Das Kunsthaus Zürich ist mit 11'500 Quadratmeter Ausstellungsfläche das grösste Kunstmuseum der Schweiz. Es besteht aus einem vierteiligen Gebäudekomplex, dem alten, dreiteiligen Gebäudetrakt Moserbau, BührlesaalHochbaudepartement der Stadt Zürich, Amt für Hochbauten: Stiftung Zürcher Kunsthaus, Kunsthaus Zürich, S. 3: «In einem abstrakten Baukörper schwebt der 70 x 18 Meter grosse, stützenfreie Bührle-Saal, benannt nach seinem Stifter, quer zum Stammhaus und ist mit diesem über gläserne Gänge verbunden.» S. 8: Bildlegende, «Bührlesaal (1958)», Zürich, September 2005. und Müllerbau sowie dem 2021 eröffneten Erweiterungsbau von Chipperfield Architects Berlin. Die Bauten säumen, wie das in unmittelbarer Nähe liegende Schauspielhaus Zürich, den Heimplatz der Stadt Zürich. Das Kunstmuseum beherbergt eine der grössten Kunstsammlungen des Landes, betreut die umfangreichste Sammlung von Werken des Schweizer Bildhauers, Malers und Grafikers Alberto Giacometti als Dauerleihgabe der Alberto Giacometti-Stiftung und besitzt eine der bedeutsamsten Kollektionen des Dadaismus. Zudem ist im Museum der repräsentativste Bestand an Gemälden von Edvard Munch ausserhalb Norwegens untergebracht.Kunsthaus Zürich: Die Sammlung. «[…] Zu den Highlights gehören […] der grösste Bestand an Gemälden von Edvard Munch ausserhalb Norwegens.[…] ». Das Kunsthaus Zürich listet in seiner Sammlung Online 28 Werke von Edvard Munch sowie ein Ausstellungsplakat auf. Abgerufen am 19. März 2023.
Der Verein Zürcher KunstgesellschaftStatuten der Zürcher Kunstgesellschaft, Stand 19. Juni 2023. In: Kunsthaus Zürich, abgerufen am 26. August 2024. betreibt das Museum und ist Eigentümer der Kunstsammlung. Er ging im Sommer 1896 aus der Fusion der Zürcher Künstlergesellschaft und des Vereins Künstlerhaus hervor. Von der Stadt Zürich wird die Zürcher Kunstgesellschaft seit der Eröffnung des Chipperfield Erweiterungsbaus mit einem jährlichen Betriebsbeitrag von 13,6 Millionen Schweizer Franken unterstützt. Die Betreiberin des Hauses hat 2025 fast 6 Millionen Franken Schulden. Der Präsident ist Philipp Hildebrand.
Die Stiftung Zürcher Kunsthaus, gegründet 1954,Vertrag zwischen der Stadt Zürich und der Zürcher Kunstgesellschaft über die Errichtung einer Stiftung zur Verwaltung des Kunsthauses (AIt- und Neubau) und die sich daraus ergebenden gegenseitigen Verpflichtungen vom 29. Mai 1953 mit Änderungen bis 2. März 1988. Inkrafttreten 7. Februar 1954. In: Stadt Zürich. Abgerufen am 7. April 2025.Website Stiftung Zürcher Kunsthaus, abgerufen am 26. August 2024. ist die Eigentümerin der Liegenschaften. Sie überlässt diese der Zürcher Kunstgesellschaft kostenlos. Von der Stadt Zürich erhält sie – Stand 2025 – einen jährlichen Beitrag von fast 5 Millionen Schweizer Franken.
Das Zürcher Stimmvolk entschied am 27. September 2026 über eine Erhöhung der Subventionen für das Kunsthaus Zürich um 40 Prozent von 18,5 Millionen auf 25,8 Millionen Franken, also einen jährlichen Beitrag von zusätzlich 7,3 Millionen. 55,5 Prozent der Stimmbürger sagten ja.
Die Vereinigung Zürcher Kunstfreunde wurde 1917 gegründet, «mit dem Ziel, das Kunstleben in der Limmatstadt zu fördern», insbesondere mit dem «Ankauf von Werken, die dem Kunsthaus Zürich zur Ergänzung und zum Ausbau seiner […] Sammlung als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt werden.»Engagement mit Verantwortung und Tradition. In: Kunstfreunde Zürich. Abgerufen am 7. April 2025
Bereits vor und insbesondere mit dem Einzug der seit Jahrzehnten umstrittenen Privatsammlung des Rüstungsindustriellen Emil G. Bührle in den Erweiterungsbau im Oktober 2021 entbrannte eine heftige, weltweit geführte Debatte. In der Folge musste die Zürcher Kunstgesellschaft den Dauerleihvertrag von 2012 offenlegen und 2022 mit der Stiftung Emil G. Bührle einen neuen aushandeln.Neue Vereinbarung zwischen Zürcher Kunstgesellschaft und Stiftung Sammlung E. G. Bührle ersetzt Vertrag 2012. Kunsthaus Zürich, Sammlung Emil Bührle, 24. Februar 2022, abgerufen am 3. November 2023 (Medienmitteilung, mit Werkverzeichnis sowie altem und neuem Vertrag im Anhang; PDF; 12,4 MB). Im neuen Subventionsvertrag 2022 mit der Stadt Zürich ist das Einhalten der Washingtoner Prinzipien sowie der, ebenfalls von der Schweiz mitunterzeichneten Folgeerklärungen explizit geregelt.Subventionsvertrag zwischen der Stadt Zürich und der Zürcher Kunstgesellschaft, AS-Nr: 442.110, 9. Februar 2022 / 22. März 2023 mit Änderungen bis 8. November 2023, Il. Pflichten der Zürcher Kunstgesellschaft, A Allgemeine Vorgaben, Art. 5–9. Abgerufen am 26. August 2024. Laut diesem Vertrag stellt das Kunsthaus keine Werke aus, bei denen substantiierte Hinweise auf NS-verfolgungsbedingten Entzug bestehen. Der Historiker Raphael Gross, 2023 von der Stadt, dem Kanton und der Zürcher Kunstgesellschaft beauftragt, die stiftungsinterne Provenienzforschung der Sammlung Bührle zu überprüfen, hält im Juni 2024 fest, dass diese nicht ausreiche, um die von der Kunstgesellschaft Zürich und ihren Zuwendungsgebern im Subventionsvertrag festgelegten Massstäbe zu erfüllen.Überprüfung der Provenienzforschung der Stiftung Sammlung E. G. Bührle. Bericht von Prof. Dr. Raphael Gross, S. 129. In: Stadt Zürich, Kultur, Juni 2024, abgerufen am 26. August 2024. So stellte Gross unter anderem fest, dass bei 62 Werken mit jüdischem Vorbesitz im Zeitraum 1933 bis 1945 noch weitere Forschungsleistung zu erbringen sei.Überprüfung der Provenienzforschung der Stiftung Sammlung E. G. Bührle. Bericht von Prof. Dr. Raphael Gross, S. 130–131. In: Stadt Zürich, Kultur, Juni 2024, abgerufen am 26. August 2024.
Ende September 2025 wurde die Ausstellung der Bührle-Sammlung bereits zum zweiten Mal für mehrere Monaten geschlossen. Seit April 2026 präsentiert das Museum die Werke der Dauerleihgabe in einer sogenannten Übergangsphase als Salonhängung. Erst 2027/28 soll laut den Angaben des Kunsthauses die komplette Sammlung mit Informationen zu jüdischen Vorbesitzern der Kunstwerke wiedereröffnet werden, siehe unter Stiftung Sammlung E. G. Bührle.
Im Oktober 2025 wurde öffentlich bekannt, dass die Bührle-Stiftung ihren Stiftungszweck angepasst und den entscheidenden Passus gestrichen hat. Die Sammlung soll nicht mehr zwingend in Zürich gezeigt werden. Im November 2025 war zu erfahren, dass die Stadt Zürich beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde gegen die Statutenänderung der Bührle-Stiftung einreichte.
Geschichte und Architektur Zürcher Künstlergesellschaft ab 1787 1787 traf sich erstmals ein Kreis von Künstlern und Kunstliebhabern, um die Zürcher Künstlergesellschaft zu gründen.Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz. Band 1, 1913–1914, S. 261–271. 1813 erwarb diese eine Liegenschaft an der Halseisengasse, der heutigen Künstlergasse. Sie lag ausserhalb der Stadtmauern «auf dem Berg». Die Kaufmännische Direktion musste für den Erwerb 9000 Gulden vorschiessen. Das Wohnhaus eignete sich schlecht für Ausstellungen. 1845 wurde beschlossen, auf dem Grundstück einen Neubau zu realisieren. Das vom Architekten Gustav Albert Wegmann entworfene «Künstlergütli» wurde 1847 als erstes Kunsthaus eingeweiht. Es diente als Ausstellungs- und Sammlungsgebäude. Das alte Wohnhaus erfuhr eine Umnutzung als «Wirtschaft zum Künstlergütli». An diesem Ort steht heute das von Karl Moser vom Architekturbüro Curjel & Moser entworfene und gebaute Hauptgebäude der Universität Zürich.Das Bauprojekt für die neue Universität in Zürich: Architekten Curjel & Moser. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 55/56, 1910, Heft 7, 13. August 1910. Abgerufen in E-Periodica der ETH Zürich am 19. März 2023.Albert Baur: Die neue Universität in Zürich: Architekten Curjel und Moser. In: Das Werk: Architektur und Kunst = L’œuvre: architecture et art, Band 1, 1914, Heft 4, S. 1–13. Abgerufen in E-Periodica der ETH Zürich am 19. März 2023.Benedikt Loderer: Der Auftakt. Das Künstlergütli. In: Die Baugeschichte des Kunsthaus Zürich. 1910–2020. Einfache Gesellschaft Kunsthaus-Erweiterungsbau, Zürcher Kunstgesellschaft / Kunsthaus Zürich (Hrsg.), Vermerk: «Diese Publikation erscheint anlässlich der Eröffnung der Erweiterung des Kunsthaus Zürich im Herbst 2021». Scheidegger & Spiess, Zürich 2020, S. 8. Die Stadt Zürich war Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihren rund 17'000 Einwohnenden noch kleinstädtisch. Zur Künstlergesellschaft zählten knapp zwei Dutzend Mitglieder.Benedikt Loderer: Der Auftakt. Das Künstlergütli. In: Die Baugeschichte des Kunsthaus Zürich. 1910–2020. Einfache Gesellschaft Kunsthaus-Erweiterungsbau, Zürcher Kunstgesellschaft / Kunsthaus Zürich (Hrsg.), Vermerk: «Diese Publikation erscheint anlässlich der Eröffnung der Erweiterung des Kunsthaus Zürich im Herbst 2021». Scheidegger & Spiess, Zürich 2020, S. 10.
Das «Künstlergütli», erstes «Kunsthaus» von Zürich 1847
Provisorische Ausstellungsorte, Fusion Künstlergesellschaft und Verein Künstlerhaus 1896–1909 Das neu gebaute «Künstlergütli» war, wie sich herausstellen sollte, weder für die Sammlung noch für Ausstellungen wirklich geeignet. So fanden diese in der alten Tonhalle auf dem heutigen Sechseläutenplatz statt und nach deren Abbruch in der alten Börse. Alle Anstrengungen um einen anderen Neubau scheiterten. 1895 liess ein neu gegründeter Verein für bildende Künste Künstlerhaus an der Ecke Tal- und Börsenstrasse einen Billigbau erstellen. Das Grundstück hatte ihm der Besitzer des Hotels Baur au Lac zur Verfügung gestellt. Hier fanden regelmässig Wechselausstellungen statt.Benedikt Loderer: Ein Provisorium: Das Künstlerhaus. In: Die Baugeschichte des Kunsthaus Zürich. 1910–2020. Einfache Gesellschaft Kunsthaus-Erweiterungsbau, Zürcher Kunstgesellschaft / Kunsthaus Zürich (Hrsg.), Vermerk: «Diese Publikation erscheint anlässlich der Eröffnung der Erweiterung des Kunsthaus Zürich im Herbst 2021». Scheidegger & Spiess, Zürich 2020, S. 11.Fritz Boscovits: Weihnachts-Ausstellung im Künstlerhaus Zürich. In: Nebelspalter: das Humor- und Satire-Magazin. Band 24, Heft 50, 1898. Abgerufen in E-Periodica der ETH Zürich am 17. März 2023. 1888 hatte der Verein für bildende Künste Künstlerhaus bereits 134 Mitglieder, weit mehr als die altehrwürdige Zürcher Künstlergesellschaft. Aus der Fusion ebendieser und des jungen Vereins Künstlerhaus ging im Sommer 1896 die Zürcher Kunstgesellschaft hervor.Jahresbericht für 1896 und Verzeichnis der Mitglieder per 30. April 1897. In: Kunsthaus Zürich, Buchdruckerei Berichthaus (vorm. Ulrich & Co.), Zürich 1887, S. 5, abgerufen am 10. Oktober 2024.Benedikt Loderer: Ein Provisorium: Das Künstlerhaus. In: Die Baugeschichte des Kunsthaus Zürich. 1910–2020. Einfache Gesellschaft Kunsthaus-Erweiterungsbau, Zürcher Kunstgesellschaft / Kunsthaus Zürich (Hrsg.), Vermerk: «Diese Publikation erscheint anlässlich der Eröffnung der Erweiterung des Kunsthaus Zürich im Herbst 2021». Scheidegger & Spiess, Zürich 2020, S. 13.
Kunsthaus von Karl Moser am Heimplatz ab 1910 mini|hochkant|Karl Moser, 1915, Fotograf unbekannt, ETH-Bibliothek, Zürich Mit dem Künstlerhaus beim Hotel «Baur au Lac» für wechselnde Ausstellungen und dem «Künstlergütli», das fortan als Bibliothek und Sammlungsgebäude genutzt wurde, war die immer drängendere Platzfrage, welche die Kunstgesellschaft beschäftigte, nicht gelöst. Ein möglicher Landabtausch des «Künstlergütli» gegen ein Grundstück an der Stadthausanlage scheiterte, obwohl sich Stadt und Kunstgesellschaft einig gewesen waren, an der Volksabstimmung. So wurde wieder über das landoltsche «Lindenthalgut» verhandelt, den heutigen Standort des Kunsthauses. 1886 hatte die Stadt Zürich das Land nicht für ein Museum hergeben wollen, das ihr der Stadtrat Johann Heinrich Landolt in seinem Testament billig verkauft hatte. Die Witwe des Erblassers, Anna Landolt-Hottinger, mit lebenslangem Wohnrecht in der Villa Landolt am Hirschengraben war Jahre später einverstanden, dass man den Garten gegen den Heimplatz überbaue. Nach rund einem Jahrhundert Suchen war der Platz für das Zürcher Kunsthaus gefunden.