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Der Skisprung-Weltcup (offiziell FIS Ski Jumping World Cup) ist eine vom Skisport-Weltverband Fédération Internationale de Ski (FIS) ausgetragene Wettbewerbsserie im Skispringen und Skifliegen.

Er wurde zum ersten Mal in der Saison 1979/80 zunächst ausschließlich für Männer veranstaltet. In der Saison 2011/12 kam eine Weltcupserie der Frauen hinzu. Die Wettbewerbsserie wird überwiegend auf Skisprungschanzen und Skiflugschanzen in Nordeuropa und Mitteleuropa ausgetragen. Vereinzelt fanden und finden auch Wettbewerbe auf Schanzen in Osteuropa, Nordamerika und Asien statt.

Der Weltcup umfasst sowohl Einzelspringen als auch Teamspringen. Die Ergebnisse aus den Wettbewerben im Weltcup werden in einem Gesamtweltcup zusammengefasst, der nach dem FIS-Punktesystem berechnet wird. Daneben gibt es sowohl für Männer als auch für Frauen eine Nationenwertung sowie ausschließlich für die Männer einen Skiflug-Weltcup für die Wettbewerbe im Skifliegen.

Ebenfalls zum Weltcup gehören die Wettbewerbe der jährlich um den Jahreswechsel ausgetragenen Vierschanzentournee sowie die der Raw Air und der Blue Bird Tour. Dagegen fließen die Ergebnisse der Konkurrenzen bei Olympischen Winterspielen (alle vier Jahre), Nordischen Skiweltmeisterschaften und Skiflug-Weltmeisterschaften (jeweils alle zwei Jahre) nicht in die Weltcupwertungen ein.

Stellenwert

Der Weltcup ist die höchste von der FIS organisierte Wettbewerbsserie im Skispringen im Winter. Seit 1994 gibt es auch eine Wettkampfserie auf höchster Ebene im Sommer, den auf Mattenschanzen ausgetragenen Skisprung-Grand-Prix.

Unterhalb von Weltcup und Grand Prix angesiedelt ist sowohl im Winter als auch im Sommer der Continental Cup als zweithöchste Wettkampfklasse. Zuvor war dies bei den Männern der Europacup.

Weitere Unterbauten sind der Alpencup sowie der FIS Cup. Außerdem bietet jeder nationale Verband nationale Serien und Pokale an, an denen auch Nachwuchsspringer teilnehmen.

Organisation

Ablauf einer Weltcup-Saison

Der Skisprung-Weltcup wird rund um die europäischen Wintermonate ausgetragen. Als Austragungsorte fungieren Skisprungschanzen unterschiedlicher Größen, vor allem jedoch Großschanzen, seltener Normal- und Flugschanzen; diese befinden sich insbesondere in Europa, aber auch in Asien und Nordamerika und werden im Verlauf einer Saison bereist. Zumeist finden zwei Wettbewerbe an einer Station statt, von denen einer auch ein Teamwettbewerb sein kann.

Die Anzahl der Wettbewerbe pro Weltcup-Saison hat sich sowohl bei Männern als auch bei Frauen in etwa bei 25 bis 30 eingependelt. Die wenigsten Wettbewerbe bei den Männern gab es in der Saison 1992/93 mit 17 Einzel- und zwei Teamspringen, wobei vier weitere Wettkämpfe aufgrund von Witterungsbedingungen und Schneemangel abgesagt wurden. Die Höchstzahl von 32 Springen wurde im Winter 2022/23 erreicht. Bei den Frauen wurde die Anzahl von 20 Wettbewerben in einer Saison erstmals 2018/19 mit 24 Springen übertroffen; bis einschließlich zur Saison 2020/21 lag diese Zahl ansonsten stets bei unter 20.

In der Regel beginnt eine Saison der Männer in der zweiten Novemberhälfte und endet mit einem Skifliegen in Planica am letzten Märzwochenende; bei den Frauen bildete diesen Abschluss in den letzten Jahren bis zum russischen Überfall auf die Ukraine 2022 häufig die Blue Bird Tour an den russischen Weltcup-Stationen Nischni Tagil und Tschaikowski. Die Saison 2022/23 begann wegen der im November und Dezember stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft 2022 und zur Vermeidung von Terminkollisionen bereits am 5. November und endete für die Männer dann auch eine Woche später als üblich am 2. April; es war somit die längste Saison der Weltcup-Geschichte.

Nach etwa vier bis fünf Stationen im November und Dezember steht um den Jahreswechsel mit der Vierschanzentournee üblicherweise der erste Saisonhöhepunkt an, deren Ergebnisse auch in die Weltcupwertungen einfließen. Eine erste Vierschanzentournee für die Frauen wird frühestens im Winter 2025/26 zum ersten Mal stattfinden. 2023/24 trug der Deutsche Skiverband zwei Wettbewerbe um den Jahreswechsel in umgekehrter Reihenfolge an den Tourneestandorten Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf aus, nachdem es in den Vorjahren bereits zweimal ein Silvester-Turnier in Villach und Ljubno beziehungsweise nur Ljubno gegeben hatte.

Im Februar wird der Weltcup in ungeraden Jahren für die Nordischen Skiweltmeisterschaften unterbrochen, die sich häufig bis in den März ziehen. Alle vier Jahre, in geraden Jahren, die keine Schaltjahre sind, geschieht das auch für die Olympischen Winterspiele. In sämtlichen geraden Jahren wird der Weltcup auch während der Skiflug-Weltmeisterschaft ausgesetzt, die normalerweise zu wechselnden Zeitpunkten zwischen Januar und März ausgetragen wird; lediglich die Weltmeisterschaft 2020 in Planica wurde wegen der COVID-19-Pandemie in den Dezember und somit in die folgende Saison verschoben. Die Ergebnisse dieser Veranstaltungen werden nicht für die Weltcupwertungen berücksichtigt.

In früheren Jahren hingegen wurden die Ergebnisse der Nordischen Skiweltmeisterschaften 1982, der Olympischen Winterspiele 1984 sowie der vier zwischen 1992 und 1998 ausgetragenen Skiflug-Weltmeisterschaften noch in die Weltcupwertungen miteinbezogen und auch die dort ausgetragenen Wettkämpfe waren offizielle Weltcupspringen.

Von 1997 bis 2010 folgte bei den Männern im März das Nordic Tournament als nordeuropäisches Äquivalent zur Vierschanzentournee. Seit 2017 findet an dieser Stelle die norwegische Raw Air statt, seit 2019 auch für die Frauen. Im Unterschied zur Tournee zählen hier auch die Individualergebnisse aus Qualifikationsdurchgängen beziehungsweise Prologen für die Einzelwettbewerbe als auch aus Teamspringen für die Gesamtwertung.

Zwischen 2009 und 2013 wurde zwischen Ende Januar und Mitte Februar fünfmal die FIS-Team-Tour in Willingen, Klingenthal und Oberstdorf ausgetragen. Anders als bei der Tournee, dem Nordic Tournament oder der Raw Air wurde der Sieger der FIS-Team-Tour kein Individualsportler, sondern ein Nationalteam. Gewertet wurden alle erzielten Punkte bei Teamwettbewerben sowie die Punkte der jeweils zwei bestplatzierten Athleten in den Einzelwettbewerben.

Seit 2018 wird das die Saison abschließende Skifliegen als Planica 7 zusammengefasst. Analog zu dem Wertungsmodus bei der Raw Air zählen auch hier sowohl die Resultate aus den beiden Einzelwettbewerben als auch die Individualergebnisse aus dem Qualifikationsdurchgang für den ersten Einzelwettbewerb sowie dem Teamfliegen für die Gesamtwertung, so dass in diese insgesamt sieben Flüge einfließen.

Im Januar 2025 wurde bekannt, dass die Wettkampfkalender von Männern und Frauen ab dem Winter 2026/27 zusammengelegt werden sollen. Für die Saison 2025/26 ist eine Übergangsphase mit mehreren gemeinsamen Weltcups für beide Geschlechter geplant. Ziel dieser Zusammenlegung ist es, den Stellenwert der Wettkämpfe der Frauen zu erhöhen. Aus organisatorischen Gründen soll in diesem Zuge auch das Wettbewerbsformat angepasst werden.

Veranstaltungsorte

Männer

mini|links|Audi Arena Oberstdorf (2020)

Der Skisprung-Weltcup findet überwiegend auf Skisprungschanzen in Nordeuropa und Mitteleuropa statt.

Regelmäßig wird auch auf der Ōkurayama-Schanze im japanischen Sapporo im Rahmen von Weltcupwettbewerben gesprungen; auch die kleinere dort befindliche Miyanomori-Schanze gehörte schon zum Kalender. Seit der Saison 2014/15 waren auch die Tramplin Stork in Nischni Tagil im asiatischen Teil Russlands mit einer einjährigen Unterbrechung Teil des Weltcupkalenders; infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 finden dort derzeit keine Wettkämpfe mehr statt. Immer wieder finden Weltcupspringen auf der Trambulina Valea Cărbunării im rumänischen Râșnov statt. Vereinzelt wurden auch schon Wettbewerbe auf den Gorney Gigant im kasachischen Almaty und im Alpensia Jumping Park im südkoreanischen Pyeongchang ausgetragen.

Ununterbrochen seit der ersten Weltcup-Saison im Winter 1979/80 Teil des Kalenders waren mit der Schattenbergschanze in Oberstdorf, der Großen Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen sowie der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen einzig drei der vier Schanzen, die Stationen der jährlich im Rahmen des Weltcups veranstalteten Vierschanzentournee sind. Das vierte Tourneespringen auf der Bergiselschanze in Innsbruck, die ansonsten wie die anderen Stationen auch in jedem Jahr im Weltcup vertreten war, fiel zweimal (2007/08 und 2021/22) witterungsbedingten Absagen zum Opfer und wurde jeweils ersatzweise und zusätzlich zum eigentlich dort ausgetragenen Wettkampf in Bischofshofen nachgeholt.

Nur in einzelnen Jahren keine Wettkämpfe gab es auf dem Holmenkollbakken in Oslo sowie den Salpausselkä-Schanzen in Lahti. Seit einigen Jahren sind zudem die Gross-Titlis-Schanze in Engelberg, die Mühlenkopfschanze in Willingen, die Wielka Krokiew in Zakopane, die Rukatunturi-Schanze in Kuusamo, der Lysgårdsbakken in Lillehammer, das Granåsen skisenter in Trondheim und die Adam-Małysz-Schanze in Wisła weitestgehend zuverlässig im Kalender zu finden.

Auf allen Skiflugschanzen fanden bereits Wettbewerbe im Weltcup statt, in den letzten Jahren insbesondere jedoch auf den beiden nach Hillsize mittlerweile größten Schanzen der Welt, dem Vikersundbakken in Vikersund und der Letalnica bratov Gorišek in Planica, unregelmäßiger dagegen auf dem Kulm in Bad Mitterndorf, der Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstdorf sowie der Skiflugschanze der mittlerweile stillgelegten Čerťák in Harrachov. In Planica (Bloudkova velikanka) und Harrachov (Čerťák) sprang man mehrfach auch schon von der Groß- und Normalschanze. Lediglich einmal (1980/81) gastierte man auf der ebenfalls stillgelegten Copper Peak in Ironwood.

In der Saison 2022/23 fanden auf dem MacKenzie Intervale Ski Jumping Complex in Lake Placid nach langer Abstinenz wieder in Nordamerika Weltcupspringen statt, nachdem eine eigentlich geplante Veranstaltung auf den Pine Mountain Jump in Iron Mountain zum gleichen Zeitpunkt abgesagt worden war. Zuvor war man in Nordamerika letztmals 2008/09 auf den Whistler Olympic Park Ski Jumps in Whistler gesprungen. In den 1980er-Jahren bis in die 1990er hinein waren auf der Anlage in Lake Placid ebenso wie auf der der Big Thunder im kanadischen Thunder Bay noch in aller Regelmäßigkeit Weltcupspringen ausgetragen worden.

Eine Reihe weiterer Skisprunganlagen waren und sind unregelmäßiger Teil einer Weltcup-Saison, ohne jedoch kontinuierlich beziehungsweise mit wiederkehrenden Unterbrechungen zum Kalender zu gehören; dazu gehören zum Beispiel die Lugnet-Schanzen in Falun, die Dal-Ben-Skisprungschanzen in Predazzo, die Vogtland Arena in Klingenthal, die Puijo-Schanzen in Kuopio oder die Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt.

Frauen

mini|Holmenkollbakken (2023)

Auch bei den Frauen gehören der Holmenkollbakken in Oslo und der Lysgårdsbakken in Lillehammer weitestgehend zuverlässig zum Weltcupkalender. 2019/20 fand in Lillehammer der letzte Wettkampf vor dem Saisonabbruch aufgrund der COVID-19-Pandemie statt, weshalb in Oslo in dieser und aus demselben Grund im folgenden Jahr an beiden Orten keine Wettbewerbe stattfanden. Da auch die Zaō-Schanze in Yamagata in den Jahren 2020/21 und 2021/22 nicht im Kalender zu finden war, war auch sonst kein Veranstaltungsort mehr in jeder Weltcup-Saison der Frauen vertreten.

Daneben sind die Rothaus-Schanze in Hinterzarten, das Savina Skisprungzentrum in Ljubno, die Aigner-Schanze in Hinzenbach, die Miyanomori-Schanze beziehungsweise Ōkurayama-Schanze in Sapporo, die Trambulina Valea Cărbunării in Râșnov und die Schanzenanlage am Oberstdorfer Schattenberg regelmäßig Teil des Kalenders. Mit der Mühlenkopfschanze in Willingen wurde zur Saison 2021/22 die bis dahin größte Schanze und auch die größtmögliche Schanze überhaupt unterhalb der Flugschanzen ins Programm der Frauen aufgenommen.