Die Olympus E-1 ist die erste digitale Spiegelreflexkamera (DSLR), die nach dem von Olympus und Kodak gemeinsam entwickelten Four-Thirds-Standard konstruiert und gefertigt wurde. Die Markteinführung erfolgte im September 2003. Durch die robuste Bauweise, die an den klassischen analogen Spiegelreflexkameras orientierte Handhabung und einigen technischen Besonderheiten, ist die E-1 ein interessanter Fotoapparat für Profis und anspruchsvolle Amateurfotografen. Allerdings ist die E-1 mit einer Auflösung von 5 Megapixel speziell im Profibereich nicht mehr auf dem allgemein geforderten Stand.

mini|Die E-1 mit Standard-Objektiv

Vorgeschichte Bereits Anfang 1997 stieg Olympus mit der Camedia C-1000L und C-1400L in die anspruchsvolle Digitalfotografie ein. Damals waren zwar schon digitale Spiegelreflexkameras auf dem Markt, diese besaßen jedoch noch keine Wechselobjektive. 1998 brachte Olympus die schnellere und besser ausgestattete C-1400XL und ein Jahr später die C-2500L auf den Markt, die bereits mit einem 2,5-Megapixel-CCD bestückt wurde. Diese Kamera erreichte eine Bildqualität und Auflösung, die fotorealistische DIN-A4-Ausdrucke ermöglichte. Mit der Camedia E-10 führte Olympus Ende 2000 eine der ersten professionellen DSLRs ein. Ein Jahr später löste die E-20 die E-10 als Nachfolgemodell ab.

2003 führte Olympus das Four-Thirds-Standard ein. Somit ist die Olympus E-1 die erste Kamera, die speziell für dieses System konstruiert und gefertigt wurde. Auch das Zubehör und die Wechselobjektive wurden für dieses System entwickelt und optimiert.

Four-Thirds-Standard Beim Four-Thirds-Standard handelt es sich um ein von Olympus und Kodak entwickeltes System für digitale Spiegelreflexkameras. Es wurde erstmals im September 2002 auf der Photokina in Köln vorgestellt. In diesem offenen Standard wurden die grundsätzlichen mechanischen, optischen, kommunizierenden und elektronischen Kerndaten festgelegt, um eine möglichst große Kompatibilität zu anderen Kamera- und Wechselobjektivherstellern zu erreichen. Ein weiterer Vorteil liegt in der exakten Abstimmung zwischen dem Gehäuse und den Zubehörteilen, da keine qualitätsmindernden Kompromisse geschlossen werden mussten. Kern des Systems ist ein Full-Frame-Transfer-CCD-Bildsensor der Größe 17,3 × 13,0 mm.

Design und Bedienung

Das Gehäuse mini|Die Olympus E-1 Das robuste 660 Gramm schwere Gehäuse aus Magnesiumlegierung ist für den professionellen Einsatz und für eine lange Lebensdauer konzipiert. 65 Gummidichtungen sorgen auch bei Regenwetter für ein problemloses Arbeiten. Sowohl das Gehäuse als auch die meisten Objektive sind nach IEC-Standard spritzwassergeschützt.

Die Handhabung Auch die Bedienung der Kamera ist an professionellen Bedürfnissen ausgerichtet. Die Handhabung orientiert sich an den bedienerfreundlichen Konzepten der klassischen Spiegelreflexkameras. Alle wichtigen Funktionstasten sind übersichtlich und leicht erreichbar am Gehäuse angeordnet. Die Einstellungen werden in Kombination mit zwei Einstellrädern vorgenommen, die so angeordnet sind, dass sie wahlweise leicht mit dem Daumen oder dem Zeigefinger der rechten Hand bedient werden können. Auch der Wahlschalter für die Belichtungsarten ist ein einfaches Drehrad nach klassischem Vorbild. Über das Menü des LC-Monitors werden lediglich selten benötigte Einstellungen und Feintuning vorgenommen.

Die technischen Komponenten Der Bildsensor Die CCD-Fläche des nach dem Four-Thirds-Standard von Kodak gefertigten Full-Frame-Transfer-CCD-Sensor hat eine Länge von 18 mm und eine Breite von 13,5 mm, woraus sich eine Diagonale von 22,3 mm ergibt. Diese Diagonale entspricht etwa der Hälfte der Kleinbild-Diagonalen (43 mm). Da der Bajonettdurchmesser des Gehäuses in etwa dem Durchmesser einer Kleinbild-SLR entspricht, ergibt sich für das einfallende Licht auf und um den Sensor ein Bildkreis von 33,87 mm. Dieses Größenverhältnis zwischen Bildkreis-Diagonalen und Sensor-Diagonalen ermöglicht eine gleichmäßige Ausleuchtung über die gesamte Sensorfläche, also auch in den Randbereichen. Ein Bild-Seitenverhältnis 4:3 besteht auch bei den meisten digitalen Kompaktkameras und bei vielen Fernseh- und Computer-Monitoren. Der Bildsensor hat eine Auflösung von 5,0 Millionen Pixel. Dabei stehen für die Bildausgabe effektiv 4,9 Millionen Pixel zur Verfügung (2560×1920). Die Full-Frame-Transfer-Technik ermöglicht ein schnelles Speichern und Auslesen der Bilddaten und folglich die schnelle Serienbildrate von 3 Bildern pro Sekunde bei 12 Bildern in Folge – unabhängig von der gewählten Auflösung und vom gewählten Dateiformat. Bezüglich der Bildqualität liefert der Sensor feinste Details in allen Helligkeitsbereichen sowie exzellente Farbtreue und scharfe kontrastreiche Bilder. Nachteilig wirkt sich bei Einstellung einer hohen Lichtempfindlichkeit das höhere Grundrauschen gegenüber DSLR-Kameras mit größeren Bildsensoren aus. Ein weiterer sekundärer Vorteil des E1-Bildsensors ergibt sich durch die Fertigung hochwertiger, besonders lichtstarker Objektive mit einem großen Brennweitenbereich in einer zuvor noch nie möglichen leichten und kompakten Bauform.

Der Supersonic Wave Filter Bei DSLR-Kameras mit Wechselobjektiven ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sich auf dem empfindlichen Bildsensor Staubpartikel absetzen. Bereits kleinste Staubrückstände zeigen sich als deutlich sichtbare Verunreinigungen auf den fertigen Bildern. Mit Reinigungstücher und Pinsel mit oder ohne Blasebalg muss der Schmutz vom Bildsensor entfernt werden. Bei dieser umständlichen und langwierigen Reinigungsarbeit ist das Risiko einer mechanischen Beschädigung des Sensors erheblich groß. Bei der E-1 befindet sich zwischen dem Bildsensor und dem Verschluss der von Olympus patentierte Supersonic Wave Filter. Dieses Bauteil ist ein neuartiger Ultraschall-Staubfilter, der beim Einschalten der Kamera mit Hilfe von hochfrequenten Ultraschall-Schwingungen die am Sensor haftenden Partikel sicher entfernt. Bedingt durch den Reinigungsprozess beim Einschalten ergibt sich eine etwas längere Einschaltverzögerung als bei anderen modernen DSLRs.

Das LCD-Informations-Feld mini|Blick auf das Informations-Feld Diese LC-Anzeige ist das Informationszentrum für alle relevanten Einstellungen der Kamera. Sie informiert über den Blitzmodus, den Messmodus, den Fokussiermodus und den Speichermodus. Sie zeigt gegebenenfalls den Blendenwert, die Verschlusszeit, den Batterieladezustand und die Restaufnahmen. Ferner informiert sie über Bildqualitätseinstellungen, Belichtungsindex (in ISO), Farbraum, Weißabgleich, Fern- und Selbstauslösung, automatische Belichtungsreihen, Rauschunterdrückung und Serienaufnahmen. Je nach Vorwahl wird ein Belichtungspegel für Nachführmessung und Belichtungskorrekturen, Belichtungskorrekturwerte, das aktive AF-Messfeld und die Anzahl der speicherbaren Serienbilder angezeigt.

Der Sucher Bei der E-1 kann der LC-Monitor nicht als Aufnahmeanzeige genutzt werden. Dafür entfällt die Notwendigkeit einen zur Lichtversorgung für den LC-Monitor und für den Sucher halbdurchlässigen Spiegel einzubauen. Bei der E-1 wird analog zu klassischen Spiegelreflexkameras das gesamte ins Objektiv einfallende Licht über den Spiegel zum Sucher geleitet. Dadurch ergibt sich ein helles klares Sucherbild. Der E-1-Sucher ist ein optischer Pentaprisma-Sucher mit einer 100 Prozent genauen, dem Bild entsprechenden Anzeige. Am Sucherokular ist eine Dioptrieanpassung möglich. In der Mitte des Suchers wird das Autofokus-Messfeld (AF-Messfeld) mit seinen drei Messfeldern angezeigt. Unterhalb des Sucherbildes wird eine Informationsleiste mit den wichtigsten Aufnahmedaten eingeblendet: Verschlusszeit, Blendenwert, Belichtungs- und Messmodus und Belichtungspegelanzeige bei manueller Belichtung und Belichtungskorrekturen. Ferner informiert der Sucher gegebenenfalls über den Blitzmodus, AF- und AE-Speicher, automatische Belichtungsreihen, Weißabgleich, AF-Bestätigung, AF-Messfeld-Wahl und über die speicherbaren Serienbilder. Okularmuschel und Sucherscheiben sind auswechselbar.

Das Autofokus-System Der Autofokus (AF) der E-1 arbeitet mit 3 Messfeldern. Auf Wunsch kann das aktive Messfeld manuell vorgewählt werden. In den beiden Betriebsarten des Autofokus ergeben sich folgende Abläufe: In der Betriebsart S stellt der Autofokus bei halb gedrücktem Auslöser scharf und verändert diese Einstellung unabhängig vom Bildausschnitt bis zur vollständigen Auslösung (vollständig gedrückter Auslöser) nicht. In der Betriebsart C wird bei halb gedrücktem Auslöser die Schärfe kontinuierlich nachgestellt, dadurch werden bewegte Motive permanent nachkorrigiert. Die Genauigkeit des Autofokus der E-1 ist sehr exakt, aber etwas langsam. Deshalb ist der Autofokus dieser Kamera für schnelle Abläufe, wie zum Beispiel Sportaufnahmen bei Autorennen, weniger geeignet. In der Betriebsart MF ist die Scharfeinstellung, wie bei klassischen SLR-Kameras, manuell am vorderen Einstellungsring des Objektivs möglich. Über das Menü des Bild-Monitors lassen sich Sonderbetriebsarten programmieren, zum Beispiel eine Kombination aus Autofokus und manueller Nachfokussierung. Sehr interessante und individuelle Einstellungen sind in Kombination mit der Belichtungsmessung programmierbar, so zum Beispiel die Belichtungsmessung bei halb gedrücktem und die Scharfstellung bei vollständig gedrücktem Auslöser oder umgekehrt.

Belichtung und Belichtungsmessung Die Belichtungsmessmethoden Das Messsystem der E-1 ist eine TTL-Offenblendenmessung. Die Kamera unterstützt drei Belichtungsmessmethoden, was dem normalen Standard moderner Spiegelreflexkameras entspricht. Die digitale ESP-Messung ist eine Kontrastmessung zwischen der Bildmitte und anderen Bildbereichen. Diese Messmethode liefert die besten Ergebnisse bei starken Lichtunterschieden zwischen dem Hauptmotiv und der Umgebung, zum Beispiel bei Gegenlicht. Bei der mittenbetonten Integralmessung werden die Messwerte der Bildmitte und des Bildhintergrunds ermittelt und ein Durchschnittswert gebildet, bei dem die Bildmitte stärker gewichtet wird, da sich in der Bildmitte gewöhnlich das Hauptmotiv befindet. Bei der Spotmessung wir nur der Bildmittelpunkt, genauer 1,8 % des Bildes, bei der Messung berücksichtigt. Die Umgebung hat keinen Einfluss auf das Messergebnis. In Kombination mit dem Messwertspeicher (AE-Speicher), lassen sich die Messwerte bei halb gedrücktem Auslöser speichern. Dies ist sinnvoll, wenn die Kameraposition für den gewünschten Bildausschnitt nicht mit der zuvor gewählten Kameraposition zur Belichtungsmessung übereinstimmt. Sehr interessante und individuelle Einstellungen sind in Kombination mit dem Autofokus programmierbar, so zum Beispiel die Belichtungsmessung bei halb gedrücktem und die Scharfstellung bei vollständig gedrücktem Auslöser oder umgekehrt.

Der Verschluss Für die korrekte Belichtungszeit sorgt ein präziser, elektronisch geregelter Metalllamellen-Schlitzverschluss. Als Blenden- und Zeitautomat und bei manueller Belichtungseinstellung erlaubt der Verschluss eine Belichtungszeit zwischen 1/4000 und 60 Sekunden. Bei Wahl der Programmautomatik stellt die E-1 Belichtungszeiten zwischen 1/4000 und 2 Sekunden ein. In der Einstellung für Langzeitbelichtung (bulb), kann der Verschluss bis zu 8 Minuten geöffnet bleiben.

Belichtungskorrektur und Lichtempfindlichkeit Die mögliche Belichtungskorrektur der E-1 umfasst 5 Lichtwert-Stufen (LW) in positiver (Überbelichtung) und negativer (Unterbelichtung) Richtung. Dabei kann wahlweise in 1/3, 1/2 oder 1 LW-Stufen korrigiert werden. Bei automatischen Belichtungsreihen sind die gleichen LW-Stufen wählbar, wobei wahlweise 3 oder 5 Bilder erstellt werden.

In der Grundeinstellung kann der Belichtungsindex der E-1 die ISO-Werte 100, 200, 400 und 800 annehmen. Bei der Vorwahl von ISO BOOST kann die Empfindlichkeit um die Werte 1600 und 3200 erweitert werden, was jedoch zu einem erhöhten Bildrauschen führt.

Die Programmauswahl