mini|König Juan Carlos I. (2007) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Juan Carlos I. Juan Carlos I. [] (* 5. Januar 1938 in Rom, Königreich Italien als Juan Carlos Alfonso Víctor María de Borbón y Borbón-Dos Sicilias; die deutsche Form Johann Karl I. ist im Gegensatz zu historischen Monarchen ungebräuchlich) war vom 22. November 1975 bis zum 18. Juni 2014 König von Spanien. Auch nach seiner Abdankung trägt er auf Lebenszeit den Ehrentitel König. Der aus dem Haus der Bourbonen stammende Monarch spielte eine entscheidende Rolle bei der Transition in Spanien, dem Übergang von der franquistischen Diktatur zur parlamentarischen Erbmonarchie nach dem Tode Francisco Francos.

Nachdem er am 2. Juni 2014 seine Abdankung angekündigt hatte, unterzeichnete er am 18. Juni das entsprechende Gesetz, mit dessen Inkrafttreten sein Sohn Felipe am 19. Juni 2014 als König Felipe VI. von Spanien seine Nachfolge antrat. Anlass seiner Abdankung war, dass außereheliche Affären, eine Elefantenjagd in Afrika und der Finanzskandal um Schwiegersohn Iñaki Urdangarin das Ansehen des Königshauses beschädigt hatten. Als die spanische Staatsanwaltschaft drei Ermittlungen gegen ihn einleitete, unter anderem in der Schmiergeldaffäre um den Bau der Bahnstrecke Medina–Mekka und um Millionenkonten in der britischen Steueroase Jersey, verließ er im August 2020 Spanien. Er lebt seither im Exil in Abu Dhabi.

Leben

Kindheit und Jugend

Juan Carlos de Borbón y Borbón ist der älteste Sohn von Juan de Borbón y Battenberg (aus dem Haus Bourbon-Anjou) und dessen Gemahlin María de las Mercedes de Borbón y Orleans (aus dem Haus Bourbon-Sizilien). Drei seiner vier Großeltern waren gebürtige Bourbonen.

Sein Großvater, König Alfons XIII., war 1931 nach der Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik ins Exil gegangen. Durch den Sieg der Franquisten im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) war Spanien erneut zur Diktatur geworden, wie schon von 1923 bis 1930 unter Primo de Rivera. Diesmal blieben die Bourbonen allerdings im Exil in Rom, wo Juan Carlos 1938 geboren wurde.

Für die Sicherung seiner Nachfolge hatte der Diktator Francisco Franco bereits 1947 ein durch Volksabstimmung bestätigtes Gesetz erlassen, wonach Spanien wieder zur Monarchie erklärt wurde, die Besetzung des Thrones (durch einen Prinzen aus königlichem Hause) und der Zeitpunkt dafür jedoch Franco vorbehalten blieben. Legitimer Thronfolger wäre Juan Carlos’ Vater gewesen, dessen beide ältere Brüder auf die Thronfolge verzichtet hatten. Der Großvater, König Alfons XIII., befand sich seit der Ausrufung der Zweiten Republik im Exil in Rom. Als der Ex-Monarch 1941 in Estoril in Portugal starb, war Juan Carlos’ Vater insofern zum Gegenspieler Francos geworden, als er von Spaniens Diktator unablässig die Restauration der Monarchie gefordert hatte. In einer Unterredung auf der Yacht Azorín am 25. August 1948 einigten sich der Diktator und das Oberhaupt des Königshauses darauf, den ältesten Sohn Juans, Juan Carlos, durch Franco zu dessen Nachfolger ausbilden zu lassen und so die Monarchie nach Francos Tod zu restaurieren. Juan Carlos sollte für seine Rolle als autoritärer Monarch ausgebildet werden.

Juan Carlos kam daraufhin im Alter von zehn Jahren nach Spanien, wo er 1952 an der San-Isidro-Schule in Madrid das Abitur ablegte und danach die Militärakademien von Saragossa (allgemein, 1955–1957), Marín (Provinz Pontevedra, Marine, 1957/1958) und San Javier (Murcia, Luftwaffe, 1958/1959) besuchte. Anschließend studierte er von 1960 bis 1961 an der Complutense Universität in Madrid (Alcalá de Henares) die Fächer Verfassungsrecht, Internationales Recht, Wirtschaftswissenschaften und Besteuerung.

Am 29. März 1956 starb Juan Carlos’ 14-jähriger Bruder Alfonso im Exil in Estoril bei einem Unfall mit einer Schusswaffe.Der Tierschützer, der Elefanten jagt. Spiegel Online, 15. April 2012. Der damals 18-jährige Juan Carlos war der einzige Zeuge. Die offizielle Erklärung lautete, dass sich während der Reinigung der Waffe ein Schuss gelöst habe. Die Kugel traf Alfonso in die Stirn; er starb wenige Minuten später an den Folgen der Verletzung. Vermutlich handelte es sich bei dieser in Spanien selten erwähnten Tragödie um einen Unfall. Gerichtlich untersucht, wie auch von Juan Carlos’ Onkel Jaime, dem älteren Bruder des Vaters, gefordert, wurde der Vorfall jedoch nie. Es wurde auch nie geklärt, wer von den beiden Jugendlichen den Schuss ausgelöst hatte. Die Waffe, aus welcher der tödliche Schuss stammte, wurde von Juan Carlos’ Vater persönlich im Meer versenkt.Trauriger Prinz, glücklicher König. In: Berliner Zeitung, 30. Mai 2003.

Ehe und Familie mini|Palacio Real (Madrid) Am 14. Mai 1962 heiratete Juan Carlos in Athen die Prinzessin Sophia von Griechenland. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Elena (* 20. Dezember 1963), Cristina (* 13. Juni 1965) und Felipe (* 30. Januar 1968). Seit der Eheschließung wohnt und arbeitet die königliche Familie im Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid, einem ehemaligen Jagdschloss, das dem jung vermählten Ehepaar von Franco zugewiesen worden war. Nach der Thronbesteigung verzichteten Juan Carlos und Sophia darauf, in den gartenlosen und unwohnlichen Königspalast in der Innenstadt umzuziehen, der jedoch für Repräsentationszwecke genutzt wird und als Sitz der Hofbehörden dient. Daneben bewohnen sie noch den Alcázar von Sevilla sowie einen Sommersitz in Palma de Mallorca.

Regentschaft

Prinz von Spanien (1969–1975) mini|Francisco Franco und sein designierter Nachfolger Juan Carlos de Borbón beim Abhalten einer Militärparade des spanischen Heeres, 5. Juni 1969 Seit 1947 war Spanien offiziell wieder ein Königreich, allerdings ohne einen König. Francisco Franco war zwar Monarchist, zögerte aber, den Thronanwärter (nachdem dessen zwei ältere Brüder auf den Thron verzichtet hatten), Juan Carlos’ Vater, zu nominieren, da dieser als Gegner der Franco-Diktatur galt und eine parlamentarische Monarchie einforderte. Er erwog daher verschiedene andere Optionen, darunter Otto von Habsburg, dessen Haus vor den Bourbonen Spanien regiert hatte, der aber kein Interesse zeigte. Franco entschied sich dann, einige junge Bourbonen-Prinzen aus dem Exil nach Spanien zurückzuholen und unter seiner Aufsicht ausbilden zu lassen, darunter neben Juan Carlos auch dessen Vettern Alfonso, Gonzalo und Carlos.

Schließlich setzte er 1969, nach der Geburt von Juan Carlos’ Sohn Felipe, per Gesetz fest, dass nach seinem Tod Juan Carlos als König das Amt des Staatsoberhaupts einnehmen solle, und ernannte ihn zum Príncipe de España, einem zu diesem Zweck neu geschaffenen Titel. Der Verfassung nach sollte dies eine Königsdiktatur werden, weshalb Juan Carlos’ Vater auch die geforderte Verzichtserklärung für seine Person verweigerte. Alfonso, dessen Vater seinen Verzicht auf die Thronfolge inzwischen widerrufen hatte, stimmte der Nominierung von Juan Carlos zu, versah dies aber 1972 – nachdem Franco ihn mit einer seiner Enkeltöchter verheiratet hatte – mit Vorbehalten.Charles Powell: Juan Carlos of Spain. MacMillan Press, Oxford 1996, St. Antony’s Series, ISBN 0-333-54726-8, S. 1–5, 9, 13–14, 27–28, 50–51, 221–222.

Inthronisierung (1975) mini|links|Am 22. November 1975 wurde Juan Carlos zum König proklamiert. Franco starb am 20. November 1975. Bereits zwei Tage danach, am 22. November 1975, wurde Juan Carlos zum König proklamiert. Aus legitimistischer Sicht wurde seine Herrschaft jedoch erst 1977 anerkannt, als sein Vater formell auf den Thron verzichtete. In seiner Thronrede betonte Juan Carlos I., dass „eine freie und moderne Gesellschaft die Beteiligung aller in den Entscheidungszentren, den Medien, den unterschiedlichen Ebenen des Erziehungswesens und der Kontrolle des nationalen Wohlstands“ erfordere.zit. nach Karin Schneider-Ferber. In: Geschichte 2/2001, S. 40 Er sah sich, wie er weiter ausführte, als .

Als der damals 37-Jährige den über vier Jahrzehnte verwaisten Thron bestieg, hatten die Spanier keine großen Erwartungen an ihn. Er wurde als der „Ziehsohn Francos“ wahrgenommen, viel mehr Eindrücke hatte man nicht von ihm. Kurz nach Francos Tod erhob der König dessen Tochter Carmen Franco y Polo zur erblichen Herzogin von Franco.

Über den Einsatz des jungen Königs für ein neues, demokratisches Spanien waren die Bürger überrascht. Im Juni 1976 reiste das junge Königspaar auf Einladung von Präsident Gerald Ford in die USA. Am 1. Juli 1976 nötigte er Carlos Arias Navarro, Ministerpräsident seit der Jahreswende 1973/1974, zum Rücktritt. Als eine seiner klügsten Entscheidungen wurde später die Benennung des ehrgeizigen, aber damals noch unbekannten Politikers des Franco-Regimes Adolfo Suárez als Nachfolger gesehen. Die ersten freien Wahlen zum Parlament wurden im Sommer 1977 abgehalten.

Juan Carlos definierte rückblickend seine Rolle vor Francos Tod so:

König Juan Carlos’ Rolle gilt als wesentlich für die in den Folgejahren stattfindende Demokratisierung Spaniens. 1978 nahm die spanische Bevölkerung mit 88-prozentiger Mehrheit die Verfassung an, wodurch Spanien zu einer parlamentarischen Monarchie wurde. Erster Ministerpräsident des demokratischen Spaniens wurde Adolfo Suárez. Zuvor war es Suárez gelungen, die eigenen franquistischen Weggefährten von früher davon zu überzeugen, ihre Macht aus den Händen zu geben. , schrieb der Historiker Javier Tusell über die Rolle des Königs zurückblickend. Suárez, erst 43 Jahre alt, scharte eine Gruppe von Politikern seiner Generation um sich, die ihre demokratischen Überzeugungen auf verschiedenen Wegen kundgetan hatten. Gemeinsam mit anderen konvertierten Falangisten, die sich den Sozialdemokraten, Liberalen, Christdemokraten anschlossen, beseitigte er zwischen 1976 und 1979 das franquistische Regime, wobei es ihm gelang, beide Seiten zu überzeugen: einerseits skeptische Franquisten von der Notwendigkeit demokratischer Reformen, andererseits demokratische und linke Kräfte vom Verzicht auf eine Abrechnung mit den Gewinnern des Bürgerkrieges.

Am 23. Februar 1981 versuchten Angehörige der Armee, die der Franco-Diktatur nachtrauerten, unter General Milans del Bosch und der paramilitärischen Polizeitruppe Guardia Civil unter Oberstleutnant Antonio Tejero einen Militärputsch. Tejero stürmte dabei das Parlament, wo Leopoldo Calvo-Sotelo gerade zum Regierungschef gewählt werden sollte. Mitverschwörer Milans del Bosch ließ in Valencia Panzer auffahren.Der König als Retter der Demokratie. Deutschlandfunk. Mit dem entschlossenen Auftreten des Königs als Oberbefehlshaber der Armee, der sich im Rahmen einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache eindeutig für die Demokratie aussprach und das Militär auf seine Seite zog, konnte der Staatsstreich noch in der Nacht vereitelt werden. Sein damals 13-jähriger Sohn musste dabei bei ihm in seinem Arbeitszimmer ausharren, während der Vater sich stundenlang mit seinen Offizieren beriet. Prinz Felipe war die ganze Nacht in seiner Nähe. , berichtete Juan Carlos später über diese erzieherische Maßnahme. Erst als die Putschisten aufgaben, schickten die Eltern den übernächtigten Sohn am nächsten Tag wie gewohnt zur Schule. Das Datum des Putsches wird von den Spaniern als der „23-F“ bezeichnet. Kritisiert wird allerdings, dass Juan Carlos vor seiner Stellungnahme gegen die Putschisten damals mehrere Stunden zögerte; er verschaffte sich einen Überblick über die Lage und beriet sich über das geeignete Vorgehen. Von gewichtigen Zeitzeugen, wie in der literarischen Verarbeitung wird seine Leistung, wie auch er selbst – als ein Garant für die Demokratie in Spanien – jedoch gewürdigt.Juan Carlos Rücktritt – eine grosse Leistung. deutschlandradiokultur.de

Am Tag nach dem Putsch mahnte der König die Politik:

Die Frage der Autonomien in Spanien wurde ebenso vertagt wie eine Militär- oder Polizeireform.