Rohrbach an der Gölsen ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Lilienfeld in Niederösterreich.
Geografie Rohrbach an der Gölsen liegt im Gölsental in den niederösterreichischen Voralpen, etwa dreißig Kilometer südöstlich von St. Pölten. Die südliche Gemeindegrenze liegt im Gölsental 390 Meter über dem Meeresspiegel. Rechte Nebenbäche der Gölsen sind Rotedelbach und Rohrbach. Dazwischen steigt das Land nach Norden hügelig an. Die höchsten Erhebungen sind im Westen der Große Steinberg (753 m) und im Nordwesten die Kukubauerwiese (782 m).
Die Fläche der Gemeinde umfasst 14,77 Quadratkilometer. Davon wird die Hälfte landwirtschaftlich genutzt, 41 Prozent sind bewaldet.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende vier Ortschaften (Einwohnerzahl Stand ): Bernreit () samt Siedlung Bernreit Durlaß () Prünst () Rohrbach an der Gölsen () samt Oberrohrbach, Siedlung Oberrohrbach und Unterrohrbach
Irgendwann zwischen 2001 und 2015 wurden die bis dahin getrennt existierenden Ortschaften Oberrohrbach und Unterrohrbach zur neuen Ortschaft Rohrbach an der Gölsen zusammengeführt.
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Bernreit, Durlaß, Oberrohrbach, Prünst und Unterrohrbach.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Rohrbach und Schloss Bergau um 1775 auf einer Karte der Josephinischen Landesaufnahme Mittelalter und Frühe Neuzeit Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum.
Der Talboden der Gölsen wurde im 11. Jahrhundert besiedelt, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem 12. Jahrhundert. Das Schloss Bergau wurde 1380 errichtet, es befindet sich heute in Privatbesitz. Noch bis in die franzisko-josephinische Zeit war der Ort in die zwei Orte Ober-Rohrbach und Unter-Rohrbach gespalten, die erst im Laufe des 20. Jahrhunderts endgültig zusammenwuchsen. Um 1830 herum beschrieb der Topograph und Historiker Franz Xaver Schweickhardt Ober-Rohrbach als eine Rotte von 11 Häusern und 14 Familien, die hauptsächlich als gering bestiftete Waldbauern rund um Schloss Bernau und im Durlastal tätig gewesen waren mit der Viehzucht und der Waldwirtschaft als Haupterwerbsquellen.
Das eigentliche Dorf Rohrbach war Unter-Rohrbach im Tal entlang der Ufer des namensgebenden Gewässers Rohrbach. Die hier liegende Kirche entstand zu Beginn des 15. Jahrhunderts im gotischen Stil als eine Filialkirche der Pfarre Hainfeld und war dem Hl. Bartholomäus geweiht. Ihre Ersterwähnung war 1464 in einem Brief, in dem ein Mathes Notterpeck von dem Zehent von Wiedehof 32 Gulden der Pfarrkirche Hainfeld, 10 Gulden der Kirche in Ramsau und 5 Gulden der Kirche von Rohrbach zukommen ließ. Da das Patronat von der Pfarre Hainfeld bei Stift Göttweig lag, gehörte deshalb auch die Rohrbacher Filialkirche zu diesem Stift bis auf den heutigen Tag. Aus einem Verkaufsbrief von Mitte des 15. Jahrhunderts, in dem Hans von Wildeck dem Lilienfelder Abt alle seine Wälder verkaufte, kann man schließen, dass die Wildecker die ersten Vogtherren von Rohrbach gewesen waren. Nach ihnen gehörte der Ort nacheinander den Herren von Altenburg, Hohenberg und den Jörgern, ehe das Dorf schlussendlich an Stift Lilienfeld fiel bis zur Märzrevolution 1848 (Bauernbefreiung und Aufhebung der Grundherrschaften). 1529 wurde Rohrbach im Zuge der damals herrschenden Türkenkriege verheert, u. a. ging dabei auch der Stiftsbrief der Bartholomäuskirche verloren. 1570 übernahmen die Jörger Schloss Bergau und damit auch die dazu gehörige Grundherrschaft und wurden die neuen Herren von Rohrbach.
Das 16. Jahrhundert und die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Ära der Glaubenskriege zwischen Katholiken und Protestanten, ausgelöst durch Martin Luthers Reformation. Die Jörger waren eine der größten Förderer der neuen protestantischen Glaubensrichtung. Sie lösten 1616 die Rohrbacher Ortskirche von ihrer Hainfelder Mutterpfarre und installierten den protestantischen Pastor Caspar Erhardt vor Ort. Rohrbach fiel vom Katholizismus ab und gehörte damit für die nächsten fünf Jahre dem protestantischen Glauben an, ehe 1621 die Hainfelder Pfarre ihr Recht über die Bartholomäuskirche erneut durchsetzen konnte und fortan wieder ein katholischer Seelsorger hier tätig war. Der letzte Jörger Besitzer von Schloss Bergau war Freiherr Helmhard Jörger von Tollet. Er und seine Familie wurden wegen ihrer Beteiligung am protestantischen Adelsaufstand gegen den Kaiser 1625 enteignet, 1626 übernahm Stift Lilienfeld die Grundherrschaft bis zum Ende 1848, das protestantische Abenteuer von Rohrbach war damit vorbei.burgen-austria.com: Bergau
1679 dezimierte die Pest die Bevölkerung auf ein Drittel, 1683 folgte ein weiterer Türkenangriff, wobei Schloss Bergau in Ober-Rohrbach niedergebrannt wurde. Das Schloss wurde später wiederhergestellt, doch an den Glanz aus der Jörgerzeit konnte es nie wieder anschließen. In späterer Zeit war es Sitz der hiesigen stiftlichen Forstverwaltung und daneben Sommersitz und Jagdschloss des Lilienfelder Abts. 1785 wurde die Bartholomäuskirche zur selbstständigen Pfarrkirche erhoben und von Stift Göttweig mit einem eigenen Pfarrer versehen. Gleichzeitig mit der Pfarrgründung erhielt Rohrbach ebenfalls eine eigene Schule. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts endete diese pfarrliche Selbstständigkeit jedoch wieder, aber der unentwegten Beharrlichkeit der Bevölkerung auf einen eigenen Pfarrer führte dazu, dass 1820 eine k.k. kreisämtliche Kommission für die Besetzung des Orts mit einem eigenen Pfarrer entschied.
19. Jahrhundert Um 1830 war Unter-Rohrbach ein Dorf von 27 Häusern und 36 Familien mit Lilienfeld als nächster Poststation. Das Landgericht und die Konskriptionsobrigkeit über Rohrbach oblag der Stiftsherrschaft Lilienfeld, die eigentliche Grund- und Ortsherrschaft jedoch der Herrschaft Kreisbach. In Belange der militärischen Anwerbungskreise lag Rohrbach im Werbkreis des Linieninfanterieregiments Nr. 49. Der Haupterwerb der Bevölkerung lag im Ackerbau (Korn und Hafer), in der Viehzucht und in der Waldwirtschaft. Als weitere einheimische Berufe waren hier ein Binder, ein Wirtshaus und drei Mühlen angesiedelt, wovon eine eine Brettersäge besessen hatte. Per 1. Februar 1839 gab es in Hainfeld ein eigenes Postamt zu dessen Bezirk fortan auch Ober- und Unter-Rohrbach gehörten.
Am 14. Juli 1848 war Rohrbach von einem schweren Hochwasser verwüstet worden.
1894 gründete Johann Kaschütz in Rohrbach eine Weicheisen- und Stahlgießerei. Ebenso kam im gleichen Jahr Wilhelm Grundmann aus Herzogenburg und gründete das bis heute bestehende Unternehmen K.K. ausschl. priv. Rohrbacher Schlosserwarenfabrik Wilh. Grundmann.Grundmann.com: Firmengeschichte Während der Spätphase der Monarchie und dem Beginn der 1. Republik war der aus Wagram stammende Theodor Wasmer Bürgermeister von Rohrbach vom 26. Juli 1900 bis Frühjahr 1920. Wasmer beerbte in dieser Funktion den Holzhändler und Gemeinderat Mathias Zöchling. In seine Amtszeit fällt der Angriff auf Prälat Josef Scheicher am Rohrbacher Bahnhof am 18. Juni 1905, als Scheicher von einem sozialdemokratischen Arbeitermob angegriffen und schwer verletzt worden war. Auch Bürgermeister Wasmer war zum Zeitpunkt der Tat beim Prälaten und hatte ebenfalls Verletzungen erlitten bei dem Versuch Scheicher vor den Angreifern zu schützen. Dieser Vorfall zog seine Kreise bis in die Haupt- und Residenzstadt Wien in der die Christlichsozialen schon kurz darauf im Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrats einen Eilantrag einbrachten zur Debattierung und Verurteilung dieses Angriffs auf einen von ihren Abgeordneten und zur Klärung welche Schritte der Reichsrat unternehmen möchte, damit derlei in Zukunft nicht wieder passieren könnte. Die Gerichtsverhandlung über die Täter fand am 30. August 1905 im k.k. Kreisgericht in St. Pölten statt. Die Höchststrafe gegen einen der Hauptangeklagten war ein Jahr schwerer Kerker, verschärft mit Dunkelheit jeden Monat. Der Angriff auf Prälat Scheicher war eine Begleiterscheinung gewesen eines zuvor schon wochenlang herrschenden Streiks in Traisen mit der Fischer’schen Weicheisen- und Stahlgießerei im Zentrum der Erregung. Am Tag vor Scheichers Aufenthalt im Gölsental hatten entlassene Fabriksarbeiter auch den Werksbesitzer Alfred von Lenz abgepasst und angegriffen gehabt, während dieser mit seiner Frau im Auto nach Marktl unterwegs gewesen war.
20. und 21. Jahrhundert Am 1. Juni 1921 ereignete sich in Niederösterreich ein Wolkenbruch, der eine Hochwasserkatastrophe in den Tälern der Erlauf, Pielach, Perschling, Traisen und Gölsen verursachte. In Rohrbach war es das schlimmste Hochwasser seit dem von 1848. Es gab metertiefe Schäden am Bahndamm, das Wasser stieg in kurzer Zeit auf zwei Meter und verwüstete Gärten, Straßen und Häuser. Alle Brücken und Stege wurden weggerissen. Dieser erste Wassersturz floß bald wieder ab, doch am Nachmittag und in der Nacht auf den 2. Juni sollten noch zwei weitere Pegelanstiege folgen. Im Nachgang war für die Katastrophe die Abholzung der Wälder und die damit einhergehende Devastierung verantwortlich gemacht worden.
Während des Österreichischen Bürgerkriegs 1934 wurde in der Hainfelder Katastralgemeinde Ob der Kirche der Heimwehr-Bataillonskommandant und Mitchef der Rohrbacher Firma Kaschütz Hans Lintner am 13. Februar 1934 durch einen Kopfschuss ermordet. In Rohrbach wurden daraufhin zwei Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes festgenommen, und zwar Johann Hoys (geb. 23. Juli 1891, Fabriksarbeiter aus Rohrbach und Kommandant des örtlichen Republikanischen Schutzbundes) sowie Viktor Rauchenberger (geb. 20. Juli 1908, Maurer aus Rohrbach und Mitglied des Republikanischen Schutzbundes). Das Standgericht in St. Pölten vom 15. Februar verurteilte Hoys und Rauchenberger zum Tode durch den Strang, die Hinrichtung durch Scharfrichter Johann Lang erfolgte am 16. Februar 1934 im Landesgericht St. Pölten.Landeshauptstadt Sankt Pölten. In: Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hrsg.): Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung. Mandelbaum Verlag 2011. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). (PDF; 2,76 MB), S. 434. Auf DOEW.at, abgerufen am 1. September 2020. Ein Grabstein für beide wurde am 29. März 1974 am Hauptfriedhof St. Pölten enthüllt. Das Opfer, Hans Lintner, war am 16. Februar 1934 in Rohrbach begraben worden.Landeshauptstadt Sankt Pölten. In: Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hrsg.): Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung. Mandelbaum Verlag 2011. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). (PDF; 2,76 MB), S. 436. Auf DOEW.at, abgerufen am 1. September 2020.Sterbeeintrag von Hans Lintner: Sterbebuch der Pfarre Rohrbach 1886 - 1938
Am 29. Jänner 1948 brach um 4 Uhr morgens am Firmengelände der Grundmann Schlossereifabrik ein Großbrand aus, der fast die gesamte Anlage vernichtete. Die Brandfläche betrug insgesamt 1650 Quadratmeter, über 70 Feuerwehrmänner von fünf verschiedenen Freiwilligen Feuerwehren waren zur Brandbekämpfung eingesetzt worden. Nach dem Brand war das Firmengelände wiederaufgebaut worden.Mitteilungen des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbandes, Nr. 2, Februar 1948 56. Jahrgang
Anfang der 1960er litt die Rohrbacher Schule unter akuter Platznot, weshalb ein neues Schulgebäude mit 6 Klassen errichtet wurde. Die neue Volkschule wurde am 31. Mai 1964 vom Göttweiger Abt Wilhelm Zedinek und Landeshauptmann Leopold Figl feierlich eröffnet. Am 19. Mai 1985 feierte die Volkschule Rohrbach mit zahlreichen Ehrengästen ihr 200-jähriges Jubiläum.Schulchronik
1990 schloss die Firma Kaschütz die hauseigene Gießerei, das Unternehmen besteht jedoch bis heute noch und ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche Rohrbach an der Gölsen
Katholische Pfarrkirche Rohrbach an der Gölsen hl. Bartholomäus Wasserturm