mini|hochkant|Das ehemalige Schulhaus und die evangelische Kirche
Grolsheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen an, die ihren Verwaltungssitz in der Gemeinde Sprendlingen hat.
Geographie Grolsheim liegt in Rheinhessen zwischen Mainz und Bad Kreuznach an der Nahe. Zu Grolsheim gehört auch der Wohnplatz Katharinen-Mühle.
Geschichte Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt von 772 als „Grandfesheim“. Überliefert ist das in der Abschrift einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch. Weitere frühe Ortsnamen waren „Graulfesheim“ (782) und „Graolfesheim“ (801).
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts hatte der Ort 36 Häuser.Wilhelm Fabricius: Die Herrschaften des unteren Nahegebietes: der Nahegau und seine Umgebung. Behrendt, Bonn 1914, S. 169 (dilibri.de).
Vom 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Grolsheim zur KurpfalzAndrea Kraft: Ortsverzeichnis zur Historischen Karte der Pfalz und Rheinhessens 1789. Landesarchiv Speyer 2009, S. 8. und lag dort im Oberamt Stromberg.
Neuzeit Nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen wurde die Region 1793 von Frankreich annektiert.
Verzögert durch die Koalitionskriege wurde die Annexion erst nach 1797 konsolidiert, Grolsheim gehörte ab 1798 zum Département Donnersberg und dem dortigen Kanton Bingen. Gerichtlich war im Bereich des Kantons für die Zivilgerichtsbarkeit das Friedensgericht Bingen zuständig, für die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit bestanden Notariate.Friedrich Lehne: Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für das Jahr 9 der fränkischen Republik. Pfeiffer, Mainz 1801, S. 174. (Digitalisat).
Aufgrund 1815 auf dem Wiener Kongress getroffener Vereinbarungen und eines 1816 zwischen dem Großherzogtum Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrags kam Rheinhessen, und damit auch Grolsheim, zum Großherzogtum Hessen, das dieses neu erworbene Gebiet als Provinz Rheinhessen organisierte. Nach der Auflösung der Kantone in der Provinz 1835 lag Grolsheim im neu errichteten Kreis Bingen.
Das bis dahin für Grolsheim zuständige Friedensgericht Bingen wurde 1879 aufgelöst und durch das Amtsgericht Bingen ersetzt.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Gemeinde zur französischen Besatzungszone und wurde 1946 Teil des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Grolsheim, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 195 1835 292 1871 290 1905 314 1939 304 Jahr Einwohner 1950 377 1961 448 1970 572 1987 778 1997 896 Jahr Einwohner 2005 1.167 2011 1.232 2017 1.283
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Grolsheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Die 16 Sitze im Gemeinderat verteilen sich auf drei Wählergruppen. Wahl WG 1 WG 2 WG 3 WG 4 WG 5 Gesamt 2024 – – 4 4 8 16 Sitze 2019 4 – 3 9 – 16 Sitze 2014 11 – 5 – – 16 Sitze 2009 7 5 4 – – 16 Sitze WG 1 = Wählergruppe Hahn-Axt WG 2 = Wählergruppe Daum WG 3 = Wählergruppe Bensch WG 4 = Wählergruppe Hang WG 5 = Wählergruppe Rybarczyk
Bürgermeister Florian Hanau wurde am 7. Oktober 2022 Ortsbürgermeister von Grolsheim. Bei der Direktwahl am 25. September 2022 war er mit einem Stimmenanteil von 61,66 % gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte er sich mit einem Stimmenanteil von 68,4 % gegen eine Mitbewerberin durch und wurde damit für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.
Hanaus Vorgänger Matthias Hang hatte das Amt am 18. Juni 2019 übernommen. Er war bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 mit einem Stimmenanteil von 63,77 Prozent für fünf Jahre gewählt worden. Er löste die bisherige Ortsbürgermeisterin Heidi Hahn-Axt ab. Mitte 2022 kündigte Hang jedoch an, das Amt aus gesundheitlichen Gründen mit Wirkung zum 30. September 2022 vorzeitig niederzulegen.
Wirtschaft und Infrastruktur Das Gewerbegebiet Bingen/Grolsheim verfügt über einen eigenen Autobahnanschluss. Folgedessen haben sich hier die Speditionen Rhenus und Kühne + Nagel angesiedelt. K+N betreibt das Zentrallager für Weber-Stephen Deutschland.
Verkehr Die Gemeinde liegt an der Landesstraße 400 (alte Bezeichnung: Bundesstraße 50). Die Bundesautobahn 61 verläuft in unmittelbarer Nähe. Durch die Buslinie 233 zwischen Bingen und Bad Kreuznach ist Grolsheim an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen.
Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Grolsheim
Literatur Anja Korndörfer, Gerhard Remmet: Findbuch zum Personenstandsregister der Gemeinde Grolsheim, Tabellarische Auswertung ab 1798, mit Sponsheim von 1808 bis 1817. ISBN 978-94-6386-534-0.
Weblinks
Webpräsenz der Ortsgemeinde Grolsheim Zur Geschichte von Grolsheim auf www.regionalgeschichte.net Ortsgemeinde Grolsheim auf den Seiten der Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Mainz-Bingen Kategorie:Ort in Rheinhessen Kategorie:Ersterwähnung 772 Kategorie:Ort an der Nahe (Rhein)