Das 18. Jahrhundert begann am 1. Januar 1701 und endete am 31. Dezember 1800. Die Weltbevölkerung zu Beginn dieses Jahrhunderts wird im Mittel auf 600 Millionen Menschen geschätzt, während sie zum Ende des Jahrhunderts schätzungsweise auf 970 Millionen Menschen anstieg. Somit übertraf das weltweite Bevölkerungswachstum dieses Jahrhunderts das kumulierte Wachstum der vorherigen fünf Jahrhunderte. Während die globale Vernetzung aller Kontinente weiter voranschritt, wandelte sich der Globus von einer multipolaren Welt mit ihrem frühneuzeitlichen Gleichgewicht zu einer zunehmend europäisch dominierten Welt, wobei Großbritannien zum mächtigsten europäischen Akteur wurde. Diese Stellung erreichte es durch seine Vorreiterrolle im Welthandel und der Industrialisierung. Durch die Vernetzung Europas mit der Welt hatten europäische Konflikte vielfach Auswirkungen in anderen Teilen des Globus. Europäische Handelsgesellschaften spielten im globalen Handel eine große Rolle, wobei es ihnen gelang, regional oder sektoral Handelsmonopole mit Waffengewalt aufzubauen und zu verteidigen. In einigen Regionen, wie Ost- und Südostasien, spielten sie hingegen eine geringe Rolle.

Die europäisch-amerikanische Bewegung der Aufklärung forderte eine rein rationale Weltsicht und Gestaltung der Gesellschaft. Sie beeinflusste nicht nur Kunst, Literatur und Bildung, sondern auch die Politik. Deshalb sprechen einige Historiker auch vom „Jahrhundert der Aufklärung“. In diesem Jahrhundert begann in Westeuropa die Transformation von einer ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft. Viele Aufklärer unterstützten die herrschenden Monarchen bei der Modernisierung ihres Reiches, kam es jedoch zur Revolution, versuchten sie diese zu steuern und gestalteten die neue Ordnung entscheidend mit. Mit der französischen und amerikanischen Revolution begann die Epoche des bürgerlichen, modernen Verfassungsstaates. Nach zahlreichen europäischen Kriegen begann sich ein Gleichgewicht von fünf europäischen Großmächten zu formen, das bis zum Ersten Weltkrieg Europas Politik prägte. Eine dieser Großmächte, Russland, wurde nach grundlegenden Reformen von Staat und Armee nicht nur eine europäische Großmacht, sondern expandierte auch als größter Flächenstaat Asiens.

In Asien wandelte sich das indische Mogulreich von einem zentralen Verband zu einem losen Staatenbund. Neben nachhaltigen Strukturreformen der Regionalreiche brachte der Transformationsprozess zahlreiche Kriege und Erbfolgekriege mit sich. In diesem Umfeld schaffte es die Britische Ostindien-Kompanie, in der zweiten Jahrhunderthälfte neben der Konföderation der Marathen zur mächtigsten Organisation Südasiens zu werden. Das Chinesische Kaiserreich setzte seine Expansion in Asien fort, bis es 1759 seine größte Ausdehnung erreichte. Dieses große Reich erlebte wirtschaftlichen Wohlstand und starkes Bevölkerungswachstum. Japan verfolgte weiterhin seine Abschottungspolitik gegenüber dem Rest der Welt, während sich die Staaten des südostasiatischen Festlandes konsolidierten und ihre Unabhängigkeit gegen europäische und chinesische Herausforderer verteidigten. Auf der südostasiatischen Inselwelt bauten die Chinesen ihre Präsenz und ihren Einfluss stark aus.

Durch ihren Sieg über die Franzosen waren die Briten vorübergehend zur mächtigsten Kolonialmacht des Nordamerikanischen Kontinents geworden. Diese Vormachtstellung verloren sie mit der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika. Wirtschaftlich profitierten die Vereinigten Staaten wie auch die europäischen Kolonien der Karibik und Lateinamerikas von der Arbeitskraft von Millionen afrikanischer Sklaven. Die Jagd nach Sklaven und die Verschiffung nach Amerika erreichte in diesem Jahrhundert ihren Höhepunkt.

Europa mini|Europa im Jahr 1789 Das Europa des 18. Jahrhunderts wird im Wesentlichen der Epoche der Frühen Neuzeit zugerechnet. Der Kontinent gliederte sich in zahlreiche christlich geprägte Territorialreiche. Die Reiche Westeuropas hatten in groben Zügen die heutige Ausdehnung. Die Mitte Europas war in zahlreiche mittlere und Kleinstterritorien zersplittert, die Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren. Unter ihnen ragten Preußen und Österreich heraus, die sich in diesem Jahrhundert vor allem durch ihre Territorien außerhalb des Reiches zu europäischen Großmächten entwickelten. Auch die Bedeutung Russlands stieg mit dem Erwerb zahlreicher Territorien. Dies geschah teilweise zulasten Schwedens, das zusammen mit den Niederlanden in die zweite Reihe europäischer Reiche zurückfiel. Großer Verlierer war Polen, dessen Territorium unter Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt wurde. Das Osmanische Reich konnte seine Territorien auf dem südlichen Balkan trotz einiger vorübergehender Verluste halten.

Zentral- und Südosteuropa Von den zahlreichen Territorien in der Mitte Europas, die Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren, waren Bayern, Sachsen und das mit Großbritannien in Personalunion regierte Kurfürstentum Hannover größere Herrschaftsgebiete. Durch zahlreiche Kriege unter anderem gegen Österreich stieg Preußen neben diesem zum bedeutendsten Akteur im Reich auf.

Preußens Herrscher von der Dynastie der Hohenzollern erlangten zu Beginn des Jahrhunderts mit der Königswürde eine symbolische Rangerhöhung. Sie bauten ein starkes Heer auf, führten aber bis 1740 kaum kriegerische Auseinandersetzungen. Im Jahr 1740 eroberte Friedrich der Große im Rahmen des Österreichischen Erbfolgekrieges das österreichische Schlesien und wehrte alle Rückeroberungsversuche ab. Im darauffolgenden Siebenjährigen Krieg, in dem Preußen mit Frankreich, Spanien, Österreich und Russland mächtigen Gegnern gegenüberstand, konnte Friedrich den Status halten. Mit den Teilungen Polens gewann sowohl Preußen als auch Österreich weiteren Besitz außerhalb des Heiligen Römischen Reiches dazu.

Preußens Kriegsgegner Österreich verlor mit Schlesien seine ertragreichste Provinz. Um Maria Theresia die Nachfolge als Herrscherin über alle österreichischen Territorien zu sichern, hatte Österreich viel Geld ausgegeben, was für die Armee fehlte. Schon vor der Niederlage gegen Preußen hatte Österreich einige bis 1718 eroberte Gebiete auf dem Balkan wieder an das Osmanische Reich verloren. Wie in Schlesien scheiterten auch auf dem Balkan weitere Rückeroberungsversuche. Dort war Österreich mit den zunehmenden Machtansprüchen Russlands konfrontiert. Als Konsequenz der Niederlagen führte die Krone zahlreiche Reformen im Militär, der Verwaltung und des Besteuerungssystems durch. Der Versuch insbesondere Joseph II. eine absolutistische Herrschaft aufzubauen, gelang nur ansatzweise. Zwar vergrößerte sich der Hofstaat und eine zentrale Bürokratie wurde aufgebaut, doch durch ein Patronage-System bei der Vergabe der Hofämter behielt der österreichische Adel einen großen Teil seiner Macht. Auch der ungarische Adel konnte seine starke Stellung behaupten. Mangels einer breiten Kaufmannschaft entwickelte sich in Österreich ein Bürgertum mit einem hohen Anteil von Staatsbeamten. Zum Ende des Jahrhunderts übernahm es als Auftraggeber und Mäzen in der Kultur die Führungsrolle. mini|Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation im Jahr 1789 Dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das neben Österreich und Preußen aus einigen mittleren und zahlreichen kleinen Reichsterritorien bestand, gaben die im Westfälischen Frieden von 1648 vereinbarten Regelungen einen Rahmen. Dieser Rahmen, der einen konfessionellen Ausgleich im Reich herstellen sollte, war für die kleinen Territorien existenznotwendig. Zu Beginn des Jahrhunderts sahen sie noch in den habsburgisch-österreichischen Kaisern mit ihrer Hausmacht Garanten ihrer Interessen. Diese verfolgten jedoch zunehmend eigene Machtziele. Den kleinen Territorien standen einzelne mittlere Territorien gegenüber, die auf ihrem Gebiet eine moderne Staatlichkeit mit zentraler Verwaltung, Verstetigung der Steuereinnahmen und einem stehenden Heer aufbauten. Ihrem Interesse, in der europäischen Machtpolitik mitzuspielen, standen die Reichsinstitutionen oft im Weg. Mit der 1742 erfolgten Ernennung des Wittelsbachers Karl VII., der im Gegensatz zu seinen habsburgischen Vorgängern keine mächtige Hausmacht hatte, zum Kaiser wurde die Kaiserwürde unwiderruflich beschädigt.

Ferner begann in den 1740er Jahren mit dem Aufstieg Preußens zur Großmacht der Österreichisch-Preußische Gegensatz. Beide Großmächte nutzten die Reichsinstitutionen ab dieser Zeit für ihre Machtpolitik rücksichtslos aus. Dabei beruhte ihr Einfluss nicht auf ihrer von der Reichsverfassung definierten formalen Stellung, sondern auf ihrer wirtschaftlichen und militärischen Stärke. Obwohl die Reformbedürftigkeit der Institutionen gesehen wurde, gelang es nicht, diese an die Bedürfnisse der Zeit anzupassen. So machte die Polarisierung durch die beiden deutschen Großmächte ein gemeinsames Handeln der Reichsglieder schließlich kaum mehr möglich. Im Jahr 1793 entschloss sich das Reich als Ganzes zum Einstieg in den Ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich, beendete diesen aber gespalten. 1795 schlossen einige Territorien unter Führung von Preußen mit Frankreich den Frieden von Basel, dem 1797 der Friedensschluss Österreichs folgte. Beide Friedensverträge erkannten den Verlust der Linksrheinischen Gebiete an Frankreich an.

Westeuropa Großbritannien mini|Der Sieg in der Seeschlacht bei Kap St. Vincent von 1780 gegen die Spanier war einer der zahlreichen Siege der Royal Navy im 18. Jahrhundert. Die Königreiche England und Schottland, die zuvor von denselben Monarchen regiert wurden, schlossen sich im Act of Union von 1707 zum Königreich Großbritannien zusammen. Im Jahr 1717 erbte ein Zweig der protestantischen Welfen, die auch Kurfürsten von Hannover waren, vor dem Hintergrund des Act of Settlement die Krone. Dennoch mussten sie ihre Legitimität gegenüber den Anhängern der katholischen Nachfolger Jakob II. lange rechtfertigen. Erst nach dem gescheiterten Umsturzversuch der Jakobiten von 1745/46 fühlte sich die Dynastie genügend sicher, um stärker in die aktive Politik einzugreifen. Als Konstitutionelle Monarchen waren sie bei vielen Entscheidungen auf die Zustimmung des Britischen Parlaments angewiesen. Dieses konnten nur Männer bestimmter Stände und Besitzer eines Mindestvermögens wählen, sodass große Bevölkerungsteile vom Wahlrecht ausgeschlossen waren. Weiterhin repräsentierten die Wahlkreise in keiner Weise die tatsächliche Verteilung der Bevölkerung. So waren fast ausschließlich Adelige im Britischen Parlament vertreten, da diese über den nötigen Einfluss und das notwendige hohe Vermögen für eine Wahl verfügten. Während bürgerliche Schichten durch Lobbyarbeit Einfluss nahmen, versuchten sich die anderen Schichten durch regelmäßige Krawalle, „riots“, Gehör zu verschaffen. Um 1700 hatten sich zwei Parteien herausgebildet, Whigs und Tories, deren Grundansichten sich in einigen Politikfeldern grundlegend unterschieden.

In zahlreichen europäischen Kriegen, die oft auch einen außereuropäischen Schauplatz hatten, stieg Großbritannien zur führenden Großmacht und zur Seemacht auf. Großbritannien konzentrierte sich auf seine Kriegsmarine und investierte im Gegensatz zu seinen europäischen Rivalen relativ geringe Beträge in seine Landstreitkräfte. Obwohl Frankreich, die Niederlande und Spanien ihre Flotten in der zweiten Jahrhunderthälfte massiv aufrüsteten, behielt Großbritannien seine Vormachtstellung auf See.

Frankreich mini|Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 wurde zum Symbol für die Französische Revolution.