Das Kraftwerk Datteln ist ein deutsches Steinkohlekraftwerk, das sich bei Datteln am Dortmund-Ems-Kanal befindet. Drei Blöcke aus den 1960er Jahren sind seit 2014 stillgelegt, der ab 2007 gebaute 1100-Megawatt-Block „Datteln 4“ ist am 30. Mai 2020 unter Protest in Betrieb gegangen.

Klagen gegen den Bebauungsplan haben die Inbetriebnahme von Block 4 um mehrere Jahre verzögert. Anfang 2017 wurde eine Sondererlaubnis zur Fertigstellung und zum Betrieb erteilt. Da das Kraftwerk effizienter ist als seine Vorgänger, wurde befürchtet, dass durch eine stärkere Auslastung zusätzliche Emissionen von 10 bis 13 Millionen Tonnen CO2 über die Laufzeit des Kraftwerks entstehen. Während das Kabinett Merkel IV im Gegenzug plante, zusätzliche Kohlekraftwerke abzuschalten, argumentierten Kritiker, dass es dennoch zu Mehremissionen kommen würde.FAZ.net vom 12. November 2019: Deutschland bekommt ein neues KohlekraftwerkFAQ: Warum durfte das Kraftwerk Datteln IV ans Netz gehen? Fragen und Antworten zum Kohleausstiegsgesetz. BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, abgerufen am 17. Juli 2020. Das Oberverwaltungsgericht NRW (OVG) hielt den Bebauungsplan der Stadt Datteln aufgrund einer fehlerhaften Standortauswahl für unwirksam; das Bundesverwaltungsgericht hob dieses Urteil auf. Da die Entscheidung den Standort, aber nicht die immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Kraftwerks betraf, kann das Kraftwerk ohnehin weiterhin am Netz bleiben.

Das Kraftwerk gehörte bis 2025 der Uniper Kraftwerke GmbH. Nach der Verstaatlichung von Uniper im September 2022 schrieb die Europäische Kommission dem Konzern im Zuge der beihilferechtlichen Genehmigung im Dezember 2022 vor, unter anderem das Kraftwerk Datteln 4 bis Ende 2026 zu verkaufen. Im September 2025 einigte sich Uniper auf einen Verkauf an das tschechische Unternehmen ResInvest Group a.s.

Übersicht über alle Kraftwerksblöcke + Blöcke des Kraftwerks Datteln Block Brenn­stoff Feuerungs­wärme­leistung Brutto­leistung (elektrisch) Netto­leistung (elektr.) Fernwärme­leistung Bau­beginn Inbetrieb­nahme Still­legung 1 Steinkohle 100 MW 95 MW 84 MW 1964 Februar 2014 2 Steinkohle 100 MW 95 MW 84 MW 1965 Februar 2014 3 Steinkohle 119 MW 113 MW 84 MW 1969 Februar 2014 4 Steinkohle 2400 MW 1100 MW 1052 MW 380 MW 2007 30. Mai 2020Deutschland nimmt trotz Kohleausstiegs Kraftwerk in Betrieb orf.at, 30. Mai 2020, abgerufen am 30. Mai 2020.

Kraftwerksblöcke 1–3 mini|Kraftwerk Datteln am Dortmund-Ems-Kanal mini|Rechts die Kohlenmischanlage mini|Das neue Kraftwerk Datteln IV mini|Unter Dampf

Das ursprüngliche Kraftwerk, das über zwei je 165 Meter hohe Kamine verfügte, hatte eine Nettoleistung von 303 MW elektrisch, verteilt auf die drei Kraftwerksblöcke 1 bis 3, die 1964, 1965 und 1969 in Betrieb genommen wurden. Es diente zur Erzeugung von Einphasenwechselstrom für die Deutsche Bahn sowie von Fernwärme. 20 Prozent des deutschen Bahnstroms wurden vom Kraftwerk Datteln erzeugt. 45 Prozent aller Haushalte in Datteln wurden durch das Kraftwerk mit Fernwärme versorgt.

Die Blöcke 1 und 2 waren baugleich und hatten jeweils Schmelzkammerkessel mit 2 Teillasteinheiten pro Block, während Block 3 einen Kessel mit Trockenentaschung hatte. Die Aufbereitung der Kohle erfolgte für die Blöcke 1 und 2 mit Schlägermühlen, im Block 3 mit Walzenschüsselmühlen.

Zum 31. Dezember 2012 lief die Betriebsgenehmigung des Altkraftwerks aus. Bereits Ende 2006 hatte E.ON (heute Uniper Kraftwerke) den Genehmigungsbehörden die Stilllegung der Blöcke 1 bis 3 sowie der Hilfskessel 6 und 7 zum 31. Dezember 2012 angezeigt. Aufgrund dieser Mitteilung leiteten die Überwachungsbehörden unmittelbar nach dem 31. Dezember 2006 kein Verfahren zur Überprüfung und Anpassung der Kraftwerks-Altblöcke an die aktuelle 13. BImSchV ein. Für den Weiterbetrieb hätte die Altanlage ansonsten bereits 2007 sehr aufwendig und kostenintensiv nachgerüstet werden müssen. Bei Abgabe der Stilllegungserklärung 2006 gab es noch keinen genehmigten Bebauungsplan und auch keine Genehmigung für den Bau eines neuen Kraftwerks.

Wegen der Streitigkeiten um den Neubau des Blocks 4 reagierte E.ON und erneuerte die Filteranlagen in den Blöcken 1 bis 3. Dadurch wurden seit dem 1. Januar 2011 die aktuell gültigen Grenzwerte wieder eingehalten. Ein Antrag auf einen Weiterbetrieb der drei alten Blöcke wurde gestellt. Nach dem Willen des von Johannes Remmel geführten NRW-Umweltministeriums sollte der Energieversorger E.ON seine Kohlekraftwerksblöcke Datteln 1 bis 3 wie geplant zum 31. Dezember 2012 vom Netz nehmen. Das Ministerium erklärte, ein Widerruf der Stilllegungserklärung von E.ON aus dem Jahre 2006 sei nicht möglich. Eine einmal abgegebene Stilllegungserklärung sei juristisch verbindlich und könne nicht widerrufen werden.

Im November 2012 teilte das Umweltministerium mit, dass die drei Blöcke bis zur Inbetriebnahme einer Umrichterstation im Februar 2014, die Strom aus dem öffentlichen Netz in Bahnstrom umwandeln kann, per befristeter Sondergenehmigung weiter betrieben werden dürfen. Zuvor hatte die Bahn vor Strommangel und Zugausfällen im Winter gewarnt.

Die Blöcke 1 bis 3 wurden am 28. Februar 2014 endgültig stillgelegt. Nach der Inbetriebnahme des neuen Blocks Datteln 4 im Mai 2020 begann der finale Rückbau der alten Werksanlagen. Der oberirdische Abbruch der Kessel- und Maschinenhäuser sowie der schrittweise, kontrollierte Abtrag der beiden 165 Meter hohen Schornsteine umfasste ein Gesamtvolumen von rund 1,35 Millionen Kubikmetern Bruttorauminhalt und wurde im Sommer 2024 vollständig abgeschlossen. Die freigewordene Fläche wird im Rahmen der regionalen Strukturplanung für eine neue gewerbliche Nutzung („Gewerbepark Meckinghoven“) vorbereitet.

Kraftwerk(sblock) Datteln 4 Die damalige E.ON Kraftwerke GmbH errichtete am Standort Datteln auf der den bisherigen Kraftwerksblöcken gegenüberliegenden Seite des Dortmund-Ems-Kanals ab 2007 ein neues Kraftwerk. Die Inbetriebnahme war ursprünglich für 2011 geplant.

Der Block wird auch als Kraftwerk Datteln 4 (oder IV) bezeichnet. Damit wird zwar die Nummerierung der bisherigen 3 nebeneinanderstehenden Blöcke fortgeschrieben, doch Datteln 4 ist als eigenständige Anlage zu sehen. Gemeinsam sind die annähernd gleiche geografische Lage (Abstand Mitte–Mitte: 840 m), die Lage am Kanalkreuz Datteln (an gegenüberliegenden Ufern des Kanals), das Anliegen an einem von SW nach ONO verlaufenden Bahngleis und eine ähnliche Lage in Bezug auf das Hochspannungsnetz und das Bahnstromnetz.

Da der Bebauungsplan zwischenzeitlich für unwirksam erklärt wurde und nach Wiederaufnahme der Bauarbeiten technische Probleme am Kessel auftraten, verzögerten sich die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Kraftwerkes. Datteln 4 war mit Stand Oktober 2017 das einzige in Bau befindliche Kohlekraftwerk in ganz Westeuropa.The world is going slow on coal, but misinformation is distorting the facts . In: The Guardian. 16. Oktober 2017. Abgerufen am 18. Oktober 2017. Die Phase der Inbetriebsetzung wurde mit der kommerziellen Inbetriebnahme am 30. Mai 2020 formal abgeschlossen.

Technische Daten Das Kraftwerk Datteln 4 hat eine elektrische Leistung von 1100 MW (brutto) bzw. 1052 MW (netto). Die Feuerungswärmeleistung des ca. 110 Meter hohen Turmkessels beträgt bis zu 2600 MWth. Im Kondensationsbetrieb hat der Block einen Nettowirkungsgrad von 45 %. Damit ist Datteln 4 eines der weltweit effizientesten Steinkohlekraftwerke und, zusammen mit dem baugleichen Block Maasvlakte 3 bei Rotterdam, der leistungsfähigste Steinkohlemonoblock Europas.. Webseite von E.ON Kraftwerke. Abgerufen am 25. Juni 2014. Der 180 Meter hohe Kühlturm mit Reingaseinleitung ist einer der weltweit höchsten Naturzugkühltürme.

Datteln 4 dient als Ersatzanlage für die stillgelegten Kraftwerke in Datteln (Blöcke 1 bis 3; insgesamt 303 MWel netto), Herne (Kraftwerk Shamrock; 132 MWel netto. Webseite von E.ON SE. Abgerufen am 25. Juni 2014.) sowie in Dortmund (Kraftwerk Gustav Knepper; 345 MWel netto). Es wird mit importierter Steinkohle befeuert, die überwiegend über den Dortmund-Ems-Kanal angeliefert wird. Der Brennstoffbedarf ist mit 360 Tonnen Steinkohle pro Stunde angegeben. Von den 1100 MW Bruttoleistung werden bis zu 413 MW Bahnstrom als 16,7-Hz-Strom und 642 MW als 50-Hz-Strom für die öffentliche Versorgung bereitgestellt. Darüber hinaus werden auf der Basis der Kraftwärmekopplung (KWK) bis zu 380 MW Fernwärme ausgekoppelt, wodurch die Anlage einen Brennstoffnutzungsgrad von bis zu 60 Prozent erreicht. Die Deutsche Bahn ist im Rahmen eines langfristigen Vertrags zur Abnahme von mehr als 400 Megawatt verpflichtet; dies entspricht etwa einem Viertel des für den Fahrbetrieb notwendigen Bahnstroms.

Im März 2018 wurden Kesselprobleme wegen des verwendeten Spezialstahls 7CrMoVTiB10-10 (T24) bekannt, die erst behoben werden mussten, bevor das Kraftwerk in Betrieb gehen konnte. Derartige Probleme waren zuvor auch bei anderen Kohlekraftwerksneubauten wie z. B. im Kraftwerk Duisburg-Walsum aufgetreten.Datteln droht jahrelange Verzögerung. In: RP Online. 9. März 2018. Abgerufen am 11. März 2018. Im Juli 2018 begann der Betreiber damit, die kompletten Membranwände des Kessels auszutauschen, weil die Schweißnähte nicht stabil genug waren. Ersetzt wurden sie durch einen Stahl anderer Bauart. Aufgrund der Probleme schrieb Uniper 270 Mio. Euro ab.Kesselflicken im Kraftwerk Datteln. In: WDR, 10. Juli 2018. Abgerufen am 28. Juli 2018. Wegen der Schäden und Kosten durch die Verzögerung verklagte Uniper die Nachfolgegesellschaft des Anlagenbauers Hitachi, Mitsubishi Hitachi Power Systems, die mit einer Widerklage reagierte. Im Herbst 2020 strengte Uniper ein Schiedsverfahren bei der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) an, die im April 2023 zu dem Schluss kam, dass Mitsubishi für den Kesselschaden zuständig sei und Uniper mit einem zweistelligen Millionenbetrag entschädigen müsse. Die Gegenklage von Mitsubishi wurde hingegen in den meisten Punkten abgewiesen.

Auslastung und Volllaststunden Die Bundesregierung ging bereits vor Inbetriebnahme des Kraftwerks davon aus, dass die Auslastung beim neuen Kraftwerk überdurchschnittlich hoch ist. Der BUND rechnete mit 60 bis 70 Prozent, also womöglich mehr als doppelt so viel wie bei einem vergleichbaren Kraftwerk. Die bisherigen Zahlen bestätigen dies jedoch nicht; die prozentuale Volllast lag in den Jahren 2021 und 2022 mit rund 50 Prozent zwar im oberen Bereich, war jedoch vergleichbar mit der anderer Steinkohlekraftwerke wie Tiefstack, Hannover, Hastedt oder Wolfsburg West.

+Prozentuale Volllast von Datteln 4 im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt (Steinkohle, Quelle: EEX) 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Datteln 4 Ø Deutschland Datteln 4 Ø Deutschland Datteln 4 Ø Deutschland Datteln 4 Ø Deutschland Datteln 4 Ø Deutschland Datteln 4 Ø DeutschlandJanuar - - 44,5 30,4 65,1 43,5 41,9 37,7 51,9 26,1 - 40,1Februar - - 49,9 22,9 54,5 33,8 65,7 42,8 35,0 18,2 52,4 53,7März - - 56,2 20,8 80,6 46,9 54,6 25,9 46,6 15,8 43,3 37,2April - - 30,9 18,9 47,1 27,1 32,4 19,8 16,8 9,6 43,3 26,2Mai 49,1 9,7 44,9 11,9 - 20,7 - 9,5 - 4,7 35,7 8,8Juni 22,6 8,7 31,2 16,3 60,9 23,4 3,5 11,2 - 7,9 33,6 12,5Juli 50,7 9,4 58,9 18,8 38,4 26,8 20,3 9,3 2,6 5,8 44,3 21,3August 41,5 11,6 40,2 14,5 65,7 38,2 57,9 15,3 37,3 11,4 26,3 14,5September 17,1 28,7 84,2 34,8 40,9 42,1 29,6 17,8 51,9 15,5 5,7 16,4Oktober 40,0 21,7 48,4 24,1 23,8 23,9 50,1 21,6 18,6 20,1 42,1 25,5November - 31,4 72,4 37,7 69,9 41,2 55,2 27,8 - 27,6 60,4 38,7Dezember 4,4 30,5 53,9 31,0 59,2 48,2 34,4 25,7 - 21,1 28,6 26,3Ø Jahr 24,6 18,7 51,3 23,5 50,4 34,7 37,0 21,9 21,7 15,3 34,5 26,6

Zivilgesellschaftlicher Protest, Baustopp und neues Verfahren