Szamotuły (deutsch Samter) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Großpolen in Polen. Sie hat etwa 18.750 Einwohner und ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) sowie Kreisstadt des Powiats Szamotulski. Die Stadt befindet sich 32 km nordwestlich von Posen.
Geschichte Die erste bekannte Siedlung an der Stelle von Szamotuły existierte bereits im 11. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert wird die Ortschaft als Haus der Szamatułski erwähnt.Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 430–431. Sie wurde im Jahr 1306 zerstört und später unter dem Namen Nowe Szamotuły wieder aufgebaut. Am Ende des 14. Jahrhunderts hieß ihr Besitzer Swiboda. Im Jahr 1420 erhielt sie die Stadtrechte.
Im Jahre 1793 kam die Stadt nach der zweiten Teilung Polens zum Königreich Preußen. Von 1815 bis 1918 war sie in der Provinz Posen Sitz des deutschen Kreises Samter. Nach dem Ersten Weltkrieg musste sie aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden.
Beim deutschen Überfall auf Polen 1939 wurde die Stadt dem nationalsozialistischen Reichsgau Wartheland einverleibt. Die polnische Bevölkerung wurde größtenteils vertrieben und Volksdeutsche im Rahmen der Aktion „Heim ins Reich“ angesiedelt. Nach dem Einmarsch der Roten Armee im Januar 1945 wurde die Stadt an Polen übergeben. Soweit deutsche Bewohner nicht vor Kriegsende geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.
Entwicklung der Einwohnerzahl 1800: 979, zur Hälfte Deutsche, ein Drittel (326) Juden, der Rest Polen 1837: 2383 1861: 3864 1875: 4316 1880: 4414 1890: 4292, davon 1124 Evangelische, 2453 Katholiken, 710 Juden und fünf Sonstige 1910: 6878, davon sprachen 2287 deutsch (33,3 %), polnisch (66,7 %)
Gemeinde Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Szamotuły gehören die Stadt selbst und 25 Dörfer mit Schulzenämtern.
Partnerstädte und -gemeinden Szamotuły hat seit dem Jahr 2000 vier Partnerstädte in Europa: Brignoles in Südfrankreich, Bruneck (Brunico) in Südtirol (Italien), Groß-Gerau in Deutschland und Tielt in Belgien.
Sehenswürdigkeiten Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört die Kirche Stiftsbasilika Unserer Lieben Frau vom Trost und des Heiligen Stanislaus des Bischofs in Szamotuły, die in den Jahren 1423 bis 1430 im Stil der Gotik gebaut wurde. Die Gebäude des früheren Klosters św. Krzyża im Stil des Barock wurden in den Jahren 1675 bis 1682 gebaut. Erwähnenswert ist auch das wiederaufgebaute Schlosskomplex mit dem bekannten „Turm der Schwarzen Dame“. In der Altstadt befinden sich mehrere gut erhaltene Bürgerhäuser.
Söhne und Töchter der Stadt Wincenty z Szamotuł (gestorben 1332), Generalstarost von Großpolen Wacław z Szamotuł (um 1526–um 1560), polnischer Komponist und Dichter John Johnston (1603–1675), Naturforscher und Historiker schottischer Herkunft Theophil Magdzinski (1818–1889), Abgeordneter des Deutschen Reichstages und des Preußischen Abgeordnetenhauses Philipp Scharwenka (1847–1917), Komponist und Musikpädagoge Xaver Scharwenka (1850–1924), Komponist und Pianist Hans Groß (1860–1924), Luftschiffkonstrukteur Siegmund Labisch (1863–1942), Fotograf, NS-Opfer Paul Beer (1873–nach 1915), deutscher Altphilologe, Germanist, Zeitschriftenherausgeber und Gymnasialprofessor Fritz Juntke (1886–1984), deutscher Bibliothekar Maksymilian Ciężki (1898–1951), polnischer Kryptoanalytiker Alexander Hollaender (1898–1986), amerikanischer Strahlenbiologe und Biophysiker Max Abraham (1904–1977), deutscher Rabbiner, Chasan und Religionslehrer Ernst Wellmann (1904–1970), deutscher Brigadegeneral der Bundeswehr Charlotte Gross (1905–1999), deutsche Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg Janusz Grabiański (1929–1976), polnischer Illustrator Marlis Heide Schmidt (1943–1996), Übersetzungswissenschaftlerin Małgorzata Braunek (1947–2014), polnische Schauspielerin Jakub Rutnicki (* 1978), polnischer Politiker
Literatur Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 430–431.
Weblinks
Website der Stadt
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Großpolen Kategorie:Gmina Szamotuły