Unter Kategorien ( u. a. ‚Anklage‘, später ‚Eigenschaft‘, ‚Aussage‘ oder ‚Prädikat‘) versteht man in der Logik Grundbegriffe, innerhalb der Ontologie und Metaphysik Grundmerkmale des Seienden. Da das Verb ins Lateinische übersetzt lautet, heißen Kategorien insbesondere im Mittelalter auch Prädikamente. Bei Kant sind Kategorien apriorische Denkformen und somit die Grundvoraussetzung für alle Erfahrungen. Im 20. Jahrhundert werden die Kategorien als offene Begriffssysteme zur Strukturierung der erfahrbaren Welt aufgefasst und ausgearbeitet. Philosophische Kategorien sind insofern absolut, als sie sich nicht auf andere allgemeinere Begriffe zurückführen lassen. Alle Wissenschaften haben ihr Kategoriegefüge. In der Physik sind solche Kategorien z. B. die sieben Basisgrößen.

Platon Das Grundproblem der Kategorien ist das der Ordnung und der Hierarchie des Seienden. Im Anschluss an das parmenideische und heraklitische Denken steht bei Platon die Frage nach dem, was das Seiende ist und welche Art von Sein ihm zukommt, im Vordergrund. Die Frage lautet also, was es eigentlich heißt, wenn wir sagen, etwas „ist“. Diese Frage erweist sich als eine der schwierigsten Rätsel der Philosophie bzw. der Ontologie.

Konsequent befragt, stellen wir dabei fest, dass die wenig reflektierten alltäglichen Aussagen über die Welt und ihren Charakter bei genauerem Nachdenken oft nicht zu halten sind. Da wir aber trotz aller philosophischen Ungewissheit über die letzten Fragen doch Erkenntnis über Sachverhalte und Dinge erlangen können, lässt er in seinen platonischen Dialogen Sokrates die Frage nach den Strukturen unserer Erkenntnis stellen. Auffällig dabei ist, dass wir trotz aller Mannigfaltigkeit von Dingen und Sachverhalten offenbar etwas Allgemeines und Identisches innerhalb der Welt erfassen können.

Die Grundlage für diese Fähigkeit ist für Platon die Teilhabe an unveränderlichen Ideen, die wie Vorlagen für die einzelnen, konkreten Dinge zu verstehen sind, denen diese „nachgebildet“ sind. So nimmt etwa ein konkreter Tisch an der Idee eines Tisches bzw. einer ‚Tischhaftigkeit‘ teil und ist dieser Idee durch die Hand des Tischlers nachempfunden. Der Begriff der Idee ist dabei von dem griechischen Wort idein, sehen, als Substantiv abgeleitet. Doch die Ideen können nur durch das Denken erkannt werden.Gernot Böhme: Platons theoretische Philosophie, Metzler Lizenzausgabe, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Stuttgart 2000, S. 9.

Im Dialog Sophistes stellt Platon fünf oberste Gattungen oder Metaideen vor. Diese sind inhaltlich nicht mit anderen Begriffen verknüpfbar und stellen deshalb die ursprünglichen Prinzipien des Seins dar, weil sie nicht auf andere zurückführbar sind. Er entwickelte in diesem Dialog die erste Kategorienstruktur zur Beschreibung des Seins in der antiken Philosophie.Platon. Sophistes. Text und Kommentar von Christian Iber, Frankfurt 2007, 289. Diese Begriffe sind das Seiende, Ruhe und Bewegung sowie Selbigkeit und Verschiedenheit. Die Gemeinschaft dieser Begriffe liegt in ihrem Anteil am Sein, während sie untereinander gänzlich verschieden sind. Keiner der Begriffe ist in einem anderen enthalten.

Aristoteles Aristoteles folgt Platon in weiten Teilen, allerdings räumt er dem Begriff der ousia (Wesen, Substanz) eine besondere Bedeutung ein. Im Phaidon hatte Platon über die ousia ausgesagt, sie sei das, was ein jegliches Seiendes als es selbst ist (Phaidon 65d-e; 75d). Diese Merkmalsbestimmung übernimmt Aristoteles, allerdings verschärft er ihre Bedeutung: die Frage nach dem Was ist alles Wesen?, womit das einzelne Wesen einer Sache gemeint ist, wendet sich in die nach Aristoteles philosophische Grundfrage: Was ist das Wesen selbst?

Aristoteles gilt als Begründer der „Kategorienlehre“ im engeren Sinne, die unter anderem in der Schrift Die Kategorien abgehandelt wird (deren Titel aber nicht von Aristoteles selbst stammt). Hier (Kat. 4, 1b 25) unterscheidet Aristoteles zehn Kategorien (in Klammern zunächst kursiv der griechische Ausdruck, dann die von Aristoteles an dieser Stelle gegebenen Beispiele): Substanz (ousia, ein Mensch, Pferd), Quantität (poson, ein zwei (drei) Ellen Langes), Qualität (poion, ein Weißes, ein der Grammatik Kundiges), Relation (pros ti, ein Doppeltes, ein Halbes, Größeres), Wo (pou, auf dem Markt, im Lyzeum), Wann (pote, gestern, voriges Jahr), Lage (keisthai, er liegt, sitzt), Haben (echein, er ist beschuht, bewaffnet), Tun (poiein, er schneidet, brennt), Leiden (paschein, er wird geschnitten, gebrannt).

Dieselben Kategorien (allerdings ohne Beispiele) nennt Aristoteles in Top. I 9 (103b 20). An anderen Stellen zählt Aristoteles weniger Kategorien auf (Analyt. post. I 22, 83a 21; 83b 16; Phys. V 1, 225b 6, Met. V 7, 1017a 24ff).

Aristoteles stellt die erste Kategorie, die Substanz, den übrigen, den Akzidenzien, gegenüber (z. B. in Analyt. post. I 22, 83a 25). Diese Unterscheidung ergibt sich dadurch, dass die Substanz selbstständig existiert, während es die Akzidenzien nur mit einer Substanz geben kann. So kann beispielsweise Sokrates ohne seinen Bart existieren, aber der Bart kann nicht ohne Sokrates existieren. Dadurch ist es möglich zu erklären, warum beispielsweise eine Person, die sich im Laufe der Zeit verändert, also akzidentelle Veränderungen erfährt, dennoch substanziell dieselbe Person bleibt. Sokrates kann also seinen Bart abnehmen und doch weiterhin Sokrates bleiben.

Innerhalb der Substanz unterscheidet Aristoteles nochmals zwischen erster und zweiter Substanz (vgl. Kat. 5, 2a 25). Die erste Substanz ist dabei das Individuum, also z. B. Sokrates, die zweite Substanz ist die Art des Individuums, also z. B. Mensch. Das Verhältnis von Individuum und Art wird im Mittelalter im Universalienstreit thematisiert: Hier geht es um die Frage, ob Arten auch unabhängig von Individuen existieren.

Bedeutende Kommentare zu Aristoteles verfassten u. a. Lukios und Klaudios Nikostratos (2. Jahrhundert n. Chr.) Plotin (205–270), Porphyrios und Dexippos (3. bzw. 4. Jhdt).

Für die Tradierung war lange die Schrift Categoriae decem, auch Paraphrasis Themistiana genannt, bedeutend, eine lateinische Zusammenfassung der Kategorienschrift des Aristoteles.

Stoa Während Aristoteles untersucht hatte, in welcher Weise Aussagen über etwas Seiendes möglich sind, war das Interesse der Stoiker darauf gerichtet, Einteilungen für die realen Objekte zu finden. Sie unterschieden deshalb – erstmals bei Chrysippos von Soli bezeugt – vier „Gattungen des Seienden“: Das Substrat als die Substanz, die allen Dingen als Stoff zugrunde liegt (Hypokeimenon), die an das Substrat gebundene Eigenschaft, die zum Wesen des Einzeldings gehört und in ihm konkret wird (Poion), das an die jeweilige Situation gebundene Sichverhalten (Pos echon) sowie Eigenschaften, die sich nur aus der Relation zu anderem Sichverhalten ergeben, wie etwa Vater und Sohn oder rechts und links oder die sich gegenseitig stützenden Steine eines Torbogens (Pros ti pos echon).Max Pohlenz: Die Stoa. Geschichte einer Bewegung. Vandenhoeck & Ruprecht . (7. Auflage. Göttingen 2009, S. 69–70). Wie bei allen anderen philosophischen Richtungen sind die Kategorien und ihr Verhältnis zueinander auch hier Ausdruck der inneren Ordnung des Kosmos.

Thomas von Aquin Auch Thomas von Aquin unterscheidet zwischen Substanz und Akzidenz und steht damit, wie überhaupt die mittelalterliche Philosophie, in der Tradition des Aristoteles. Außerdem ist für Thomas aber die Verbindung von Philosophie und Theologie ein zentraler Aspekt.

In diesem Zusammenhang rückt vor allem das Göttliche in den Blick. Wie sollte das göttliche Sein unter den Vorstellungen des Aristoteles zu verstehen sein? Aristoteles selbst sprach von einem „unbewegten Beweger“, was jedoch der christlichen Offenbarung mit ihrem personalisierten Gottesbild widerspricht. Thomas steht deshalb vor der Aufgabe, die christliche Gottesvorstellung mit den ontologischen Begriffen des Aristoteles zu vereinen und miteinander zu versöhnen. Zentrale Begriffe sind hier Wesen und Sein, Mögliches und Wirkliches sowie Form und Materie.

Letztlich muss Thomas aufzeigen, in welcher Form sich Gott von allem anderen Sein abhebt und wie dies innerhalb des aristotelischen Denkens, dem Thomas treu zu bleiben versucht, widerspruchsfrei zu denken ist. Ein Beispiel für dieses Vorgehen mag das Begriffspaar „Möglichkeit“ und „Wirklichkeit“ bieten. Jedes Individuum hat, ganz im Sinne Aristoteles, „Essenz“, d. h. Wesen, und Existenz, d. h. Dasein. Ob sich die Essenz in der Existenz verwirklicht, ist Teil der Verwirklichung von Möglichkeiten. Diesem Bild entspricht die Beobachtung der Natur: So hat ein Same das Potential, eine Pflanze zu werden.

Für das Sein Gottes muss es nun möglich sein zu denken, dass Er dieser Beschränkung nicht unterliegt. Nur in Gott, so Thomas, findet sich alleine der Aspekt der Wirklichkeit: Gott ist der reine Akt. Gott ist das einzige Seiende, in dem keinerlei Möglichkeit ist (weder hinsichtlich der Existenz noch hinsichtlich der Wesenheit). In Gott findet sich die Verwirklichung, ohne dass sie aus einer Potentialität der Wesenheit hervorgegangen wäre.

Immanuel Kant +Tafel der Kategorien. 1. Der Quantität: Einheit Vielheit Allheit. 2. Der Qualität: Realität Negation Limitation. 3. Der Relation: der Inhärenz und Subsistenz (substantia et accidens) der Causalität und Dependenz (Ursache und Wirkung) der Gemeinschaft (Wechselwirkung zwischen dem Handelnden und Leidenden). 4. Der Modalität: Möglichkeit – Unmöglichkeit Dasein – Nichtsein Notwendigkeit – Zufälligkeit.

Immanuel Kant ersetzt die ontologische Sichtweise der Tradition durch eine erkenntnistheoretische Betrachtung. Kategorien sind für ihn Grundbegriffe des reinen Verstandes oder reine Verstandesbegriffe, über die wir unabhängig von und vor aller Erkenntnis (a priori) verfügen müssen.Vgl. Kant-Lexikon, Eisler Sie sind somit Vorstellungen, die uns gegeben sind oder die „ursprünglich“ erworben werden können – also mit jeder Erfahrung, aber ohne dass eine bestimmte Erfahrung notwendig wäre. Dieser Standpunktwechsel wird in Anlehnung an Kant selbst oft als „Kopernikanische Wende“ bezeichnet.

Die Kategorien werden in der Transzendentalen Analytik der Kritik der reinen Vernunft aus ihrer notwendigen erkenntnistheoretischen Funktion hergeleitet („Transzendentale Deduktion“). Die zwölf Kategorien sind unter vier Titeln (Quantität, Qualität, Relation und Modalität) zusammengefasst. Jede Kategorie hat dabei die Funktion, die Vielheit oder Mannigfaltigkeit der anschaulichen Vorstellungen, die ein transzendentales Subjekt im Bewusstsein vorfindet, zu bestimmen und zu gliedern (Quantität), in Bezug zu anderen Begriffen stellen (Qualität), in Bezug zu anderen Erscheinungen (Relation) oder in Bezug zum Ganzen der Erfahrung (Modalität) zu stellen. Ihre Aufstellung („Kategorientafel“) entwickelt Kant aus der Urteilstafel, die die Funktionselemente jeder möglichen Verknüpfung Vorstellungen zu einem wahrheitsfähigen Urteil enthalten soll. Das Schematismus-Kapitel der Kritik der reinen Vernunft führt die „gegenständliche“ Lesart der Kategorien näher aus.

Friedrich Adolf Trendelenburg vertrat prominent die oft auch unter Kantforschern geteilte Kritik, dass Kant die den Kategorien zugrunde liegenden Urteilsformen nicht systematisch hergeleitet und damit als notwendig begründet habe.Friedrich Adolf Trendelenburg: Logische Untersuchungen, Band 1, 3. Auflage. 1870, 333–334. Eine jüngere Auseinandersetzung mit dieser Kritik findet sich insbesondere bei Klaus Reich und Michael Wolff, nach der die Herleitung aus der Urteilstafel nicht mit der Transzendentalen Deduktion selbst zu verwechseln sei.

Charles S. Peirce