mini|Verbreitung der italienischen Sprache in Europa Als Italiener (italiani) bezeichnet man im Sinne einer Ethnie die Gesamtheit der Personen italienischer Muttersprache, teilweise auch deren Nachfahren. Italiener sind die Titularnation der Italienischen Republik sowie des früheren Königreichs Italien und bilden die Mehrheit der Bürger Italiens. Im staatsbürgerlichen Sinn begründen alle Staatsangehörigen Italiens das italienische Staatsvolk.

Das Staatsvolk umfasst über 56 Millionen Menschen und macht etwa 92,5 % der Einwohner Italiens aus. Hinzu kommen weltweit 15Willi Stegner: Taschenatlas Völker und Sprachen, Seite 62. Klett-Perthes, Gotha und Stuttgart 2006 bis 30Detlev Wahl, Seite 94 Millionen, nach einigen italienischen Angaben sogar 60 bis 70 MillionenEin Panorama der Migration – Italienische und deutsche Erfahrungen – Ein Vergleich in 10 Thesen (PDF) S. 3Wie viele sind die Italiener im Ausland?, Italienische Bischofskonferenz (PDF; 125 kB) Stiftung Migrantes Italienischstämmige, hauptsächlich in Lateinamerika und in den Vereinigten Staaten.

Ethnogenese mini|Der Raub der Sabinerinnen als mythischer Beginn der Verschmelzung der Italiker

Romanisierung der italischen Stämme in der Antike mini|Grabportrait der Etruskerin Velia, 4. Jahrhundert v. Chr., Tomba dell’Orco

In der Bronzezeit verdrängten indoeuropäische Italiker, Veneter, Etrusker (nicht-indoeuropäischHarald Haarmann: Die Indoeuropäer. Herkunft, Sprachen, Kulturen. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60682-3, S. 66.), Gallier und Griechen die Vorbevölkerung (zum Beispiel Ligurer). Während in der süditalienischen Magna Graecia Griechen die italischen Sikeler verdrängten und bis heute eine griechische Minderheit lebt, gründete der italische Stamm der Latiner im 12. Jahrhundert v. Chr. die Stadt Alba Longa. Die römische Mythologie machte später den Trojaner Aeneas zum legendären Stadtgründer, um sich bereits an eine ruhmreiche Vergangenheit anzusippen. Auch die venetische Stadtgründung Padua beruft sich auf einen trojanischen Gründervater (Antenor). Die aus Alba Longa ausgezogenen Zwillingsbrüder Romulus und Remus wiederum sollen um 753 v. Chr. die Stadt Rom gegründet haben.

In zahlreichen Kämpfen gegeneinander und gegen die Etrusker unterwarfen die latinischen Stämme schließlich die übrigen italischen Stämme (Samnitenkriege), gegen die Griechen und Karthager entstand eine italische Wehrgemeinschaft unter Führung Roms. Nach dem Bundesgenossenkrieg wurden allen italischen und etruskischen Stämmen und schließlich auch den Venetern römische Bürgerrechte gewährt. Spätestens mit der Vernichtung Karthagos und der Eroberung Griechenlands wurde Rom zum Zentrum eines gewaltigen Imperiums, das rund um das Mittelmeer weite Teile Europas, Asiens und Afrikas eroberte und romanisierte. Die Nordgrenze des eigentlichen Italien war zunächst der Rubikon, erst später verlegten römische Kaiser ihre Residenzen nach Mailand und Ravenna.

Assimilation germanischer Eroberer im Mittelalter

Doch spätestens im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung brach dieses Imperium während der Völkerwanderung zusammen, in Italien gründeten Ostgoten (in Ravenna) und Langobarden (in Papia, heutiges Pavia) germanische Reiche. San Marino wurde unabhängig. Die Machtbasis der germanischen arianisch-christlichen Eroberer beschränkte sich jedoch auf eine nur wenige Hunderttausende zählende Militär- und Oberschicht (100.000 Ostgoten), denen fünf bis sieben Millionen katholische Römer (»Italier«) gegenüberstanden.Rigobert Günther: Vom Untergang Westroms bis zum Reich der Merowinger. Dietz, Berlin 1987, Seite 136. Ostgoten und Langobarden wurden daher ebenso von der römischen Zivilisation assimiliert und katholisch wie später die bereits romanisierten und francophonen Normannen Süditaliens (Neapel, Tarent, Palermo). Dennoch sind in Norditalien langobardische und in Süditalien normannische Siedlungsspuren und Spracheinflüsse nachweisbar. Römer und germanische Eroberer verschmolzen (nicht vor dem 11. Jahrhundert) zu Italienern, doch Unterschiede zwischen Florentinern und Neapolitanern, zwischen Genuesen, Mailändern, Turinern und Venezianern einerseits und Römern oder Sizilianern anderseits blieben bestehen.

Die Langobarden wurden im 8. Jahrhundert von den Franken verdrängt, den fränkischen Eroberern folgten nach den fränkischen Reichsteilungen im 9. Jahrhundert deutsche Eroberer, die im 10. Jahrhundert die letzten fränkisch-römischen Kaiser bzw. fränkisch-italienischen Nationalkönige unterwarfen. 1027 trennte Kaiser Konrad II. zur Sicherung der wichtigen Brennerroute das Bistum Trient vom italienischen Reichsteil (dem ehemaligen Königreich der Langobarden) ab und gliederte es dem deutschen Reichsteil ein.

mini|Die Schlacht von Legnano wurde zum nationalen Mythos überhöht

In ganz Italien kämpften fortan römisch-deutsche Kaiser, Päpste und Partikularfürsten, Ghibellinen und Guelfen, Seerepubliken sowie Condottiere mit wechselndem Erfolg um Macht und Einfluss. Der in der Schlacht von Legnano 1176 errungene Sieg der im Lombardenbund zusammengeschlossenen norditalienischen Städte über den Kaiser wurde später im Risorgimento zwar nationalistisch überhöht, festigte aber das bürgerliche, wenn auch nicht das nationale Selbstbewusstsein der rivalisierenden norditalienischen Stadtrepubliken.

Die Seerepubliken schafften es zu großem Reichtum: Insbesondere die Republik Venedig erlebte dank des Monopols über die Handelsrouten ins Byzantinische Reich eine außerordentliche Blüte. Genua und Florenz entwickelten sich zu florierenden Bankzentren und finanzierten Kriege und Expeditionen zahlreicher europäischer Herrscherfamilien.

Kulturelle Wiedergeburt in der Renaissance Um 1307 schuf der Florentiner Dichter und Philosoph Dante Alighieri mit seiner Göttlichen Komödie ein Werk, welches für Italien eine ähnliche Bedeutung hatte wie Luthers Bibelübersetzung für Deutschland über 200 Jahre später. Aus dem toskanischen Dialekt des Vulgärlatein und sizilianischen Einflüssen schufen Dante, der Dichter Francesco Petrarca sowie der Autor Giovanni Boccaccio die Grundlagen der modernen italienischen Sprache. Das Lateinische blieb aber weiterhin die dominierende Sprache auf der Halbinsel.

Während der Friede von Lodi die Zersplitterung Italiens sowie ein stabiles Patt zwischen den damals fünf stärksten italienischen Staaten festigte (Venedig, Mailand, Florenz, Rom, Neapel), ergriff ausgehend von Florenz eine kulturelle Rückbesinnung auf Kunst und Wissenschaft, auf Ruhm und Größe der griechisch-römischen Antike Italien und ganz Europa (Renaissance).

Wirtschaftlicher und politischer Niedergang Der wirtschaftliche Niedergang Italiens begann nach der Entdeckung Amerikas, mit der Verlagerung des Handels in die Überseekolonien westeuropäischer Staaten, auch angesichts der osmanischen Kontrolle über das Mittelmeer. Die Halbinsel hatte ihre Bedeutung als Umschlagplatz zwischen Abend- und Morgenland verloren.

Politisch wurde Italien, dessen Teilstaaten ihre Unabhängigkeit bis dahin erfolgreich verteidigen konnten, zum Spielball fremder Mächte. Im 16. Jahrhundert kämpften Frankreich und Spanien um die Vormachtstellung auf der Halbinsel (Italienische Kriege). Das Tessin war schon 1512/1513 an die Schweiz gefallen und die Vorherrschaft des Papsttums war durch die Plünderung Roms 1527 (Sacco di Roma) gebrochen worden. Florenz wurde nach dem Aussterben der Medici zum französisch-österreichischen Spielball. Im Norden gewann das Piemont regierende Haus Savoyen durch Lavieren zwischen Frankreich und Österreich immer weitere Gebiete und schließlich Sardinien hinzu und konnte sich zum mächtigsten Teilstaat auf der Halbinsel entwickeln. Genua verkaufte die Insel Korsika an Frankreich.

Vom 16. bis hinein ins 19. Jahrhundert stand der Großteil Italiens somit unter Fremdherrschaft, in Abhängigkeit von außeritalienischen Mächten oder unter der Herrschaft von Fürsten, die als zweitgeborene österreichische oder spanische Prinzen durch Vereinbarungen der europäischen Großmächte zur Herrschaft gelangt waren (sogenannte Sekundogenituren). Dieses Erbe hat zu einem tief verwurzelten Obrigkeitsmisstrauen geführt, es hat dem Individualismus, der Gleichgültigkeit und dem Argwohn gegen den Staat Vorschub geleistet.Wie funktioniert Italien? Wenn wir wollten, könnten wir … In: Die Zeit, Nr. 13/2010.

Kulturell behielten Italiens Teilstaaten weiterhin eine herausragende Rolle. Die Renaissance und der Manierismus haben ihre Wurzeln in Italien, ebenso das Barock, das sich in Rom, dem Sitz des Papsttums, entwickelte. Später erfuhr der Klassizismus mit Antonio Canova eine Zeit der Blüte. Auch die geistige Strömung des Renaissance-Humanismus, die zuerst von Francesco Petrarca (1304–1374) angeregt wurde, hatte in Florenz ein herausragendes Zentrum und breitete sich im 15. und 16. Jahrhundert über den größten Teil Europas aus. Während all dieser Epochen führte die Grand Tour der Söhne des europäischen Adels und des gehobenen Bürgertums obligatorischerweise auch durch Italien und sorgte dadurch für die Verbreitung antiker und neuerer italienischer Kunstwerke, etwa durch die Veduten von Piranesi oder den Ankauf von Kunstwerken und ganzen Sammlungen, besonders in England, Frankreich und Deutschland. Seit Winckelmann entstand ein breites Forschungsinteresse zur antiken Kunst, mit zahlreichen Publikationen. Goethes Italienische Reise ist ein Zeugnis dieser Kunstbegeisterung. Über die Bevölkerung als Ganzes urteilt Goethe: „Von der Nation wüßte ich nichts weiter zu sagen, als daß es Naturmenschen sind, die unter Pracht und Würde der Religion und der Künste nicht ein Haar anders sind, als sie in Höhlen und Wäldern auch sein würden.“Italienische Reise, Eintrag vom 24. November 1786

Italienisches Nationalbewusstsein mini|Nationalheld Giuseppe Garibaldi verkörperte das revolutionär-demokratische Element der Nation Der Nationalgedanke kam mit den Revolutionsheeren der französischen Republik ins Land. General Napoleon Bonaparte, selbst korsischer Herkunft, gründete seit dem Italienfeldzug diverse Tochterrepubliken. 1802 schuf er aus der Cisalpinischen Republik erstmals eine Italienische Republik und 1805 daraus das Königreich Italien, dessen Präsidentenamt bzw. Krone er selbst übernahm. Wenn dieses nationale Königreich auch nicht die gesamte Halbinsel umfasste und schon 1814 im Zuge des Wiener Kongresses von Österreich zerschlagen wurde, so wuchs aus der Erinnerung daran und dem revolutionär-demokratischen Ideal die nationale Bewegung des Risorgimento.

Risorgimento Der Geheimbund der Carbonari organisierte 1820/21 Aufstände in den italienischen Staaten, die von österreichischen Truppen ebenso niedergeschlagen wurden wie die Auswirkungen der französischen Julirevolution von 1830. Nach der Niederlage der Revolutionen 1848/1849 übernahm statt revolutionärer republikanische Kreise (zum Beispiel Giuseppe Garibaldi) das Königreich Sardinien-Piemont die Führung im Kampf um die nationale Einigung. Die Italienischen Unabhängigkeitskriege führten 1861 schließlich zur Errichtung eines gesamtitalienischen Königreichs unter dem Haus Savoyen. Durch den Frieden von Wien (1866) kamen auch Venetien und ein Großteil des Friauls zu Italien. Mit der Angliederung Roms (und dem Sturz des Papstes) 1871 war die nationale Einigungsbewegung zunächst vollendet. Die von Italienern besiedelten Gebiete Trient, Triest und Istrien (das zusammen mit Dalmatien bis 1797 zu Venedig und 1805–1809 zu Italien gehört hatte) waren außerhalb des Nationalstaats geblieben und bis auf weiteres ein Teil des Habsburger Reiches. Zudem hatte Sardinien-Piemont 1860 Savoyen und Nizza an Frankreich zurückgeben müssen. Diese Gebiete wurden Ziel der Irredenta-Bewegung.