mini|Das Kreuzbergl um 1901. In der Mitte erkennbar sind die Kreuzberglkirche und dahinter der damals noch hölzerne Aussichtsturm. Das links im Bild in Bau befindliche Haus wurde laut Baubescheid der Besitzer erst im Jahr 1901 errichtet mini|250px|Bildstock, Gasthaus Einsiedler und Kreuzbergl-Kirche im Jahr 1893 mini|250px|Freiherr Franz III. Khevenhüller vor den Toren der Stadt, um 1615 mini|250px|Blick vom Kogel beim Schloss Zigguln auf die Stadt Klagenfurt, 1832 gemalt von Perlberg mini|250px|Herbstlicher Buchenwald nordöstlich der Kreuzberglkirche
Das Kreuzbergl ist der „Hausberg“ von Klagenfurt am Wörthersee. Obwohl das Kreuzbergl – sprachlich eine Verkleinerungsform – mit nur eine vergleichsweise kleine Erhebung ist, die nahe an das nordwestliche Eck des Stadtzentrums reicht, wird umgangssprachlich meist die gesamte Berggruppe zwischen dem Kreuzbergl und den Hallegger Teichen mit dem Kalvarienberg (588 m) und dem Falkenberg (671 m) als „Kreuzbergl“ bezeichnet.
Bis zum Jahr 1742 wurde der Berg auch Wölfnitzberg oder Steinbruchberg genannt. Das Kreuzbergl ist durch die Nähe zum Stadtgebiet und mehrere kleine Teiche ein beliebtes Naherholungsgebiet, wozu auch die Sternwarte, der Botanische Garten und das Bergbaumuseum beitragen.
Geologie Geologisch gesehen zählt das Kreuzbergl zum Altkristallin, sein Gestein, der sog. „Kreuzberglschiefer“ ist ein sehr hartes Grüngestein, welches schon seit dem 16. Jahrhundert in mehreren großen Steinbrüchen abgebaut wurde (daher der alte Name „Steinbruchberg“). Sie lieferten großteils das Material für die Klagenfurter Stadtbefestigung, für zahlreiche Häuser und nicht zuletzt stammt auch von dort der riesige Steinblock, aus dem der Lindwurm gehauen wurde.
Spuren von historischem Bergbau lassen sich am Kreuzbergl noch im Bereich des historischen Steinbruchs am Ostfuß des Kreuzbergls, des Falkenberges, des Grazerkogels oder der Fliehburghöhe, wo auf silberhaltigen Bleiglanz und Eisen geschürft wurde, finden. Darauf bezieht sich auch der „Atzgrubenweg“ (alte Bezeichnung für Erz), der von der Kellerstraße zur Zillhöhe führt.
Flora und Fauna Die landschaftliche Vielfalt des Kreuzbergls spiegelt sich in einer Vielzahl von Lebensräumen und Pflanzengesellschaften wider. So finden sich hier je nach Exposition die verschiedensten Waldtypen, wie Rotföhrenwälder, Buchen-Tannen-Fichten-Wälder, Buchenwälder, Eichen-Hainbuchenwälder, Blockwälder, Au- und Bachbegleitwälder, Bruchwälder, weiters Quell- und Bachfluren, Sümpfe, Moore, Röhrichte, Teiche mit Wasserpflanzen und Verlandungsgesellschaften, heideartige Formationen, Felsspaltengesellschaften, Magerrasen und im Kulturbereich Fettwiesen, Viehweiden, Ruderalflächen, Mauergesellschaften usw.
Besonders im südöstlichen Gebiet des Kreuzbergls um St. Martin befinden sich größere Bestände an Edelkastanienbäumen, welche auf Bäume, die anlässlich der Eröffnung der Sternwarte 1965 gepflanzt wurden, zurückzuführen sind. In vielen Teilen des Waldes, vor allem in den forstwirtschaftlich genutzten Gebieten des Falkenberges, dominieren Fichten- und Rotföhrenbestände. Zudem kommen auch einige Neophyten vor, insbesondere die Amerikanische Kermesbeere.
Besonders erwähnenswert ist der Weingarten südwestlich Schloss Freyenthurn, der wegen des günstigen Kleinklimas in unmittelbarer Nähe des Wörthersees hervorragende Weine liefert.
Die Gesamtartenzahlen aller am Kreuzbergl vorkommenden Pflanzen liegen noch nicht exakt vor und sind noch zu erheben, an Farn- und Blütenpflanzen gibt es schätzungsweise etwa 500, darunter 12 gänzlich geschützte Orchideen-Arten; zu erwarten ist auch eine große Vielfalt an Pilzen; allein bei einer Tagesexkursion im Bereich Falkenberg wurden im Jahre 2004 168 Arten festgestellt; auf den Reichtum an verschiedenen Moosen (ca. 300, darunter zwei für Kärnten neue Arten) und Flechten wurde schon hingewiesen, genauere Kartierungsarbeiten sind aber auch hier noch vorgesehen.
Dass auch die Tierwelt am Kreuzbergl äußerst vielfältig und artenreich vertreten ist, zeigt allein eine Bestandsaufnahme im Botanischen Garten aus dem Jahre 1995: hier wurden nicht weniger als 586 verschiedene Insekten- und Spinnenarten nachgewiesen, darunter mehrere Erstnachweise für Kärnten und eine für die Wissenschaft gänzlich neue Kleinzikade.
Kreuzberglkirche und Landesgedächtnisstätte Im Jahr 1692 wurde von Christian Anton von Leyersperg an der Stelle der heutigen Kreuzberglkirche ein großes Kreuz errichtet. Im Jahr 1737 folgte die Kirche mit der Kalvarienberganlage, die im Jahr 1778 eingeweiht wurde. Nach dem Krieg wurde diese in die Landesgedächtnisstätte für die Gefallenen umgestaltet und im Jahr 1959 eingeweiht. Die Mosaike in den einzelnen Kreuzwegstationen schuf Karl Bauer.Kreuzwegstationen Vom Portal der Kirche blickt man die Radetzkystraße entlang direkt zur Stadtpfarrkirche.
Als Inhaber der Eigentumsrechte wird hier ein „Katholisches Benefizium am Calvarienberg“ geführt. Kernstück der Anlage ist die Gedächtniskapelle, manchmal auch als „Krypta“ oder „Gruft“ bezeichnet, ein Stahlbetonbau, der in den Hang hineingebaut ist. Im Innenraum der Gruft befindet sich eine Darstellung des Auferstandenen. Links und rechts davon auf einer Ablage zwei Bücher, in denen die Namen von 22.000 gefallenen Kärntnern eingetragen sind. Zwei Marmortafeln mit den Namen der Stifter und der Erbauer sind an den Seitenflächen der Gruft montiert.
An der Außenseite Ost folgende Inschriften: Außen links. „1914–1918, 1939–1945“. Außen rechts: „Ehrung den Toten, Mahnung den Lebenden“.
Sie ist eine nicht unumstrittene Gedenkstätte. Der Historiker Gerhard SladekGerhard Sladek: Zum Gebet! – Religiöse Stätten und, sakrale Einrichtungen des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik. (= Schriftenreihe über das Österreichische Bundesheer, Bd. 13.) Weishaupt, Gnas 2015, ISBN 978-3-7059-0380-7, S. 359. und seine Mitautoren sehen hier ein Beispiel für Kulturgüterschutz und verstehen darunter die Pflege und den Erhalt von denkmalgeschützten Objekten. Hingegen findet der Historiker Helge StrombergerHelge Stromberger: Die Ärzte, die Schwestern, die SS und der Tod – Kärnten und das produzierte Sterben in der NS-Periode. (= Dissertationen und Abhandlungen / Disertacije in razprave, Nr. 13.) 3. Auflage, Drava, Klagenfurt 2002, ISBN 3-85435-106-2, S. 159. hier Anleihen in der NS-Ideologie.Helge Stromberger: Die Ärzte, die Schwestern, die SS und der Tod – Kärnten und das produzierte Sterben in der NS-Periode. (= Dissertationen und Abhandlungen / Disertacije in razprave, Nr. 13.) 3. Auflage, Drava, Klagenfurt 2002, ISBN 3-85435-106-2, S. 93–99.
mini|Gasthaus „Schweizerhaus“
Martin Ritter von Kink-Denkmal, das Schweizerhaus und die Kinkstraße Martin Ritter von Kink war der Gründer der Kaiser-Franz-Josef-Anlagen am Kreuzbergl. Als k.k. Oberbaurat in Klagenfurt schlug er anlässlich des Kaiserbesuches am 20. Mai 1850 vor, auf dem Kreuzbergl einen Platz für ein Volksfest und ein Landesschießen herzurichten. Er wurde so zum Schöpfer des Kreuzbergl-Naturparks. Zunächst entstand die Waldwiese über dem Steinbruch mit den „Franz-Josephs-Anlagen.“ Auf Initiative des damaligen Vizebürgermeisters Josef Anton Gugitz erwarb die Stadt die Grundstücke und sicherte sie damit dauerhaft für die Öffentlichkeit. 1852 wurde das Schweizerhaus errichtet, in dessen Terrassenmauer am 6. September 1899 ein Denkmal für Kink enthüllt wurde. In der Substruktion der Schweizerhaus-Terrasse findet sich die korbbogenförmige Grotte mit geschwungener Senatorenbank und auf einem Sockel ruht die Kinkbüste aus Carrara-Marmor, die nach einem Entwurf des Wieners Otto Hofer vom Klagenfurter Bildhauer Josef Valentin Kassin ausgeführt wurde. Kink rief ein Kreuzbergl-Komitee ins Leben, das zunächst Aktien um 10 Gulden verkaufte und mit diesen und anderen Mitteln die Anlagen Zug um Zug erweiterte. Das Schweizerhaus selbst beherbergt heute einen Gasthofbetrieb, der als beliebtes Ausflugsziel gilt. Die gesamte Anlage wird nicht nur von Klagenfurter Bürgern genutzt, sondern erfreut sich auch besonderer Wertschätzung durch Gäste aus nah und fern. Die am Südost-Rand des Kreuzbergls verlaufende Kinkstraße hieß früher einfach „Am Kreuzberge“ und wurde am 16. September 1902 durch Beschluss umbenannt.
So war zum Ort der Andacht ein solcher für Ausflügler und Spaziergänger gekommen.
Gasthof „Zum Einsiedler“ Die Andachtsstätte Kreuzbergl war wesentlich älter als die Franz-Josephs-Anlagen. Schon 1692 war hier ein hohes Kreuz zur Aufstellung gelangt und ein Einsiedler hatte sich in die Waldeinsamkeit zurückgezogen. Und 1742 war es zum Kirchenbau gekommen.
Zur Erinnerung an den Eremiten wurde in der Kinkstraße Nummer 2 die traditionsreiche Restauration „Zum Einsiedler“ errichtet. Es war ein beliebtes Gasthaus. 2015 wurde das Gebäude abgerissen, um ein Wohnhaus zu errichten.
Aussichtsturm mit Sternwarte mini|hochkant|Aussichtsturm und Sternwarte Der heutige Aussichtsturm stammt aus dem Jahr 1895 und ersetzte einen hölzernen Aussichtsturm. Er bietet nicht nur einen herrlichen Blick über die nahen Dächer der Stadt, sondern auch zu den Sternen, da hier seit 1965 die Sternwarte der Astronomischen Vereinigung Kärnten untergebracht ist.
Die Volkssternwarte mit Beobachtungsterrasse besitzt einen Refraktor von 135 mm Öffnung unter der Kuppel. Die Elternvereinigung der Realschule steuerte einen zweiten Refraktor bei.
Militärische Schießstätte Als Bestandteil der „Kaiser Franz Josefs Anlagen“ Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet, diente die Schiessstätte militärischen Zwecken. Der Historiker Helge Stromberger geht davon aus, dass dieser Ort Ende des Zweiten Weltkrieges eine von den nationalsozialistischen HinrichtungsstättenHelge Stromberger: Die Ärzte, die Schwestern, die SS und der Tod – Kärnten und das produzierte Sterben in der NS-Periode. (= Dissertationen und Abhandlungen / Disertacije in razprave, Nr. 13.) 3. Auflage, Drava, Klagenfurt 2002, ISBN 3-85435-106-2, S. 98 und 152. war. Bis in die 1970er Jahre wurden dort Schießübungen abgehalten. Dann wurde der Platz als Naherholungsgebiet an die Klagenfurter Bevölkerung zurückgegeben. Seitdem werden Schießübungen an anderen Plätzen abgehalten: Khevenhüller-Kaserne in Lendorf, Truppen-Übungsplatz Glainach bei Ferlach und andere.
Botanischer Garten und Bergbaumuseum Der Botanische Garten ist Teil des Kärntner Botanikzentrums und besteht seit 1958 auf 1,2 Hektar Fläche in einem ehemaligen Steinbruch neben der Kirche. Hier wurde im Mittelalter Chloritschiefer abgebaut, aus dem der Lindwurmbrunnen und viele andere Klagenfurter Bauwerke geschaffen wurden. Der Botanische Garten bietet bei freiem Eintritt einen guten Überblick über die Pflanzenwelt Kärntens, zum Beispiel die Kärntner Nationalblume Wulfenia.
In der Felswand dieses ehemaligen Steinbruchs dringt heute der Stollen des Bergbaumuseums ins Kreuzbergl. Dieser wurde nie für den Bergbau angelegt, sondern zwischen den Jahren 1942 und 1944 als Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung errichtet. Während der 47 Bombenangriffe auf Klagenfurt haben hier über 7000 Menschen Schutz gefunden. Als die Briten Klagenfurt im Mai 1945 befreiten, errichteten sie in diesem Stollen die Rundfunksendeanlage des „Freien Kärntner Landessender Klagenfurt“ und verkündeten in der ersten Sendung am 8. Mai 1945 um 19:30 Uhr die deutsche Kapitulation. Das heutige Museum im 500 Meter langen Stollen dokumentiert den Bergbau in Kärnten und die hier vorkommenden Mineralien, daran angeschlossen ist eine Veranstaltungshalle. Mit 1. November 2015 wurde das Museum bis auf unbestimmte Zeit geschlossen, da die Stadt Klagenfurt die Kosten dafür nicht mehr aufbringt.
Gauleitung im Stollen Im Kreuzbergl hatte das Regime des Dritten Reiches seinen Luftschutzbunker, bestehend aus einem größeren Stollensystem, der Luftschacht endete in einem äußerst massiven Bunkerturm aus Stahlbeton. Zeitweise war im Felsenbunker neben einem Lazarett und dem Rundfunksender auch die Gauleitung untergebracht.