Sakura-shi 172.7391665,9 12213Tōgane-shi 60.652680,6 12215Asahi-shi 66.586510,4 12216Narashino-shi 167.9098007,1 12217Kashiwa-shi 413.9543607,8 12218Katsuura-shi 19.248204,9 12219Ichihara-shi 274.656746,0 12220Nagareyama-shi 174.3734937,0 12221Yachiyo-shi 193.1523758,6 12222Abiko-shi 131.6063050,0 12223Kamogawa-shi 33.932177,5 12224Kamagaya-shi 108.9175166,8 12225Kimitsu-shi 86.033269,9 12226Futtsu-shi 45.601221,9 12227Urayasu-shi 164.0249481,2 12228Yotsukaidō-shi 89.2452585,3 12229Sodegaura-shi 60.952642,1 12230Yachimata-shi 70.734943,9 12231Inzai-shi 92.670748,6 12232Shiroi-shi 61.6741738,3 12233Tomisato-shi 49.636921,2 12234 Minami-Bōsō-shi 39.033169,6 12235Sōsa-shi 37.261367,0 12236Katori-shi 77.499295,4 12237Sammu-shi 52.222355,8 12238Isumi-shi 38.594245,0 12239 Ōami-Shirasato-shi 49.184846,8 12320Inba-gun 42.183818,8 12322 Shisui-machi 20.9551102,3 12329 Sakae-machi 21.228653,0 12340Katori-gun 35.009252,0 12342 Kōzaki-machi 6133308,2 12347 Tako-machi 14.724202,3 12349 Tōnoshō-machi 14.152306,0 12400Sanbu-gun 47.703354,1 12403 Kujūkuri-machi 16.510675,0 12409 Shibayama-machi 7431171,9 12410 Yokoshiba-Hikari-machi 23.762354,6 12420Chōsei-gun 60.040264,5 12421 Ichinomiya-machi 11.767512,3 12422 Mutsuzawa-machi 7222202,9 12423 Chōsei-mura 14.359507,6 12424 Shirako-machi 11.149405,4 12426 Nagara-machi 7337155,7 12427 Chonan-machi 8206125,3 12440Isumi-gun 17.158110,9 12441 Ōtaki-machi 984375,8 12443 Onjuku-machi 7315294,4 12460Awa-gun 8022177,5 12463 Kyonan-machi 8022177,5 Shi-bu („Anteil der kreisfreien Städte“) 6.012.5511364,8 Gun-bu („Anteil der Landkreise“) 210.115279,4 12000(JP-12) Chiba-ken 6.222.666 1206,5
Größte Orte + Ehemalige und bestehende Städte (-shi)Volkszählungsergebnisse am 1. OktoberVZ-Jahre-Stat Datenbank, abgerufen am 1. April 2019 (englisch)Einwohner2015201020052000Chiba971.882961.749924.319887.164Funabashi622.890609.040569.835550.074Matsudo483.480484.457472.579464.841Ichikawa481.732473.919466.608448.642Kashiwa413.954404.012380.963327.851Ichihara274.656280.416280.255278.218Yachiyo193.152189.781180.729168.848Nagareyama174.373163.984152.641150.527Sakura172.739172.183171.246170.934Narashino167.909164.530158.785154.036Urayasu164.024164.877155.290132.984Noda153.583155.491151.240119.922Kisarazu134.141129.312122.234122.768Abiko131.606134.017131.205127.733Narita131.190128.933100.71795.704Kamagaya108.917107.853102.812102.573Inzai92.67088.17660.06060.468Mobara89.68893.01593.26093.779Yotsukaidō89.24586.72684.77082.552Kimitsu86.03389.16890.97792.076Katori77.49982.866 – –Yachimata70.73473.21275.73572.595Asahi66.58669.05870.64340.963Chōshi64.41570.21075.02078.697Shiroi61.67460.34553.005 –Sodegaura60.95260.35559.10858.593Tōgane60.65261.75161.70159.605Sanmu52.22256.089 – –Tomisato49.63651.08751.370 –Ōamishirasato49.184 – – –Tateyama47.46449.29050.52751.412Futtsu45.60148.07350.16252.839Minamibōsō39.03342.104 – –Isumi38.59440.962 – –Sōsa37.26139.814 – –Kamogawa33.93235.76636.47529.981Katsuura19.24820.78822.19823.235Sawara – – 45.96548.328Yokaichiba – – 32.06732.807 1. April 2001 – Die Kleinstadt Shiroi wird zur kreisfreien Stadt erhoben. 1. April 2002 – Die Kleinstadt Tomisato wird zur kreisfreien Stadt erhoben. 5. Dezember 2005 – Die Kleinstadt Isumi gliedert zwei Gemeinden ein und wird kreisfreie Stadt. 23. Januar 2006 – Die Stadt Yōkaichiba gliedert eine Gemeinde ein und zur kreisfreien Stadt Sōsa. 20. März 2006 – Sieben Gemeinden fusionieren zur kreisfreien Stadt Minamibōsō. 27. März 2006 – Die kreisfreie Stadt Sawara bildet mit drei Gemeinden die neue (kreisfreie) Stadt Katori. 27. März 2006 – Vier Gemeinden fusionieren zur neuen kreisfreien Stadt Sanmu. 27. März 2006 – Zwei Gemeinden fusionieren zur neuen kreisfreien Stadt Yokoshibahikari. 1. Januar 2013 – Die Kleinstadt Ōamishirasato erhält den Status einer kreisfreien Stadt.
Bevölkerungsentwicklung der Präfektur