Suchań (deutsch Zachan) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Stadt ist Sitz der Stadt-und-Land-Gemeinde Gmina Suchań und gehört mit dieser zum Powiat Stargardzki (Stargarder Kreis).

Geographische Lage Der Ort liegt in Hinterpommern, am Krebsbach, einem Nebenfluss der Ina, etwa 21 Kilometer östlich der Stadt Stargard. Durch den Ort hindurch führt die Landesstraße 10 (droga krajowa 10) Stettin–Bromberg.

Geschichte mini|Zachan um 1846 mini|Stadtkirche (bis 1945 evangelisch) mini|Marktplatz (2015) mini|hochkant|Zachan, westnordwestlich von Schneidemühl und nordwestlich von Arnswalde, auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)

Mittelalter In einer Urkunde aus dem Jahre 1269 wird erstmals eine „villa Zukan“ erwähnt. Anfänglich war die Ortschaft eine Tafelgut der Herzöge von Pommern, die hier im nahe gelegenen Buchenwald, der Hagen genannt, wegen der Reiherbeize ein Jagdschloss hatten. Zu dieser Zeit lag der pommersche Herzog Barnim I. mit dem Johanniterorden über Schuldforderungen gegen ihn im Streit. Der Orden erhob Anspruch auf mehrere Städte, zu denen auch Zachan gehörte. Schließlich gelang es den Johannitern, mit Hilfe des Papstes Zachan in ihren Besitz zu bringen. Sie richteten 1312 dort einen Komtursitz (Verwaltungssitz) ein. Ebenfalls bereits im ausgehenden 13. Jahrhundert hatten die Herren von Güntersberg ihren Hauptsitz in Ravenstein, einem heutigen Stadtteil von Zuchan eingenommen. Wann Zachan Stadtrecht erhielt, ist unsicher, einige Quellen nennen das Jahr 1487.

Frühe Neuzeit Im Jahre 1545 wechselte Zachan seinen Eigentümer, es wurde von dem Hofmarschall Wolf Borcke erworben. 1596 wurde die Stadt durch Feuer fast vollständig eingeäschert. Nach einiger Zeit kam die Stadt wieder durch Kauf an die Herzöge von Pommern; 1646 war sie die Residenz der Witwe des Herzogs Ulrich von Pommern, Herzogin Hedwig, der sie zum Leibgedinge angewiesen worden war. Es gab dann erneut einen Eigentumswechsel, als 1654 die Familie von Schwerin mit Zachan belehnt wurde. Ihr gehörte die Stadt bis 1709, als die Stände des Herzogtums Pommern die Stadt wieder einlösten, worauf sie anfangs dem königl. Amt Saatzig, dann aber dem Amt Dölitz zugeordnet wurde.

1784 wird in einer Ortsbeschreibung Zachan als „eine offene zu dem königlichen Amte Dölitz gehörige Mediatstadt“ erwähnt. Es heißt außerdem, dass damals Zachan 109 zum größten Teil strohgedeckte Häuser und 550 Einwohner hatte. Neben den üblichen Gewerken entstand eine bedeutende Leinenweberei.Ludwig Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 1. Band. Stettin 1784, S. 216–220; .

Nachdem das pommersche Herrscherhaus ausgestorben war, kam Hinterpommern, zu dem auch Zachan gehörte, 1648 an die Mark Brandenburg. Es wurde in den Saatziger Kreis eingegliedert, aus dem nach der preußischen Verwaltungsreform von 1818 der Kreis Saatzig mit der Kreisstadt Stargard wurde.

20. Jahrhundert Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Zachan eine evangelische Kirche, ein Rettungshaus, eine Bierbrauerei sowie Mühlen und Sägewerke.

Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Zachan einen Flächeninhalt von 18,4 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 250 bewohnte Wohnhäuser an fünf verschiedenen Wohnorten:

Um 1935 gab es in Zachan vier Gasthöfe, zwei Bankgeschäfte, eine Bierbrauerei, vier Gemischtwarenläden, zwei Getreidehandlungen, zwei Holzsägewerke, zwei Mühlen, sieben Viehhandlungen und zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe und Dienstleister.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1184 (Google Books).

Im Jahr 1945 gehörte die Stadt Zachan zum Kreis Saatzig im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zu 50 % zerstört. Nach der Besetzung durch die Rote Armee wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Zuwanderung von Polen, vorwiegend aus den im Rahmen der „Westverschiebung Polens“ an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie. In der Folgezeit wurden die deutschen Bewohner der Stadt Zachan von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Zachan wurde in Suchań umbenannt.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1784 550 1802 623 Stadt in einer sehr fruchtbaren GegendAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 408–415, Ziffer 835 (Google Books). 1810 610 1816 659 davon 647 Evangelische und zwölf Juden; nach anderen Angaben 655 EinwohnerOrtschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach der neuen Kreis-Eintheilung vom Jahr 1817 nebst einem alphabetischen Register. Stettin 1817, IX. Saatziger Kreis. Nr. 5; . 1817 655 Stadt mit einer MutterkircheAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 207, Ziffer 52 (Google Books).Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 214 (Google Books),. 1821 703 1905 1384 1910 1343 am 1. Dezember, Stadt mit einer evangelischen Pfarrkirche, einem Krankenhaus, einem Elektrizitätswerk, zwei Bankgeschäften, Krammärkten, einer Brauerei, einer Färberei, Mühlen und WebereienZachan, Stadt, unweit der Ihna, Kreis Saatzig, Regierungsbezirk Stettin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Zachan (meyersgaz.org). 1925 1299 darunter 9 Katholiken und 22 Juden Informationssystem Pommern. 1933 1370 Der Große Brockhaus. 15. Auflage. 20. Band, Leipzig 1935, S. 523. 1939 1302 Im Jahr 2009 lebten hier ca. 4300 Personen.

Sehenswürdigkeiten Auf dem Anger steht die spätmittelalterliche, aus Findlingen erbaute Kirche. In ihrem Innern befindet sich ein vier Meter hoher Renaissancealtar mit reichen Verzierungen aus dem Jahre 1618.

Söhne und Töchter der Stadt Karl Gustav von Hille (vor 1590–1647), deutscher Hofbeamter und Schriftsteller Michael Friedrich Quade (1682–1757), deutscher evangelischer Theologe und Schulmann Paul Gennrich (1865–1946), deutscher evangelischer Theologe und Generalsuperintendent Martin Lindow (1880–1967), deutscher Astronom Friedrich-Carl zur Megede (1921–2003), deutscher Jurist, Präsident des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main

Literatur Zachan, Stadt, unweit der Ihna, Kreis Saatzig, Regierungsbezirk Stettin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Zachan (meyersgaz.org). Paul Schulz (Hrsg.): Der Kreis Saatzig und die kreisfreie Stadt Stargard – Ein pommersches Heimatbuch. Rautenberg, Leer 1984, ISBN 3-7921-0307-9. Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 558; . Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. II. Teil, 4. Band. Anklam 1868, S. 410–429; .

Weblinks

Stadt Zachan (Territorial.de) (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). Zachan beim Heimatkreis Saatzig

Fußnoten

Kategorie:Ort in Pommern Kategorie:Komtursitz (Johanniterorden) Kategorie:Ort der Woiwodschaft Westpommern Kategorie:Gmina Suchań