Die Deutsch-Israelische Gesellschaft e. V. (Abkürzung DIG; hebräisch Agudat ha-Jedidut Germania-Jisrael) ist eine pro-zionistische Organisation in Deutschland, in der sich gemäß ihren Leitsätzen „Freunde Israels in überparteilicher Zusammenarbeit zusammenfinden, um in Solidarität mit dem Staat Israel und seiner Bevölkerung zu wirken.“

Geschichte Die Gesellschaft ist aus den Deutsch-Israelischen Studiengruppen (DIS) hervorgegangen, die seit 1957 an der Freien Universität und der Kirchlichen Hochschule in West-Berlin sowie an 17 weiteren Hochschulen und Universitäten der Bundesrepublik Deutschland existierten.Jonas Hahn: Die Deutsch-Israelischen Studiengruppen und die frühen studentischen Kontakte mit Israel 1948–1972, Göttingen 2025, S. 242–249. Die DIS an der Kirchlichen Hochschule war stark von ihrem Rektor, dem Theologieprofessor Rolf Rendtorff, geprägt. Im Sommer 1963 begann er zusammen mit Gleichgesinnten verschiedene Bundestagsabgeordnete von der Notwendigkeit einer Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zum Staat Israel zu überzeugen.So Gronauer, Gerhard: Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus. Wahrnehmungen in Kirche und Publizistik von 1948 bis 1972 (AKIZ.B57). Göttingen 2013, S. 181–183. Aus diesen Politikerbegegnungen entstand schließlich die Idee zur Gründung einer „Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ (DIG). Am 21. März 1966 erfolgte in Bonn die offizielle Gründung, etwa ein Jahr nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel.

Durch Aufrufe zu humanitärer Hilfe während des Sechstagekrieges wurde die DIG bundesweit bekannt. Zwischen 1967 und 1973 wurde durch Gründung von Arbeitsgemeinschaften die auf zentrale Aufgaben ausgerichtete Arbeit durch regionale Aktivitäten ergänzt.

Im Jahr 1990 beschlossen die Mitglieder der in diesem Jahr gegründeten Gesellschaft DDR-Israel mit Wirkung zum 31. Januar 1991 den Beitritt zum Verein.

2020 wurde Michaela Engelmeier in das neu geschaffene Amt der Generalsekretärin berufen. Durch das neue Amt soll die Arbeit der DIG professionalisiert und ausgeweitet werden.

Mit fast 10.000 Mitgliedern (Stand 2025) und über 50 regionalen Arbeitsgemeinschaften ist die DIG deutschlandweit vertreten. Diese organisieren in Eigenverantwortung Veranstaltungen wie Vorträge, Seminarveranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte, Studienreisen und spezielle Jugendveranstaltungen.

Ziele

Präsidium

Präsident Präsident ist seit 2022 Volker Beck, Gründungspräsident war Gerhard Jahn.

seit 2022: Volker Beck (Bündnis 90/Grüne) 2019–2022: Uwe Becker (CDU) 2015–2019: Hellmut Königshaus (FDP) 2010–2015: Reinhold Robbe (SPD) 2006–2010: Johannes Gerster (CDU) 1994–2006: Manfred Lahnstein (SPD) 1991–1994: Hans Koschnick (SPD) 1977–1991: Erik Blumenfeld (CDU) 1972–1977: Heinz Westphal (SPD) 1967–1971: Ernst Benda (CDU) 1966–1966: Gerhard Jahn (SPD)

Weitere Präsidiumsmitglieder Vizepräsidenten sind Lisa Badum (Bündnis 90/Die Grünen), Marcus Faber (FDP), Jürgen Hardt (CDU), Mathias Stein (SPD), Constantin Ganß, Paula Ranft.

Schatzmeister war seit 2024 Hartmut Ebbing (FDP). Er trat nach Bekanntwerden einer Anklage wegen sexuellen Kindesmissbrauchs zum 6. Februar 2026 zurück. Sein Eintrag auf der Webseite der Gesellschaft wurde ersatzlos gelöscht. Die strafrechtliche Verurteilung aus dem Jahr 2025 sei der DIG nicht bekannt gewesen, schreibt diese in einer Pressemitteilung.

Weitere Präsidiumsmitglieder sind Yoram-Illy Ehrlich, Daniel Killy, Angelika Scherb, Kay Schweigmann-Greve, Fynn Lasse Schauder, Bernhard Sommer.

Von der DIG verliehene Auszeichnungen

Ernst Cramer Medaille Die nach dem jüdischen Publizisten Ernst Cramer benannte Medaille würdigt seit 2013 Persönlichkeiten in Israel und Deutschland, die sich in besonderer Weise um die bilateralen Beziehungen beider Länder verdient gemacht haben. Erster Preisträger ist der israelische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Shimon Peres. 2016 wurde Amnon Weinstein ausgezeichnet, der Violinen und Violoncelli sammelt, die in Häftlingsorchestern der Konzentrations- und Vernichtungslager zum Einsatz kamen oder aus dem Besitz von Opfern der Shoah stammten: Er macht sie wieder spielbar und bringt sie in Konzerten zum Klingen. Er nennt sie „Geigen der Hoffnung“.Katholische Nachrichtenagentur, 14. Dezember 2016. 2019 wurde Otmar Wiestler als Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren ausgezeichnet, die 2018 eine Niederlassung in Tel Aviv gegründet hat, um bestehende deutsch-israelische Kooperationen zu stärken und für die Helmholtz-Zentren neue Beziehungen zu Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen zu knüpfen. 2024 wurde Lars Henrik Gass die Ernst Cramer Medaille verliehen – für seine Zivilcourage und sein Einstehen für Menschlichkeit und gegen Judenhass nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023

Friedenspreis Von 2001 bis 2010 verlieh die Gesellschaft insgesamt viermal den mit 5.000 Euro dotierten Friedenspreis der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Die Preisträger waren: 2001 „Arab Jewish Cultural Center Beit Hagefen“ in Haifa für das Projekt „Young Leadership“ 2003 Die Friedensschule von Neve Shalom / Wahat al Salam 2005 Die Hand-in-Hand-Schule Jerusalem 2010 Die jüdische Amakim Tavor-Schule im Kibbuz Mizra und die arabische Iksal-Schule

Ehrennadel Verdiente Mitglieder und Persönlichkeiten für die Arbeit des Vereins erhalten auf Vorschlag die Ehrennadel der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Zu den Ausgezeichneten gehört unter anderem Marianne Karmon, ehemalige Vorsitzende der Israelisch-Deutschen Gesellschaft in Jerusalem und der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Israel.

Junges Forum Allgemeines Das Junge Forum Deutsch-Israelische Gesellschaft (Abkürzung JuFo DIG) ist die Plattform für Mitglieder von 14 bis 35 Jahren. In der Amtszeit von Lukas Welz (2009–2015) wurde das vormalige Jugendforum in Junges Forum umbenannt und organisatorisch neu strukturiert und bundesweit ausgebaut. Neben der Stärkung regionaler JuFo-Gruppen entstanden vermehrt Hochschulgruppen.Deutsch-Israelische Gesellschaft: DIG Magazin 4/2011 (PDF), „Neues Jahr – neues JuFo!“.Deutsch-Israelische Gesellschaft: DIG Magazin 1–2/2016 (PDF), Rückblick auf die Amtszeit von Lukas Welz.

Bundesvorsitzende waren bzw. sind:

seit 2026: Anika Schmütz 2024–2026: Lasse Schauder 2022–2024: Constantin Ganß 2019–2022: Aras-Nathan Keul 2015–2019: Tibor Luckenbach 2009–2015: Lukas Welz 2005–2009: Stefan Hensel

In bundesweiten Aktivitäten fördert das Junge Forum den Austausch zwischen jungen Menschen in Israel und Deutschland. Dabei sollen insbesondere diejenigen einbezogen werden, die selbst im jeweils anderen Land gelebt haben und ihre Erfahrungen in die deutsch-israelischen Beziehungen einbringen wollen.

Aktivitäten

„Israelpedia“ ist ein mehrmals jährlich stattfindendes JuFo-Seminar und gewährt jährlich jungen Menschen einen tieferen Einblick in ein Thema, das mit Israel, den deutsch-israelischen Beziehungen oder dem Nahen und Mittleren Osten in Verbindung steht. Neben politischen, historischen und gesellschaftlichen Workshops werden Exkursionen, kulturelle Veranstaltungen und Vernetzungstreffen organisiert. 2024: „Der Komplex Islamismus“ 2024: „Israel nach dem 7. Oktober“ 2023: „Frieden für Israel? Perspektiven auf Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten“ 2023: „Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute – Wie viel Gesellschaftstheorie braucht Antisemitismuskritik?“ 2023: „Der Zionismus und das Bauhaus?“ 2022: „Historikerstreit 2.0? Erinnerungsdebatten Deutschland zwischen Postkolonialer Theorie und Antisemitismusforschung.“ 2022: „Was kann Deutschland von Israel lernen?“ 2015: „Zionismus heute: Perspektiven aus Religion, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik“ 2015: „1965 revisited – Eine kritische Würdigung der deutsch-israelischen Beziehungen im 50. Jahr nach ihrer offiziellen Aufnahme (Köln)“ 2014: „‚Alte Wunde‘ Israel – Zur Gegenwart von Antisemitismus und Antizionismus“ (Hamburg) 2012: „Umbrüche im Nahen Osten – Perspektiven für Israel (in Berlin)“ 2010: „Moledet/Heimat – Identität und Erinnerung in globaler Zeit“ (in Weimar)

Die Deutsch-Israelische Zukunftswerkstatt gibt jungen Menschen, die Israel bzw. Deutschland intensiver kennen gelernt haben, die Möglichkeit, Projekte zu entwickeln und sich für die deutsch-israelischen Beziehungen zu engagieren. So sollen neue Wege für Gegenwart und Zukunft ausprobiert und beschritten werden. Die letzte Zukunftswerkstatt fand 2015 in Berlin statt. 2015: „Kollektive und globale Transformationen – 50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen“ 2014: „Grüne Agenda in Deutschland und Israel – Umweltpolitik, Erneuerbare Energien und Klimaschutz“ 2009: „1. Deutsch-Israelische Zukunftswerkstatt in Berlin“

Ein jährliches deutsch-israelisches Sommerlager fand im Rahmen des Sommerlagerprogramms der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste statt. Für mehrere Wochen arbeiteten junge Israelis und Deutsche zusammen, lernten und erlebten Geschichte zu einem jährlich wechselnden Thema: 2014: „...wegen dieses Krieges. 100 Jahre Erster Weltkrieg“ 2013: „Fragmente – jüdisch-russische Identitäten in Deutschland und Israel“ 2012: „Kreuz und Queer – Religion und Sexualität in Deutschland und Israel“

2019 veranstaltete das Junge Forum die erste Deutsch-Israelische Studentenkonferenz in Frankfurt am Main. Auch Vertreter der Nationalen Studentenunion Israels nahmen teil. Mit RCDS, Juso-Hochschulgruppen, Grünen Hochschulgruppen sowie dem fzs wurde eine Resolution zur Verurteilung der BDS-Bewegung verabschiedet.

Gliederungen Das Junge Forum ist vor Ort in Regionalgruppen und Hochschulgruppen aktiv, die mit eigenen Veranstaltungen und Aktivitäten präsent sind. Regional- und Hochschulgruppen bestehen derzeit in fast 40 Städten, darunter Augsburg, Bamberg, Berlin, Erlangen, Frankfurt am Main, Freiburg, Hamburg, Hannover, Kiel, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart (Stand: November 2025).

Kontroversen Einige örtliche Gliederungen der DIG kritisierten die umstrittene, in etwa hundert Städten gezeigte Ausstellung „Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“. Die Ausstellungsmacher warfen der DIG und anderen Kritikern vor, nicht den Diskurs zu suchen, sondern lediglich die Ausstellung unterbinden zu wollen. Allerdings sprach bei der Eröffnung der Ausstellung in Osnabrück der örtliche DIG-Vorsitzende, Hans-Gert Pöttering (CDU), ein Grußwort. Zur Ausstellung in Bremen erklärte der örtliche DIG-Vorsitzende, Hermann Kuhn, gegenüber der Tageszeitung taz, die davon einseitig vorgenommene Schuldzuweisung sei „der Idee eines friedlichen Nebeneinanders nicht zuträglich“. Die Organisatoren der Ausstellung, darunter Detlef Griesche von der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft, warfen ihren Kritikern Verhinderungsversuche hinter den Kulissen vor. Griesche äußerte, der Protest gegen die Ausstellung sei „von Israel geleitet und gelenkt“, räumte aber die Schwerpunktsetzung der Ausstellung auf palästinensische Sichtweisen ein.Diskussion über Feindschaft gegen Juden in Bremen – "Das ist antisemitisch". Weserkurier vom 9. Juli 2015.