Der Eck-Prozess war der nach dem Hauptangeklagten Kapitänleutnant Heinz-Wilhelm Eck benannte Kriegsverbrecherprozess, in dem das Geschehen nach der Versenkung des griechischen Frachtschiffs Peleus durch das von Eck kommandierte deutsche U-Boot U 852 in der Nacht vom 13. März auf den 14. März 1944 aufgearbeitet wurde. Der viertägige Prozess, in dem neben Eck noch der Zweite Offizier August Hoffmann, der Bordarzt Walter Weispfennig, der Leitende Ingenieur Hans Lenz und der Matrose Wolfgang Schwender von U 852 angeklagt waren, fand vom 17. bis 21. Oktober 1945 im CuriohausHans Herlin: Verdammter Atlantik - Schicksale deutscher U-Boot-Fahrer. 11. Auflage. Wilhelm Heyne Verlag München, 1979, ISBN 3-453-00173-7, Seite 205. im britisch besetzten Hamburg statt. Es war der einzige Kriegsverbrecherprozess, der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten gegen Mitglieder deutscher U-Boot-Besatzungen geführt wurde.
Der Hauptangeklagte Der am 27. März 1916 in Hamburg geborene Eck trat 1934 in die Reichsmarine ein und wurde 1937 Offizier. Er wurde zunächst auf Minensuchern eingesetzt und war von 1939 bis 1942 Kommandant auf einem Minensuchboot. 1942 meldete er sich freiwillig zur U-Boot-Waffe und fuhr vom Herbst 1942 bis Frühjahr 1943 als Kommandantenschüler auf U 124 zur Vorbereitung auf ein eigenes Kommando. 1943 erhielt er das Kommando über das neu in Dienst gestellte U 852 (Typ IX D2-Boot), das nach Tests und Mannschaftsausbildung am 18. Januar 1944 von Kiel aus zu seiner einzigen Feindfahrt auslief. Das Boot sollte zu den Monsunbooten in Fernost stoßen. Nach der Peleus versenkte Eck den britischen Frachter Dahomian; dann setzte er U 852 am 3. Mai 1944 an der Küste von Somalia auf den Strand und wurde von britischen Soldaten gefangen genommen.
Der Peleus-Zwischenfall Vor dem Auslaufen von U 852 wurde Eck von zwei erfahrenen U-Boot-Kommandanten, Adalbert Schnee und Günter Hessler, instruiert. Schnee wies Eck darauf hin, dass U 852 wegen seiner Größe und langsamen Tauchgeschwindigkeit für Flugzeuge ein leichtes Ziel sei und dass Eck eine Entdeckung durch die alliierte Luftüberwachung im Atlantik vermeiden solle. Schnee wies Eck insbesondere darauf hin, dass ein Trümmerfeld, das die Versenkung eines Schiffes hinterließ, für alliierte Flieger noch tagelang zu erkennen sei. Schnee unterstrich diese Warnung und wies darauf hin, dass die vier mit U 852 baugleichen Boote U 199, U 848, U 849 und U 850 alle im Südatlantik verloren gegangen waren.
Auch Hessler, Stabschef in der Operationsabteilung des Befehlshabers der Unterseeboote (BdU), wiederholte die Warnung und empfahl Eck, im Atlantik alles zu vermeiden, was die Aufmerksamkeit des Feindes erregen könnte. Weitere Instruktionen erhielt Eck von Korvettenkapitän Karl-Heinz Moehle, einem erfahrenen U-Boot-Kommandanten und Befehlshaber der U-Boot-Basis Kiel. Moehle diskutierte mit Eck den Laconia-Zwischenfall. Der aufgrund dieses Zwischenfalles ergangene Laconia-Befehl war zu diesem Zeitpunkt in allen Einsatzbefehlen der deutschen U-Boote enthalten.
U 852 sichtete am 13. März 1944 im Südatlantik den griechischen Frachter Peleus, ein 1928 in England gebautes Schiff mit 35 Mann Besatzung, das unter Charter des britischen Verkehrsministeriums unter Ballast von Freetown nach Südamerika fuhr. Eck brachte U 852 vor die Peleus in Angriffsposition und torpedierte sie nach Einbruch der Dunkelheit mit zwei Überwasserschüssen. Beide Torpedos trafen und die Peleus sank sehr schnell. Wie viele Mitglieder der Frachterbesatzung das sinkende Schiff noch verlassen konnte, ist nicht bekannt; es wird angenommen, dass es nicht viele waren. Der erste Offizier wurde von der Brücke ins Wasser geschleudert; einige Besatzungsmitglieder an Deck sprangen in den Atlantik. Die Überlebenden klammerten sich an Wrackteile, außerdem hatte die Peleus an Deck gelagerte Rettungsflöße, die beim Versinken des Schiffes an die Wasseroberfläche kamen.
U 852 fuhr langsam durch die Trümmer; auf der Brücke befanden sich zu diesem Zeitpunkt Eck, sein erster Wachoffizier, Oberleutnant z. S. Gerhard Colditz und zwei Matrosen. Während des Durchfahrens des Trümmerfeldes kam auch der Bordarzt von U 852, Oberstabsarzt Walter Weispfennig, auf die Brücke. Da zu den Befehlen Ecks auch gehörte, Überlebende versenkter Schiffe nach Schiffsnamen, Fracht und ähnlichen Informationen zu befragen, ließ Eck ferner seinen Englisch sprechenden Chefingenieur Hans Lenz an Deck rufen. Mit Lenz kam auch der zweite Wachoffizier August Hoffmann an Deck, der eigentlich nicht Dienst hatte. Diese beiden Offiziere begaben sich an den Bug, während Eck das U-Boot neben ein Rettungsfloß manövrierte, auf dem sich vier Überlebende, darunter der dritte Offizier der Peleus befanden, den man an Bord des U-Bootes holte und befragte. Dieser teilte Lenz und Hoffmann neben Schiffsnamen, Kurs und Last auch mit, dass ein weiterer, langsamerer Frachter der Peleus auf dem gleichen Kurs folgte. Danach wurde der Offizier zurück auf das Rettungsfloß gebracht.
Eck äußerte auf der Brücke des Bootes seine Bedenken aufgrund der Größe und Lage des Trümmerfeldes. Er befürchtete, dass die Luftüberwachung durch von Freetown aus gestartete Flugzeuge die Versenkungsstelle erkennen würde, wodurch die Präsenz eines deutschen U-Bootes bekannt würde. Dies würde eine umfangreiche U-Boot-Jagd auslösen, bei der U 852 wie die vorangegangenen Boote kaum Chancen haben würde.
Ecks Möglichkeiten waren begrenzt: Wäre er mit maximaler Überwasserfahrt weitergefahren, hätte das Boot bis zum Morgen ungefähr 200 Seemeilen zurückgelegt und sich noch immer im Bereich der Luftüberwachung befunden. Zudem hätte das Boot dabei viel seines begrenzten Treibstoffs verbraucht. Eck entschied daher, dass alle Spuren der Peleus vernichtet werden müssten, und befahl, zwei Maschinengewehre auf die Brücke zu bringen. Colditz und auch Lenz protestierten gegen diese Entscheidung, wurden aber von Eck mit dem Argument, die Spurenvernichtung sei zum Schutz des Bootes notwendig, zurückgewiesen. Lenz verließ anschließend die Brücke. Die Maschinengewehre wurden an Deck gebracht.
Das folgende Geschehen konnte auch im späteren Kriegsverbrecherprozess nicht vollständig aufgeklärt werden. Anscheinend machte Eck den anderen Offizieren bekannt, dass er die Rettungsflöße versenken wollte. Ein direkter Befehl, auf Überlebende im Wasser oder gezielt auf Überlebende auf Flößen zu schießen, wurde nicht erteilt. Es war allerdings offenkundig, dass die Versenkung der Flöße die Rettungschancen Überlebender vollständig zunichtemachen würde. Eck ging davon aus, dass die Flöße hohl seien und durchlöchert von Maschinengewehrfeuer sinken würden, tatsächlich bestanden die Rettungsflöße der Peleus allerdings aus schwimmfähigem Material.
Mittlerweile war es acht Uhr abends und dunkel; die Rettungsflöße waren als dunkle Umrisse auf dem Wasser zu erkennen. Wahrscheinlich befahl Eck Weispfennig, der in der Nähe des an Steuerbord angebrachten Maschinengewehrs stand, auf die Trümmer zu schießen, worauf dieser einige Geschosssalven auf ein etwa dreißig Meter entferntes Rettungsfloß schoss, bis das Maschinengewehr Ladehemmung hatte. Der zweite Offizier Hoffmann übernahm die Waffe, klärte die Ladehemmung und setzte den Beschuss fort. Weispfennig blieb auf der Brücke, ohne weiter an der Beschießung teilzunehmen. Das Boot bewegte sich in langsamer Fahrt durch die Trümmer und beschoss in Abständen die Rettungsflöße, wobei stets Hoffmann das Maschinengewehr bediente. Die Rettungsflöße waren allerdings aufgrund ihrer Bauweise nicht zu versenken. Hoffmann schlug den Einsatz der 37-mm-Flugabwehrkanone vor, die Explosivmunition verfeuerte. Dieses wie auch der Einsatz des 105-mm-Deckgeschützes wurde von Eck abgelehnt, der stattdessen befahl, die 20-mm-Zwillings-Flugabwehrkanonen auszuprobieren.
Auch diese größerkalibrigen Waffen waren ungeeignet, die Rettungsflöße zu versenken, so dass jemand den Einsatz von Sprengladungen vorschlug. Diesen Vorschlag lehnte Eck ab, da er nicht wollte, dass ein Mitglied seiner Besatzung das Boot verließ. Eck befahl, Handgranaten auf die Brücke zu bringen und manövrierte das Boot näher an ein Floß. Hoffmann warf mehrere Handgranaten auf mindestens zwei Flöße, die auch diesem Versenkungsversuch widerstanden.
Eck nahm an, dass bei Beginn des Beschusses alle Überlebenden die Flöße verlassen hätten. Dass diese durch den Beschuss getroffen werden könnten und dass die Vernichtung der Flöße ihre Überlebenschancen reduzieren würde, war ihm bewusst. Ecks Annahme war falsch: Der Wachoffizier der Peleus hatte sich bei Beginn des Beschusses auf den Boden eines Rettungsfloßes gelegt und beobachtet, wie ein anderer Seemann auf demselben Floß vom Maschinengewehrfeuer getötet wurde. Durch die später geworfenen Handgranaten wurde der Wachoffizier verwundet. Der dritte Offizier der Peleus beobachtete auf seinem Floß, wie zwei griechische Seeleute getötet wurden; er selbst wurde schwer verletzt. Ein weiterer Seemann tauchte hinter ein Floß und beobachtete, dass einige im Wasser schwimmende Überlebende der Versenkung durch Maschinengewehrfeuer getroffen wurden.
Die Besatzung von U 852 unter Deck war mit Ausnahme von Lenz nicht über die Vorgänge informiert, konnte sich das Geschehen allerdings aus dem langsamen Manövrieren und den Befehlen, Maschinengewehre und Handgranaten auf die Brücke zu bringen, denken. Die Versuche, die Trümmer zu versenken, hatten einige Zeit in Anspruch genommen. Beim fälligen Wachwechsel übernahm Hoffmann, der schon die gesamte Zeit auf der Brücke gewesen war, die Wache von Colditz, der unter Deck ging. Eck gab einem der Matrosen, die zur Ablösung der Wache auf die Brücke gekommen war, den Befehl, das Maschinengewehr abzufeuern, was dieser tat. Dieser Matrose, Wolfgang Schwender, gab einen Feuerstoß ab, dann hatte das MG eine Ladehemmung. Als Schwender die Ladehemmung behoben hatte, kam der Leitende Ingenieur Lenz zurück auf die Brücke, schob Schwender beiseite und schoss auf das Floß. Nach Lenz’ Angaben im späteren Prozess tat er dies, weil er annahm, dass sich der dritte Offizier der Peleus auf diesem Floß befand und Lenz nicht wünschte, dass dieser als Offizier durch einen „schlechten Soldaten“ getötet würde.
Nachdem von acht Uhr abends bis ein Uhr morgens alle Versuche gescheitert waren, Spuren der Peleus zu beseitigen, entschied Eck, die Versuche abzubrechen, um bei Tagesanbruch möglichst weit entfernt zu sein, und ließ das Boot unter maximaler Fahrt ablaufen. Zurück blieben vier Überlebende, von denen drei 35 Tage später durch einen portugiesischen Dampfer gerettet wurden. Der dritte Offizier der Peleus war 25 Tage nach der Versenkung an Wundbrand und Gelbfieber verstorben.
An-Land-Setzen von U 852 und Gefangennahme der Angeklagten Ecks Befürchtung, dass die Versenkung der Peleus durch die gegnerische Luftüberwachung entdeckt werden könnte, traf nicht zu. Durch einen von Eck am 15. März abgesetzten Funkspruch, den die gegnerische Funkpeilung auffing, erfuhren die Briten, dass ein U-Boot nordwestlich von Kapstadt operierte. Am 1. April versenkte Eck den britischen Frachter Dahomian. Nach dieser Versenkung unternahm Eck keinen Versuch, die Überlebenden zu befragen, die am nächsten Tag durch südafrikanische Minensuchboote gerettet wurden. Die Versenkung des Schiffes löste starke Anti-U-Boot-Maßnahmen aus, die keinen Erfolg zeigten. Am 3. April setzte Eck einen langen Funkspruch an den BdU ab. Dieser wurde von den Briten aufgefangen und ermöglichte ihnen, Ecks Position zu bestimmen. U 852 blieb noch zwei Wochen in den Gewässern um Kapstadt und suchte nach Zielen; dann entschied Eck, die Fahrt nach Penang fortzusetzen. Inzwischen waren die Überlebenden der Peleus gerettet worden, wodurch diese Geschehnisse bekannt wurden.