mini|Im Stadtmuseum und dem Stadtarchiv wird die Geschichte und Kulturgeschichte der Stadt und ihrer Umgebung aufgearbeitet. Die Geschichte von Cottbus beschreibt die Entwicklung der Stadt Cottbus in der Niederlausitz von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Die Stadt war Zentrum der Herrschaft Cottbus und seit 1815 des Kreises Cottbus.
Name In den schriftlich überlieferten Zeugnissen gibt es mehr als 130 verschiedene Schreibweisen des Namens der Stadt, der älteste bekannte Name ist Chotibuz (1156), Chodebuz (1199), einer der ungewöhnlichsten ist Kukubuzl. Weitere Beispiele sind Chotibus, Cothebuz, Kotwos, Kohebuz, Godebutz oder Godabuss und schließlich Cottbus und Kottbus.
In den Landkarten der Zeit bis 1600 wird die Stadt Kotwitz genannt, auch die Schreibweise „Kotwitz od. Cotbus“ kommt vor.
Im Niedersorbischen wird die Stadt heute als Chóśebuz bezeichnet; offiziell nennt sie sich „Cottbus/Chóśebuz“.
Ur- und Frühgeschichte mini|Cottbuser Stadtteile: 1: Innenstadt (Altstadt) 2: Schmellwitz 5: Ströbitz 6: Sielow 9: Dissenchen
Fast 2000 Jahre alt sind die ersten Spuren menschlicher Besiedlung, die sich im Bereich der Cottbuser Altstadt nachweisen lassen. Im heutigen Stadtgebiet sind diese Siedlungsspuren noch wesentlich älter. Schon vor rund 4200 Jahren, in der Bronzezeit, lebten hier Menschen der Lausitzer Kultur, die ihre Verstorbenen auf zahlreichen archäologisch untersuchten Gräberfeldern in Urnen bestatteten. Auf dem Gebiet der heutigen Stadtteile Ströbitz, Schmellwitz, Sielow und Dissenchen bauten sie Lehmhütten und betrieben Viehzucht. Während der Eisenzeit wurde die Cottbuser Region durch die Angehörigen der Billendorfer Kultur genutzt. Im 3. und 4. Jahrhundert waren hier germanische Siedler ansässig.
Mittelalterliche Geschichte 8. bis 11. Jahrhundert Im Gebiet von Cottbus siedelte ab dem 7. Jahrhundert der slawische Stamm der Lusitzi. Im 8. Jahrhundert errichteten sie auf einer Talsandinsel am Westufer der Spree auf dem späteren Schlossberg einen Burgwall. Bei archäologischen Ausgrabungen konnten vier Bauphasen festgestellt werden, drei slawische und eine frühdeutsche. Im Schutz der Burg legten sie seit dem 8. Jahrhundert eine Vorburgsiedlung östlich der heutigen Oberkirche an. In spätslawischer Zeit, im 11. und 12. Jahrhundert, entstand aus dieser Vorburgsiedlung eine frühstädtische Siedlung. Die in diesem Marktort lebenden Siedler waren in der Metallverarbeitung, Töpferei, Leder- und Holzbearbeitung tätig und betrieben Ackerbau und Viehzucht.
Ersterwähnung 1156 und Burg Cottbus im 13. Jahrhundert Am 30. November 1156 wurde Heinricus castellanus de Chotibuz als königlicher Burggraf in einer Urkunde von Markgraf Konrad von Meißen als Zeuge erwähnt.Cottbuser Geschichte 1156 Stadtmuseum Dies war die erste urkundliche Erwähnung von Cottbus. 1199 wurde Thymo von Codebuz in einer Urkunde für das Kloster Dobrilugk als Zeuge genannt.Cottbuser Geschichte 1199 Stadtmuseum Cottbus Seine Herkunft war mainfränkisch, aus dem Raum Aschaffenburg bis Klingenberg, das Krebswappen und die Adelsfamilie von Kottwitz / Codebus ist dort nachgewiesen.Im Sachsenspiegel werden um 1215 die Herren von Cottbus als fränkischer Herkunft bezeichnet. Von 1222 bis 1448 wurden in Aschaffenburg Dienstleute namens Codebuz (Cottbus) erwähnt. vgl. Geschichte von Cottbus 1215 Stadtmuseum Für diese Zeit wurden ein Markt und eine Kirche in Cottbus erwähnt.Cottbuser Geschichte 1156 Stadtmuseum
1213 wurde die Burg Cottbus an Markgraf Albrecht II. von Brandenburg als böhmisches Lehen gegeben.
Herrschaft Cottbus im 14. und 15. Jahrhundert mini|Die brandenburgische Herrschaft Cottbus
Um 1300 wurde neben dem slawischen Burgwall ein deutscher Bergfried errichtet.Cottbuser Stadtgeschichte 1301 Stadtmuseum Wegen Geldschwierigkeiten mussten die Wettiner 1304 die Niederlausitz verkaufen. Bis 1370 wechselte häufig der Besitz des Gebietes.
Von 1349 bis 1389 war Johann II. von Cottbus Herr von Cottbus. Er nahm unter den Lausitzer Adligen einen ersten Platz ein. Als markgräflicher und kaiserlicher Beamter war er häufig zwischen Salzwedel und Perleberg, Soldin und Landsberg, Frankfurt (Oder) und Berlin, Tangermünde und der Niederlausitz unterwegs.
Am 16. März 1357 gab Markgraf Ludwig von Brandenburg, „der Römer“ genannt, für Cottbus ein Straßenprivileg. Dieses wurde 1371 von Kaiser Karl IV. bestätigt. Darin wurde eine Handelsstraße von Böhmen über Cottbus, Fehrow und Peitz nach Frankfurt (Oder) genannt. Für das Jahr 1380 wird erstmals von dem Auftreten der Pest in Cottbus berichtet. Bis ins 17. Jahrhundert trat diese Epidemie immer wieder auf und forderte tausende Tote.
mini|Die evangelische Schlosskirche in Cottbus, 1419 als Katharinenkirche erbaut, 1714 wiedererrichtet. Seit 2015 eine Synagoge.
Von 1387 bis 1431 führte Johann III. von Cottbus die Stadt. Er war ein rauflustiger Ritter und unter anderem an der Bibersteinschen Fehde (1387–1388) um den Besitz der Herrschaft Beeskow/Storkow und an der Priebusschen Fehde (1398–1399) beteiligt. Gegen das Bautzener Land zog er 1401 mit 800 Reitern in den Kampf. Neben den Raufhändeln behielt er aber das Wohl seiner Stadt Cottbus im Blick und baute die wirtschaftliche Grundlage ihres Wohlstands aus, was natürlich auch ihm einen Vorteil brachte. Am 11. Mai 1405 erteilte Johann III. von Cottbus nämlich den Tuchmachern der Stadt das so genannte Gewandmacherprivileg; am 29. November 1406 folgte das Leineweberprivileg. In beiden Fällen wurde detailliert die Verarbeitung der Rohstoffe und die Organisation des Handwerksbetriebes festgelegt.
Später sank er fast auf die Stufe von Raubrittern. Als seine Söhne Luther (auch Lothar) und Reinhard 1420 Cölner Kaufleute ausraubten, nahte das Ende der Herren von Cottbus, wie sich nach einem langen Rechtsstreit ergeben sollte. Zuvor wurde das Land Cottbus noch in die kriegerischen Verwicklungen während der Hussitenkriege hineingezogen. Im Oktober 1429 hatten hussitische Heerscharen unter der Führung von Andreas Prokop die Stadt Bautzen belagert. Die Herren von Cottbus hatten den Bautzenern geholfen, wie schon 1427 den Görlitzern und 1428 den Löbauern. Da die Eroberung Bautzens nicht gelang, zogen die Hussiten in die Niederlausitz. Am 20. Oktober 1429 wurde Cottbus belagert, doch die starken Befestigungsanlagen hielten dem Ansturm stand.
Nach dem Tod Johanns III. im Jahr 1431 traten seine beiden Söhne Reinhard und Luther das Erbe (je die Hälfte der Herrschaften Cottbus und Peitz) gemeinsam an. Im Juli 1441 wurden sie verurteilt, Schadensersatz an die Cölner Kaufleute zu zahlen, die sie 1420 überfallen hatten. Da die Kaufleute den Schadensersatz mit Gewalt vollstrecken wollten, begaben sich Reinhard und Luther in den Schutz des Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern. Die Herrschaft der Herren von Cottbus war damit beendet.
Brandenburgisch-preußische Herrschaft (1455–1815) Bis zur Reformation
Am 18. Juli 1445 verkaufte Reinhard seinen Anteil der Herrschaft an den brandenburgischen Kurfürsten. Am 20. Juli leisteten die Bürger den Treueeid. Seit diesem Zeitpunkt gehörte Cottbus zum brandenburgischen und später preußischen Herrschaftsbereich. In der nachfolgenden geschichtlichen Entwicklung war die Stadt lediglich während der napoleonischen Kriege von 1807 bis 1813 sächsisch. Als am 4. Juni 1455 Luther starb, gelangte auch der zweite Teil der Herrschaft an Brandenburg, das sich ein Vorkaufsrecht gesichert hatte.
Am 29. Oktober 1461 belagerte Zdenko von Sternberg Cottbus und Kurfürst Friedrich II. eilte mit Truppen herbei. Zwei Wochen später, am 11. November, kam es zu einer Schlacht. Sie endete mit einer Niederlage von Zdenko von Sternberg, aber beide Seiten mussten schwere Verluste hinnehmen.
Im September 1468 wurde durch Blitzschlag die gesamte Stadt in Brand gesetzt und bis auf den Grund vernichtet. Kaum war die Stadt wieder aufgebaut, vernichtete 1479 ein Großfeuer die Stadt. 1478 belagerte Herzog Hans von Sagan sieben Tage lang Cottbus. Die Stadt mit ihren wehrhaften Mauern und Bürgern konnte er nicht bezwingen, aber das umliegende Land wurde verwüstet. Im Jahr 1484 gab es eine große Heuschreckenplage, in deren Folge es zu einer Hungersnot kam. 1496 hielt erneut die Pest Einzug in die Stadt. Rund 2000 Menschen wurden ein Opfer dieser Seuche.
Im Jahr 1499 wurde Joachim I. Kurfürst von Brandenburg. Während seiner Herrschaftszeit ließ er Cottbus besondere Fürsorge zukommen. Im Dezember 1501 erlangten Abgesandte der Stadt bei Kurfürst Joachim I. eine ganze Reihe von Rechten. Das alte Erbrecht wurde bestätigt und für die Tuchmacher jährlich zwei Wollmärkte festgesetzt. Außerdem wurde der Bierzwang eingeführt, was bedeutete, dass innerhalb einer Meile um die Stadt nur Cottbuser Bier ausgeschenkt werden durfte. Auch die Handwerker erhielten das Meilenrecht. Außerhalb der Stadt durften keine Handwerker niedergelassen sein und innerhalb der Stadt nur der Innung Angehörende.
1522 scheiterte der erste Versuch Johannes Briesmanns, den lutherischen Glauben einzuführen. Nach dem Tod Joachims I. gelangte die Herrschaft Cottbus in den Besitz des Markgrafen Johann V. Auch er traf vorteilhafte Entscheidungen für Cottbus. 1537 setzte er die Reformation durch, das dominante Franziskanerkloster Cottbus wurde geschlossen, die Klosterkirche wurde protestantisch, wo bald in sorbischer Sprache gepredigt wurde. 1540 erließ er eine Kirchen- und Polizeiordnung für Cottbus, die für Jahrhunderte Bestand hatte. Sie regelte das öffentliche Leben im neuen Sinn, griff dabei stark in das Privatleben ein. Im Jahr 1544 musste das schwere Geschütz vom Schloss Cottbus an die Festung Küstrin abgegeben werden. 1552 wütete erneut die Pest in Cottbus und forderte 1783 Opfer. Am 13. Januar 1571 starb Markgraf Johann V. im Alter von 57 Jahren. Seine Ländereien samt Cottbus fielen wieder an Kurbrandenburg zurück. Dort regierte Kurfürst Johann Georg.
Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1571–1648)
mini|Der Münzturm
Anfang September des Jahres 1600 vernichtete ein Großbrand die gesamte Stadt. Neben den Wohnhäusern brannten auch die Kirchen, das Rathaus, die Schule, das Schloss und das Hospital ab. Nur neun kleine Häuser überstanden die Katastrophe. Der Kurfürst stellte Bauholz zur Verfügung und sprach Steuerbefreiungen für fünf Jahre aus. Auch das 1543 geliehene Kirchensilber gab er zurück. Im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt erhielt der Münzturm im Jahr 1603 ein neues Dach mit Wetterfahne und Krebs.
Am 14. Juni 1620 erreichten die Vorboten des seit 1618 tobenden Dreißigjährigen Krieges Cottbus. An diesem Tag gab es erstmals Einquartierungen von Soldaten. In der Folgezeit zogen mehrmals Söldner, aber auch Flüchtlinge, durch die Stadt. Am 3. August 1626 zog Wallenstein mit seinem Tross durch Cottbus. Er kam mit 40.000 Mann und nächtigte auf dem Schloss Cottbus. Die Truppen lagerten zwei Tage in den umliegenden Dörfern und richteten großen Schaden an. Vom 26. bis 28. Oktober 1627 zog Oberst Fahrenbach mit mehreren tausend Mann Infanterie und Kavallerie durch Cottbus. Der Schaden für die Stadt belief sich auf mehr als 4000 Taler.