Wildsachsen am Taunus ist ein Ortsbezirk der Kreisstadt Hofheim am Taunus im südhessischen Main-Taunus-Kreis. Mit rund 1600 Einwohnern ist Wildsachsen deren kleinster Stadtteil und mit 9,8 Kilometer Fahrstrecke am weitesten vom Stadtzentrum entfernt.

Geographische Lage Wildsachsen liegt ca. 250 m hoch im Vordertaunus an der westlichen Grenze des Main-Taunus-Kreises. Der Ort grenzt im Westen und Süden an die Wiesbadener Stadtteile Auringen, Medenbach und Breckenheim und ist vom Stadtzentrum der hessischen Landeshauptstadt 13,4 km entfernt. Im Norden liegt der Eppsteiner Stadtteil Bremthal und im Osten auf dem Weg zur Kernstadt Hofheim liegt Langenhain.

Wildsachsen liegt eingebettet in eine offene Wiesen- und Felderstruktur in einem Tal zwischen bewaldeten Taunusausläufern, wo sich Seyenbach und Hollerbach vereinigen.Topografische Karte 1:25.000

Geschichte mini|Die Kirche heute, mit ihrem Chor von 1145 Einstmals hielt man die Nennung von "Widilsassin" und "Witelesassen" in Urkunden des Klosters Bleidenstadt aus dem 9. und 10. Jahrhundert für die ältesten Erwähnungen des Ortes. Diese Urkunden stellten sich 1940 jedoch als Fälschung heraus. Erstmals wurde "Wedelensassen" (Sitz des Wedilo) vielmehr 1107 in einer Urkunde des Klosters St. Alban zu Mainz anlässlich der Weihe und Dotation der Kirche zu Medenbach erwähnt, zu der auch die Wildsächser Bürger gehen mussten. In dem Dokument wird auch geschrieben, dass die Einwohner von Wedelensassen der Kirche jährlich 30 Denare geben sollen.

1145 bekam Wildsachsen eine eigene Kirche mit eigenem Gottesdienst. Am 30. Juni 1145 ordnete Erzbischof Heinrich I. von Mainz die kirchlichen Verhältnisse in Wildsachsen, indem eine Kirche auf dem Grund und Boden des Hertwich errichtet wurde. Durch die eigenen Tauf- und Begräbnisrechte löste sich Wildsachsen weitgehend von Medenbach. Hauptgönner der Abtrennung war der Hartwin aus dem Geschlecht der Mainzer Stadtkämmerer oder der Herren von Weisenau bei Mainz, denen Grund und Boden zu Wildsachsen landesherrlich zustand.

Am 10. Mai 1213 bekam Rheingraf Werner der Jüngere die Güter zu Bleidenstadt und Wildsachsen zugesprochen. Wildsachsen tauchte im 13. Jahrhundert in einem Zinsregister der Herrschaft Eppstein auf: der Ort sollte 30 Säcke Hafer an die Herrschaft Eppstein als Zins liefern. Wie die Eppsteiner zu Wildsachsen kamen, ist nicht bekannt.

Am 13. Januar 1348 verschrieb Hartegard Berlegen zu "Widelnsassen" der Schwester Katharine und dem Konvent zu Klarenthal bei Wiesbaden eine Rente und verpfändete dafür Grundstücke der Wildsächser Mark, die den Herren von Cronberg und Delkenheim zinsten. Am 9. Dezember 1348 verkaufte Ernest Anzen zu Wildsachsen der Äbtissin und dem Konvent des Klosters Klarenthal eine Rente aus den Grundstücken zu Wildsachsen. Vor Schultheiß und Schöffen übergab am 26. November 1370 Else Bygenbach von Mainz den Mainzer Augustinern ihre Güter zu Medenbach, die dem Gerhard von Mendligen gehörten. Demnach besaß Wildsachsen im Jahre 1370 ein eigenes Ortsgericht, zu dem auch Medenbach gehörte. Unter dem Amtmann Helwich von Lauerbach ist 1536 Henchen von Wildsachsen, wohnhaft zu Delkenheim, zu Mechthilshausen, enthauptet worden, weil er geholfen hatte, einen der Mechthilshäuser Hofleute zu ergreifen, fortzuführen und an den Landgrafen Feinde für 20 Gulden zu verkaufen, so dass der Mann mit 100 Gulden ausgelöst werden musste.

Ende des 16. Jahrhunderts war Wildsachsen eine wichtige hessische Zollstation gegen Kurmainz bei Bremthal.

Durch den Krieg reduzierte sich die Anwohnerzahl in Wildsachsen bis 1655 auf 4 Familien in 4 Häusern. Alle anderen 16 Wohnhäuser waren entweder abgebrannt, verfallen oder mit der Erlaubnis der Obrigkeit abgebrochen und in anderen Ortschaften wieder aufgebaut worden. Wegen der Reduzierung der Seelenzahl war Wildsachsen nach 1630 unter das Ortsgericht zu Medenbach gekommen. Ein genauer Zeitpunkt ist unbekannt. Trotz der Kriegsdrangsalen und der Verarmung wurden 1667 die Abgaben erhöht. Zu der ständigen Bede waren eine Soldatensteuer von 1 Gulden 17 Albus und das sogenannte „Monatsgeld“ mit 15 Albus von jeder Person und 2¼ Pfennig von jedem Morgen Land getreten. Nachdem die Zahl der Einwohner in den nächsten Jahrzehnten wieder wuchs, bemühte sich Wildsachsen 1702, wieder sein eigenes Gericht zu bekommen. Der Antrag wurde abschlägig entschieden. 1706 wurde die erste Schule im Ort gegründet. Erst 1716, als die Familienzahl in Wildsachsen auf 24 Familien geklettert war, bekam der Ort auch sein eigenes Gericht wieder. Der erste Schultheiß des erneuten Ortsgerichts war Johann Sparwasser, gefolgt von seinem Sohn Johann Peter Sparwasser im Jahre 1738, der dann an den Enkel Johann Jost Sparwasser im Jahre 1760 übergab. Unter letzterem fand 1775 eine Volkszählung statt.

+ Wildsachsen in Zahlen, bei der Volkszählung von 1775 Anzahl Menschen/Tiere Anzahl Gebäude Fläche (in Morgen) 33 Familien 1 Kirche 304 Wald 144 Seelen 1 Schule 535 Ackerland 3 Pferde 3 Gemeindehäuser 94 Wiesen 30 Ochsen 30 Oekonomieräume 47 Kühe 32 Wohnstätten 16 Rinder 180 Schafe 60 Schweine

1778 setzte unter Schultheiß Phillip Mahr eine Blütezeit in Wildsachsen ein. Die 53 Familien in Wildsachsen betrieben viel Obstbau und stellten aus dem wilden Obst, den ungepfropften Kernsorten, einen vorzüglichen Obstessig her. Daraus entwickelte sich später die Bereitung eines vorzüglichen "Hohenastheimers". Schultheiß Phillip Mahr führte den Anbau des roten Klees und der Gerste als Futterpflanze ein und verbesserte den Ackerbau. Er gründete zudem 1781 eine Freischule in Wildsachsen und förderte die Einnahmen in jeder Weise. Die im Krieg hart mitgenommene Kirche samt Dachreiter ließ Mahr 1784 erneuern, er schaffte für das von Soldaten geraubte kleine Glöckchen ein neues an und ließ das zersprungene größere Glöckchen umgießen. In jenem Jahr wurde auch ein Backhaus errichtet.

Um 1800 gingen zwei Drittel des Zehnten an das Mainzer Domkapitel, ein Neuntel an das Mainzer Liebfrauenstift und der Rest an die Grafen von Ostheim.

Wildsachsen litt sehr unter den Kontributionen der Befreiungskriege ab 1813. Man musste der russischen Artillerie täglich hohe Rationen an Gerste, Hafer, Heu und Stroh liefern. Von der Leipziger Schlacht her versprengte Franzosen stahlen zu Wildsachsen schon Ende Oktober 1813. Mehrere Einwohner sahen, wie ein Franzose, von den Wildsächsern verfolgt, an der Stelle, wo es am Langenhainer Weg "am Franzos" heißt, ein Kästchen mit dem Säbel eingraben wollte, schlugen denselben nach kurzem Wortgefecht tot und verfolgten die Franzosen durch den "Bauwald" bis an die Grenze bei der Guldenmühle, wobei die Bremthaler sich angeschlossen haben. Der getötete Franzose wurde auf Gemeindekosten von dem Schützen Sebastian aus Wildsachsen an der Unfallstelle im Wald begraben.

Mit der Gründung des Amtes Hochheim am 4. April 1816 gehörte Wildsachsen zu diesem herzoglich-nassauischen Amt. Mit der Annexion Nassaus durch Preußen wurde Wildsachsen 1866 preußisch und Teil des Mainkreises.

Obstanbau und Landwirtschaft gehörten zu den Haupterwerbszweigen der Einwohner. Bis in die 1960er Jahre stieg die Einwohnerzahl nur langsam, da es in Wildsachsen weder ausreichend Arbeitsplätze noch öffentliche Verkehrsmittel gab. Erst die Entwicklung größerer Baugebiete und der Anschluss an ein dichteres Verkehrsnetz änderten dies.

Am 1. Januar 1977 wurde Wildsachsen im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Kreisstadt Hofheim am Taunus eingegliedert.

Bergbau mini|Eisenerzlore am Ortseingang

1630 bis 1900 wurde in Wildsachsen Eisenerz abgebaut. An diesen Wirtschaftszweig erinnert eine Eisenerzlore am Ortseingang. Die Lore stammt aus Werne an der Lippe und wurde durch die CDU Wildsachsen und den Heimatverein Wildsachsen renoviert und aufgestellt. Siehe auch: Liste von Bergwerken im Taunus

Schulgeschichte Im Jahr 1706 wurde in Wildsachsen eine Schule im Hinterhaus gegründet. Der erste Lehrer war der Schuldiener und Küster Johannes Schaub von Oberliederbach, Leinweber von Beruf. 1720 wurde das Schulgebäude an der Stelle errichtet, an der heute das Vereinshaus steht. Das Gebäude wurde 1830 bis 1934 als Schule und danach bis 1969 als Rathaus genutzt. Heute ist es das Heimatmuseum. 1932 errichtete die Gemeinde ein neues Schulhaus in der Parkstraße. Dieses wurde 1934 bis 1969 als Volksschule genutzt. Im Rahmen der Schulreform in Hessen wurden Mittelpunktgrundschulen eingerichtet und die Kinder nutzen seitdem den Bus, um zur Schule zu kommen. Das Gebäude selbst wurde 1971 bis 1978 als Kindergarten genutzt und beinhaltet heute u. a. den Jugendtreff.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Wildsachsen angehört(e):

Ende 12. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Eppstein ab 1492: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Eppstein ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Eppstein 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Eppstein ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Wallau ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Usingen, Amt Wallau ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Wallau ab 1817: Herzogtum Nassau, Amt Hochheim ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HöchstAbtrennung der Justiz (Justizamt Hochheim) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Hochheim ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, MainkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Hochheim) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Mainkreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden ab 1928: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Main-Taunus-Kreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis, Stadt Hofheim am Taunus

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Wildsachsen 1602 Einwohner. Darunter waren 75 (4,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 273 Einwohner unter 18 Jahren, 642 zwischen 18 und 49, 348 zwischen 50 und 64 und 342 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 702 Haushalten. Davon waren 174 Singlehaushalte, 276 Paare ohne Kinder und 204 Paare mit Kindern, sowie 42 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 162 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 465 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1570: 17 Häuser • 1592: 20 Häuser • 1610: 24 Haushalte • 1630: 16 Familien, 2 Witwen und 2 Vormundschaften • 1637: 6 Haushalte • 1702: 15 Familien • 1716: 24 Familien • 1775: 33 Familien mit 144 Personen • 1791: 192 Einwohner • 1800: 192 Einwohner

Historische Religionszugehörigkeit