mini|So ähnlich sahen die Flöten in Hadeln aus mini|Die Wettern in Bülkau und die alten Brücken 3 Fuß und 3 Zoll breit mini|In Ihlienworth werden jetzt Spreewaldkähne für Touristen eingesetzt Der Neuhaus-Bülkauer Kanal ist ein 12,4 Kilometer langer Entwässerungskanal zwischen dem Balksee und der Aue in Neuhaus im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen. Er entwässert ein Gebiet von ca. 7.900 Hektar. Er wurde benannt nach dem betreuenden Neuhaus-Bülkauer Schleusenverband, heute Wasser- und Bodenverband Neuhaus-Bülkau.

Verlauf

Nebenflüsse

Diagramm der größten Zuflüsse

Vorgeschichte Im hohen Mittelalter, als das Gebiet des heutigen nordöstlichen Landkreises Cuxhaven, zwischen Otterndorf, Neuhaus, Bülkau, Cadenberge, der Wingst, Odisheim, Steinau, Ihlienworth und Neuenkirchen noch nicht mit Deichen geschützt war, brachten die Bewohner der damaligen Geestinseln Hohe Lieth, Wingst und Westerberg ihre Tiere im Sommer zum Weiden in die tiefer gelegene fruchtbare Marsch. Etwa um das Jahr 1000 begannen die Bauern der Wingst, sich auch am Auepriel, der heutigen Aue in Bülkau, anzusiedeln. Sie bauten ihre Häuser auf Wurten, kleinen natürlichen oder künstlichen Erderhöhungen, um sie vor Überschwemmungen zu schützen. Besonders im Herbst und Winter kam es immer wieder zu Überschwemmungen und Menschen und Vieh kamen um.

Urbarmachung Um das Jahr 1106 rief der Erzbischof Friedrich I. von Bremen mit Urbarmachung ihrer Heimat erfahrene Holländer zu Hilfe. Sie errichteten das auf heutigen Plänen und Satellitenfotos gut erkennbare Entwässerungssystem aus Gräben und Wettern und bauten Straßen. Der ursprünglich das Land einzig entwässernde Priel Aue wurde nicht begradigt. Die Gräben sind zu den Wettern, den Stichgräben oder Vorflutern ausgerichtet. Jedes Feld zwischen zwei Gräben misst noch heute gut 30 Schritt. Einige der Holländer sind im Land geblieben, wie die Familiennamen „Steen“, „von Thaden“, oder auch „von Kampen“ belegen.

In niederschlagsreichen Zeiten waren die Straßen vielfach nicht befahrbar und der Wasserweg die einzige Verbindung. Transporte erfolgten mit Kähnen, in der Gegend „Flöten“ genannt. Besonders im Moor und der tiefen Marsch konnten die Höfe oft nur so erreicht werden. Deshalb musste jede Wettern, jeder Sielgraben, jeder Vorfluter mindestens einen halben Meter tief sein. Jede Brücke, jeder Durchlass, auch Stöpe genannt, musste mindestens 3 Fuß und 3 Zoll breit sein, was ungefähr einem Meter entspricht. Die einfachen normalen „Flöten“ konnten etwa ½ Wispel Korn, was heute 750 Litern entspricht, tragen. Sie waren ca. 80 cm breit, ca. 5 m lang und wurden gestakt, also mit einer langen Stange am Grund abgestoßen und vorwärts getrieben. Je nach Aufgabenstellung konnten diese Flöten sehr klein gebaut, aber um zum Beispiel Milchkannen zu transportieren, auch doppelt so groß sein. In sehr regenreichen Jahren wurden sie sogar zur Verrichtung der Notdurft benötigt, da die Toilette oft auf einer eigenen kleinen Wurt lag und nur per „Flöte“ zu erreichen war.

Heute gibt es keine „Flöten“ mehr. Die letzte lag bei dem Mühlenmuseum in Osterbruch. In Ihlienworth gibt es zwar wieder Ausflugsfahrten mit Kähnen, allerdings sind diese Kähne aus dem Spreewald importiert; sie sehen den Flöten sehr ähnlich, sind seitlich abgerundet, nicht so steil wie die alten „Flöten“ und werden per Motor angetrieben, da es in Ihlienworth zu moorig ist, der Stab oft stecken bleibt und es somit für die Fährmänner zu anstrengend wäre.

Im Jahr 1717 nach der großen Weihnachtsflut, als große Gebiete in Norden überschwemmt wurden und viele Menschen umkamen, wurde der Balksee über die Aue mit Elbwasser so versalzen, dass alle Fische und viele Tiere in diesem Gebiet starben. Das Wasser konnte wochenlang nicht ablaufen und erst Jahre später erholten sich die Bestände wieder.

Die Planung Die Planung für einen Entwässerungskanal begann rund 100 Jahre vor dem Bau. Die Not schloss schließlich die Moorbauern zusammen und ließ sie die hohen Kosten aufbringen. Die Kosten waren auch der Grund, warum es zu dieser Verzögerung kam. Die reicheren Bauern, die auch Geld geben sollten, lebten im Hochland, auf der Hochmarsch im Norden von Bülkau und gut vier bis fünf Fuß über den Nutznießern des Kanals, den ärmeren Menschen im Sietland von Bovenmoor, am Rande der Wingst, im Auemoor und natürlich in ganz Oppeln. Hier kam es in der regnerischen Zeit immer wieder zu Überflutungen und dem Kampf mit dem Wasser. Die daraus entstanden Streitigkeiten kosteten wiederum viel Geld. So schlossen sich die Leute in einem Verband zusammen' Je mehr Mitglieder dieser Verband hatte, desto weniger Kosten kamen auf den Einzelnen zu. So wurde der Neuhaus-Bülkauer Schleusenverband gegründet, dessen Land zu 1/3 auf dem Hochland und zu 2/3 im Sietland lag.

1764 Immer wieder machten sich die Sietländer für eine Entwässerung stark, und immer lehnten die hoch und trocken lebenden wohlhabenden Bauern ab. 1764 bekam der Ingenieur-Kapitän Isenbart den Auftrag, den Balksee und die Zu- und Abflüsse zu vermessen und eine Karte zu zeichnen. Diese Karte wurde später die Grundlage für die Planung des Kanals.

1774 1774 baten 123 Einwohner aus Oppeln, Bülkau–Süderende, dem Bovenmoor und dem Auemoor erneut in einer Eingabe, die Regierung möge den Bau eines Kanals vom Balksee durch das Westermoor, der Westercadewisch, der Neuhäuser Feldmark zur Oste in die Wege leiten.

1851 Nach fast 90 Jahren, im Oktober 1851 konnte bei der Interessenversammlung des Neuhaus-Bülkauer Schleusenverbandes eine fünfköpfige Baukommission gewählt werden. Sie bestand aus den Hausmännern Tönjes Kettelhodt und Jürgen Mangels aus dem Bülkauer Süderende, dem Hausmann Matthias Böhmke aus dem Süderende von Oppeln, dem Oppelner Pastor Carl Friedrich Cooper, sowie einem Vertreter aus Neuhaus, Peter Thumann. Besonders hervor tat sich Pastor Cooper: er versuchte immer wieder auf verschiedenen Wegen, das Geld für den Bau zu beschaffen und dadurch das Leben seiner Gemeindemitglieder zu verbessern.

Geologie des Einzugsgebietes Im Einzugsgebiet des Kanals befindet sich: Moor in Stinstedt, Bülkau–Bovenmoor, Bülkau-Auemoor, Wingst-Grift-Seemoor und weiten Teilen Oppelns, dem Weissenmoor und dem Westersoder Moor. tiefe Marsch in Bülkau–Süderende südliche Aue und im Norden von Oppeln, hohe Marsch in Bülkau–Dorf, dem Norderende, der Sprenge und Auestade sowie die nördliche Aue, Geestrücken, in dem Gebiet der Oppler Geest, um verschiedene Orte bzw. Ortsteilen von Cadenberge, Wingst, Westerberg, Bröckelbeck, Varrel, Nordahn, Mittelstenahe und Stinstedt Eichhofsberg.

Problemstellung und Lösung Der eiszeitlich geprägte Geestrücken Wingst mit dem 79 m hohen Silberberg besteht, unterbrochen nur durch vereinzelte Deckschichten, überwiegend aus gröberen und durchlässigeren Böden wie Sanden und Kiesen, aus denen das Niederschlagswasser unten am Rand seitlich austritt. Durch den höheren Grundwasserspiegel der Geest und das geringe Gefälle der Marsch findet sich in diesen Übergangsbereichen stauendes Wasser. Hinzu kommt, dass diese Gebiete tiefer liegen als die näher an den Flüssen liegenden Marschgebiete, weil diese eine höhere Sedimentzufuhr von der Wasserseite hatten. Daher sind in der Regel am Rand der Geest Randmoore entstanden, die entwicklungsgeschichtlich als Niederungs-Quellmoore bezeichnet werden. Diese flussfernen sog. Sietländer sind Moore mit hohen Wasserständen und langanhaltenden Überflutungen. Im Balksee, einem etwa einen Meter tiefen Moorsee mit einer puffernden Funktion, sammelt sich das Wasser von der südlichen Geest.

Der in Süd-Nord-Richtung verlaufende Neuhaus-Bülkauer Kanal durchschneidet das westliche Randmoor der Wingst und fängt das aus dem Geestberg austretende in Ost-West-Richtung fließende Grundwasser ab, das früher in den Gebieten Bülkau-Auemoor, Wingst-Grift-Seemoor und weiten Teilen Oppelns sehr langsam mit sehr geringem Gefälle bis zur Aue sickerte. So wurde der Bereich zwischen Wingst und Aue wirkungsvoll entwässert. Die Aue als natürlicher mäandrierender Abfluss des Balkssees führte das Wasser auf einem längeren Weg und daher langsamer aus dem See und seinem Einzugsgebiet ab. Der Kanal verkürzte diese Strecke deutlich und verbesserte damit auch die Entwässerung im tief liegenden Einzugsgebiet des Balksees. Auch als lokaler Verkehrsweg hatte er eine wichtige Funktion, die aber mit der Motorisierung endete.

Der Abfluss erfolgt nach Möglichkeit bei Niedrigwasser im freien Gefälle durch ein Siel und den alten Neuhäuser Hafen in die Aue, bzw. bei unzureichenden Gefälleverhältnissen über die Aue und das Schöpfwerk der Aue und weiter in die Oste und Elbe.

Der Bau

Der Bau begann am 2. Juni 1852. Der Neuhäuser Amtmann Schmidtmann sandte eine Nachricht an die Königlich Hannoverische Landdrostei Stade, dass mit dem Bau begonnen sei, und zwar bei schönstem Wetter mit 80 Mann direkt in seinem Garten, sowie im Amtshof in Neuhaus.

Die verschiedenen Arbeiten wurden in sogenannten Losen verteilt. Es war 1852 eine Vielzahl von Arbeitern und Arbeitsschritten vonnöten, um den Bau zu bewältigen. Es mussten viele Arbeiter angeworben werden. Als erstes wurden 460 Karren angeschafft und dann die Arbeiten aufgeteilt in graben, schaufeln, Karren schieben, Wasser schöpfen, Wasser schaufeln, Schlick wegkarren, rammen, aber auch für Wachen musste gesorgt werden.

Für den Kanal mussten in drei Sektionen ca. 149 Morgen Land abgetreten werden. Die erste Sektion lag in der Ortschaft Grift (Wingst) und brauchte 50 Morgen. In der Sektion II waren 63 Morgen aus den Ortschaften Kriegerkuhle, Westermoor, Altkehdingen und Westercadewisch im damaligen Kirchspiel Cadenberge nötig. Die Sektion III mit 36 Morgen lag ausschließlich in der Neuhäuser Feldmark. Auf der gesamten Strecke besteht ein Höhenunterschied von ca. 60 cm und es sollten etwa 260.000 m³ Erde von Hand ausgehoben und weggekarrt werden. Sieben Brücken für die öffentlichen Straßen waren geplant, allerdings mussten nur sechs gebaut werden, da ein Bauer in der ersten Sektion nicht darauf warten wollte oder konnte und seine eigene Feldbrücke baute. So konnten 574 Reichstaler gespart werden.

Es wurden immer mehr Arbeiter benötigt. Männer aus allen Teile des Nordens hörten von der Arbeit und wollten hier ihr Geld verdienen. Dem Ruf folgten nicht nur ehrbare Männer wie die Oltmanns aus Friesland, die dann in Oppeln heimisch wurden, sondern auch manch Gesindel, das schon bei dem Bau des Hadelner Kanals abgewiesen worden war. Der Hadler Kanal, wie er auch genannt wird, wurde fast zur gleichen Zeit gebaut, und entwässert das Land weiter im Landesinneren um Ihlienworth, Odisheim, Stinstedt, Steinau bis hin nach Bad Bederkesa. Um das Gesindel auch hier fernhalten zu können, wurden die gleichen Zulassungsformalien und Erfahrungen im Bau des Hadelner Kanals auch hier verwendet.

Aus Angst um die Lohngelder, die im Amtshaus in Neuhaus verwaltet wurden, wurden zusätzlich zu den zwei in Neuhaus fest stationierten Landgendarmen zwei weitere für diese Zeit angefordert.

Die Fertigstellung In nur gut anderthalb Jahren Bauzeit konnte der Kanal fertiggestellt werden. Im Juni des Jahres 1853 wurden die Böschungen und Deiche mit Grassamen besät, bis August konnten alle Dämme im Kanalbett sowie der Damm am Balksee entfernt und der Kanal geflutet werden. Gleichzeitig konnte der Abfluss der Aue und der Grift mit dem sogenannten Großen Damm und die Hundestöpe geschlossen werden.

Am 14. Dezember 1853 schrieben der Neuhäuser Amtmann Schmidtmann und der Wasserbau-Inspektor Strauch in ihrem monatlichen Report an die Landdrostei, dass nun alle Arbeiten abgeschlossen seien, allerdings es schon in dem großen Kanalbogen zu Treibsandablagerungen gekommen sei, und fragten an, ob diese vor der Übergabe an die Verbandsvertreter bereinigt werden müssten. So zögerte sich die Übergabe an den Schleusenverband bis zum April 1854 hinaus.

Kosten und Nutzen Kosten