United Launch Alliance (ULA) ist ein 2006 gegründetes Joint Venture der beiden US-amerikanischen Konzerne Boeing Defense, Space and Security und Lockheed Martin Space Systems für die gemeinsame Bedienung US-amerikanischer Regierungsbehörden mit Startdiensten der Trägerraketen Delta II, Delta IV und Atlas V. Jedoch ließ Boeing auch die kommerziellen Aufträge, die Boeing Launch Services für die Delta II erhielt, von der ULA ausführen.

Dabei sollten die Entwicklung, Produktion, Test und der Startbetrieb von Raketen zusammengelegt werden, um die Kosten zu senken, wobei die ULA mit jährlichen Einsparungen von 100 bis 150 Mio. US-Dollar für den amerikanischen Steuerzahler rechnet. Boeing und Lockheed Martin sind zu je 50 Prozent an der ULA beteiligt. Der Hauptsitz ist Denver, insgesamt hat das Unternehmen 2.700 Angestellte.

Geschichte Gründung Boeing und Lockheed Martin gaben im Mai 2005 Pläne bekannt, ein Joint Venture mit gleichen Anteilen für Raketenstart-Dienstleistungen zu gründen, nachdem sich die Unternehmen mit dem Verteidigungsministerium sowie anderen Auftragnehmern innerhalb der US-Regierung beraten hatte. Dieses sollte sich vor allem auf mittelschwere bis schwere Trägerraketen und Nutzlasten im Bereich der nationalen Sicherheit für die Regierung fokussieren. Die Unternehmen begründeten diese Transaktion, damit, dass zum einen mehrere hundert Millionen US-Dollar durch Einsparungen im Personalbereich. Weiterhin würde die Menge an Regierungsaufträgen zurückgehen, sodass beide Unternehmen schon mit reduzierter Produktionsgeschwindigkeit arbeiten. Die Unternehmen gaben auch an, dass die Regierung durch die Vergabe von Aufträgen an die ULA in Zukunft 100 bis 150 Millionen USD sparen könne. Ab August 2005 reichten Boeing und Lockheed Unterlagen zur wettbewerbsrechtlichen Prüfung bei der US-Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) und der United States Air Force ein.

Am 19. Oktober 2005 verklagte SpaceX die beiden Unternehmen vor dem District Court für den Central District of California wegen der Gründung des Joint Ventures. Die Unternehmen würden SpaceX durch wettbewerbswidriges Verhalten vom Abschließen von Verträgen mit der Regierung abhalten. SpaceX forderte den Bundesrichter von Kalifornien dazu auf, die Gründung der ULA zu verhindern, da das Joint Venture ein Monopol darstellen würde. Das Unternehmen reichte auch beim Government Accountability Office Beschwerde dafür ein, dass die Regierung versuchen würde, Mitbewerber von Boeing und Lockheed Martin, wie SpaceX, von Aufträgen auszuschließen. Weiterhin kritisierten auch Interessenvertretungen von Steuerzahlern die Gründung eines solchen Monopols, das die Preise für Raketenstarts erhöhen würde.

Am 3. Oktober 2006 genehmigte die FTC den Zusammenschluss. Die Kommission stellte zwar fest, dass der Zusammenschluss andere Wettbewerber zwar einfacher ausstechen könnte, kam aber zu dem Entschluss, dass die Gewährleistung von militärischen Satellitenstarts für die nationale Sicherheit diese Bedenken überwiege. Es wurden auch Einschränkungen für die ULA erlassen, die etwa die Bevorteilung der Mutterunternehmen verbieten und die ULA zur Geheimhaltung von Geschäftsgeheimnissen zwingen. Das Verteidigungsministerium unterstützte im Vorfeld die Gründung des Joint Ventures.

Erste Starts und Aufträge mini|Start einer Delta II am 14. Dezember 2006 Die ULA nahm nach den Angaben auf ihrer Homepage offiziell am 1. Dezember 2006 den Betrieb auf. Die Leitung des Unternehmens übernahm Michael C. Gass als erster President und CEO. Gass war zuvor bei Lockheed Martin als Leiter des Atlas-Programms tätig. Als Chief Operating Officer wurde Daniel J. Collins von Boeing benannt. Der erste Start der ULA war der einer Delta-II-Rakete mit dem Spionagesatelliten USA-193 für das NRO am 14. Dezember 2006. Die Rakete startete vom Space Launch Complex 2W der Vandenberg Space Force Base und setzte die Nutzlast erfolgreich in den Orbit aus.

Ein Jahr nach Gründung verfügte die ULA nach eigenen Angaben über mehr als 4000 Angestellte und konnte in diesem Zeitraum elf Starts erfolgreich abschließen. Das Unternehmen verfügte über Produktionsstätten in Decatur, Harlingen und San Diego. Ende 2008 gab die ULA bekannt, dass man 350 Mitarbeiter im Februar 2009 entlassen werde; weitere im Verlauf des Jahres. Dies wurde mit einer abnehmenden Anzahl an Aufträgen und weniger Ausgaben der Regierung erklärt. Weiterhin wurde die Schließung eines Büros in Huntington Beach angekündigt.

Die US-Regierung schloss bis 2013 zwei verschiedene Verträge mit der ULA ab. Zum einen erhielt das Unternehmen im Rahmen eines „Festpreis“-Vertrags für jeden einzelnen Start Geld. Daneben wurde auch ein launch capability contract (deutsch Startfähigkeitsvertrag) abgeschlossen, der der ULA jährliche Zahlungen für die Bereithaltung von Startmöglichkeiten zusicherte. Durch diese auch ELC-Zahlungen genannten Zuwendungen in der Höhe von etwa einer Milliarde US-Dollar pro Jahr erhielt das US-Militär Zugang zum Weltraum. Im Rahmen des Commercial-Crew-Programms, erhielt die ULA 6,7 Millionen USD. Dieses Geld setzte das Unternehmen für die Entwicklung eines Emergency Detection System für bemannten Starts ein. Im Zeitraum bis 2013 brachte die ULA alle Nutzlasten erfolgreich in den Orbit.

Anfang 2014 wurde bekannt, dass die United States Air Force eine Vereinbarung mit der ULA getroffen hat, die die Bereitstellung von 36 Trägerraketen über einen Zeitraum von fünf Jahren umfasste. Daraufhin reichte SpaceX eine Klage gegen die Regierung ein, da die ULA als einziges Unternehmen Aufträge vom US-Militär erhielt. Weiterhin gab Elon Musk an, dass SpaceX die geplanten Starts zu einem günstigeren Preis anbieten könne. Im Januar 2015 ließ SpaceX die Klage fallen, da die Air Force mittlerweile auch Startmöglichkeiten für andere Mitbewerber anbiete.

Leitung durch Tory Bruno mini|Tory Bruno im Dezember 2019 Im August 2014 wurde Salvatore „Tory“ Bruno als neuer President und CEO des Unternehmens ernannt. Bruno war Leiter der Abteilung Strategic and Missile Defense Systems bei Lockheed Martin und seit 1984 bei dem Unternehmen tätig.

Im Dezember 2014 beschloss der Kongress der Vereinigten Staaten, dass im Zuge von Spannungen mit Russland, die Verwendung von russischen Raketentriebwerken nicht mehr erlaubt ist. Die ULA konnte jedoch erwirken, dass die bereits in ihrem Besitz befindlichen RD-180-Triebwerke weiterhin verwenden durfte. Trotzdem tat sich die ULA mit Blue Origin zusammen, um das neue Raketentriebwerk BE-4 zu entwickeln. 2016 setzte der Kongress ein vollständiges Verbot des Triebwerks bei Missionen des US-Militärs ab 2022 durch.

Die ULA stellte im April 2015 den Entwurf der neuen Vulcan-Rakete vor. Ursprünglich war geplant, den ersten Start im Jahr 2019 durchzuführen. Dieser wurde schließlich erst im Januar 2024 durchgeführt.

Seit Ende 2023 gibt es verstärkt Überlegungen der Mutterunternehmen von ULA, das Unternehmen zu verkaufen. Im Dezember erhielt die ULA Angebote von dem Raumfahrtunternehmen Blue Origin und dem Investmentfonds-Managementunternehmen Cerberus. Auch der Mischkonzern Textron soll an einem Kauf interessiert gewesen sein.

Tory Bruno gab am 22. Dezember 2025 seinen Rücktritt bekannt.

Produkte Vulcan mini|Die erste Vulcan auf dem Startplatz

Im April 2015 stellte die ULA ihre neu Rakete Vulcan vor, nachdem man im vorigen Jahr bekannt gegeben hatte, mit Blue Origin zusammen an dem neuen Raketentriebwerk BE-4 zu arbeiten. Dieses wurde schließlich bei der neuen Trägerrakete verwendet. Die Vulcan sollte die beiden älteren Raketentypen Atlas V und Delta IV ersetzen.

Die erste Stufe der Vulcan hat einen Durchmesser von 4,5 Metern und wird einem BE-4-Triebwerk angetrieben, das Flüssigerdgas (LNG) und Flüssigsauerstoff (LOX oder LO2) als Treibstoff verwendet. Das Triebwerk erreicht auf Meereshöhe eine Schubkraft von etwa 2446 kN. Bis zu sechs Booster können an der Stufe angebracht werden. Die GEM-63XL-Booster, eine Version der Booster der Atlas V, werden von Northrop Grumman hergestellt und bestehen aus einem Graphit-Epoxid-Verbundwerkstoff. Die Booster leisten im Vakuum eine maximale Schubkraft von 2044 kN und werden für etwa 90 Sekunden gezündet. Zusammen mit der Centaur-Oberstufe bildet die erste Stufe der Vulcan die als Vulcan Centaur bezeichnete Schwerlast-Trägerrakete. Die Oberstufe kam auch schon bei den Vorgängermodellen zum Einsatz, wird bei der Vulcan jedoch in einer Variation mit größerem Tank und RL10-Triebwerken, die Flüssigwasserstoff (LH2) und Flüssigsauerstoff von Aerojet Rocketdyne verwendet. Sie verfügt über eine Nennschubkraft von 106 kN.

Der erste Start einer Vulcan sollte ursprünglich 2019 stattfinden, verzögerte sich jedoch immer wieder. Der Start fand schließlich am 8. Januar 2024 statt. Als Nutzlast transportierte man den Mondlander Peregrine des US-amerikanischen Unternehmens Astrobotic Technology. Dieser sollte eigentlich am 23. Januar auf dem Mond landen, erreichte sein Ziel aufgrund eines Treibstofflecks jedoch nicht. Mit diesem Start absolvierte die Vulcan ihren ersten von zwei Zertifizierungsflügen, um Nutzlasten für das Verteidigungsministerium zu befördern.

Die ULA plant, die Vulcan so weiterzuentwickeln, dass sie in Zukunft teilweise wiederverwendbar sein soll. Dies soll nicht so funktionieren, wie es beim Starship der Fall ist, dass die Rakete oder ein Teil von ihr landet und danach für weitere Starts verwendet werden kann. Stattdessen soll die Oberstufe im Orbit verbleiben und dort Satelliten zu ihren Umlaufbahnen transportieren.

Atlas V mini|Start einer Atlas V mit Juno Die Atlas V ist eine Trägerrakete für mittlere bis schwere Nutzlasten und das neueste Mitglied der Atlas-Raketenfamilie. Die Atlas V wurde von Lockheed Martin im Rahmen einer Ausschreibung der US-Regierung im Jahr 1994 entwickelt. Ziel war es eine kostengünstige Rakete zu entwickeln, die ein breites Spektrum an Nutzlasten transportieren konnte. Für die Entwicklung vergab die Air Force an Boeing für ihre Delta IV und an Lockheed Martin Zusicherungen für Starts. Der erste Start der Rakete erfolgte am 21. August 2002 statt mit dem Fernsehsatelliten Hot Bird 6 des europäischen Unternehmens Eutelsat als Nutzlast. Mit ihrer Gründung 2006, übernahm die ULA die Rakete.

Die Rakete besteht aus der Hauptstufe Common Core Booster, die 32,46 m hoch ist und einen Durchmesser von 3,81 m hat. Die Stufe verfügt über ein RD-180-Triebwerk, das von dem russischen Hersteller NPO Energomasch produziert wird. Dieses nutzt Flüssigsauerstoff und Petroleum als Treibstoff und erzeugt eine Schubkraft von 3826 kN. Die Rakete kann, um mehr Nutzlast zu transportieren, um bis zu fünf Feststoffbooster werden, die mit APCP betrieben werden, über eine Schubkraft von 1690 kN verfügen und für etwa 88,3 Sekunden gezündet werden. Als Oberstufe wird die Centaur-Oberstufe verwendet, die entweder mit einem oder zwei Triebwerken des Typs RL10 mit einem Schub von 99 kN pro Triebwerk ausgestattet ist. Für die Nutzlastverkleidung können je nach Größe der Nutzlast konfiguriert werden. Damit können bis zu 18.850 kg in den Low Earth Orbit transportiert werden.

Die Atlas V transportierte 53 Mal Militärsatelliten für die US-Regierung bis am 30. Juli der letzte Start eines Satelliten dieser Art stattfand. Daneben werden auch Nutzlasten für private Kunden sowie Raumfahrtorganisationen gestartet. Außerdem absolvierte die Rakete am 5. Juni 2024 mit dem Start von Boe-CFT ihren ersten bemannten Raumflug. Bis jetzt (Stand August 2024) schlug kein Start der Atlas V fehl.

Centaur