Die dritte Schlacht um Charkow fand während des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Februar und März 1943 statt. Nach der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad drohte der gesamten südlichen deutschen Ostfront der Zusammenbruch. Im Zuge der Woronesch-Charkower Operation konnte die Rote Armee die Stadt Charkow (Charkiw) am 16. Februar 1943 einnehmen. Generalfeldmarschall Erich von Manstein gelang es jedoch, mit einem strategischen Manöver, das oft mit einer Rochade verglichen wird, die Südflanke zu stabilisieren und die Stadt am 14./15. März zurückzuerobern. Dies war der letzte bedeutende Erfolg der Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion; mit der Operation Bagration ab Sommer 1944 wandte sich dann das Blatt endgültig.

Hintergrund Die Situation am mittleren Don Das zum Entsatz der in Stalingrad eingeschlossenen 6. Armee durchgeführte Unternehmen Wintergewitter musste am 23. Dezember 1942 abgebrochen werden, weil die Armeen der Woronesch-und Südwestfront am mittleren Don durchgebrochen waren und nach Süden vorstießen (→ Mittlere Don-Operation). Das sowjetische Oberkommando plante, durch diese und folgende Operationen mehrere Großverbände der Wehrmacht einzukesseln und zu zerschlagen:

Heeresgruppe B unter Maximilian von Weichs am oberen und mittleren Don Heeresgruppe Don unter Erich von Manstein bei Stalingrad Heeresgruppe A unter Ewald von Kleist im Kaukasus

Dies hätte für das Deutsche Reich den Verlust von über einer Million Soldaten bedeutet. Die Rote Armee hatte zunächst Erfolg, da ihr am mittleren Don nur die italienische 8. Armee gegenüberstand. So gelang es dem 24. Panzerkorps (Generalmajor W. M. Badanow) beim Raid auf Tazinskaja, in fünf Tagen 240 km weit vorzustoßen. Am 24. Dezember 1942 eroberte das Korps Tazinskaja, das mit seinem Feldflughafen und den dortigen Vorratslagern wichtig für die Versorgung der in Stalingrad eingeschlossenen deutschen Soldaten war. Damit waren die Verbände der am Tschir kämpfenden Armeeabteilung Hollidt von der Einschließung bedroht, denn Badanows Korps war nur noch 130 km von Rostow entfernt. Die Generäle Hoth und Hollidt mussten ihre schlagkräftigsten Divisionen abgeben, da Manstein diese benötigte, um Badanows Einheiten zu stoppen. Die sowjetischen Befehlshaber rechneten nicht mehr mit Widerstand und waren deshalb überrascht, als die 11. Panzer-Division, die 6. Panzer-Division sowie die 306. Infanterie-Division der Wehrmacht das sowjetische Korps einkesselten und aufrieben. An der Bistraja verlor das sowjetische 25. Panzerkorps (Generalmajor P. P. Pawlow) kurz darauf 90 T-34, so dass es seinen Angriff ebenfalls einstellen musste. Durch die Kappung der nördlichen Angriffsspitzen konnte der erste Angriff der 1. Gardearmee von der Armeeabteilung Fretter-Pico im Raum Woroschilowgrad vorerst gestoppt werden.

Die Situation am Südflügel der Ostfront mini|Situation an der Ostfront Anfang 1943 Die Situation weiter südlich am unteren Donez war nicht minder bedrohlich für die deutschen Verbände: Die 51. Armee sowie die 2. Gardearmee hatten eine Lücke zwischen der 4. Panzerarmee Hoths und der Armeeabteilung Hollidt entdeckt und waren durch sie hindurchgestoßen. Ziel war es, durch die Einnahme Rostows der 1. Panzerarmee den Rückzug aus dem Kaukasus abzuschneiden sowie Hoths Armee einzuschließen. Zwar war der Abzug aus dem Kaukasus zu diesem Zeitpunkt bereits eingeleitet worden, die 1. Panzerarmee war jedoch noch immer über 600 km von Rostow entfernt. Die sowjetischen Panzerspitzen waren hingegen am 20. Januar bereits 30 km vor Rostow. Wegen Erschöpfung und Treibstoffmangels verlangsamten sich jedoch die Operationen der Roten Armee, so dass es den Deutschen gelang, Verstärkung heranzuführen und damit einen „Flaschenhals“ für die 1. Panzerarmee offenzuhalten.

Wegen der allgemeinen kritischen Lage im Südabschnitt der Ostfront wurde Anfang Februar das in Frankreich neu formierte SS-Panzerkorps mit drei SS-Divisionen in den Bereich der Heeresgruppe B verlegt, es hatte den Auftrag, die bedrohte Stadt Charkow zu sichern.

Eroberung Charkows durch die Rote Armee

Nach dem erfolgreichen Durchbruch bei der ungarischen und deutschen 2. Armee im Zuge der Operationen Ostrogoschsk-Rossosch und Woronesch-Kastornoje leitete die Woronescher Front unter Filipp Iwanowitsch Golikow am 2. Februar die Operation Stern () ein. Während zwei Armeen der Front den Vorstoß der Brjansker Front auf Kursk unterstützen sollten, griffen die 40. Armee (Generalleutnant Kirill Moskalenko), die neu aufgestellte 69. Armee (Generalleutnant Michail Kasakow) und die 3. Panzerarmee (Generalleutnant Pawel Rybalko) in Richtung Charkow an. Dabei sollte die 40. Armee die Stadt nördlich umgehen und die 69. Armee Charkow über Woltschansk direkt angreifen, während die 3. Panzerarmee die Stadt südlich umgehen sollte. Verantwortlich für die Koordination der drei Armeen war General Alexander Wassilewski.

Am 4. Februar erreichte die 3. Panzerarmee als erste den Donez etwa 20 km östlich von Charkow bei Tschugujew, konnte jedoch gegen die am gegenüberliegenden Flussufer liegende SS-Panzergrenadier-Division Leibstandarte SS Adolf Hitler nicht über den gefrorenen Fluss vordringen. Ein Entlastungsangriff nördlich gegen Belij Kolodez scheitert vor Prikolodnoje, als das 15. Panzerkorps der 3. Panzerarmee auf Verteidigungsstellungen der SS-Panzergrenadier-Division „Das Reich“ stieß. Am 9. Februar erreichte die 40. Armee gegen den Widerstand der 168. Infanterie-Division Belgorod und formte einen Brückenkopf über den Donez. Die 69. Armee erreichte Woltschansk gegen die Aufklärungskräfte der Division Großdeutschland.Tewes, Die Panzergrenadierdivision Grossdeutschland, S. 272 bis S. 274 im Zusammenhang mit der 168. Infanterie-Division. Die soeben neu auf dem Schlachtfeld eingetroffene motorisierte Infanteriedivision „Großdeutschland“ hatte den Befehl, gegen den Feind zu verzögern und nach Eintreffen aller eigenen Kräfte den Gegner mit gepanzerten Kampfgruppen abzuwehren. Südlich davon hatte das 6. Garde-Kavalleriekorps (Generalmajor S. W. Sokolow) der 3. Panzerarmee über Andrejewka den Feind umgangen und stieß kurz vor Charkow auf Merefa vor. Dadurch war General der Gebirgstruppe Hubert Lanz, dem am 6. Februar als Führer der Armeeabteilung Lanz die Reste der zwischen Don und Donez zurückweichenden Truppen der Heeresgruppe B sowie das aus Frankreich herangeführte SS-Panzerkorps unterstellt worden waren, gezwungen, die deutschen Divisionen am östlichen Donezufer auf Charkow zurückzunehmen. Sie sollten nun Charkow aus dem unmittelbaren Vorfeld der Stadt verteidigen, während die 168. Infanterie-Division versuchte, die offene Flanke zur 2. Armee zu decken.

mini|Deutscher Panzerjäger bei Charkow im Februar 1943 Bereits bei seiner Befehlsübernahme war Lanz vom Führerhauptquartier ausdrücklich befohlen worden, nicht nur das zur Festung erklärte Charkow um jeden Preis zu verteidigen, sondern auch mit dem unterstellten SS-Panzerkorps nach Süden zur Unterstützung der Heeresgruppe Don anzugreifen. Obwohl Lanz überzeugt war, unmöglich beide Aufgaben erfüllen zu können, gab er schließlich, von Generalfeldmarschall von Manstein gedrängt, am 10. Februar den SS-Truppen den Befehl zum Angriff. Somit trat die 1. SS-Panzergrenadier-Division „Leibstandarte“ bei Merefa südlich Charkow zum Angriff an (die Division ließ ein verstärktes Panzergrenadier-Regiment zurück, erhielt dafür allerdings ein Panzergrenadier-Regiment von der SS-Division „Das Reich“). Trotz der Behinderung durch hohen Schnee gelang es bis zum 15. Februar, etwa 30 km weit vorzudringen und dabei starke Kräfte des 6. Garde-Kavalleriekorps zu zerschlagen. Nach der Unterstellung der Armeeabteilung Lanz unter die von Manstein neu aufgestellte Heeresgruppe Süd wurde der Auftrag jedoch geändert. Die Armeeabteilung sollte sich nunmehr gänzlich auf die Verteidigung Charkows konzentrieren.

Währenddessen setzten die angreifenden Verbände der Roten Armee ihren Vormarsch fort. Die 69. Armee stieß am 10. Februar über den Donez vor, wurde jedoch 15 km vor der Stadt von Truppen der SS-Panzergrenadier-Division „Das Reich“ gestoppt. In den folgenden Tagen konnte sie nur noch kleinere Angriffserfolge erzielen. Der 3. Panzerarmee gelang der Übergang über den Donez bei Petschenegi und Tschugujew erst in der Nacht zum 10. Februar. Bis zum 11. Februar wurde die Armee jedoch bei Rogan – 10 km vor Charkow – ebenfalls durch Kräfte der SS-Panzergrenadier-Division „Das Reich“ aufgehalten und konnte erst am 12. Februar langsam weiter vordringen. Am 14. Februar gelang es dem 12. und 15. Panzerkorps sowie der 160. Schützen- und der 48. Gardeschützendivision der 3. Panzerarmee, in die östlichen Vororte von Charkow vorzudringen.

Schneller als im Süden war der Vormarsch der 40. Armee, die am 10. Februar die deutsche 168. Infanterie-Division und die Infanteriedivision (mot.) GroßdeutschlandTewes, Die Panzergrenadierdivision Grossdeutschland im Feldzug gegen die Sowjetunion 1942–1945, Die Kämpfe ab dem 9. Februar und ab dem 14. Februar um Charkow, in der Nacht zum 16. Februar Rückzug von GD durch Charkow. S. 274–290. zum Rückzug zwang und daraufhin mit vier Schützendivisionen und dem 5. Garde-Panzerkorps (General Andrei Krawtschenko, vormals 4. Panzerkorps) vom Nordwesten auf Charkow zustieß. Bereits am 13. Februar erreichte die 340. Schützendivision mit Panzerunterstützung die innere Verteidigungslinie Charkows. Sie stieß am folgenden Tag weiter vor und drang in die nordwestlichen Vororte ein. Am gleichen Tag gelangte die 183. Schützendivision bis Sokolniki am nördlichen Stadtrand und stieß gegen Abend bereits auf das Stadtzentrum vor.

Die vorderen Stoßkräfte der 40. Armee, bestehend aus dem 5. Garde-Panzerkorps, der 305. Schützendivision und der 6. motorisierten Garde-Schützenbrigade umgingen unterdessen die Stadt und besetzten bei Ljubotin die Hauptausfallstraße der deutschen Verteidiger nach Westen. Von Süden und Osten drangen gleichzeitig das 12. und 15. Panzerkorps der 3. Panzerarmee auf Osnowo vor und drohten die in Charkow kämpfenden deutschen Kräfte, bestehend aus der Panzergrenadier-Division Großdeutschland (im Westteil der Stadt), der SS-Panzergrenadier-Division „Das Reich“ (im Norden), dem verstärkten Panzergrenadierregiment der Leibstandarte (im Westteil) und der 320. Infanterie-Division (im Südosten) einzuschließen.