miniatur|Emblem der Arabischen Legion

Die Arabische Legion () wurde 1921 als Polizeieinheit militärischen Charakters durch den britischen Lieutenant Colonel Frederick Gerard Peake im britischen Mandatsgebiet Transjordanien – dem späteren Haschimitischen Königreich Jordanien – gegründet. Die Legion stellte als einzige militärische Organisation eine Hauptinstitution des werdenden jordanischen Staates dar und war ein entscheidender Faktor bei der Durchsetzung einer zentralen staatlichen Ordnung des Landes. Im Palästinakrieg 1947 besetzte die Legion die West Bank und Ostjerusalem. Nach Entlassung ihrer britischen Offiziere 1956 wurde sie in die jordanische Armee überführt.

Namensgebung Die Bezeichnung lautete in arabischer Sprache Dschaisch al-Arabi (deutsch „Arabische Armee“). Dies geschah in Anlehnung an die Arabische Revolte, in deren Verlauf viele spätere Legionäre gekämpft hatten. Im englischsprachigen Schriftverkehr wurde Arab Legion verwendet, da Peake der Ansicht war, der Begriff Armee sei auf einen so kleinen Verband nicht anwendbar. Die Benennung der Einheit reflektierte auch das Bestreben des transjordanischen Herrschers Abdallah ibn Husain I. Transjordanien zu einem arabischen Flächenstaat auszudehnen.Kamal Salibi: The Modern History of Jordan. London, New York 1998, S. 94

Geschichte Britische Kolonialzeit bis 1936 1917 annektierte Großbritannien im Zuge des Ersten Weltkriegs große Teile der ehemaligen Provinzen des aufgelösten Osmanischen Reichs. Das Gebiet des heutigen Jordaniens war dünn besiedelt und ökonomisch sehr gering entwickelt. Ganze Landstriche waren ob des Fehlens staatlicher Gewalt in tribale Rechtsstrukturen zurückgefallen. 1920 gründeten die britischen Behörden die Mobilen Kräfte (engl. ) unter Captain Frederick Peake aus 150 Mann. Diese sollte unter Rekrutierung von Einheimischen die Kosten für die Besetzung dieses Teils des Empires senken. 1921 wurde das Territorium als Monarchie Abdallah ibn Husain I. aus der Familie der Haschimiten, die vorher die Scherifen von Mekka stellten, formell in die Unabhängigkeit entlassen. Um seinen Herrschaftsanspruch gegen rivalisierende Stämme insbesondere unter den Beduinen durchzusetzen, benötigte der junge Staat militärische Hilfe. Abdullah wandte sich infolgedessen an die britische Regierung. Diese stellte den Ausbau der Mobilen Kräfte in Aussicht. Der Verband sollte ein verstärktes Bataillon umfassen. Britische Offiziere sollten maßgeblich mitwirken und den Oberbefehl übernehmen. Diese Entscheidung fiel in der britischen Regierung auch aus Furcht, Abdullah könne durch seine expansiven Bestrebungen Alleingänge durchführen.Kamal Salibi: The Modern History of Jordan. London, New York 1998, S. 104f 1922 beteiligte sich die Einheit erfolgreich mit der Royal Air Force an der Zurückschlagung der saudischen Ichwan, welche die Hauptstadt Jordaniens Amman erobern wollten. Auch bei der Niederschlagung von Stammesaufständen war in mehreren Fällen die Royal Air Force zur Luftunterstützung der Legion aktiv. Am 1. April 1923 wurde die Einheit anlässlich der Aufnahme des Landes in den Völkerbund feierlich in Anwesenheit Abdullah ibn Husseins in Arabische Legion umbenannt. Die Einheit umfasste damals 1.400 Mann, darunter ein Großteil Mitglieder der Gendarmerie, welche Polizeiaufgaben erfüllten. Die mobile Reserve der Arabischen Legion umfasste zwei Infanteriekompanien und zwei Eskadronen Kavallerie.Ma'an Abu Nuwar: The History of the Hashemite Kingdom of Jordan: The creation and development of Transjordan, 1920-1929. Band 1, Oxford, 1989, S. 82, S. 222.James Lunt: The Arab Legion - 1923-1957. London 1999, S. 20–23. 1924 wurde eine nicht näher genannte Anzahl von Offizieren entlassen, da sie sich angeblich als arabische Nationalisten gegen die britische Oberherrschaft und die Monarchie verschworen hatten. Die Arabische Legion war neben der Zivilverwaltung das Hauptinstrument zur Durchsetzung des zentralisierten haschimitischen Staates. Die Militärpräsenz erlaubte es erst, in weiten Teilen des Landes moderne Gesetze und Steuereintreibungen durchzusetzen.Yoav Allon: Tribal Shaykhs and the Limits of British Imperial Rule in Transjordan 1920-46. In: The Journal of Imperial and Commonwealth History. Vol. 32, No.1, 2004, S. 69–92.

Bis 1926 wurde die Einheit auf 1.500 Mann aufgestockt. Laut der britischen Führung war die Legion in den Gefechten gegen die Ichwan hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Infolgedessen sollte sie sich auf ihre Rolle als militarisierte Polizei zurückziehen. Die Verteidigung der Außengrenzen des Landes wurde den als konkurrierende Einheit aufgestellten Transjordanischen Grenztruppen (engl. ) übertragen. Abdullah betrachtete dies als Zurücksetzung, da die Grenztruppen offiziell unter Kontrolle der Mandatsverwaltung standen und sich somit seiner Souveränität entzogen.James Lunt: The Arab Legion - 1923-1957. London 1999, S. 33–35 Diese besaßen analog der British Indian Army nur britische Offiziere, und es wurden vor allem nicht-jordanische Araber sowie Tscherkessen und Tschetschenen dafür rekrutiert. Die Grenztruppen konnten die traditionellen Raubzüge der Beduinen untereinander und die Einfälle saudischer Stämme nicht unterdrücken. Durch die militärische Kontrolle der Grenze von transjordanischer Seite wurden die jordanischen Stämme gegenüber den saudischen benachteiligt und verarmten zusehends.James Lunt: The Arab Legion - 1923-1957. London 1999, S. 44 f., 51.

miniatur|John Bagot Glubb in Amman 1940

1931 wurden unter John Bagot Glubb die Mobilen Wüstenkräfte (englisch ) aufgestellt. Glubb rekrutierte für diese Einheit fast ausschließlich Beduinen im Gegensatz zur bisherigen Bevorzugung der Städter in der Armee. Glubb hatte zuvor im Irak mit einer ähnlichen Einheit die staatliche Ordnung unter den Beduinenstämmen durchgesetzt. Glubb war der Ansicht, nur eine Einheit aus Beduinen könne die Stämme befrieden. Die Einheit bestand zu Beginn aus siebzig Kamelreitern und einem Maschinengewehrzug auf Lastkraftwagen. Die Beduinen hatten dabei eine eigene Uniform und im Gegensatz zum Rest der Legion moderne Gewehre sowie eine vollwertige Funkausrüstung. Die Wüstentruppen wurden in den Folgejahren zur Motorisierten Infanterie ausgebaut, während der Rest der Legion nur über wenige Fahrzeuge und türkische Gewehre verfügte. Die ersten in Haifa aus Zivilfahrzeugen umgerüsteten Panzerwagen erreichten die Wüstenkräfte Ende der dreißiger Jahre. 1930 und 1931 wurde ein System kleiner Forts in der Wüste errichtet. Diese wurden von Soldaten in Gruppen- bis Zugstärke bewacht, machten eine schnelle Informationsübermittlung innerhalb des Territoriums möglich und stellten den Nachschub der in der Wüste operierenden Kräfte sicher. Unterstützt durch eine diplomatische Annäherung zwischen Saud und Abdullah kamen die Raubzüge bis 1933 vollständig zum Erliegen.James Lunt: The Arab Legion - 1923-1957. London 1999, S. 44f, 52f, 54, 61f Auch wenn Glubb in der Legion keine Zurücksetzung aufgrund von Ethnie oder Glaube tolerierte, so verschaffte seine Rekrutierungspolitik den Beduinen die zahlenmäßige Mehrheit unter den Legionären. Ebenso stand Glubb nach eigenen Aussagen stellenweise unter politischem Druck, die Söhne einflussreicher Stammesführer zu rekrutieren, um diese an die Monarchie zu binden. Durch die Einbindung in die Legion wurde der Lebensstandard der Beduinen, deren nomadische Viehwirtschaft immer mehr an ökonomischer Konkurrenzfähigkeit verlor, deutlich erhöht. In der Frühzeit der Wüstentruppen bedeutete der Militärdienst oft die einzige Möglichkeit, den Nahrungsbedarf eines Clans zu decken. Im Verlauf wurden viele Beduinen sesshaft. Eine der Hauptmotivationen war der dadurch ermöglichte regelmäßige Schulbesuch der Kinder, der wiederum die Chancen des Nachwuchses erhöhte, in die Legion aufgenommen zu werden. Die Beduinen wurden durch ihre enge soziale Bindung an die Streitkräfte zu einer tragenden Säule des jordanischen Staates.Muwafaq Al-Serhan, Ann L. Furr: Tribal Law in Jordan. In: South Carolina Journal of International Law and Business. Volume 4, Issue 2 Spring, 2008, Article 3, S. 19–21 (PDF).

Arabischer Aufstand Während des Arabischen Aufstands 1936–39 bekämpfte die Legion mehrere Male Aufständische, welche in jordanisches Territorium eingesickert waren. Im Zuge der außenpolitischen Spannungen wurde die Legion mit dem Ziel der Bildung einer vollmechanisierten militärischen Streitkraft deutlich aufgewertet, da von da an die Wahrnehmung von Polizeiaufgaben gegenüber der militärischen Ausbildung und Ausrüstung zurückstehen sollte.James Lunt: The Arab Legion - 1923-1957. London 1999, S. 64–67

Zweiter Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der Legion 1941 nach dem irakischen Militärputsch im Britisch-Irakischen Krieg sowie im anschließenden Syrisch-Libanesischen Feldzug gegen vichy-französische Truppen im Völkerbundmandat für Syrien und Libanon eingesetzt. Dabei nahmen sie an der Erstürmung Bagdads teil. Dies in einer Zeit als die öffentliche Meinung in Jordanien nach Erhebungen des britischen Nachrichtendienstes mehrheitlich mit einem Sieg der Achsenmächte rechnete.Kamal Salibi: The Modern History of Jordan. London, New York 1998, S. 149–151 Die Transjordanischen Grenztruppen weigerten sich unter Hinweis auf ihren Einsatzbefehl, der eine Sonderproklamation zum Einsatz außerhalb Palästinas und Transjordaniens erforderlich machte, auf irakisches Territorium vorzurücken. Da die Proklamation nicht erfolgte, blieb diese Insubordination für die Einheit folgenlos. Sie beteiligte sich jedoch an den Operationen in Syrien.James Lunt: The Arab Legion - 1923-1957. London 1999, S. 78f

1945 hatte die Legion 8.000 Soldaten, davon eine 3.000 Mann starke mechanisierte Brigade. Die Brigade war vom mittlerweile zum Kommandeur aufgestiegenen Glubb aus dem Kern der Mobilen Wüstenkräfte aufgestellt worden. Die Transjordanischen Grenztruppen wurden vollständig in die Legion integriert. Allgemein verstärkte sich unter Glubb die Tendenz, Beduinen in die Legion zu rekrutieren. Die Legion bot eine für das Land sehr gute Bezahlung selbst für einfache Soldaten. Infolgedessen gab es zu fast allen Zeiten ein Mehrfaches des Bedarfs an Freiwilligen, aus denen ausgewählt werden konnte. Die Selbstrekrutierungsquote war dabei hoch.

Palästinakrieg miniatur|Artilleriefeuer der Legion mit Leuchtmunition über Jerusalem, 1948 miniatur|Soldaten und Offiziere der Arabischen Legion mit israelischen Gefangenen nach dem Fall von Gush Etzion 1948

Im Verlauf des sukzessiven Abzugs britischer Militärangehöriger und Zivilisten aus dem Mandatsgebiet Palästina räumten sie am 27. April 1948 das 1943 fertiggestellte Tegart-Fort in Gescher,Michael Jacobson (), “” (27. April 2020), auf: Ynet ; abgerufen am 23. Juni 2026. das daraufhin lokale Kräfte des mehrheitlich jüdischen Dorfes einnahmen. Die Arabische Legion nahm über die Grenze hinweg Gescher daraufhin vom 27. bis 30. April 1948 unter schweren Artilleriebeschuss.NN, “”, auf: ; abgerufen am 26. Juni 2026.