Israel definiert sich seit seiner Unabhängigkeitserklärung als ein jüdischer und demokratischer Staat. Gemäß Angaben des israelischen Zentralbüros für Statistik waren im Jahr 2005 insgesamt 75,4 % der Bevölkerung Juden, 16,9 % Muslime, 2,0 % Christen und 1,6 % Drusen. Die restlichen 4 % waren nicht religiös eingeordnet oder gehörten kleineren religiösen Gemeinschaften an, wie etwa den Bahai.Israelisches Zentralbüro für Statistik: Population, by Religion and Population. Statistical Abstract of Israel 2006 (No. 57), online als abrufbar.
Judentum mini|Bar Mitzwa an der Westmauer. Der Platz vor der Mauer gilt als Synagoge; deshalb ist nach orthodoxem Verständnis Geschlechtertrennung mit Hilfe einer Mechitza notwendig Der Staat Israel bezieht sich in seinen nationalen Symbolen explizit auf die jüdische Religion: Die Flagge erinnert an den Tallit, das Staatswappen an die Menora, einen Kultgegenstand des im Jahr 70 von römischen Soldaten zerstörten Jerusalemer Tempels. Jüdische Feiertage sind in Israel nationale Feiertage, der Schabbat ist der öffentliche Ruhetag. Für das jüdische Volk und das Judentum spielt Jerusalem seit alters her eine herausragende Rolle. Dies hat eine nationale Komponente, nach biblischen Überlieferungen war Jerusalem die Hauptstadt des Davidisch-salomonischen Großreichs, sowie eine religiöse: auf dem Tempelberg stand das zentrale Heiligtum, bis es im Jahr 70 n. Chr. zerstört wurde. Die Westmauer ist ein Überrest der äußeren Umfassungsmauer des herodianischen Tempels.
Das Rückkehrgesetz, unter dem Eindruck des Holocaust formuliert, definiert „Judesein“ im Sinne der NS-Rassengesetzgebung: „Wer auch immer von den Nationalsozialisten Jude genannt und in die Todeslager geschickt wurde, sollte im neu gegründeten Staat Israel Zuflucht finden.“ Das Recht, nach Israel einzuwandern, wurde jedem gewährt, der einen jüdischen Großelternteil hatte, und dem Ehepartner eines so Einwanderungsberechtigten. Das bedeutete, dass manche Menschen, die persönlich keinen Bezug zum Judentum haben, trotzdem dieses Rückkehrrecht wahrnehmen konnten. Andererseits hat das orthodoxe israelische Oberrabbinat eine andere, strengere Definition von Judesein, so dass manche unter dem Rückkehrrecht eingewanderte Personen in Israel nicht als Juden gelten und daher auch keine Ehe mit einem jüdischen Partner schließen können: insbesondere Einwanderer mit einem jüdischen Vater und einer nichtjüdischen Mutter sowie Einwanderer, die außerhalb Israels zum Judentum konvertiert sind, sofern dies in liberalen oder konservativen Synagogen geschah, die das israelische Oberrabbinat nicht anerkennt. Das Oberste Gericht hat bisher den Schritt nicht vollzogen, Konversionen zum Judentum anzuerkennen, die in nicht-orthodoxen jüdischen Gemeinden durchgeführt wurden. Ein Zusatz zum Rückkehrgesetz schließt zur Einwanderung nach Israel berechtigte Personen 1970 aus, wenn sie freiwillig zu einer anderen Religion konvertiert sind. Nach dem jüdischen Religionsgesetz gilt ein Konvertit aber weiterhin als „jüdisch“.
Nach einem Survey des Pew Research Center (2014/2015) beschreiben jüdische Israelis ihre persönliche Religiosität folgendermaßen:Pew Research Center: Israel’s Religiously Divided Society (2016).
49 % säkular (chiloni), 29 % traditionell (masorti), 13 % modern-orthodox (dati), 9 % ultra-orthodox (charedi).
Seit 2002 verzeichneten die meist kinderreichen Charedim ein prozentuales Wachstum ihrer Bevölkerungsgruppe von 6 auf 9 %, die Masortiim einen leichten Rückgang, während die beiden anderen Gruppen etwa konstant blieben. Das Durchschnittsalter ist bei den Säkularen signifikant höher. Die beiden traditionellen jüdischen Subgruppen der Sephardim und Aschkenasim lassen sich dieser Einteilung so zuordnen, dass Aschkenasim eher säkular oder aber ultra-orthodox sind, Sephardim eher traditionell oder modern-orthodox. Sehr hohe religiöse Observanz (z. B. tägliches Gebet, wöchentlicher Synagogenbesuch) zeichnet die Ultra-Orthodoxen aus, etwas geringere Werte gaben die Modern-Orthodoxen an. Die Masortiim sind in dieser Hinsicht eine inhomogene Gruppe, unter denen es sowohl Personen gibt, die täglich beten, aber auch 30 %, die angeben, nie zu beten. Sie sind auch die Gruppe mit den meisten sozialen Kontakten in andere jüdische Subgruppen.
Eine Mehrheit der Orthodoxen (69 %) und Ultra-Orthodoxen (86 %) fände es gut, wenn das Religionsgesetz (Halacha) staatliches Recht würde, was aber von einer Mehrheit der Traditionellen (57 %) und vor allem der Säkularen (90 %) abgelehnt wird. Diese Einschätzung bestätigt sich, wo in der Studie die Meinung zu konkreten Themen, z. B. Geschlechtertrennung im öffentlichen Nahverkehr, erfragt wurde. Eine Erlaubnis für Rabbiner des Reformjudentums und des konservativen Judentums, Trauungen in Israel vorzunehmen, wird von einer großen Mehrheit der Ultraorthodoxen (96 %) und Modern-Orthodoxen (87 %), aber auch 70 % der Masortiim abgelehnt und hätte nur unter den Säkularen eine Mehrheit; sogar in dieser Gruppe sind allerdings 28 % der Befragten für eine Alleinzuständigkeit der orthodoxen Rabbiner. Bei politischen Fragen verortet sich die große Gruppe der Säkularen in der politischen Mitte, während die Modern-Religiösen weiter rechts stehen als Traditionelle und Ultra-Orthodoxe.
Islam mini| Ramadan-Dekoration in Jerusalem (2010) Die Al-Aqsa-Moschee gilt Muslimen als die drittwichtigste Moschee des Islam (nach den Moscheen in Mekka und Medina). Die meisten israelischen Muslime sind ethnische Araber oder arabischsprachig und gehören der sunnitischen Richtung an; ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Israels ist von 9 % (1949) auf 18 % (2014) gestiegen. Sie leben in Kleinstädten und Dörfern vor allem in Galiläa (wo sie über 50 % der Bevölkerung stellen), in der Region Meschullasch, sowie im Negev; in der letztgenannten Wüstenregion handelt es sich meist um Beduinen.Mordechai Zaken: Zwischen staatlicher Fürsorge und langsamer Assimilierung. Minderheiten in Israel. (Gesellschaft für bedrohte Völker; der Verfasser Mordechai Zaken ist Leiter des Amts für Minderheitenangelegenheiten im Ministerium für öffentliche Sicherheit (Israel).).
Nach der Pew-Befragung von 2014/2015 sind die Muslime unter den vier Hauptgruppen (Juden, Muslime, Christen, Drusen) diejenige mit der höchsten religiösen Observanz, so gaben z. B. 61 % an, täglich zu beten, und etwa die Hälfte der Muslime besucht mindestens einmal pro Woche die Moschee. Die jüngeren Befragten waren deutlich weniger religiös praktizierend als die älteren, ein Unterschied zum jüdischen Bevölkerungsteil, wo in dieser Hinsicht kein Unterschied der Altersgruppen festgestellt wurde.
Von der arabischen Minderheit (hierzu zählen auch Christen und Drusen) wird Diskriminierung von verschiedenen Personengruppen stärker als Problem der israelischen Gesellschaft wahrgenommen als von der jüdischen Mehrheitsbevölkerung; besonders seien muslimische Israelis diskriminiert – meinen 79 % der Araber, aber nur 21 % der Juden. Etwa ein Drittel der befragten Muslime nannte eigene, aktuelle Diskriminierungserfahrungen.
Aufgrund der in Israel herrschenden Religionsfreiheit besteht in Haifa die einzige Moschee der Ahmadiyya-Bewegung im Nahen Osten; der Vorgängerbau der heutigen Mahmud-Moschee wurde 1934 errichtet. Diese Moschee ist das Zentrum des zu 70 % von Ahmadis bewohnten Stadtteils Kababir.
Auf den Golanhöhen gibt es ein Dorf mit Alawiten.
Christentum
mini|Historisches Foto des Eingangs der Grabeskirche mini|Inneres der Baptistenkirche in Nazareth Seit der Spätantike gelten die Grabeskirche in Jerusalem und die Geburtskirche in Bethlehem als heiligste Stätten der Christenheit und sind Ziel von Pilgerfahrten. Die Christen sind in Israel eine kleine Minderheit. Ende 2019 lebten 177.000 Christen in Israel, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 2,0 %.Israelisches Zentralbüro für Statistik: , S. 1, 22. Dezember 2019, abgerufen am 30. Dezember 2019. Rund 137.000 (77,5 %) von ihnen sind arabische Christen, rund 40.000 (22,5 %) sind nicht-arabische Christen.Eytan Halon: Israel’s Christian population grows to 177,000 citizens. In: The Jerusalem Post. 23. Dezember 2019. 70,6 % der arabischen Christen leben im Nordbezirk, der den größeren Teil von Galiläa umfasst. 13,3 % der arabischen Christen leben in Haifa und 9,5 % in Jerusalem. Die Städte mit der größten Zahl von Christen sind Nazareth (21.900 Christen), Haifa (16.100 Christen), Jerusalem (12.700 Christen) und Schefar’am (10.300 Christen).
Der Anteil der einzelnen Konfessionen an der christlichen Bevölkerung in Israel wird seitens der israelischen Regierung folgendermaßen geschätzt:Eti Weissblei: Arameans in the Middle East and Israel: Historical Background, Modern National Identity, and Government Policy. (The Knesset, Research and Information Center, 3. April 2017).
42 % Melkitisch Griechisch-katholische Kirche; 32 % Griechisches Patriarchat von Jerusalem; 13 % Lateinisches Patriarchat von Jerusalem; 7 % Maroniten (nach dem Rückzug der israelischen Armee aus dem Libanon (2000) nahm Israel die Familien christlicher Soldaten der Südlibanesischen Armee auf, die etwa ein Fünftel der Maroniten im Lande ausmachen.) 4,4 % Protestanten, darunter Anglikaner, Lutheraner und Baptisten.
Zehn christliche Konfessionen sind von der israelischen Regierung offiziell anerkannt, d. h. die Geistlichen dieser Konfessionen können Amtshandlungen wie Eheschließungen und Scheidungen durchführen. Dabei handelt es sich um orthodoxe und orientalische Kirchen, die römisch-katholische Kirche und mit Rom unierte Kirchen. Seit 1970 hat die (anglikanische) Episkopalkirche als einzige Konfession aus dem protestantischen Spektrum diesen Status.Yishai Eldar: Focus on Israel: The Christian Communities of Israel (Israel Ministry of Foreign Affairs).
2014 schuf die Knesset die Möglichkeit für einen Teil der christlichen Staatsbürger, sich selbst der ethnisch-religiösen Gruppe der Aramäer zuzuordnen statt des arabischen Bevölkerungsteils (so genannter Arabischer Sektor). Bedingung hierfür ist die Mitgliedschaft in der maronitischen, griechisch-orthodoxen (melkitischen), griechisch-katholischen (melkitischen), syrisch-katholischen oder syrisch-orthodoxen Kirche. Etwa 200 Familien im Norden Israels machten davon Gebrauch. Die aramäische Identität dieser ethnisch-religiösen Gruppe wird von Seiten der israelischen Regierung in einer historischen Kontinuität zu den Aramäern des antiken Vorderen Orients gesehen und seit der Spätantike durch die Existenz mehrerer aramäischsprachiger christlicher Kirchen auf dem Boden des Byzantinischen Reichs. Das Thema einer vom Arabertum unterschiedenen aramäischen Identität entstand vor dem Hintergrund zunehmender Anfeindungen von meist arabischen Muslimen gegen arabische Christen, wodurch manche der durch die islamische Eroberung der Levante 636 über Jahrhunderte arabisierten Aramäer sich auf verbliebene Eigenheiten ihrer Identität (aramäische Liturgiesprache und kulturelle Tradition) besinnen, was sie als Bürger des demokratischen Israels und mit der 1996 geschaffenen dessen Grenzen nicht überschreitenden Erzeparchie Haifa e Terra Santa tun können, wobei Anfeindungen durch israelische arabische Nationalisten nicht ausbleiben. Auch die Kirchengemeinden in Nazareth und der maronitischen Kathedrale in Haifa pflegen ihr starkes aramäisches Bewusstsein.