Miss Daisy und ihr Chauffeur (Driving Miss Daisy) ist ein Spielfilm des australischen Regisseurs Bruce Beresford aus dem Jahr 1989. Die Tragikomödie basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Alfred Uhry und wurde von den Filmstudios Majestic Films International und The Zanuck Company produziert. Der Film gewann bei der Oscar-Verleihung im Jahr 1990 vier Academy Awards, u. a. für den Film des Jahres und die beste weibliche Hauptrolle.
Handlung Atlanta, die Hauptstadt Georgias, im Jahr 1948: Als Daisy Werthan, die 72-jährige Witwe eines jüdischen Textilfabrikanten, beim Ausparken versehentlich ihren Chrysler in den Vorgarten ihrer Nachbarn setzt, kündigt die Versicherung ihr die Police. Miss Daisys Sohn Boolie, der Geschäftsführer der familieneigenen Baumwoll-Spinnerei ist, stellt daraufhin einen Chauffeur ein – gegen den Protest seiner Mutter. Der Afroamerikaner Hoke Colburn, Anfang sechzig und ebenfalls verwitwet, soll von nun an Miss Daisy zur Synagoge, zur Bücherei und zu ihren wöchentlichen Mah-Jongg-Partien im Kreise dreier Freundinnen fahren.
Miss Daisy, welcher der Unfall äußerst peinlich war, wehrt sich anfangs noch standhaft gegen diese Bevormundung durch ihren Sohn. Sie weigert sich, auf der Rückbank ihres Wagens Platz zu nehmen, und ignoriert den Chauffeur. Mit Beharrlichkeit gelingt es Hoke nach einigen Tagen, Miss Daisy von seiner Nützlichkeit zu überzeugen. Als sie sich allein zu Fuß zum nächsten Lebensmittelgeschäft aufmacht, folgt er ihr im nagelneuen Automobil der Familie Werthan, einem vornehmen Fahrzeug der Marke Hudson. Schließlich kann er die resolute Dame dazu überreden, einzusteigen und seinen Fahrdienst anzunehmen.
Anfänglich ist die Beziehung zwischen der schlagfertigen, zu übertriebener Sparsamkeit neigenden Miss Daisy und dem weise-gelassen agierenden Hoke sehr angespannt. Mit der Zeit entwickelt sich daraus jedoch eine auf Toleranz und Verständnis basierende tiefe Freundschaft. Die ehemalige Lehrerin bringt dem Analphabeten Hoke das Lesen und Schreiben bei, während sie durch ihn Einblick in die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung erhält.
Schließlich lernen beide, dass sie als Angehörige gesellschaftlicher Minderheiten im selben Boot sitzen. Dies wird zunächst während einer Reise nach Alabama deutlich, als Miss Daisy und ihr Chauffeur dort in eine Polizeikontrolle geraten. Die Ordnungshüter titulieren Hoke nicht als Mister („Herr“), sondern als Boy („Junge“, in den Südstaaten bis in die 1960er Jahre gebräuchliche abwertend-paternalistische Bezeichnung auch für schwarze Männer), und machen ebenso aus ihrer antisemitischen Haltung kaum einen Hehl, indem sie Miss Daisys Nachnamen Werthan verballhornen. Dem Kinozuschauer wird diese zunächst bloß unterschwellig ausgedrückte Verachtung spätestens deutlich, als nach Miss Daisys und Hokes Weiterfahrt einer der Polizisten seinem Kollegen leise zuraunt: „Ein alter Nigger und ein altes Judenweib fahren zusammen die Straße runter: ein bedauernswerter Anblick“ (im Original: An old nigger and old Jew woman taking off down the road again – that is one sorry sight; Filmminute 53:16-53:21). Gemäß der in Alabama gesetzlich verankerten Segregation darf Hoke auch nicht die Toilette einer Tankstelle benutzen, sondern muss seine Notdurft unterwegs am Rande der Landstraße verrichten. Einige Zeit darauf, im Jahr 1958, erfahren Hoke und Miss Daisy, im Stau auf einer verregneten Straße stehend, von einem Bombenanschlag auf Miss Daisys Synagoge. Hoke macht Miss Daisy, die sich als teilweise konservative, dann aber auch wieder liberale Jüdin versteht, auf seine Weise die Verbindungen deutlich, die zwischen der Attacke auf die Synagoge seiner Arbeitgeberin und der Ermordung von Schwarzen durch rassistische weiße Lynchmobs bestehen. In der Folge beginnt es in Miss Daisy zu arbeiten, so dass sie später einen Vortrag des Baptistenpfarrers und Bürgerrechtlers Martin Luther King besucht.
Im Jahre 1973 endet die Filmhandlung: Miss Daisy, mittlerweile an Demenz erkrankt, lebt in einem Pflegeheim. Ihr Sohn Boolie wickelt den Verkauf ihres nun leer stehenden Hauses ab. Seit der ersten Begegnung zwischen Hoke und Miss Daisy sind 25 Jahre vergangen. Inzwischen ist Hoke, der allmählich sein Augenlicht verliert, 85 Jahre alt und seine ehemalige Arbeitgeberin hat das 97. Lebensjahr erreicht. Boolie lädt Hoke zu einem Heimbesuch bei seiner Mutter am amerikanischen Feiertag Thanksgiving ein. Tatsächlich erkennt Miss Daisy ihren langjährigen Weggefährten Hoke und nennt ihn einen Freund. In der letzten Filmszene hilft er ihr liebevoll beim Essen eines Stücks Kuchen.
Entstehungsgeschichte Der Film basiert auf dem Bühnenstück Driving Miss Daisy des US-amerikanischen Schriftstellers Alfred Uhry, das 1987 erstmals Off-Broadway inszeniert wurde. Driving Miss Daisy gehört zusammen mit The Last Night of Ballyhoo (1996) und dem Musical Parade (1998) zur so genannten Atlanta Trilogy, die alle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Atlanta, Georgia, spielen. Uhry wurde bei seinem Drama von seiner eigenen Großmutter Lena Fox und ihrem Chauffeur Will Coleman inspiriert. Das Werk wurde u. a. 1988 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und im selben Jahr im Londoner West End Theatre aufgeführt, mit Wendy Hiller in der Rolle der Miss Daisy. Für die Filmversion, die 1989 entstand, wurden Morgan Freeman, Jessica Tandy und Dan Aykroyd verpflichtet, Freeman hatte bereits in der Off-Broadway-Inszenierung von Driving Miss Daisy die Rolle des Hoke bekleidet und war dafür zum dritten Mal mit dem US-amerikanischen Theaterpreis Obie ausgezeichnet worden. Für die Schauspielerin Patti LuPone schrieb Uhry den Part der Florine nachträglich ins Filmskript. Für die Regie wurde der Australier Bruce Beresford gewonnen, der bereits mit Comeback der Liebe (1983) und Verbrecherische Herzen (1986) erfolgreich Geschichten aus den Südstaaten der USA inszeniert hatte.
Miss Daisy und ihr Chauffeur entstand in und um Atlanta, u. a. wurde am Agnes Scott College (141 E. College Avenue, Decatur), Druid Hill, Griff und The Temple gedreht. Für die Dreharbeiten wurde der herkömmliche 35-mm-Film verwendet. Für die Filmmusik war der deutsche Komponist Hans Zimmer verantwortlich, der die Musikstücke komplett mit Synthesizern ohne Zuhilfenahme eines Orchesters kreierte.
Rezeption Die Tragikomödie feierte ihren limitierten US-Kinostart am 13. Dezember 1989 in drei Kinos und konnte am Eröffnungswochenende einen Brutto-Gewinn von 73.745 US-Dollar verzeichnen. Für den Filmverleih in den USA zeigte sich Warner Bros. verantwortlich. Bruce Beresfords siebzehnte Regiearbeit avancierte zum großen Erfolg bei Kritikern und Publikum. Miss Daisy und ihr Chauffeur spielte bei geschätzten Produktionskosten von 7,5 Mio. US-Dollar einen weltweiten Gewinn von über 145 Mio. US-Dollar ein, wobei allein in den USA ein Brutto-Gewinn von über 106 Mio. US-Dollar erzielt wurde. Kritiker lobten die anrührende Inszenierung des Regisseurs sowie die Darstellerleistungen des Schauspielensembles und im Besonderen von Morgan Freeman und Jessica Tandy. Tandys 26. Kinorolle als reiche jüdische Matriarchin Miss Daisy wurde als beste schauspielerische Darbietung ihrer Karriere bezeichnet, die sie 1932 mit einer Nebenrolle in Cecil Lewis’ The Indiscretions of Eve begonnen hatte. Negative Stimmen warfen Bruce Beresford eine politisch naive und an Höhepunkten arme Inszenierung vor, die nur durch die exzellenten Darstellerleistungen getragen wurde. In Deutschland konnte Miss Daisy und ihr Chauffeur an den Erfolg in den USA anknüpfen. Der Film feierte seine Premiere im Februar 1990 auf der Berlinale und kam knapp einen Monat später am 15. März in die deutschen Kinos.
Aus dem Videoverleih konnte zudem ein Gewinn von 50,5 Mio. US-Dollar erzielt werden. Wegen unterkomplexer Darstellung der Problematik des US-amerikanischen Rassismus in der Mitte des 20. Jahrhunderts und unkritisch wiedergegebener Stereotypen über schwarze Männer wird der damals als fortschrittlich betrachtete Film inzwischen kritisiert und zum Teil als „schlecht gealtert“ besprochen.Hannah Madlener: 12 Oscar-Filme, die heute problematisch sind – ist dein Lieblingsfilm auch dabei? In: Glamour, 10. März 2026, abgerufen am 14. März 2026.
Kritiken „Ihres (Tandys) ist eines der lückenlosesten Porträts der Stadien des hohen Alters, das ich jemals in einem Film gesehen habe.“ (Roger Ebert, Chicago Sun-Times) „Die hervorragend gespielte, aber auf private Dimensionen reduzierte Geschichte ist sehr gefühlsbetont aufbereitet und sorgt damit eher für Rührung und nostalgische Gefühle, als Einsicht in gesellschaftliche Realitäten zu bieten.“ (Lexikon des internationalen Films) „Dies ist Tandys feinste zweistündige Bildschirmpräsenz in einer Filmkarriere, die bis ins Jahr 1932 zurückreicht.“ (Rolling Stone) „... anrührende Komödie von dem Australier Bruce Beresford ('Ninas Alibi', 'Verbrecherische Herzen'), der mit heiterer Note und ein wenig Betulichkeit eine durch Rassen- und Religionskonflikte komplizierte Freundschaft schildert. Hervorragende Darsteller wie Jessica Tandy ('Cocoon'), Morgan Freeman ('Der knallharte Prinzipal') und Dan Aykroyd ('Ghostbusters') umschiffen gekonnt die Klippen aus Kitsch und Rührseligkeit. Regisseur Beresford beweist einmal mehr solides Können.“ (VideoWoche) „‚Driving Miss Daisy‘ zeigt uns, dass Freundschaft durch kleine Liebenswürdigkeiten geschmiedet wird, eine Scheibe Pastete, ein geteiltes Lachen, einen Seufzer des Trostes.“ (Washington Post)
Trivia Der englische Titel Driving Miss Daisy ist im Original doppeldeutig: Er kann „Frau/Fräulein Daisy fahren/chauffieren“ bedeuten, aber auch „Frau/Fräulein Daisy vorantreiben bzw. erziehen“ (nämlich hin zur schrittweisen Anerkenntnis ihrer eigenen Vorurteile und der entwürdigenden gesellschaftlichen Missstände zur Zeit der Rassentrennung in den USA). Im späteren Verlauf der Handlung schenkt Miss Daisy ihrem Chauffeur Hoke ein Buch mit dem Hinweis, dass sie bereits Bürgermeister Hartsfield mit demselben Buch unterrichtet habe. Dies bezieht sich auf William B. Hartsfield (1890–1971), der von 1931 bis 1961 das Bürgermeisteramt von Atlanta bekleidete. In einer Zeit, in der die Demokratische Partei noch für die Rassentrennung eintrat und darum als Stimme der politisch von Weißen dominierten Südstaaten auftrat, galt der Demokrat Hartsfield als racial moderate („rassisch gemäßigt“). Darum zählte er zu den ersten Demokraten, die – nach dem Verbot der „Weiße Vorwahlen“ (1944) – ihr Amt auch den afroamerikanischen Wählern verdankten. Der Film lässt unerwähnt, dass Georgia zu jenen US-Bundesstaaten zählte, in denen die Rassentrennung de jure oder de facto bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg praktiziert wurde (wie damals in allen früheren Konföderierten Staaten von Amerika, aber auch in diversen vermeintlich liberalen Nord- oder Weststaaten, wie Ohio oder Kalifornien). Die Filmfiguren müssen demnach nicht erst während ihrer Alabamareise Erfahrung mit dem System der Rassendiskriminierung gemacht haben, sondern schon vorher, in Georgia: Hoke als Benachteiligter, Miss Daisy und Boolie als freiwillige oder unfreiwillige Profiteure. Bei dem in Filmminute 70:30 erwähnten Bombenanschlag auf Miss Daisys Synagoge handelt es sich um das am 12. Oktober 1958 ausgeführte Attentat auf den Hebrew Benevolent Congregation Temple in Atlanta, Georgia. Die Urheber und deren Motive sind bis heute unbekannt.