mini|Winterlicher Blick auf Bolheim vom Herbrechtinger Bäumlesberg 2005 Bolheim ist ein Ortsteil von Herbrechtingen im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg. Früher wurde auch die Schreibweise Bolheim/Württemberg verwendet, um eine Verwechslung mit anderen Ortschaften zu vermeiden. Der Ort liegt in den Naturräumen Albuch-Härtsfeld und Lonetal-Flächenalb. Bis zu seiner Eingemeindung war Bolheim selbständig und hatte die Gemeindekennziffer 137115.

Geographie Bolheim liegt im Landkreis Heidenheim etwa zwei Kilometer nordwestlich der Stadtmitte von Herbrechtingen und etwa fünf Kilometer südlich derjenigen der Kreisstadt Heidenheim. Benachbarte Ortschaften sind Mergelstetten im Norden, Herbrechtingen im Osten, Dettingen am Albuch im Südsüdwesten, Heldenfingen im Südwesten und Küpfendorf im Nordwesten.

Der Ort liegt überwiegend rechtsseits der Brenz, die den Ort von Nord nach Süd durchfließt, vor der Talmündung der kurzen Orstel, die dieser von Nordwesten her zuläuft. Am östlichen Rand passiert die Brenzbahn in der linken Talaue den Ort, parallel zu ihr läuft die Bundesstraße 19.

Der Ort hat 3209 Bewohner (Stand 31. Dezember 2020), die Gemarkungsfläche beträgt etwa 2230 ha, von denen ungefähr 55 % bewaldet sind. Der Ort liegt am Rande des größten zusammenhängenden Waldgebietes von ganz Baden-Württemberg auf der verkarsteten Schwäbischen Alb. Die Landschaft ist recht vielseitig und reicht von einer im Tal gelegenen besiedelten Flusslandschaft bis zu weitläufigen, nahezu unbesiedelten Wald-, Acker- und Trockenflächen im Westen auf dem südlichen Albuch. Flurbezeichnungen dort auf „-hau“ und „Brand“ deuten auf frühere Rodungen hin, die im Zentrum der Gemarkung offen geblieben sind, die am Rande gelegenen dagegen sind heute wieder nahezu vollständig mit Wald bedeckt. Im Westen der Gemarkung liegt der obere Teil des Trockentals Ugental. Wenig westlich im Taleinschnitt der Orstel wurde bei früherem Gesteinsabbau im Oberjura die mindestens 150 m lange Lindachhöhle entdeckt.

Siedlungsteile

Bolheim (Gemarkungsfläche 1.800 ha) Bolheim: Der bei weitem größte Hauptort. Neubolheim: Im Jahre 1856 gegründete Fabrikansiedlung, damals fast einen Kilometer brenzaufwärts der geschlossenen Ortschaft, heute mit Bolheim zusammengewachsen. Bleiche Buchhof: Steht an der nördlichen Gemarkungsgrenze zu Mergelstetten in einer Höhenrodungsinsel zwischen mittlerem Ugen- und Brenztal. Der Hof wurde 1862 erstmals erwähnt und hieß bis 1965 Buch. Der Buchhof ist heute für die Allgemeinheit nur noch über eine Zufahrtsstraße an der Buchhofsteige zwischen den Reutenen und Mergelstetten erreichbar. Ugenhof: Steht nahe dem Ugental ganz im Westen der Gemarkung in einer Rodungsinsel. Wurde 1571 wieder errichtet; an derselben Stelle befand sich vormals Ugendorf, welches 1291 zu Anhausen kam und im 14. Jahrhundert unterging. Anhausen (Gemarkungsfläche 435 ha) Kloster Anhausen: Früher auch Brenzanhausen, in solitärer Lage unterhalb von Bolheim am rechten Brenzufer stehende ehemalige Benediktinerklosteranlage. Siehe Hauptartikel Kloster Anhausen an der Brenz. (Siedlung) Anhausen: Die nordwestlich vom Kloster gelegene Mahlbergsiedlung wurde im Jahre 1953/60 gegründet. Riedmühle: Beim ehemaligen Kloster Anhausen an der Brenz gelegene Mühle aus der Zeit um 1700, gehörte früher einmal zum Kloster und hatte mittelalterliche Vorgängerbauten. Wangenhof: Nordwestlich von Anhausen auf der Albuchhöhe. 1624 war der Hof bereits Staatsdomäne.

Ehemalige Siedlungen Burgstall Retzenberg: In den ausgedehnten Wäldern westlich von Bolheim befinden sich Überreste eines festen Hauses mit spätmittelalterlichen Siedlungsfunden auf einem Bergsporn Rezenberg (!) über dem Ugental.

Furtheim: Nach den Burgherren von Fürheim benannte Siedlung im Eingangsbereich des Furtheimer Tales am Nordrand der Gemarkung. Das abgegangene Dorf sicherte die Furt durch die Brenz und wurde seinerseits durch die nahegelegene Burg Hurwang (Furtheim) gesichert. Da die Querungshilfe über die Brenz zum Erreichen der Bohnerzgruben am Retzenberg von großer Bedeutung war, könnte sich der Ortsname auf die Furt bezogen haben. Früher stellten die Burg und das abgegangene Dorf eine Einheit dar; heute liegt die Burg auf der Gemarkung Mergelstetten, die einstige Siedlung hingegen auf Bolheimer.

Gewässer Brenz Auf einer Länge von vier Kilometern durchfließt die Brenz die Gemarkung Bolheim. Im nördlichen Teil ist die Brenz zweigeteilt, der westliche Arm ist der Treibwasserkanal der Firma Zoeppritz. Bis in die 1970er Jahre war die Brenz im Bereich zwischen dem Fischerviertel und den Wiedenwiesen über 100 Meter breit, hatte Seitenbuchten und Altarmstücke, war stellenweise nur wenige Zentimeter tief und floss sehr langsam. In ihr lagen einige Flussinseln, worauf heute der Straßenname Wörthstraße noch hindeutet. Da es so in der Vergangenheit öfter zu Überschwemmungen kam, wurde die Brenz in den 1970er Jahren begradigt. Das Wasserwirtschaftsamt, früher hauptsächlich mit der Begradigung der Flüsse betraut, welches immer noch seinen Bauhof in Bolheim betreibt, ist heutzutage bemüht, so weit es geht Teile des ursprünglichen Flusslaufes wiederherzustellen, also die Brenz zu renaturieren.

Ein großer Teil des Wassers der Brenz bahnt sich seinen Weg von Bolheim aus unterirdisch in Richtung Osten, während die geschwächte Brenz unterhalb des Ortes den langen Weg durch die Schleife des Eselsburger Tals nimmt.

Klosterbach Dieser kleine, zumindest im unteren Bereich auch Kiesertalgraben genannte Auenbach rechts der Brenz entspringt zwischen einer Gärtnerei in Bolheim und dem Pumpwerk der Landeswasserversorgung in der Nähe der Sportplätze südlich von Bolheim im Gewann Brünnele. Er hat eine Länge von anderthalb Kilometern, mehrere kleine Nebenarme (bei der Länge nicht mitgerechnet), durchfließt unter anderen auch das Gewann Ried und wird deshalb auch Ried genannt.

Orstel oder Wedel Im östlich der Brenz gelegenen Teil von Bolheim verläuft auf voller Länge ein Kanal, der heute den sogenannten Orstel/Orstelgraben oder Wedel unterirdisch zur Brenz führt. Heute deuten nur noch die Straßennamen Wedelstraße und Grabenstraße sowie der Orstel-Staudamm darauf hin, dass das vom Karst im Bereich Ugental gespeiste Gewässer früher oberirdisch floss. Er ist wie das ebenfalls Wedel genannte Karstflüsschen in der Stadt Heidenheim ein gewöhnlich eher unscheinbarer Wasserlauf, solche können bei entsprechender Witterung aber stark und verheerend anschwellen.

Andere Andere Bäche sind heute fast gänzlich verschwunden. Entlang der heutigen Bachstraße in der breiten linken Brenztalaue etwa zeigt sich heute nur noch ein kleiner Graben, früher jedoch lag an der Einmündung des Baches südlich von Anhausen ein kleiner See. Auch dieser Bach, der am Anfang des 20. Jahrhunderts noch regelmäßig Wasser führte, wurde inzwischen kanalisiert und überbaut.

Geschichte In der Römerzeit zählte Anhausen zu dem Gau „Alba“ für Alb. Für Bolheim ist leider kein Gau nachzuvollziehen, da es urkundlich erst später erwähnt wurde, höchstwahrscheinlich zählte es zu demselben Gau wie Anhausen oder eventuell wie Herbrechtingen – also Raetia (Ries).

Im Jahre 774 wurde Bolheim erstmals in einer Abschrift einer Besitzurkunde des Klosters Anhausen erwähnt, Urkunden belegen dies aber erst ab dem Jahre 1320, der heutige Name leitet sich von Bolem (‚Hügel‘) oder Bol (‚Sumpf‘) ab; beide sind plausibel, da sie örtlichen Gegebenheiten zur Zeit der Namensgebung entsprechen. In der Ortsmitte von Bolheim steht der Lindenberg, ein Umlaufhügel der frühzeitlichen Brenz. Einige Flurstücke haben heute noch die Namen Brühl, Bühl, Breite und so weiter, die umgebende Sumpflandschaft ist aber spätestens mit der Begradigung der Brenz verschwunden. Wie auch die Orte in der unmittelbaren Umgebung, hat also wohl auch der Name Bolheim seinen Ursprung in der Bezeichnung der Lage der Ortschaft. In den letzten Jahrhunderten wurden besonders die Schreibweisen Bollheim, Poll und Polheim verwendet, welche auf alten Karten des Herzogtums Schwaben bzw. Alemannien verzeichnet sind. Auffällig ist auch die Endung „-heim“, die Bolheim mit vier weiteren Ortschaften in der Umgebung gemeinsam hat: Heidenheim in der Umgebung des Kastells „Aquileja“ an einem ein Kreuzungspunkt von Römerstraßen, nördlich davon Schnaitheim, im Süden Bolheim, im Westen Steinheim und im Osten Nattheim.

Der Ugenhof besitzt eine eigene Gemarkung, weil er in der Vergangenheit ein kleines Dorf war. Bereits im Jahre 1291 erwarb das Kloster Anhausen Güter in Ugendorf (auch Uegendorf), bei welcher Gelegenheit dieser Ort erstmals schriftlich erwähnt wurde. Im 14. Jahrhundert soll der Ort dann verlassen gewesen sein und im Jahre 1562 regte das Kloster Anhausen eine Wiederbesiedlung an, um die Güter gegen eine Fremdbewirtschaftung durch die Nachbargemeinden zu sichern.

In der Ortsmitte von Bolheim steht auf dem Lindenberg die Kirche des Ortes. Sie hat keinen Kirchenheiligen oder dieser ist zumindest heute nicht mehr bekannt. Bei Restaurierungsarbeiten wurde festgestellt, dass die heutige Kirche auf den Grundmauern einer noch viel älteren errichtet wurde.

1329 erscheint das Kloster Anhausen als begütert in Altheim. 1406 wurde das Kloster Anhausen zu Bolheim geschlagen.

1449 begann der Krieg gegen den Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach, seine Gegner waren die schwäbischen und fränkischen Städte. Im September desselben Jahres brannten die Ulmer unter anderem das Kloster Anhausen nieder. Auch das Dorf Bolheim hat gebrannt, was der Zeitzeuge Michel Eisele in seiner frühen Kindheit miterlebt hat und in einer Urkunde aus dem Jahr 1511 zu Protokoll gab.

1492 gab es ein Dorfgericht, auch ein Amtmann wird erwähnt. Einem Herbrechtinger Pachtbauern wurde sein Lehen abgesprochen, da dieser sich nicht genug darum gekümmert habe.

1529 wurde der Retzenberg (früher: Ratzenberg) zum Abbau von Bodenschätzen durch die Patrizierfamilie Besserer aus Ulm freigegeben.

1550 geht ein Bittgesuch von der Gemeinde Bolheim an den Herzog mit folgenden Punkten: Forderung eines Verbots für den Forstmeister, im Gemeindewald nach eigenem Ermessen Holz zu hauen. Keine Abfuhr des jährlichen Brennholzanteils aus einem strittigen Waldgebiet zwischen Bolheim und dem Kloster Anhausen. Verbot für den Ulmer Forstmeister, Wildobst und Äckerich (Eicheln) aufzulesen. Verbot des Forstmeisters, einen Teil des Gemeindewaldes vollständig zu roden.

1646: Am 2. September ist die Armee Turennes aus Richtung Aalen im Anmarsch. Sie lagert im Bereich Mergelstetten und Bolheim.

1648 wurden Anhausen und Bolheim wegen der Zugehörigkeit zur Herrschaft Heidenheim endgültig württembergisch. 1802 wurden Anhausen und Bolheim in das neu gegründete Oberamt Giengen eingegliedert. 1808 wurde das Oberamt Giengen wieder aufgelöst, Anhausen und Bolheim gingen wieder ins Oberamt Heidenheim über.

Laut dem königlichen Manifest Friedrichs I. von Württemberg von 1810 bezüglich der Landeseinteilung waren Bolheim und Anhausen Amtsorte.

1830 erstreckte sich die Markungsgrenze von Anhausen noch bis deutlich innerhalb der heutigen Siedlungsfläche von Bolheim. Hinter dem Rathaus verlief die Ortsgrenze. 1838 wurde das ehemalige Klosters Anhausen mit Riedmühle, Ugenhof und Wangenhof der Gemeinde Bolheim zugeschlagen.