mini|Sassanidischer Silberteller aus dem 7. Jahrhundert British Museum mini|Musizierende Figuren, Susa, 2. Jahrtausend v. Chr.

Iranische Musik umfasst die Kunstmusiktradition der Persischen Musik in Iran, deren Ursprünge bis weit in die vorislamische Zeit zurückreichen.Vgl. auch Gathas. Sie wurde in der späten Sassanidenzeit unter Chosrau II. das erste Mal in der iranischen Geschichte kodifiziert und nahm nach der arabischen Eroberung des iranischen Hochlandes im 7. Jahrhundert n. Chr. unter der Herrschaft der Abbasiden einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Musik im islamischen Reich. Anfang des 16. Jahrhunderts geriet die iranische Musikkultur durch die Machtübernahme der Safawiden, die den schiitischen Islam zur Staatsreligion erhoben, in eine Phase des Stillstands und der Isolation, vor allem gegenüber der damals in der Region dominierenden Kultur des Osmanischen Reichs. Im 18. Jahrhundert verfiel die ältere klassische Musik. Ihre heutige Form, zu der die Festschreibung der zwölf Dastgahs (Modi) in Form des Radifs gehört, stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Die iranischen Volksmusiktraditionen der unterschiedlichen ethnischen Gruppen, deren Siedlungsgebiete sich über die Landesgrenzen hinaus erstrecken, stehen mit denjenigen der Nachbarländer in Verbindung. Zu den zahlreichen Regionalstilen gehören die kurdische Musik im Norden, die Musik von Belutschistan im Süden und die afrikanisch beeinflusste Musik am Persischen Golf.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde – zunächst mit Militärkapellen – europäische Musik, westliche Harmonik und Notation eingeführt. Westliche klassische und populäre Musik war im 20. Jahrhundert sehr beliebt, bis sie durch die Islamische Revolution 1979 zunächst vollständig in der Islamischen Republik verboten wurde. Nach der allmählichen Lockerung des Verbots ist heute in Iran eine lebendige Pop- und Rockmusikszene vertreten.

Geschichte mini|hochkant|Harfenistin – Sassanidisches Mosaik aus Bischapur, Louvre

Die Stellung musikalischer Darbietung in der iranischen Kultur

Der zwiespältigen Haltung zur Musik im iranischen Kulturraum liegt eine Kultur zugrunde, die aus dem Widerstreit antiker persischer Bräuche und islamischer Vorschriften entstanden ist. Im antiken Persien konnten Musiker gesellschaftlich angesehene Stellungen bekleiden. Bereits in elamischer und achämenidischer Zeit war Musik in iranischem Gebiet verbreitet wie Herodot berichtet. Während der Parther-Herrschaft genossen zum Beispiel die Wandersänger große Beliebtheit. Als die Sassaniden ab 224 an der Macht waren, gab es populäre und hochangesehene Musiker, deren Namen bis in die heutige Zeit überliefert sind, und die iranische Musikkultur erlebte ihre wohl bedeutendste Blütezeit. Wie bereits unter den ParthernMary Boyce: The Parthian Gōsān and Iranian Ministrel. Journal of the Royal Asiatic Society (JRAS, Neue Folge), April 1957, S. 10–45, S. 17–32. waren die Musiker meist auch Poeten.Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 51–76.

Berühmte sassanidische Musiker (Präislamische Periode) Bārbad: Barbad der Große war Musiker am Hof der Sassaniden. Er erfand eines der ältesten Systeme der Musiktheorie mit sieben königlichen und 30 abgeleiteten Modi mit 360 Melodien (Dastan), bekannt als königliches Chosravani – gewidmet dem König Chosrou II. Sie entsprechen der Anzahl der Tage in der Woche, im Monat und im Jahr gemäß dem sassanidischen Kalender. Nakisā: Ebenfalls Hofmusiker der Sassaniden und Mitarbeiter Barbads. Sarkasch: Der Vorgänger des Barbad war ein einflussreicher Hofmusiker. Ramtin mini|Illustration aus dem Kitāb al-mūsīqī al-kabīr von Abu Nasr Farabi (870–950), ein šāh-rūd genanntes Saiteninstrument

Unter den berühmtesten Musikern, den Meistersängern Barbad, Sarkad, Ramtin und Nakissa, bestand während der Regierungszeit des Chosrou Parwiz (590–628) heftige Rivalität. Nach der Überlieferung erfand Barbad die Laute und begründete die musikalische Tradition des Magham und möglicherweise des Dastgahsystems. Seit dem Arabersturm im 7. Jahrhundert und der Islamisierung des iranischen Kulturraums gewann persische Musik zunächst vor allem von al-Hīra ausgehend,Alec Robertson, Denis Stevens: Geschichte der Musik. (Deutsch von E. Maschata), I-III, Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching 1990, ISBN 3-88199-711-3, S. 148–153.Henry George Farmer: The Music of Islam. In: Ancient and Oriental Music. Hrsg. von E. Wellesz, Oxford University Press, London 1957, S. 427. an Einfluss in der islamischen Welt,Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 76–83. besonders nachdem 762 die Hauptstadt der bis 1258 herrschenden Abbasiden von Damaskus nach Bagdad verlegt wurde. Am Hof von Hārūn ar-Raschīd gab es zahlreiche musikalische Darbietungen, und auch die theoretischen Grundlagen der persisch-arabischen Musik wurden zu dieser Zeit entwickelt. Da keine Notenschrift im heutigen Sinne existierte, erfolgten musikalische Überlieferung und Ausbildung mündlich.Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 83–118. Ziryāb, der 821 nach Spanien (al-Andalus) ausgewandert war,Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 87–93. wird oft genannt als der Musiker mit dem größten Einfluss auf die arabisch-andalusische und spanische Musik. FarabiMehdi Barkeschli: Andische-haye Elmi-e Farabi dar bare Musighi. (Die wissenschaftlichen Überlegungen Farabis über Musik), Teheran 1978. und AvicennaMahmoud El Hefny: Ibn Sina’s Musiklehre, hauptsächlich an seinem Naǧāt erläutert – nebst Übersetzung und Herausgabe des Musikabschnittes des "Nağāt. Philosophische Dissertation, Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, 1931. waren nicht nur Musiktheoretiker, sondern neben dem Ney Meister an der Laute. Fünf Jahrhunderte nach dem Tod Barbads sammelte Farabi Musikstücke seiner Zeit und beschrieb die altertümliche Notation in Persien. So wurden ca. 2000 Werke und Melodien erhalten, die heute noch gespielt werden können.

Musiker der Abbasiden-Zeit (8.–13. Jahrhundert)

Naschit Farsi Manṣūr ibn-Caʾfar Ḍārib Zalzal (gestorben 791) Ibrahim Moussali (Ibrahim al-Mawsili) Ishaq al-Mawsili, Sohn des Ibrahim M. Abu l-Hasan ‘Ali Ibn Nafi‘ (genannt „Ziryāb“), Schüler des Ishaq Abū l-Faradsch al-Isfahānī (897–967)

Die iranische Musikkultur war während der mongolischen Fremdherrschaft von 1219 bis 1381 wenig ausgeprägt.Bertold Spuler: Die Mongolen in Iran. Politik, Verwaltung und Kultur der Ilchanzeit 1220–1350. Habilitationsschrift, Hinrichs, Leipzig 1939; 4., erweiterte Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1985, S. 323, 354 und 366 Während der folgenden Herrschaft der Timuriden existierte sogar ein Gesetz, welches das Musizieren unter Androhung der Todesstrafe gänzlich verbot. Trotz allem kam es im 13. und 14. Jahrhundert zur Entstehung bedeutender musiktheoretischer Abhandlungen.Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 105–118.Eckhardt Neubauer: Musik zur Mongolenzeit in Iran und den angrenzenden Ländern. In: Der Islam. Band 45, Nr. 3, 1975, S. 233–259. Seit der Islamisierung Irans wurde Musik argwöhnisch betrachtet. Tänze und damit auch die Ausübung von Musik im Allgemeinen wird auch heute noch von extremistischen Teilen nicht nur schiitischer Religionsgelehrter in Frage gestellt, weil sie von ihnen mit „Unzucht“ in Verbindung gebracht wird.Der traditionelle arabische Begriff für „Musik“ lautet , vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart, Wiesbaden 1968, S. 503. Die persischen MystikerDariush Safvat: Musique Iranienne et Mystique. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Jean During. In: Etudes Traditionelles. Nr. 483, 1984, S. 42–54, und Nr. 484, 1984, S. 94–109. (SufisVgl. auch Seyyed Hoseyn Nasr: The Influence of Sufism in Traditional Persian Music. In: Studies of Comparative Religions. Band 6, Nr. 4, 1972, S. 225–234.) hingegen verstanden Musik in Verbindung mit lyrischer Dichtung als Mittel transzendenter Erfahrung und hatten großen Einfluss auf die noch heute existierende, auch durch mystisch-religiöse Spiritualität ausgezeichnete, traditionelle persische Kunstmusik.Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 237–246. Die meist in der damaligen arabischen Gelehrtensprache verfassten Werke mittelalterlicher persischer Musiktheoretiker haben bis in die Gegenwart großen Einfluss auf die vorder- und zentralasiatische Musik. Zu den bekanntesten Persönlichkeiten zählen:

Abu Nasr Farabi (gestorben 950)Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 96–99. Avicenna (gestorben 1037)Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 99–104. Safi ad-Din al-Urmawi (gestorben 1294) Qutb ad-Din asch-Schirazi (gestorben 1311) Abd al-Qadir Maraghi (gestorben 1435)

mini|Musikraum Ali Qapu Palast, Isfahan

Eine weitere Stagnation der musikalischen Entwicklungen trat insbesondere mit der Etablierung des Schiismus als Staatsreligion unter den bis 1736 herrschenden Safawiden ab 1501 ein.Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 118 f. Musiker unter den Herrschern der Safawiden-Dynastie (1501–1722 und 1729–1736)

Ahamad Ghazwini Galalel Bachersi Mosafar Ghomi Haschem Ghaswini Mohammad Kamantschehi Mohammad Momen Schahsawar Tscharhar-tari

Musiker der Kadscharen-Zeit (Entstehung des Radif)

Gholam-Hossein Ali-Akbar Farahani (1821–1857) Hossein-Gholi Farahani (1853–1916) Mirza Abdollah Farahani (1843–1918) Ali-Akbar Schahi (1857–1923) Nayeb Asdollag Gholam-Hossein Darwisch (1872–1926) Hossein Taherzadeh (1882–1955) Mirza Sattar, ab etwa 1840 Sänger (von Taʿziye) aus Ardebil und Begründer neuer tonaler Modi Mina, armenische Orchesterleiterin aus Isfahan am Kadscharenhof Zohre, jüdische Orchesterleiterin aus Schiraz am KadscharenhofDuring et al. (1991), S. 42.

Das postsowjetische Regime und die Taliban verboten Instrumentalmusik und öffentliche Darbietungen in Afghanistan. Noch im Jahre 2005 gab es Stimmen wie die des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad, die alle Arten westlicher Musik verbieten wollten – entgegen der langen iranischen Musiktradition.

Volksmusik Der iranische Kulturraum ist die Heimat vieler verschiedener Völker wie der Bachtiaren, Belutschen, Kurden und Aseri, die jeweils eigene stilistische Besonderheiten entwickelten. Turkmenen prägten vor allem die Musik in Chorasan.

Kurdische Musik Die Kurdische Musik ist für ihren tanzorientierten Charakter bekannt.

Mazandaran