mini|Lage des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe mini|Logo des Biosphärenreservats Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg ist ein Biosphärenreservat im Bundesland Brandenburg und Teil des länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe.
Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg befindet sich im Landkreis Prignitz. Es erstreckt sich über rund 70 Elbkilometer entlang des östlichen Ufers der Elbe zwischen Quitzöbel im Südosten und dem mecklenburgischen Dömitz im Nordwesten. Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg ist 533,3 km² groß.
Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg ist Teil eines weltweiten Netzes von 669 Biosphärenreservaten, die entsprechend den Zielen des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) historisch gewachsene Kulturlandschaften beispielhaft schützen und nachhaltig entwickeln. mini|Vom Elbewasser umströmte Weide im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg Jan Schormann ist der Leiter des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg.mini|Die Elbe bei Hochwasser im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe
Entstehung des Biosphärenreservates Länderübergreifendes UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Das länderübergreifende UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe existiert seit 1997 durch die Anerkennung der UNESCO. Es erstreckt sich über rund 400 Stromkilometer auf einer Fläche von 282.250,1 ha mit Teilgebieten in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Es ist das größte binnenländische UNESCO-Biosphärenreservat in Deutschland.
Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg Das Teilgebiet des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg wurde 1999 durch die „Erklärung zum Biosphärenreservat 'Flusslandschaft Elbe – Brandenburg'“ nach Landesrecht rechtskräftig.
Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg ist aus einem Naturpark hervorgegangen, der 1990 durch einen Beschluss des Schweriner Bezirkstag gegründet wurde und ab 1992 (Länderneubildung) Naturpark Brandenburgische Elbtalaue hieß.
Natur und Landschaft Die Elbe ist mit 1.094 Kilometern der drittgrößte Strom Deutschlands. Das länderübergreifende UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe repräsentiert die wesentlichen Teile der glazial geprägten Stromlandschaft der Elbe im Übergangsbereich zwischen subatlantischem und subkontinentalem Klimaeinfluss. Im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg verläuft die Grenze zwischen oberer und unterer Mittelelbe. Die Grenze liegt in Höhe der Ortschaft Gnevsdorf. Dort mündet die Havel, der zweitgrößte Nebenfluss der Elbe auf deutschem Gebiet, in die Elbe. Weitere Nebenflüsse der Elbe im Gebiet des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe-Brandenburg sind die Kathane, die Löcknitz und die Stepnitz.
Bis zur Wiedervereinigung verlief ein Teilabschnitt der innerdeutschen Grenze entlang der Elbe. Die Sperrzone war ein Rückzugsgebiet für viele seltene Tier- und Pflanzenarten und die Auen blieben hier weitestgehend unzerstört. Heute zählt die Elbe zu den letzten wenig verbauten und relativ naturnahen Strömen Mitteleuropas. Der Siedlungsdruck des Menschen ist hier gering. Typische Fluss- und Auenstrukturen mit naturnahen Lebensräumen, eingebettet in eine abwechslungsreiche jahrhundertealte von Auengründland geprägte Kulturlandschaft mit gut erhaltenen Siedlungsstrukturen ergeben eine große Lebensraumvielfalt. Diese umfangreiche biologische Vielfalt auf vergleichsweise engem Raum ist kennzeichnend für die Elblandschaft. Die Elbtalniederung besteht aus einem Mosaik verschiedener Lebensräume, von nass bis sehr trocken. Dazu gehören der Elbestrom und seine Nebenflüsse, Altarme und -wasser, Auwälder, Bracks, Qualmwasser, Flutrinnen, Auengrünland und Binnendünen.
Pflanzengesellschaften Das Biosphärenreservat liegt in der Übergangszone zwischen der atlantischen und kontinentalen Klimazone. Durch die mikroklimatische Sonderstellung entlang des Stromes können sich manche Arten weiter in ansonsten schon weniger geeignetem Umfeld ausbreiten. Einige Arten mit Verbreitungsschwerpunkt im atlantisch geprägten Westen Deutschlands wie die Stechpalme, der Königs-Farn und die Glockenheide sind hier noch anzutreffen.
Die früher die Elbauen prägenden Auwälder sind durch menschliche Einflüsse großflächig verschwunden. Besonders Hartholzauwälder sind nur noch vereinzelt und kleinflächig zu finden. Auch Weichholzauwälder sind so selten geworden, dass die Europäische Union diesen Lebensraumtyp in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) als prioritär zu schützen eingestuft hat.
Der prägende Biotoptyp der heutigen Auenlandschaft ist das wechselfeuchte Auengrünland. Gut ausgebildete Stromtalwiesengesellschaften z. B. mit Brenndolde oder Silge finden sich aber nur noch auf wenigen Flächen mit Schwerpunkt in der unteren Karthaneniederung. Das wasserdurchlässige Sandbett der Elbe schafft eine Besonderheit am Fluss: Qualmwasser. Bei anhaltenden Hochwasserständen drückt sich Wasser unter den Deichen hindurch und füllt binnendeichs Mulden und Senken. Ein Lebensraum auf Zeit für spezialisierte Arten wie Rotbauchunken und Kiemenfußkrebse.
Jenseits der engeren Stromaue und den Niederungen der Nebenflüsse Löcknitz, Karthane und Stepenitz gibt es auf den Talsandterrassen, die teilweise von Binnendünen durchsetzt sind, ausgedehnte Wälder. Auf den trockenen Sandflächen dominieren zumeist Waldkiefern, während auf den besser wasserversorgten Stieleichen und weitere Laubbaumarten wachsen. In den Niederungen wechseln sich Eichen, Erlen, Eschen und eine Vielzahl weiterer Baumarten ab. Naturnahe Waldgesellschaften finden sich vor allem in der Jackel, in der Silge-Niederung, im Rambower Moor und auf wenigen Standorten im Elbdeichvor- und hinterland.
Eine Besonderheit des Elbtals sind Binnendünen. Die meisten sind heute in der Folge natürlicher Sukzession bewaldet. Offene, vegetationsarme Binnendünen sind daher sehr selten. Zu den imposantesten gehört die bis zu 40 Meter hohe Binnendüne von Klein Schmölen im mecklenburgischen Teil des Biosphärenreservates. Aber auch bei Quitzöbel und Hinzdorf sind die Bewohner dieses extremen Lebensraums, wie der in Deutschland seltene Ameisenlöwe, die Larve der Ameisenjungfer, heimisch.
Als wichtigste Moore sind das Rambower Moor und die Jackel zu nennen. Das Rambower Moor ist ein Moorkomplex aus Durchströmungs-, Verlandungs- und Quellmooren. 2014 wurde es von der Heinz Sielmann Stiftung zum schönsten Naturwunder Deutschlands gewählt. Die Jackel, ein Verlandungsmoor, liegt in der Kernzone des Biosphärenreservats und ist gekennzeichnet durch ausgedehnte Birken- und Erlenbruchwälder.
In der offenen Landschaft des Biosphärenreservates befinden sich zudem viele Baumgruppen und Solitärbäume. Diese prägen zum einen das Landschaftsbild und bieten durch ein Mosaik aus Kleinlebensräumen einer Vielzahl von Arten Lebensmöglichkeiten.
Eine besondere Bedeutung kommt den hier noch vorhandenen autochthonen Schwarzpappel-Beständen zu. Schwarzpappeln neigen sehr stark zur Bastardisierung mit anderen Pappelarten, sind daher sehr selten geworden und gehören zu den vom Aussterben bedrohten Baumarten in Deutschland.
Fauna Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg trägt für den Schutz vieler seltener und bedrohter Tierarten eine große nationale und internationale Verantwortung. Viele dieser Arten haben hohe Lebensraumansprüche und benötigen zusammenhängende und vernetzte Lebensräume.
Wichtige Säugetierarten sind unter anderem Elbebiber und Fischotter. Beide gelten nach der Roten Liste Brandenburgs trotz Bestandserholung noch immer als gefährdet. Für beide Arten trägt Brandenburg eine nationale wie auch internationale Verantwortung. Im Biosphärenreservat gibt es eine hohe Artenvielfalt von Fledermausarten. Viele dieser Fledermausarten gelten nach der Roten Liste Brandenburgs als vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet. Für einige der Arten, wie zum Beispiel die Mopsfledermaus, trägt Brandenburg eine nationale und internationale Verantwortung. Zudem gibt es in den letzten Jahren vermehrt Nachweise des Wolfes, ohne dass es bislang zu einer dauerhaften Ansiedlung im Gebiet gekommen ist.
Die Vogelfauna des Biosphärenreservates ist sehr vielfältig und artenreich. Von den bislang etwa 260 im Gebiet nachgewiesenen Vogelarten sind allein 160 Vogelarten als Brutvögel anzutreffen.
Deutschlandweit sind die Elbauen für den Weißstorch ein bedeutendes Dichtezentrum. Die Anzahl von Brutpaaren pro Hektar hat hier die höchste Dichte von ganz Deutschland. Insgesamt wurden im Jahr 2014 im gesamten Biosphärenreservat 116 Brutpaare erfasst. Auch die größte Weißstorch-Kolonie Deutschlands im Europäischen Storchendorf Rühstädt befindet sich im Biosphärenreservat. Der Ortolan weist im Gebiet und im angrenzenden Hinterland der Prignitz sehr hohe Bestandsdichten auf, wodurch dieser Population eine überregionale Bedeutung zukommt. Weitere Besonderheiten in der Brutvogelfauna sind der Schwarzstorch, verschiedene Wiesenbrüterarten, wie Kiebitz, Rotschenkel, Bekassine und Großer Brachvogel sowie zahlreiche Kleinvogelarten, wie die noch in großer Anzahl anzutreffenden Braunkehlchen, Wiesenschafstelze, Neuntöter und Heidelerche. Selbst Arten der Küste, wie Austernfischer und Brandgans haben sich entlang der Elbe ins norddeutsche Binnenland ausgebreitet und brüten in mehreren Paaren unmittelbar entlang der Elbe. Im Biosphärenreservat finden sich zudem mehrere brütende Großvogelarten, darunter Kranich, Seeadler, Fischadler, Wanderfalke und Rotmilan.
Viele weitere Vogelarten nutzen die vielfältigen Lebensräume des Biosphärenreservates als Rast- und Überwinterungsgebiet. Vor allem zu den Zugzeiten im Herbst und Frühjahr bevölkern große Schwärme von Kiebitzen sowie Gänsen (darunter Graugans, Tundrasaatgans, Blässgans und Weißwangengans) die Wiesen und Felder der Elbtalaue. In den Wintermonaten rasten teils tausende Singschwäne auf den elbnahen Feldern. Für die in Skandinavien brütenden Kornweihen und Raufußbussarde stellen die ausgedehnten Grünlandgebiet der Elbtalaue, insbesondere aber die Lenzer Wische, ein Deutschlandweit bedeutsames Überwinterungsgebiet dar. Vor allem bei Hochwässern der Elbe im Spätwinter und Frühjahr nutzen tausende Enten, darunter Pfeif-, Spieß-, Löffel-, Schnatter- und Krickenten, die flach überstauten Vorlandgebiete der Elbe zur Zwischenrast. Zur Rast im Herbst und Frühjahr versammeln sich alljährlich zwischen 4000 und 7000 Kraniche an verschiedenen Schlafplätzen im Biosphärenreservat, wodurch dem Gebiet für die Art eine internationale Bedeutung zukommt. Ganzjährig sind dagegen Seeadler, vor allem in Elbnähe, regelmäßig anzutreffen.
Amphibien haben in der Regel sehr komplexe Habitatansprüche, da sie verschiedene Teillebensräume besiedeln, zwischen denen z. T. größere Wanderungen stattfinden. Dies setzt eine Vernetzung dieser Biotope voraus. Im Biosphärenreservat leben 14 verschiedene Amphibienarten, von denen 10 Arten in der Roten Liste Brandenburgs und/oder Deutschlands als gefährdet oder höher eingestuft sind. Kammmolch, Kreuzkröte, Laubfrosch, Moorfrosch und Rotbauchunke sind einige dieser Arten.
Wertgebende Fischarten des Biosphärenreservates sind Bitterling, Karausche, Steinbeißer und Schlammpeitzger.
Auch die Wirbellosenfauna ist im Biosphärenreservat relativ artenreich vertreten. Von den insgesamt 118 sicher in Brandenburg nachgewiesenen Tagfaltern kommen 68 Arten rezent im Biosphärenreservat vor, darunter der Große Feuerfalter, der Madesüß-Perlmuttfalter, der Wegerich-Scheckenfalter, der Große und Kleine Schillerfalter sowie der Gold-Dickkopffalter.