mini|Anton G. Leitner (2020) mini|Anton G. Leitner am 23. Oktober 2012 im Literaturhaus München beim "Internationalen Gipfeltreffen der Poesie" Anton G. Leitner (* 16. Juni 1961 in München) ist ein deutscher Schriftsteller und Verleger.

Er arbeitet auch als Herausgeber, Rezitator und Literaturveranstalter. Seit 1980 edierte Leitner unter anderem für Artemis & Winkler, dtv, dtv/Hanser, Goldmann, Eichborn Lido und Reclam über 40 Anthologien. Er ist Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift Das Gedicht, die seit 1993 erscheint.

Leitner publiziert überwiegend Lyrik, daneben auch Erzählungen, Essays, Literaturkritiken sowie Kinder- und Hörbücher.

Leben Anton G. Leitner studierte nach dem Abitur 1981 am humanistischen Wittelsbacher-Gymnasium in München von 1982 bis 1988 Rechtswissenschaften und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Anschluss an die Erste Juristische Staatsprüfung 1989 absolvierte er von 1990 bis 1993 das juristische Referendariat beim Oberlandesgericht München. 1992 gründete er in Weßling den gleichnamigen Verlag, um neben Latein-Lernhilfen die Jahresschrift DAS GEDICHT zu publizieren.

Seit 1991 ist er mit der Ärztin Felizitas Leitner verheiratet. Er lebt und arbeitet (seit April 1993 im Hauptberuf) als Autor, Kritiker, Herausgeber und Verleger in Weßling (Kreis Starnberg)." Schon als Gymnasiast veröffentlichte Leitner parallel mit seinem Jugendfreund Helmut Krausser erste Privatdrucke.

Initiative Junger Autoren mini|hochkant|links|Cover Schreite fort, Schritt (1986), illustriert von Michael Gattnarzik Zusammen mit Friedrich Ani, Michael Lentz, Nicola Bardola und anderen gründete Anton G. Leitner Anfang der 1980er Jahre die Initiative Junger Autoren (IJA) und war bis 1991 deren Vorsitzender. Unter seiner Ägide veranstaltete die IJA 1988 im Münchner Gasteig-Kulturzentrum in Zusammenarbeit mit IBM-Deutschland das Festival Interaktionen / Tage junger Literatur, die bis zu diesem Zeitpunkt größte Literaturveranstaltung in der bayerischen Landeshauptstadt. Der Tagesspiegel schrieb amüsiert über die unabhängige Organisation: „Diese junge Schreibbewegung erschöpft sich nicht in intimen Orangentee-Lesungen.“

Organ der IJA war das Münchner Flugblatt für junge Literatur, Der Zettel. Viele Schriftsteller veröffentlichten dort ihre ersten Gedichte, hin und wieder verstärkt durch internationale Autoren wie Wladimir Sorokin.

Lyrik Zu Leitners umfangreichem literarischen Werk zählen bislang 24 Lyrikbände sowie Hörbücher, Essays und Prosa. Seine Gedichte erscheinen darüber hinaus in Zeitschriften, Tageszeitungen, in Funk und im Fernsehen (u. a. in Brigitte, mare, Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Münchner Merkur, BR, Radio Bremen sowie in der Deutschlandradio-Kultur-Sendung „Lesart“ die Originalton-Trilogie „Wenn Verse locken“.Wenn Verse locken (1) - Das Gedicht im Liebeseinsatz: http://www.deutschlandradiokultur.de/wenn-verse-locken-1-das-gedicht-im-liebeseinsatz.1270.de.html?dram:article_id=313695 Wenn Verse locken (2) Kann man mit Gedichten jemanden aufreißen?: http://www.deutschlandradiokultur.de/wenn-verse-locken-2-kann-man-mit-gedichten-jemanden.1270.de.html?dram:article_id=313749 Wenn Verse locken (3) Vom Reiz des Rezitierens: http://www.deutschlandradiokultur.de/wenn-verse-locken-3-vom-reiz-des-rezitierens.1270.de.html?dram:article_id=313926Die Horen (Morawietz) Nr. 189 Schreite fort, Schritt, 43. Jg. Bd. 1, 1998 Nr. 189, S. 209: „In keiner Phase seiner lyrischen Entwicklung ist Leitner steckengeblieben, sondern hat nach seinem eigenen Motto Schreite fort, Schritt inzwischen den Weg gefunden, der ihn wohl allmählich, aber sicher zu Paul Wühr, Ernst Jandl und Karl Riha führen wird, nämlich zur Demontage des Wortes, um neue Sinngebung der Teilelemente in der Brechung, im Sprachspiel, in der Remontage zu finden.“ Seine Lyrik wurde in zahlreiche Sammelbände aufgenommen. Die lyrischen Entwürfe Leitners stehen im Spannungsfeld der umfangreichen editorischen Arbeit des Autors (siehe unten), die seine Poesie informiert, prägt und in eine einzigartige produktionsästhetische Situation stellt, wie es viele Beobachter seiner Arbeit hervorheben.Die Welt Der Verleger als Poet, 21. April 2001, S. 42. Im Hinblick auf die Einordnung der Person Anton G. Leitners als Lyriker schrieb Manfred Lange 1986: „Er ist schwer einzuordnen, und das macht ihn sympathisch. Er bietet keine fertige Weltanschauung, sondern Gedanken, Schnitte, Appelle zu einem Aufbruch.“Deutsche Tagespost Schreite fort, 17. Mai 1986, S. 15.

„So! Hör auf / Die Ruhe der / Gegenstände:“ Lyrik als Sollbruchstelle Anton G. Leitners neuer Gedichtband „Das Meer Tropft aus dem Hahn“. Meer voll Sprachinseln, 25. April 2001: Jürgen Nendza schrieb dort: „Die idyllische Beschaulichkeit des Exotischen wird in Leitners Beobachtungen unterlaufen.“Süddeutsche Zeitung, Lyrik mit und von Anton G. Leitner. Urlaubsstimmung durch die Kraft der Poesie, 11./12. August 2001.tz, Von der Insel für die Insel. Leitner am Lit-Telefon, 7. Juni 2001, S. 4.: „In seinen spannungsvoll verkanteten Spracheruptionen wird zarte Melancholie immer wieder durch witzige Wortspiele abgefedert.“

Den lyrischen Ansatz Leitners verorteten einige Kommentatoren in einer Fuge zwischen Moderne und Postmoderne. Die Süddeutsche Zeitung stellte fest, dass „die Eroberung des Neulands zwischen den Wörtern statt[finde],“ in einem sprachlich umcodierten Terrain, wo „sich ein großer Raum zwischen den scheinbar gesicherten Zusammenhängen auftut.“Süddeutsche Zeitung Der Vulkan in der Analyse, 17. April 2001. Seine Lyrik erfasse die Wirklichkeit im Fragment, in dem die Wahrnehmung gebrochen wird, ohne jedoch bei bloßen Bruchstücken zu verharren, „da die Leitnersche Technik der Fragmentarisierung und der stete spielerische Wechsel der Tonfälle und Blickwinkel in einem Ganzen aufgehoben sind.“Anton G. Leitner: Das Meer tropft aus dem Hahn, Meer – Insel – Liebe. Ein Vorspruch, von Joachim Sartorius 2001. Die unmittelbare Evidenz der Bilder, die Leitner mit seinen Versen offeriert, bemerken seine Verfechter wie seine Verächter. In der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit schrieb Alexander Nitzberg: „Das verbale Blendwerk bildet meistens nur den äußeren Rahmen für Sätze voller Stille und Poesie.“Die Zeit, Das Wort beim Wort nehmen, 4. Oktober 2001. Was Nitzberg, aber auch beispielsweise Joachim Sartorius hier am Werk Leitners charakterisieren, ist eine Gestalt der Lyrik, die zwiespältig zwischen vordergründiger Offensichtlichkeit und unergründlicher Magie die Waage hält.Anton G. Leitner: Das Meer tropft aus dem Hahn, Meer – Insel – Liebe. Ein Vorspruch, von Joachim Sartorius 2001. Leitner, der Lyriker, erreicht „in der Kunst des Enjambements einen Gipfel der beinahe an Scharlatanerie grenzt“ (Nitzberg). Weiterhin bemerkte Nitzberg, dass Leitner „keine plätschernde Ozeanwelle mehr, nur noch kleine schmerzhafte Tropfen“ vorführe.Die Zeit, Das Wort beim Wort nehmen, 4. Oktober 2001.Die Zeit, Feuilleton Literatur, 8. Dezember 2011, S. 71.

Stil und Technik Leitner unterläuft den traditionellen Versbau durch den systematischen Einsatz des Enjambements, wodurch eine multiple Kodierung der Zeilen erreicht wird. Steffen Jacobs beispielsweise bemerkte dieses Verfahren bei einer Besprechung des Gedichts Abends, immer in Die Welt: „Anton G. Leitners Gedicht Abends, immer bietet interessantes Anschauungsmaterial für eine Extremform des Enjambements: hier gibt der Zeilenfall dem Gedicht oft eine völlig neue Richtung. Am Start scheint uns Leitners Gedicht in ein Auto setzen zu wollen: 'Abends, immer // Öfter im Stau.' Dann aber biegt es in eine dynamische Paarkonstellation ab: 'Am liebsten // Liegt er / Schief. Sie // Steht auf.' Ein spannungsreicher Dialog könnte gemeint sein, aber auch ein Stellungswechsel erotischer Art.“Die Welt, Abends, immer, 2. März 2005. Da Leitner eine „Zertrümmerung des Satz- und Wortzusammenhangs“Kölner Stadt-Anzeiger, Nicht bei dieser Hitze, 30. Juli 1998. in seinen Gedichten inszeniert, erzeugt er verfremdende Effekte, die eingeschliffene Sprach- und Bildelemente der Alltagssprache neuen Interpretationen zuführen. In Kombination mit einer extrem verknappten Sprache eignet sich der Leitnersche Duktus besonders gut, um Phänomene der Gegenwart ins Gedicht zu holen: „Seine Verse spiegeln die Hochgeschwindigkeitsgegenwart im Takt der neuen Zeit, kein Wort, keine Silbe, kein Buchstabe zu viel.“Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Kritik in aller Kürze, 23. August 2011. „Immer wieder arbeitet Leitner mit sich überkreuzenden und überlagernden semantischen Vektoren, die paradoxe Effekte erzeugen und zu überraschen vermögen. Immer wieder vermischt er Wortfamilien, durchquert Wortfelder, trennt Komposita, fädelt ungewöhnliche Assoziationsketten ein und zerreißt jene, die wir erwarten.“Ulrich Johannes Beil, Nachwort zu Die Wahrheit über Uncle Spam 2011, S. 114.

Lyrik als Form der Zeitkritik Schon sehr früh beobachtete der Literaturwissenschaftler Ulrich Johannes Beil die spezifische Form der Kritik, die in Leitners Poesie hervortritt: "Leitner schafft sich mit der Sprache den Widerstand, den ihm die Realität schon nicht mehr bietet."Anton G. Leitner: Schreite fort, Schritt. Nachwort von Ulrich Johannes Beil, 1986. Diesen Impuls notiert auch Fritz Deppert in einer Rezension, darin er auf die eigentümliche Spannung von „Liebe und Gesellschaftskritik“ im Hinblick auf Leitners Gedichtband Schreite fort, Schritt verweist.Darmstädter Echo, Leitners Lyrik. Liebe und Gesellschaftskritik, 16. Juni 1995, S. 13. Leitner variiere häufig das Motiv der Unbestimmtheit, wie Lutz Rathenow bei einer Analyse des Gedichts Engel in Die Welt bemerkt: „Anton G. Leitner geht weiter: Und wenn die Engel nicht mehr wissen, was sie sind und sein sollen? Sie sind in diesen schlanken, aus 27 Worten bestehenden Gedicht vor allem eins: erschöpft. Dem Autor gelingt es, fast jedes Wort so mehrdeutig zu platzieren, dass das Gedicht mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert.“Die Welt, Engel, 24. April 1999.

Während manche Kommentatoren vor einem angeblichen „Pessimismus“ kapitulieren,Starnberger Merkur, Fortschritt-Gedichte in Richtung Untergang, 3. September 1986: „Es überwiegt der Zorn und das Entsetzen über eine aus den Fugen geratenen Welt.“ akzentuieren andere gerade den Aspekt der „zynischen Vernunft“:

Der Gestus der Kritik, worin der Subjektkern jeglicher Maßstäbe ledig geworden ist, rückt besonders Leitners lyrisches Werk in den Geist des philosophischen Existenzialismus. Thomas Krüger hält das Ringen um Authentizität, das sich in Leitners Werk dokumentiert, in einer Rezension in Die Horen, fest: „Die ironische Brechung dieses Versuchs ist der Beweis, dass es im Umfeld von Marktorientierung, politischer Orientierungslosigkeit und der zur Marke getragenen Eitelkeiten keine authentische Existenz gibt – nicht einmal mehr deren glaubhaftes Trugbild mit dem Namen Utopie.“Die Horen Nr. 192, Spiel mit Perspektiven, Jg. 43 Bd. 4 1998 Nr. 192, S. 203. mini|Cover Spät öffnet sich das Licht, 2026