mini|Schloss Unterweikertshofen (2014) – Parkseite mini|Schloss Unterweikertshofen (2020) – Frontseite
Das Schloss Unterweikertshofen liegt in Unterweikertshofen, einem Ortsteil der oberbayerischen Gemeinde Erdweg im Landkreis Dachau. Das Schloss liegt unmittelbar nordwestlich der Filialkirche St. Gabinus in Unterweikertshofen. Als Hofmarkschloss war es Herrensitz der Hofmark Weikertshofen. Die Anlage ist unter der Aktennummer D-1-74-118-34 als denkmalgeschütztes Baudenkmal von Unterweikertshofen verzeichnet. Ebenso wird sie als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-1-7633-0148 im Bayernatlas als „untertägige spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde im Bereich des Hofmarkschlosses Unterweikertshofen und seines Vorgängerbaus“ geführt.
Baugeschichte mini|Schloss Unterweikertshofen nach einem Stich von Michael Wening (um 1700)
Im 12. Jahrhundert wird die Burg Weikertshofen von dem gleichnamigen edelfreien Geschlecht angelegt. Im 14. Jahrhundert erfolgt der Ausbau und die Erweiterung durch die Herzöge von Bayern als wichtiger strategischer Stützpunkt. Im 15. Jahrhundert gibt es zahlreiche Prozesse um die Landeszugehörigkeit der Burg, die in Urkunden als „Veste“ aufscheint. Um 1550 besteht die Anlage im Wesentlichen aus drei massiven quadratischen Türmen, die durch Mauern und Gebäudeteile zu einer einheitlichen Anlage zusammengeschlossen werden. Im Jahr 1597 wird die Burg als baufällig bezeichnet. 1610 erfolgt Grundsteinlegung des neuen Schlosses durch Sebastian Adlzhauser, 1616 wird es fertiggestellt. 1633 erfolgt die Zerstörung und Brandschatzung durch die Schweden während des Dreißigjährigen Krieges. 1657 ist das Schloss wiederhergestellt mit vermutlich vier zwiebelgedeckten Ecktürmchen, allerdings vielleicht nur in der Form von Dachreitern in Holzkonstruktion, die auf die Traufe gestellt waren.
Lage Schloss Unterweikertshofen liegt, das Ortsbild beherrschend, inmitten der gleichnamigen Ortschaft am linken Glonnufer, abseits der Hauptstraße Dachau – Aichach, etwa ein Kilometer südwestlich von Petersberg.
Die älteste Darstellung von Schloss Unterweikertshofen findet sich auf den Karten von Philipp Apian, um 1600.
Dieser Stich zeigt noch die alte Veste Weikertshofen in einer Flussschleife der Glonn. Der Bau besteht im Wesentlichen aus drei massiven quadratischen Türmen, die durch Mauern und kleinere Bauten zu einer einheitlichen Anlage zusammengeschlossen werden.
Auf einem Bild von 1666 über die Jagdbarkeit derer von Preysing in der Hofmark Weikertshofen, das im Schloss hängt, ist der Bau dargestellt als kubischer Baukörper mit Walmdach, dessen vier Ecken von zwiebelgedeckten Türmchen flankiert werden. Man kann davon ausgehen, dass der namentlich nicht genannte Verfasser einen authentischen Zustand dargestellt hat.
In ähnlicher Form präsentiert sich das Schloss auf dem Stich von Michael Wening über „Schloß und Hoff=March Weickertshoffen“, um 1700.
Der stattliche, mit einem hohen Walmdach gedeckte Bau wird von vier Türmchen gerahmt, die offensichtlich bis zum Terrain reichen. Wening selbst schreibt dazu: „Das Schloss ist schön und groß in vier Eck/und mit vier saubern kleinen Armen erbaut.“ Die Nordseite wird betont durch einen Mittelrisalit über drei Fensterachsen. Das Dach wird unterbrochen durch Schleppgauben. Bei Wening zieren drei Türmchen den First – wahrscheinlich handelt es sich dabei um Kamine – zusätzlich sind am Anfallspunkt Firstzierrate mit Kugeln und Windfähnchen zu erkennen.
Die Uraufnahme von Bayern aus dem Jahre 1808 zeigt das Schloss als rechteckigen Baukörper mit einem annähernd quadratischen Anbau im Süden. Unmittelbar neben dem Schloss befindet sich die Stelle der abgegangenen Burg Unterweikertshofen, die als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-1-7633-0110 im Bayernatlas als „Burgstall des hohen und späten Mittelalters ("Burg Weikertshofen")“ geführt wird.
Zwei Pavillons flankieren die östliche Längsseite, die sich zu einem Ziergarten hin öffnet. Von den Ecktürmchen ist hier nichts zu erkennen. Seit dieser Zeit hat sich am Umfang des Schlosses nichts mehr geändert.
Baubeschreibung Der stattliche Baukörper von Schloss Unterweikertshofen erhebt sich über längsrechteckigem Grundriss, dessen Seitenlängen in einem Proportionsverhältnis von 1 zu 2 stehen. Der dreigeschossige Bau wird mit einem hohen Krüppelwalmdach mit Biberschwanzdeckung geschlossen. Die einzelnen Geschosse werden optisch durch umlaufende Putzfaschen voneinander getrennt.
In der Mittelachse der Längsseiten liegt je ein Eingangsportal, das über fünf Stufen zugänglich ist. Von den drei Fensterachsen links und rechts davon sind jeweils die zwei inneren zu einem Paar zusammengerückt, die dritte Achse liegt genau in der Mitte der verbleibenden Mauerscheibe. Die hochrechteckigen Kreuzstock-Fenster sind mit Fensterflügeln unterschiedlicher Sprossenteilung versehen. Die Westansicht ist durch größere Fenster im ersten Obergeschoss betont. In der Mittelachse, über der Eingangstüre, liegt ein noch mal vergrößertes Fenster gleicher Proportion. In den Obergeschossen befinden sich an allen Fenstern Lamellenklappläden, die Fenster im Erdgeschoss sind vergittert. Die Eingangsportale sitzen in Natursteingewänden, die über einem Kämpfer in einem Rundbogen fortfahren. Dieser enthält je ein vergittertes Fenster in Form eines Rechtecks, das seitlich durch einen Halbkreis erweitert ist. Der Haupteingang an der Westseite erhält eine zusätzliche Betonung, da er von Pilastervorlagen gerahmt wird. In Höhe der ersten Putzfasche tragen diese eine Kapitellausbildung, die sich zu einem gleich profilierten Gesims zwischen den Pilastern zurückkröpft. Türgewände an der Ostseite ist detaillierter ausgearbeitet, in den Sturz meißelt trägt es die Jahreszahl 1896. Die reich profilierte Holztüre hat neubarocken Charakter. Über dieser Türe ist über der Geschossteilung eine steinerne Tafel eingelassen, deren Inschrift auf die Erbauung des Schlosses verweist:
1616 Dises Schloß hat vom Grundt Auferpauth der Wol Edle und Gestreng herr Hanns = Sebastian von und zu Adlzhausen und Weickhertshouen fürstl. durchl. Ertzherzog Leopoldi zu Össterreich Bischouen zu Straßburg und Passau Camerer und Rath auch Pfleger der fürstl. herrschaft Ebelsberg und Lechenprobst In Össterreich ob der Enß. Auch sein wol edle ehr und tugendreiche geliebte Gemahl Fr. Frau So = phia ein geborne von Bihring zu Sichharting Gott erhalts In Langwierigen Würden bei dem Adelichen Namen und Stammen.
Von den Schmalseiten des Gebäudes wird die Südansicht durch einen mittig liegenden, über annähernd quadratischem Grundriss errichteten Anbau unterbrochen, dessen Traufe auf Höhe der Fensterstürze im 2. Obergeschoss liegt. Das Walmdach schließt an die aufsteigende Wand an. Die horizontalen Putzfaschen werden über den Anbau, der nur in den Obergeschossen durch je zwei kleine Fenster belichtet wird, nicht fortgeführt. Links und rechts des Anbaus liegen je zwei Fensterachsen, von denen die inneren in den Giebelansatz durch zwei kleine Fenster fortgeführt werden. Die Fenster im 2. Obergeschoss nehmen an der Südseite fast quadratisches Format an bei gleich bleibender Öffnungsbreite. Durch das leicht nach Süden fallende Gelände ragt diese Seite höher aus dem Boden, so dass noch ein vergittertes Kellerfenster und eine kleine Lüftungsluke Platz finden. Die gegenüberliegende Nordfassade ist spärlicher befenstert, auch hier fehlt die Geschosstrennung über dem Erdgeschoss. Durch das hier höher anstehende Terrain wirkt das Erdgeschoss abgesackt. Die Schmalseite des Gebäudes ist durch ein einziges großes, querformatiges Fenster aus jüngster Zeit aufgebrochen. Im Dachgeschoss sitzen, leicht zur Westseite verschoben, eine hoch- und zwei querformatige Öffnungen. Durch das Nord-Süd-Gefälle ist es möglich, von außen über eine Tür in den Keller zu gelangen, allerdings über Differenzstufen. Diese liegt an der Südseite der Westfassade unter der äußersten Fensterachse.
Die Grundrisseinteilung des Schlosses ist klar und einfach. Betritt man durch den westlichen Eingang von der Ortsdurchfahrt her das Schloss, steht man in einer durchgehenden Halle mit Kreuzgewölbe. Zur linken und rechten schließen sich – ursprünglich – je vier Räume an, die durch Zwischenwände neueren Datums verunklart werden. Die Einbauten zerstören auch die schönen Gewölbe und die z. T. stuckierten Decken. Erwähnenswert ist der Speisesaal in der südlichen Schlosshälfte. Ein großer dahinter liegender Raum wurde unterteilt und nimmt heute in einer Hälfte die Hauskapelle auf, die ohne erwähnenswerte Ausstattung ist. In der nördlichen Schlosshälfte befanden sich ehedem die Schlossküche und weitere Wirtschaftsräume. In der Eingangshalle ist an der Nordwand eine Steintafel mit Wappen aus dem Jahre 1673 angebracht, die auf die Zerstörung durch die Schweden und den Wiederaufbau durch Johann Franz von Preysing hinweist.
Eine einläufige viertelgewendelte Treppe führt in das erste Obergeschoss. Hier liegt über dem Speisesaal der sog. „Hundtsche Saal“ mit seinem reichen Deckenstuck. Ein daran anschließender Raum zur Westseite mit ebenso reichem Deckenstuck ist von mehreren Wänden durchschnitten. Dieses Geschoss enthält die Repräsentationsräume des barocken Schlosses, es ist eindeutig als „piano nobile“ zu erkennen. Eine Enfilade-Reihung der Räume ist anhand des Grundrisses noch deutlich auszumachen. Ein besseres Bild von der ursprünglichen Raumaufteilung bietet das zweite Obergeschoss. Die Räume sind ohne besondere Ausstattung, hier befanden sich wohl einmal die Schlafräume der Schlossbewohner.
Hundtscher Saal Der „Stucksaal“ im ersten Obergeschoss südlich des Treppenhauses ist der vornehmste Raum im Schloss. Den relativ niedrigen Raum mit annähernd quadratischem Grundriss (7,54 m × 8,15 m) belichten zwei Fenster in der Westfassade. Der Übergang von den glatten, architektonisch ungegliederten Wänden zu der flachen Decke wird durch eine profilierte Leiste gebildet, eine Kehle ist nicht ausgeprägt. Um den äußeren Rahmen bildenden Stab an der Decke rollt sich Weinlaub in gleichmäßigen Abständen. Das breite Band der Deckenstuckatur lässt einen fast quadratischen, an seinen Ecken eingezogenen Spiegel frei. Ebenfalls frei bleiben vier Rundmedaillons in den Diagonalen. Die Rahmen von Spiegel und Medaillons bestehen aus einem akanthusverzierten Wulst, begleitet von flachen, auf die Ebene des Deckengrundes führenden Profilen. Ein umlaufendes Band verschlungener Rosenranken leitet nach innen zu dem Deckenspiegel über. Je ein geflügelter Genienkopf trägt die Rundmedaillons, die von dreipassförmigen Feldern bekrönt werden. Akanthusranken wachsen aus der Nahtstelle und rahmen den Dreipass, wobei sich die obersten Ranken zu Voluten in dessen Scheitel drehen, aus dem über einem Akanthusblatt eine Muschelschale wächst. An die jeweils unterste Ranke angebundene Fruchtgehänge rahmen die Medaillons. Die Flächen zwischen den zur Raummitte hin ausgerichteten Medaillonkompositionen nehmen flache Felderungen ein, die mit gegenständigen, einem Blattkelch entwachsenen Rankenmotiv gefüllt sind. Die inneren Spitzen dieses Akanthuslaubes öffnen sich