Das Savoy Theatre ist ein West End Theater an der Straße Strand in der City of Westminster London, England. Das Theater wurde von Impresario Richard D’Oyly Carte in Auftrag gegeben und am 10. Oktober 1881 eröffnet. Es wurde auf den Grundstücken des alten Savoy Palastes des britischen Theaterarchitekten Charles J. Phipps errichtet. Das Savoy Theatre war auch das erste öffentliche Gebäude der Welt, welches vollständig elektrisch beleuchtet wurde.
Zunächst war es als Spielstätte für eine damals sehr populäre Reihe Komischer Opern aus der Feder von Gilbert und Sullivan gedacht. Diese Art der Oper wurde zeitweilig auch nur noch „Savoy-Opern“ genannt. Für viele Jahre wurde das Savoy Theatre so die Heimat der D’Oyly Carte Opera Company, welche durchgehend ein Jahrhundert lang von der Familie Carte betrieben wurde. Richards Sohn Rupert D’Oyly Carte renovierte und modernisierte das Theater im Jahr 1929.
Neben The Mikado und anderen berühmten Uraufführungen von Gilbert und Sullivan, zeigte das Haus auch Premieren, wie im Jahr 1931 die erste offizielle Aufführung in England von Oscar Wildes Drama Salome, nachdem es zuvor verboten war, dieses zu seiner Zeit als blasphemisch und zudem sexuell anzüglich betrachtete Stück im Land aufzuführen sowie Noël Cowards Komödie Blithe Spirit (1941).
Baugeschichte mini|Originaleinrichtung des Savoy, 1881 Carte hatte die Idee zum Bau des Savoy Theaters bereits in den 1870er Jahren. Sein Wunsch war es, die Opern von Gilbert und Sullivan, welche er bereits erfolgreich an andere Bühnen gebracht hatte, einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen. Hierfür zog er das verfallene Gelände des ehemaligen Savoy Palastes (und eines späteren Krankenhauses an dieser Stelle) in Betracht.
Bevor Carte an den Grunderwerb ging, ließ er sich seitens offizieller Stellen der Stadt zusichern, dass an der Südseite des Areals eine neue Straße gebaut werden würde. Im Gegenzug, so verlangte es die Stadt, solle Carte die Hälfte der Straßenbaukosten beisteuern. Carte erwarb nun das Grundstück für 11.000 Pfund und erfüllte im März auch seinen finanziellen Anteil an dem Straßenbau. Jedoch ließ dieser lange auf sich warten. Carte sagte in der Times dazu, er sei gefangen in den Maschen der Bürokratie.Carte, Richard D’Oyly. Building Difficulties, The Times, 22. Mai 1880, S. 6. Endlich erhielt er die feste Zusage für den Juni 1880. Währenddessen erhöhte Architekt Emden seine Baukostenschätzung von zunächst veranschlagten 11.000 Pfund auf 18.000 Pfund (heutiger Kaufkraft entspräche dies ca. 1,8 Millionen EuroInflation: the value of the pound 1750–2011 RESEARCH PAPER 12/31 vom 29. Mai 2012, hrsg.: House of Commons, online als PDF (1,9 kB): parliament.uk). Darauf entließ er den Architekten. Jedoch stellte ihm dieser sein Honorar über 1.790 £ sowie 3.000 £ Ausfallhonorar wegen der vorzeitigen Vertragsaufhebung in Rechnung."100 Electrifying Years", The Savoyard, Ausgabe XX Nr. 2, D'Oyly Carte Opera Trust, September 1981, S. 4–6. Carte beauftragte nun Charles J. Phipps damit, sein Theater zu bauen. Die ausführende Firma war Patman and Fotheringham.
Die Arbeiten schritten rasch voran und lagen im Plan. Dennoch musste der Eröffnungstermin mehrmals verschoben werden, da die Arbeiten an der seinerzeit als innovativ geltenden elektrischen Beleuchtung andauerten. Schließlich konnte das Savoy am 10. Oktober 1881 eröffnet werden.Rollins and Witts, S. 8.
Zunächst wollte Carte das Theater „Beaufort Theatre“ nennen, da es im Bereich des Theaters eine „Beaufort-Siedlung“ gab,Howard, S. 214. aber er schrieb später in einem offenen Brief an den The Daily Telegraph „On the Savoy Manor there was formerly a theatre. I have used the ancient name as an appropriate title for the present one.“ (Im Savoy Herrenhaus war früher ein Theater. Ich nutze den alten Namen als einen angemessenen Titel für das heutige.) Das Äußere des Gebäudes war aus Backsteinen und Portland-Steinen gefertigt.Oost, S. 59. Die Innengestaltung von Collinson und Locke orientierte sich an der italienischen Renaissance. Die vorherrschenden Farben sind Weiß, blasses Gelb und Gold, ergänzt durch einen Vorhang aus goldenem Satin, rote Logen und dunkelblaue Stühle. Es gab keine der Engel, Götterbilder oder Fabelwesen, welche in der Dekoration der Konkurrenztheater üblich waren. Carte wollte nichts, was seinem bürgerlichen Zielpublikum zu grell oder knallig erscheinen könnte.
links|mini|Programm mit dem Wappen des Savoy Palastes (1896) Am Eröffnungsabend erhielt Phipps zusammen mit Gilbert und Sullivan und Carte mehrere „Vorhänge“. The Times kommentierte, „Von jedem Sitz des Hauses erhält man eine perfekte Sicht auf die Bühne.“ Es gab Ausgänge an allen vier Seiten des Theaters und es wurden feuerfeste Materialien eingesetzt, um ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten. Es gab drei Ränge in vier Ebenen. Die Gesamtkapazität betrug 1.292 Sitze.Es gab 18 Privatlogen mit 72 Sitzen, 150 Sitze Parkett, 250 Pit, 160 Balkon, 160 „Circle“, und 500 auf dem „Amphitheater“ und Galerie. "The Savoy Theatre", The Times, 3. Oktober 1881. Der Proszeniumbogen war über neun Meter hoch und ebenso breit. Die Bühne hatte mit Proszenium eine Tiefe von über 8 Metern.Who’s Who in the Theatre, 1912, S. 297. Chapple, S. 11 und Howard, S. 214. Dort werden die Maße mit 18 m Breite und 16 m Tiefe angegeben, aber hierbei wurden die Seitenflügel und die Kulissenräume im Hintergrund mit einbezogen. Das ursprüngliche Theater hatte seinen Haupteingang am Thames Embankment. Das Grundstück, auf dem es gebaut wurde, ist steil und erstreckt sich vom Strand bis zur Böschung entlang der alten Beaufort Street. Nachdem Carte das Savoy Hotel im Jahr 1889 erbaut hatte, wurde der Theatereingang an seinen jetzigen Standort im Innenhof des Hotels, abseits der Themseuferseite, verlegt.Goodman, S. 27.
Das Savoy Theatre war zu seiner Zeit das mit dem Besten, das der Stand der Technik zu bieten hatte, ausgerüstete Theater. Dazu auch das erste öffentliche Gebäude der Welt, welches vollständig elektrisch illuminiert werden konnte."The Savoy Theatre", The Times, 3. Oktober 1881.Burgess, Michael. "Richard D’Oyly Carte", The Savoyard, Januar 1975, S. 7–11. Joseph Wilson Swan, der Erfinder der Glühlampe, stattete 1881 das Theater mit 1.200 dieser Leuchtmittel aus. Die Beleuchtung wurden mit einem 120 PS (89 kW) Generator betrieben, der abseits des Theaters aufgestellt war.Henderson, Tony. , The Journal, 28. September 2011, abgerufen am 9. Juni 2019.
Dazu erklärte Carte, dass der Grund, weswegen er das elektrische Licht für sein Theater vorzog, die Luftbelastung und Hitze der bisher üblichen Gaslampen sei, was mit den Glühlampen nicht der Fall wäre.Baily, S. 215. Zur Sicherheit wurde die Beleuchtung redundant mit Gas angelegt, jedoch kam diese nur selten zu Anwendung. Allerdings erwies sich der zuerst eingesetzte Stromerzeuger als zu klein dimensioniert, um das gesamte Theater zu erleuchten und so wurde nur die Hausfront elektrisch illuminiert und die Bühne noch bis zum Jahresende 1881 herkömmlich mit Gas ausgeleuchtet. Die Zeitung The Times befand, das Theater sei hervorragend für seinen Zweck geeignet, seine akustische Qualität sei exzellent und alle angemessenen Ansprüche an Komfort und Geschmack würden erfüllt."The Savoy Theatre", The Times, 11. Oktober 1881. Carte und sein Manager George Edwardes, später Leiter des Gaiety Theatre in London, stellten verschiedene Neuerungen vor, darunter nummerierte Sitze, kostenlose Programmhefte, ein Einlasssystem vor den Eingängen der billigen Bereiche (inspiriert von einer US-amerikanischen Idee) und kostenfreie Sanitärbereiche.Clemence Bettany: D’Oyly Carte Centenary 1875–1975. D’Oyly Carte Opera Trust, London 1975 (keine Seitenbennenung möglich, da in dem Buch keine Seitenzahlen vorhanden sind) Auch die Qualität der ausgeschenkten Getränke war hochwertig.Wilson und Lloyd, S. 29. Was täglich im Theater konsumiert wurde, entsprach etwa der Hälfte der möglichen Einnahmen aus dem Ticketverkauf.Dark and Grey, S. 85.
hochkant|mini|Programm für Patience oder Bunthornes Braut, 1881 Das Eröffnungsstück war Gilbert und Sullivans Patience oder Bunthornes Braut, das bereits seit April 1881 an der kleineren Opera Comique (London) lief. Die letzten acht von Gilbert und Sullivans Komischen Opern hatten dann ihre jeweilige Premiere im Savoy. Hierzu zählen: Iolanthe (1882), Princess Ida (1884), The Mikado (1885), Ruddigore (1887), The Yeomen of the Guard (1888) The Gondoliers (1889), Utopia, Limited (1893) und The Grand Duke (1896). Der Terminus Savoy opera wurde zu einem Gattungsbegriff ihres Gesamtwerks.
Als 1898 die Zusammenarbeit von Gilbert und Sullivan endete, holte Carte und später seine hinterbliebene Ehefrau Helen (mit ihrem Theaterleiter William Greet (von 1901 bis 1903)) andere Komische Opern auf die Bühne, etwa die von Arthur Sullivan, Ivan Caryll, Sydney Grundy, Basil Hood und Edward German.Rollins and Witts, S. 16–19. Die Savoy-Opern der 1890er Jahre waren allerdings weniger erfolgreich als die von Gilbert and Sullivan zuvor. Nach Cartes Produktion The Chieftain, die im März 1895 auslief und nach Maßstäben des Autors Sullivan eher als Misserfolg galt, holte das Savoy noch für wenige Wochen die Carl Rosa Opera Company auf die Bühne und schloss dann das Theater bis zum Ende des Jahres. Sullivan starb 1900 und Richard D’Oyly Carte ein Jahr später.Wilson and Lloyd, S. 52.
Das Savoy Theatre wurde von seiner Witwe, zusammen mit dem Manager William Greet, noch zwei Jahre weitergeführt und dann, ab 1903 unter neuer Leitung (John Leigh und Edward Laurillard), ging es im Februar 1904 weiter. Das Musical The Love Birds war die Eröffnungsvorstellung und lief bis zum Dezember 1906. Die D’Oyly Carte Opera Company kehrte alsbald an das Savoy zurück und der Bariton Charles H. Workman übernahm die Theaterleitung. Er produzierte u. a. 1909 William Schwenck Gilberts Oper Fallen Fairies (Musik Edward German), welche aber mit nur mäßigem Erfolg auf 51 Vorstellungen kam.Rollins and Witts, S. 22. Er produzierte danach Two Merry Monarchs und Orfeo ed Euridice (1910) mit Marie Brema und Viola Tree in den Hauptrollen.Wearing, Ausgabe 1, S. 24. Danach zog sich die D’Oyly Carte Opera Company bis 1929 vom Savoy zurück, tourte durch Großbritannien und spielte auch auf anderen Londoner Bühnen.Rollins and Witts, S. 22–154. George Augustus Richardson managte das Theater von November 1911 bis Februar 1915. Der Rekord von The Mikado als das am längsten laufende Stück am Savoy wurde 1920 von der Vaudeville-Produktion Paddy the Next Best Thing (Buch: Gertrude Page; Hauptrolle: Peggy O’Neil) mit 867 Aufführungen gebrochen.Gaye, S. 1536.
Leitung unter Rupert D’Oyly Carte 1915 wurde die Geschäftsleitung des Theaters von Richard D’Oyly Cartes Sohn Rupert übernommen. Nach seinem Militärdienst bei der Marine während des Ersten Weltkriegs entschloss sich Carte, die Produktionen der D’Oyly Carte Opera Company in einer aufpolierten Version wieder an die Londoner Bühnen zu bringen. Er gestaltete eine Zusammenstellung von modern überarbeiteten Gilbert und Sullivan-Produktionen und brachte diese zunächst in der Spielzeit 1919 an das Shaftesbury Theatre. J. B. Fagans Adaption des Romans Die Schatzinsel hatte im Dezember 1922 seine Premiere am Savoy Theatre."London Life – a commentary" The West Australian 31. Januar 1923, S. 10. Es war so erfolgreich, dass es bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs jedes Jahr auf dem Weihnachtsspielplan stand.Chapman, S. 32.
mini|230px|1926 Kostüm für Der Mikado