Otmuchów (deutsch Ottmachau) ist eine Stadt im Powiat Nyski der Woiwodschaft Opole in Polen. Sie ist zugleich Sitz der Stadt- und Landgemeinde Otmuchów.

mini|Luftbild der Umgebung mit Stausee

Geographie Otmuchów liegt im Südwesten Oberschlesiens am linken Ufer der Glatzer Neiße, etwa 15 Kilometer westlich von Neisse und 70 Kilometer südwestlich von Opole.„Historisch“ gehörte das Neisser Gebiet nicht zu „Oberschlesien“. Siehe Ludwig Petry u. a.: Geschichte Schlesiens. Band 1: Von der Urzeit bis zum Jahre 1526. Sigmaringen 1988, ISBN 3-7995-6341-5, S. 89: Dort heißt es: Das Oppelner Land, zu dem das Neisse-Ottmachauer Bistumsland nie gehört hat, fiel nach Jaroslaus' Tod (22. März 1201) vertragsgemäß an Boleslaus d. L. zurück. Historisch gehörte Ottmachau bis zur Säkularisation in Preußen 1810 zum Fürstentum Neisse. Westlich der Stadt erstreckt sich bis Paczków (Patschkau) der Ottmachauer Stausee. Etwa drei Kilometer östlich des Ortes erstreckt sich bis Nysa (Neisse) der Neisser Stausee.

Stadtteile Nieradowice (Nitterwitz) Sarnowice (Sarlowitz) Śliwice (Schleibitz) Wójcice (Woitz)

Geschichte mini|Fragmente der Stadtmauer mini|Stadtpanorama Im Ottmachauer Gebiet verlief eine Handelsstraße von Breslau über Glatz nach Böhmen, an der schon früh eine Siedlung entstand, die zu Beginn des 11. Jahrhunderts dem Bistum Breslau gehörte und der Grenzsicherung gegenüber Böhmen diente. Bereits im Jahre 1155 wurde die Kastellanei Ottmachau mit zugehörigen Gütern in einer Bulle Papst Hadrians IV. als „castellum Otomochov cum pertinentis“ der Breslauer Bischöfe erwähnt. Es ist die älteste Papsturkunde für Schlesien. Die Burg Ottmachau mit zugehörigem Landbesitz wurde wahrscheinlich schon vor Begründung des Bistums Breslau zu dessen Ausstattung den Bischöfen als Eigentum übergeben. In der Folgezeit erlangte Ottmachau als Marktflecken Bedeutung. Davon zeugt eine Bulle vom 9. August 1245 des Papstes Innozenz IV., in der der Besitz der Bischöfe bestätigt und ein Marktplatz in Ottmachau erwähnt wird. Für das Jahr 1261 ist ein Kastellan belegt. In späteren Dokumenten der Breslauer Bischöfe Thomas I. und Thomas II. wird betont, dass Ottmachau einen bedeutenden Besitz des Bistums darstellt und schon seit der Gründung des Bistums zu diesem gehörte. Während eines Streits zwischen dem Breslauer Herzog Heinrich IV. und dem Breslauer Bischof Thomas II. besetzte Herzog Heinrich IV. im Jahre 1284 die Stadt.

Nachdem 1290 das Fürstentum Neisse als eigenständiges Herrschaftsgebiet entstand, in dem die Breslauer Bischöfe sowohl die geistliche als auch die weltliche Macht ausübten, gehörte Ottmachau zu diesem. Durch die Übertragung der Landeshoheit an die Bischöfe verlor die Kastellanei Ottmachau ihre Vormachtstellung im Bistumsland. Residenzort der Breslauer Bischöfe wurde nun Neisse, das auch Oberhof für die deutschrechtlichen Siedlungen des Bistumslandes war.

Der ab 1342 amtierende Bischof Preczlaw von Pogarell lehnte sich, wie vorher fast alle schlesischen Herzöge, politisch an Böhmen. Da er bereits im Jahr seines Amtsantritts sein Fürstbistum als ein Lehen an den böhmischen König Johann von Luxemburg übertrug, gehörte auch Ottmachau nun zu Böhmen. Zu dieser Zeit kam es auch verstärkt zum Zuzug deutscher Siedler infolge der Ostkolonisation, die schon seit dem 13. Jahrhundert andauerte. Zwar hatten deutsche Kolonisten die Stadt schon relativ früh erreicht, in Ottmachau kam es aber nicht zu einer dauerhaften Besiedlung durch Deutsche, so dass die Stadt ihren slawischen Charakter bis ins 14. Jahrhundert behalten konnte. Neue Dynamik erhielt die Stadtentwicklung am 24. November 1347, als Ottmachau von Bischof Preczlaw das Magdeburger Stadtrecht erhielt. Faktisch wurde Ottmachau auf der Grundlage der alten polnischen Marktsiedlung als deutschrechtliche Stadt neu gegründet. Dadurch wurde die Ansiedlung der Deutschen gefördert und wiederaufgenommen.

Vor allem die daraus resultierende rasche Bevölkerungszunahme verhalf Ottmachau als Bischofsstadt zu immer größerer kultureller, politischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Die Stadtanlage wurde dementsprechend mit einem großen, nahezu quadratischen Ring samt Rathaus und Häuserblock in der Ringmitte und einem planmäßigen Straßennetz den Anforderungen einer wachsenden Stadt angepasst und von einer 1369 erstmals nachgewiesenen Stadtmauer geschützt. 1386 stiftete Berthold Fulschussil, Propst des Breslauer St.-Ägidien-Stifts ein Kollegiatstift in Ottmachau, das er mit einem Propst, einem Dechanten und 13 Domherren sowie reichem Grundbesitz ausstattete. Die Stiftungsurkunde wurde am 7. Juni 1386 vom Breslauer Bischof Wenzel von Liegnitz unterzeichnet. Erster Propst wurde der Ottmachauer Pfarrer Nicolaus von Swetaw, dessen Pfarrkirche nun zur Kollegiatskirche erhoben wurde. Die päpstliche Bestätigung erfolgte 1388, und 1391 wurde das erste Generalkapitel abgehalten.

Hussitenkriege im 15. Jahrhundert und Niedergang Die günstige Entwicklung der Stadt im 14. Jahrhundert nahm mit den Hussitenkriegen ein jähes Ende. Die Hussiten, die in der Bischofsstadt Neisse reiche Beute erwarteten, erreichten Ottmachau am 28. März 1428. Sie überwanden die Stadtmauer und plünderten die Stadt, vor allem die Stiftskirche. Am 19. November 1430 fielen sie unter Führung des Taboriten Andreas Prokop und des ostböhmischen Adligen Johann Městecký von Opočno erneut in Ottmachau ein. Unter der Androhung, die Bischofsburg zu zerstören, erzwangen sie von Niklas Zedlitz von Alzenau deren Herausgabe. Die Hussiten hielten die Stadt über fünf Jahre hinweg besetzt und machten Ottmachau zu einem ihrer Stützpunkte im Heiligen Römischen Reich. Dabei nutzten sie die Zeit, um die Stadt mit Befestigungsanlagen wieder verteidigungsfähig zu machen. 1435 kaufte der Breslauer Bischof Konrad von Oels Ottmachau für 1100 Böhmische Groschen wieder frei. Trotzdem kam es 1443 zu einer dritten Eroberung durch die Hussiten, die die Stadt ein Jahr lang besetzt hielten. Wiederum wurde die Stadt freigekauft; diesmal für 2000 Gulden.

Die feindlichen Übergriffe ließen die Stadt verwüstet zurück. Ottmachau war nicht nur wirtschaftlich am Boden. 1477 wurde das Kollegiatstift nach Neisse verlegt, da die in den Hussitenkriegen zerstörte Stiftskirche abgebrochen werden musste. Auch wenn die Bedeutung der Stadt dadurch erheblich geschwächt wurde, baute Bischof Johann IV. Roth 1484 die Burg um und ließ die Stadtbefestigung erneuern.

Viele Deutsche hatten die verwüstete Stadt verlassen. Da von den Hussiten die slawische Besiedlung gefördert wurde, kam es in der Stadt zu einem Sprachenkonflikt. Sie war zwar wieder vermehrt von Deutschen besiedelt worden, diese blieben jedoch eine Minderheit. So verboten die deutschen Kanoniker in der nun hölzernen Pfarrkirche polnische Messen zu lesen. Schließlich ordnete Bischof Johann IV. Roth im Jahre 1495 an, dass insbesondere die polnische Bevölkerung in den umliegenden Dörfern die deutsche Sprache binnen fünf Jahren zu erlernen bzw. zu benutzen habe, andernfalls aus seinem Herrschaftsbereich ausgewiesen werde.

Wiederaufbau und Blüte der Stadt mini|Schloss Ottmachau um 1860, Sammlung Alexander Duncker mini|hochkant|Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg In den nächsten Jahren blieb Ottmachau, das weiterhin zur Krone Böhmen gehörte, die seit 1526 die Habsburger innehatten, in seiner Bedeutung zwar stets hinter der Nachbarstadt Neisse zurück, es wurde aber wieder aufgebaut, und die Bevölkerung wuchs. Die Bischöfe von Breslau nutzten Ottmachau weiterhin als Nebenresidenz und brachten große Geldmengen für die weitere Entwicklung der Stadt auf. So wurde von Bischof Jakob von Salza das Rathaus neu errichtet, Bischof Andreas von Jerin leitete den Renaissanceumbau der Burg und unter Bischof Johann VI. von Sitsch wurde das Rathaus mit einem Turm und die Pfarrkirche mit einem Mausoleum versehen.

Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg erhob Bischof Karl Ferdinand Wasa die Stadtpfarrkirche 1650 wieder in den Rang einer Stiftskirche. Während die Entwicklung der Stadt im 16. Jahrhundert zaghaft voranging, leitete diese Entscheidung eine wahre Blüte der Stadt ein. Unter seinen Nachfolgern wurde der Wiederaufbau der Stadt fortgesetzt. Die Stadt wurde ein beliebter Aufenthaltsort der Bischöfe, wovon noch zwei Stadt- und Jagdschlösser zeugen. Fürstbischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg ließ mit Hilfe seiner Finanzmittel die Pfarrkirche von namhaften Barockkünstlern von 1691 bis 1694 wieder errichten, erbaute das Niederschloss und baute die Burg um.

Unter preußischer Herrschaft ab 1741 mini|Ansicht von Ottmachau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mini|Lithografie von Ottmachau, 1906 mini|Ottmachauer Staubecken Im Ersten Schlesischen Krieg wurde Ottmachau nach Bombardierung 1741 durch Generalfeldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin für Preußen erobert. Eine gewisse Bekanntheit erlangte die Stadt durch die Tatsache, dass Friedrich der Große von Ottmachau aus die Eroberung der Festung Neisse leitete. Die Zerstörungen, aber besonders die Säkularisation des Bistumsbesitzes im Jahr 1810, leiteten einen erneuten Niedergang der Stadt ein, die nun direkt Preußen und nicht mehr den Breslauer Bischöfen unterstellt war. Nach der Neugliederung Schlesiens gelangte Ottmachau, das bis dahin zum Regierungsbezirk Breslau und damit zu Niederschlesien gehörte, 1813 zum Landkreis Grottkau im oberschlesischen Regierungsbezirk Oppeln. 1820 erhielt Wilhelm von Humboldt, der 1819 aus dem preußischen Staatsdienst ausgeschieden war, die Burg Ottmachau sowie die dazugehörigen Güter von König Friedrich Wilhelm III. als Schenkung für seine Verdienste um das Vaterland.

Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und besonders nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 erlebte Ottmachau einen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auch in der Bevölkerungszunahme der Stadt widerspiegelte. Von 1857 bis 1859 wurde die evangelische Corpus-Christi-Kirche errichtet. Gegen Ende dieses Jahrhunderts wurden Teile der alten Burg und 1875 die Stadtmauer abgerissen, von der nur der Neisser Torturm erhalten blieb. Bereits 1874 war die Stadt an die Eisenbahnstrecke Neisse–Glatz angeschlossen und 1893 auch mit Barzdorf in Österreich-Ungarn verbunden worden. Der erste Industriebetrieb der Stadt war eine 1881 errichtete Zuckerfabrik. Sie stellte die größte Fabrik dieser Art in Oberschlesien dar und profitierte von den nahegelegenen Anbauflächen von Zuckerrüben. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Ottmachau eine evangelische und zwei katholische Kirchen, außer der Zuckerfabrik Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen, zwei Sägewerke, eine Molkerei und war Sitz eines Amtsgerichts.

Große Gebiete im Umland der Stadt wurden von der Verwaltung der Reichswasserstraßen gekauft und 1928 mit dem Bau des Ottmachauer Staubeckens (Jezioro Otmuchowskie) begonnen, das 1933 fertiggestellt wurde. Insgesamt wurde durch dieses Bauwerk das Wasser der Glatzer Neiße auf eine Höhe von 17 m gestaut, das Staubecken fasste auf 22,6 km² eine Wassermenge von 143 Mio. m³. Der Stausee diente nicht nur dem Hochwasserschutz und der Stromgewinnung, sondern entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel. Er ist auch für die heutige Entwicklung der Stadt förderlich. Dass das Grundablasswerk noch heute in seiner ursprünglichen Form erhalten ist und nicht in den letzten Kriegstagen total zerstört wurde, ist zwei Mitarbeitern des Überlandwerks zu verdanken: Es waren der Werksleiter Alfred Töpfer und der Oberingenieur Otto Bepperling, die in Verhandlungen mit den militärischen Stellen erreichten, dass die in den ersten Apriltagen des Jahres 1945 in die sechs Ventile und in eine Turbine eingebauten 24 t Sprengstoff wieder ausgebaut wurden.