Schotten ist eine Kleinstadt im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Die nächsten größeren Städte sind Alsfeld im Norden, Fulda im Osten, Bad Nauheim im Südwesten und Gießen im Westen.

Seit 1996 trägt Schotten den Ehrentitel Europastadt, eine Auszeichnung, die ihr in Anerkennung ihres europäischen Engagements vom Europarat verliehen wurde.Homepage des Verschwisterungsvereins Schotten e.V.

mini|Schotten – Topographia Hassiae, Matthäus Merian 1655 mini|Schotten 1849 mini|Altstadt mit Liebfrauenkirche

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt in 168 bis 773 Meter Höhe am Westhang des Vogelsbergs. Zum Stadtgebiet gehören Hoherodskopf (764 m) und Taufstein (773 m), die zwei höchsten Erhebungen des Naturparks Vulkanregion Vogelsberg. Schotten ist Fremdenverkehrsort, ausgezeichnet durch Schneesicherheit im Winter und Wandermöglichkeiten im Sommer in ausgedehnten Wäldern. Auch Wassersport ist auf dem nahen Niddastausee möglich.

Im äußersten Nordosten des Stadtgebietes befinden sich die Forellenteiche, Niddaquelle, Landgrafenborn, Goldwiese, Geiselstein (Vogelsberg) und das Hochmoor, beliebte Ziele für Wanderer.

Nachbargemeinden Schotten grenzt im Norden an die Stadt Ulrichstein, im Nordosten an die Stadt Herbstein, im Osten an die Gemeinde Grebenhain, im Süden an die Stadt Gedern und die Gemeinde Hirzenhain, beide Wetteraukreis, sowie im Westen an die Stadt Nidda (Wetteraukreis) und die Stadt Laubach (Landkreis Gießen).

Stadtgliederung Zur Stadt Schotten gehören neben der Kernstadt die Ortsteile Betzenrod, Breungeshain, Burkhards, Busenborn, Eichelsachsen, Einartshausen, Eschenrod, Götzen, Kaulstoß, Michelbach, Rainrod, Rudingshain, Sichenhausen und Wingershausen.

Geschichte Frühgeschichte Archäologische Funde aus dem Schottener Raum reichen zurück bis in die Jungsteinzeit. Aus vorgeschichtlicher Zeit künden mehrere Hügelgräber sowie der Ringwall „Wildhauskopf“ bei Eschenrod mit unbekannter exakterer Zeitstellung. Ein großes Kugelgefäß aus der Hallstattzeit wurde in den 1960er Jahren im Bereich des heutigen Freibads ergraben und befindet sich inzwischen im Vogelsberger Heimatmuseum in Schotten.

Mittelalter Eine „ecclesia in Buchonia“ wird am 21. Juni 778 urkundlich erwähnt.Albert Bruckner, Regesta Alsatiae nevi aevi merovingici et karolini. 496-918. Bd. 1. Straßburg und Zürich 1949, Nr. 275, S. 174 f. Der Abt Beatus von Honau schenkte den iroschottischen Mönchen seines Klosters des Klosters Honau bei Straßburg acht Kirchen. Die Lage dieser Kirche „in Buchonia“ im heutigen Schotten gilt als gesichert.Michael Gockel, Matthias Werner: Die Urkunde des Beatus von Honau von 778. in: Waldemar Küther: Die Wüstung Hausen. Gießen 1971, S. 137–167, S. 154. Es waren insgesamt sieben Eigenkirchen in Oberhessen und eine in Mainz.

Die Gründung der Siedlung steht in Zusammenhang mit der beginnenden Rodungsperiode des 8. Jahrhunderts. Schotten liegt an einer alten Fernstraße, die entlang der Nidda über den Vogelsberg zog. Dem Schutz dieser Straße und vermutlich auch der ersten Siedlung in Schotten diente die Alteburg, eine vermutlich um 1000 entstandene Turmburg im heutigen Alteburgpark (heute von Fachwerkbau überformt). Die Erbauer dieser Anlage sind nicht bekannt, möglich wäre eine Errichtung durch die Grafen von Nidda.

Spätmittelalter Die erste Schottener Kirche gilt als Gründung iro-schottischer Mönche. Am 27. September 1293 wird ein „plebanus in Scotis“ erwähnt.Michael Gockel, Matthias Werner: Die Beatus-Urkunde, S. 155, Anm. 88.

Zwei Ablassbriefe, ausgestellt unter dem Pontifikat der Päpste Johannes XXII. (1316–1334) und Clemens VI. (1342–1352) in den Jahren 1330 und 1351 in Avignon, machten die Schottener Kirche zur Wallfahrtskirche und Schotten für mehrere Jahrzehnte zum Wallfahrtsort. Der wirtschaftliche Auftrieb durch Beherbergung und Versorgung der Pilger brachte Schotten die Blüte seiner mittelalterlichen Geschichte. Die Liebfrauenkirche wurde um 1330 von Osten beginnend nach Westen erweitert. Bereits 1360 war sie mit dem 56 Meter hohen Vierungsturm fertiggestellt. Etwa um 1385 wurde im Chor der Liebfrauenkirche das Hochaltarretabel geschaffen. Maler und Auftraggeber sind nicht bekannt.

Im späten Mittelalter gehörte Schotten den Geschlechtern der Eppsteiner und Trimberger. Die Herren von Trimberg konnten im Jahr 1354 von Kaiser Karl IV. für das Dorf Schotten Recht und Freiheiten der Stadt Friedberg erlangen. Eine ausdrückliche Stadtrechtsverleihung erfolgte dann aber erst zwei Jahre später, am 6. Januar 1356, diesmal mit dem Recht der Stadt Frankfurt und für beide Stadtherren, die von Trimberg und die von Eppstein. Die Urkunde enthielt das Recht zum Bau einer Stadtbefestigung, zum Abhalten eines Marktes mit Marktfrieden und freiem Geleit sowie die niedere und hohe Gerichtsbarkeit.Reimer Stobbe: Schotten und seine Stadtteile im Wandel der Zeiten, Herausgeber: Magistrat der Stadt Schotten ISBN 3-931 259-07-2 S. 123 ff und Broschüre: Hochaltarretabel der Liebfrauenkirche Schotten Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg ISBN 978-3-7954-7338-9

Im Jahr 1364 verpfändeten die Herren von Trimberg ihren Anteil an der Stadt Schotten für 1550 Gulden dem Schenck zu Schweinsberg. Wenig später (1377) vergaben die Herren von Eppstein ihren Anteil als Pfand für die Summe von 1500 Gulden an Johann von Rodenstein. Ein rodensteinischer Diener, Peter von Schwanheim, lag mit dem Erzstift Mainz und der Stadt Frankfurt in Fehde, vermutlich weil er zu den Niederadeligen gehörte, die aus ihrer wirtschaftlichen Not heraus Kaufleute überfielen und ausraubten und damit die Sicherheit der Handelswege in Frage stellten. Diese Sicherheit war zentrales Interesse des Rheinischen Städtebundes. Die Stadt Frankfurt war eines seiner mächtigsten Mitglieder und mobilisierte den Städtebund gegen Peter von Schwanheim. Der Rheinische Städtebund, angeführt vom Mainzer Erzbischof Adolf I., nahm 1382 bei dieser Fehde die Stadt Schotten ein und zerstörte sowohl die Stadtbefestigung als auch das Eppsteiner Schloss und vermutlich auch die Alteburg. Ab 1403 gehörte Schotten den hessischen Landgrafen. In dieser Zeit wurde auch das zuvor zerstörte Eppsteiner Schloss erneuert.

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Schotten:

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 1. Dezember 1970 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Breungeshain, Busenborn, Eichelsachsen, Eschenrod, Götzen, Michelbach, Rainrod und Rudingshain auf freiwilliger Basis eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Betzenrod und Wingershausen ebenfalls freiwillig hinzu. Einartshausen folgte am 1. April 1972. Schließlich wurden durch Landesgesetz die ehemaligen Gemeinden und nunmehr Ortsteile Burkhards, Kaulstoß und Sichenhausen der Stadt Gedern am 1. August 1972 nach Schotten umgegliedert. Für die eingegliederten Gemeinden sowie die Kernstadt Schotten wurde je ein Ortsbezirk errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schotten angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Schotten ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Schotten ab 1584: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Schotten 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Schotten ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Schotten und Stornfels ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Schotten und Stornfels ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk SchottenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Schotten) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1838: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Büdingen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Schotten das Amt Schotten zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen im Jahr 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Schotten fiel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.

Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Schotten kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Nidda. Zum 1. Januar 2012 wurde auch das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst. und Schotten dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Schotten 10.366 Einwohner. Darunter waren 314 (3,0 %) Ausländer, von denen 102 aus dem EU-Ausland, 112 aus anderen europäischen Ländern und 100 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 14,3 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 4,8 %.) Nach dem Lebensalter waren 1560 Einwohner unter 18 Jahren, 4073 zwischen 18 und 49, 2461 zwischen 50 und 64 und 2277 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 4.489 Haushalten. Davon waren 1.356 Singlehaushalte, 1.413 Paare ohne Kinder und 1.215 Paare mit Kindern sowie 389 Alleinerziehende und 116 Wohngemeinschaften. In 1031 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2907 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Die folgenden Zahlen beziehen sich auf die Kernstadt Schotten:

• 1806: 1632 Einwohner, 310 Häuser • 1829: 2005 Einwohner, 351 Häuser • 1867: 2048 Einwohner, 345 bewohnte Gebäude • 1875: 1951 Einwohner, 334 bewohnte Gebäude

Für die Stadtgemeinde ergibt sich mit den ab 1970 eingegliederten Orten folgendes Bild:

Religionszugehörigkeit