Garelli war ein italienischer Hersteller von Fahrrädern, Mofas, Kleinkrafträdern, Motorrädern und Motorrollern.

Die Firma Garelli wurde im Jahre 1919 von Adalberto Garelli gegründet.

Geschichte mini|Garelli Capri von 1968

1913 konstruierte der italienische Ingenieur und Motorradrennfahrer Adalberto Garelli (1886Thorsten Horn: Bikes von Garelli: Die Krönung der 125er-Zweizylinder. Beitrag auf speedweek.com-1968)20. Garelli motocycles seinen eigenen Zweitaktmotor als Doppelkolbenmotor in U-Form. Bei diesem Motor sind die beiden Arbeitskolben durch einen langen Kolbenbolzen verbunden. Mit seinem ersten selbst gebauten Motorrad (Garelli 500) bezwang er am 10. Januar 1914 den 2018 Meter hohen, verschneiten Pass von Mont Cenis in der Nähe von Moncenisio bei klirrender Kälte. Im Herbst 1919 gewinnt Ettore Girardi die erste Nord-Süd-Fernfahrt von Mailand nach Neapel mit einer 350-cm³-Doppelkolben-Garelli. Die 865 km legte er mit einem Schnitt von 38,29 km/h zurück. Von den 29 gestarteten Fahrern erreichen nur fünf das Ziel. In den nachfolgenden Jahren waren die Rennmaschinen von Garelli erfolgreich. 1923 verbuchte das Unternehmen acht Weltrekorde für sich. Danach gab es bis 1926 insgesamt 222 Langstreckenrekorde und zahlreiche Grand-Prix-Siege. Viele berühmte italienische Rennfahrer wie Ernesto Gnesa, Tazio Nuvolari und Achille Varzi begannen ihre Rennfahrerkarriere bei Garelli. 1928 gab Garelli den Motorradbau in großem Stil auf und belieferte noch bis 1935 das Militär mit Motorrädern. Garelli-Rennmaschinen galten bis zum Auftreten der DKW-Motorräder als die schnellsten Zweitakter überhaupt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Garelli überwiegend kolbenkantengesteuerte Motoren von 34 bis 125 cm³ und hatte den größten Erfolg in Italien mit dem Bau des Mosquito-Motors und des Capri-Rollers. In den frühen 1980er Jahren beherrschte Garelli die Kategorie 50, 125 cm³ und wurde zwischen 1982 und 1987 sechsmal Weltmeister im Motorradstraßenrennsport.

mini|Garelli 40 SK mini|Garelli RS50 von 1973

Garelli in Deutschland Garelli wurde ab den 1960er Jahren in Deutschland bekannt, als die Firma durch den Vertrieb mit dem Neckermann-Versand und Karstadt in den deutschen Zweirad-Markt vordrang, der zu jener Zeit fest in der Hand deutscher Hersteller wie Hercules, Kreidler und Zündapp war. Die wohl in Deutschland bekanntesten Zweiräder von Garelli waren die Typen Bonanza, Monza und Rekord. Die Bonanza war etwa so groß wie eine Honda Dax; es gab sie als Mofa, Moped und Mokick. Durch die kompakte Bauform waren die Bonanzas beliebt bei Campern und Wohnmobilbesitzern, da man den Lenker mit wenigen Handgriffen platzsparend zum Transport umklappen konnte. Ebenso war auch das Super Mosquito ein Mini/Falt-Rad mit Motor bei Campern gefragt. Die Kleinkrafträder Monza und Rekord waren besonders bei Jugendlichen beliebt, da sie durch den günstigeren Verkaufspreis erschwinglich waren.

Durch den niedrigen Verkaufspreis und den Vertrieb durch Neckermann wurden die Garellis immer als „Billigware, die nicht viel taugt“ abgestempelt, was aber nicht den Tatsachen entsprach. 1973 betrug der Preis für das 6,3-PS-Kleinkraftrad Monza RS 1475 DM (entspricht inflationsbereinigt in heutiger Währung  Euro).Diese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 10 Euro gerundet und bezieht sich auf den letzten Januar. Vergleichbare Zündapp/Kreidler-Modelle waren ca. 300–400 DM teurer; 1974 kostete das Modell RS electronic (mit Drehzahlmesser) 1749 DMPS – Die neue Motorradzeitung Ausgabe 1/1974, PS-Verlag-GmbH, Aldingen (entspricht heute  Euro).

1978 brachte dann Garelli die deutschen Kleinkraftradhersteller in Bedrängnis, als in den Katalogen von Neckermann das Kleinkraftrad Rekord-Nürburg mit 7 PS auftauchte. Die deutschen Hersteller hatten sich darauf geeinigt, die Motorleistung von Kleinkrafträdern auf 6,25 PS zu begrenzen.

Ab 1980 erschienen die beiden Leichtkrafträder Enduro 80 5V und Sport 80 5V, die von Neckermann zu Preisen von 2998 bzw. 3250 DM verkauft wurden. Ein deutsches Leichtkraftrad kostete zu jener Zeit schon deutlich über 4000 DM.

1984 kam es dann zur Übernahme der Firma Kreidler in Kornwestheim. Dort wurden nun bis 1986 die Garelli-Mofas Flory, Flirt und Flott mit dem Kreidler-Logo montiert. Wenig später wurde das Werk aufgegeben. Danach verschwand Garelli zunächst vom deutschen Markt.

mini|Garelli Rekord Super mini|Garelli Cross mini|Garelli City Bike (1972)

Garelli in Italien Um 1955 gab es die ersten Kontakte zu Agrati. Agrati war ein Hersteller von Elektromotoren und Fahrradzubehörteilen. Garelli ließ zunächst Rahmenteile für Motorräder fertigen und später die Montage einiger Modelle vornehmen. Als Gegenleistung lieferte Garelli an Agrati Motoren für ihre Motorroller.

Die Motorräder Motoleggera 125 und KL 125 entstanden in dieser Zeit. Dabei handelte es sich jedoch um Maschinen mit Viertaktmotoren. Aus der KL 125 wurden dann später die erste Leichtkrafträder Rekord und Rekord Cross mit 98 cm³ für den deutschen Markt entwickelt. Diese Fahrzeuge hatten einen Zweitaktmotor und wurden über einen Händler in Köln vertrieben.

Durch die guten Geschäftsbeziehungen von Garelli und Agrati kam es um 1960 zum Zusammenschluss der beiden Unternehmen. Unter dem Namen Agrati-Garelli wurden nun die Zweiräder hergestellt, wobei der Name Agrati immer im Hintergrund blieb. Zunächst wurden nur die Mopeds Garelli M / M1 / M2 / M3 hergestellt. Die Mopeds waren mit Einganggetriebe mit Centrimatickupplung oder Zwei- oder Dreiganggetriebe mit Handschaltung ausgestattet. Danach folgte die Garellino, ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe. Ende der sechziger Jahre wurde es sportlicher bei Agrati-Garelli. Man entwickelte das Mokick Garelli Junior in einer Touren- und Sportversion mit Dreiganggetriebe. Einige Zeit später wurde daraus die Monza mit Fußschaltung und Vierganggetriebe. Gleichzeitig entstanden die Geländemaschinen Junior Cross und Tiger. Im Gegensatz zu den deutschen und englischen Versionen gab es die Fahrzeuge nur als Sportmokick. Für den englischen Markt wurde 1971 das Motorrad KL 100 entwickelt. Die KL 100 war bis auf den Motor baugleich mit der deutschen Garelli Rekord von 1973 und hatte 98 cm³.

1972 wurden die beiden Modelle Eureka und Eureka Flex auf den Markt gebracht, von denen es eine Mofa- und eine Mokickversion gab. Sie wurden 1977 noch einmal modernisiert. Die Eureka war der Vorläufer der moderneren Noi, die Ende 1979 in den Handel kam. Im Jahr 1976 erschien das Mokick Ciclone mit Fünfganggetriebe für den italienischen Markt. In den frühen achtziger Jahren wurde die komplette Mopedpalette erneuert, und 1982 wurde die Garelli TSR 125 mit Wasserkühlung, mit Fünfganggetriebe und elektronischer Zündung vorgestellt. Sie war der Ausgangspunkt für ein stärkeres Engagement bei Motorrädern. Es entstand außerdem die Garelli GTA 125. Im Kleinkraftradbereich erschienen die Modelle Basic, Formuno, Gary, Grinta, Sahel, Team, Urka und VIP. So wurden die neuen Fahrzeugtypen noch bis ca. 1991 gebaut.

Garelli in anderen Ländern Die Firma vertrieb auch in anderen europäischen Ländern ihre Fahrzeuge. So wurden unter anderem in England und Österreich Mopeds und Kleinkrafträder verkauft. Sogar in Finnland und den Balkanländern fuhren Motorroller und Mopeds. Außerhalb Europas wurden die Zweiräder in Afrika, Asien Südamerika und Ozeanien vertrieben. Trotz des Importeurs und Vermarkters American Garelli (1970er–80er) konnte das Unternehmen in Nordamerika keinen nennenswerten Absatzmarkt erschließen.

mini|Garelli-Fahrrad von 2003 mini|Garelli GSP 50cc

Garelli heute Obwohl Garelli vom deutschen Markt verschwand und es auch in Italien um das Unternehmen ruhiger wurde, wurden dort bis 1993 noch überwiegend Fahrräder und Motorroller gefertigt.

Danach wurde die Marke Garelli zur Vermarktung von verschiedenen Mopeds und Motorrollern asiatischer Produktion in Italien genutzt.

Im März 2006 sicherte sich Paolo Berlusconi, der Bruder von Silvio Berlusconi, die Namensrechte der Marke, und gründete die Nuova Garelli SpA. Erstes neues Produkt war der neue Motorroller Mosquito, benannt nach Garellis größtem Verkaufserfolg. Danach folgten die Rollermodelle 303 R 125, KRS 50, GSP 50, FX50, Flo 50, Flexi 50, Flexi 125, Queenie, Freeland, Capri, Ciclone, Fashion, Vip 50, Skynet, Panther, PMX Sport 110, XO, Comfort, die in Italien, Taiwan und China gebaut und dann über das alte Garelliwerk in Italien vertrieben wurden. Die Firma wurde nach fünf verlustreichen Jahren 2011 an eine Investmentgesellschaft verkauft und 2012 geschlossen.

2018 übernahm die italienische Firma Armony, ein Hersteller von Elektrofahrzeugen, Teile der Produktionsstätten von Garelli. 2023 fusionierte Armony mit FIVE (Fabbrica Italiana Veicoli Elettrici) Pressemitteilung vom 5. Juli 2013 -FIVE announces new grouping with Armony and historic Garelli brand und produziert seither unter dem Namen Garelli E-Tretroller, Elektromotorroller (Garelli Ciclone), und E-Bikes (Garelli Audax). 2025 stellte die Firma eine Designstudie für einen neuen Elektroroller mit dem Namen Garelli Katia 50 2025 vor Garelli Katia 50 2025: The New Horizon of Scooters .

Rennsport Rennerfolge vor dem Zweiten Weltkrieg In den Jahren 1919 bis 1926 engagierte sich Garelli erfolgreich im Motorradsport. Vor allem in der 350-cm³-Klasse war Garelli sehr erfolgreich. Teilweise wurde auch mit 350-cm³-Maschinen in der 500-cm³-Klasse gefahren, in der man recht gut mithielt. Garelli fuhr in dieser Zeit 40 erste Plätze ein. Hinzu kamen weitere 16 zweite und sechs dritte Plätze, sowie diverse Plätze im vorderen Drittel, die nicht in folgender Liste aufgeführt sind:

Siege von 1919 bis 1926 (2) Genova–Trieste in der 350-cm³-Klasse 1919 Mailand–Neapel in der 350-cm³-Klasse 1919

(9) Torino-Salò in der 350-cm³-Klasse 1920 Giro del Colle in der 350-cm³-Klasse 1920 Großer Preis von Italien in der 350-cm³-Klasse 1921 Circuito del Pino in der 350-cm³-Klasse 1922 Circuito del Lario in der 350-cm³-Klasse 1922 Luino–Agra in der 350-cm³-Klasse 1922 Varese–Campo dei Fiori in der 350-cm³-Klasse 1922 Gran Premio di Torino in der 350-cm³-Klasse 1922 Circuito del Cremona in der 350/500-cm³-Klasse 1922

(2) Trofeo del Lario e Valassina in der 350-cm³-Klasse 1921 Umbria–Toskana in der 350-cm³-Klasse 1921

(1) Raid Nord–Sud in der 350-cm³-Klasse 1921

(1) Manifestazione del moto club lombardo in der 350-cm³-Klasse 1922

(2) Sassi–Superga in der 350-cm³-Klasse 1922 Circuito del Monferrato in der 350-cm³-Klasse 1923

(3) Circuito Valle Ticino in der 350-cm³-Klasse 1922 Raid Nord–Sud in der 350-cm³-Klasse 1922 3ème Grand Prix de l’UMF in der 350-cm³-Klasse 1922

(1) Circuito di Rapallo in der 350-cm³-Klasse 1923

(1) Circuito del Tevere in der 350-cm³-Klasse 1923

(8) Circuito di Perugia in der 350-cm³-Klasse 1923 Parma–Poggio di Berceto in der 350-cm³-Klasse 1923 Circuito di Brusino Arsizio in der 350-cm³-Klasse 1923 Circuito di Pandova in der 350-cm³-Klasse 1923 Circuito del Lario in der 350-cm³-Klasse 1923 Circuito del Piava in der 350-cm³-Klasse 1923 Circuito del Sestriere in der 350-cm³-Klasse 1923 Italienische Straßenmeisterschaft in der 350-cm³-Klasse 1923

(1) Cicuito di Parma in der 350-cm³-Klasse 1923

(1) Circuito di Tortona in der 350-cm³-Klasse 1923

(6) Motogiro d’Italia in der 350-cm³-Klasse 1923 Raid Nord–Sud in der 350-cm³-Klasse 1923 Gran Premio Internacional de Motocicletas del Real Moto Club de Cataluña in der 350-cm³-Klasse 1923 Großer Preis der Schweiz in der 350-cm³-Klasse 1923 Circuito di Monte Peloritani in der 350-cm³-Klasse 1924 Motogiro d’Italia in der 350-cm³-Klasse 1924 Gran Premio Internacional de Motocicletas del Real Moto Club de Cataluña in der 350-cm³-Klasse 1924

Karl Kodric (1) Österreichische TT in der 350-cm³-Klasse 1923

(1) Circuito Del Polesine in der 350-cm³-Klasse 1924

(2) Circuito di Novara in der 350-cm³-Klasse 1925 Circuito di Novara in der 350-cm³-Klasse 1926

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