Lernkompetenz ist ein pädagogisches Konzept. Sie ist der Oberbegriff mehrerer Teilkompetenzen, durch die Menschen selbstständig und selbstgesteuert Wissen, Kenntnisse, Informationen über Sachverhalte und Zusammenhänge verstehen, auswerten und in gedankliche Strukturen einordnen können. Sie ist eine Vorbedingung für systematisches, absichtliches Lernen.

Pädagogisches Ziel der Lernkompetenz ist, dass Lernende dauerhaft am Leben in der sich wandelnden Gesellschaft aktiv und selbstbestimmt teilnehmen können.

Teilbereiche der Lernkompetenz Lernkompetenz kann in Fach-, Methoden-, Sozial-, Medien- und persönliche Kompetenz unterteilt werden. Sie sollte als Teil der Bildung vermittelt werden.

Um Fachkompetenzen zu erwerben, können in Schulen fachspezifische Eigenheiten und Herangehensweisen erarbeitet werden wie beispielsweise Textverstehen im Deutschunterricht.

Für das Erlernen von Methoden können bei jüngeren Personen in Schulen einfachere Fertigkeiten wie das vollständige Bereithalten des eigenen Materials und strukturiertes Sprechen über ein bekanntes Thema beigebracht und eingeübt werden. Bei erfahreneren Personen können beispielsweise die Materialbeschaffung, Strukturierung und Darbietungsweise von längeren Texten als Referate oder als schriftliche Arbeiten vermittelt werden.

Bei allen Schulgruppen kann von der Einzel- über die Paar- und die Gruppenarbeit eine höhere Komplexität verwendet werden, sodass soziale Kompetenzen mit vermittelt und erlebt werden können.

Zum Lernen benötigen Lerner aller Altersstufen automatisierte Kenntnisse der Mediennutzung, um sich effizient mit den Inhalten statt der Technik auseinandersetzen zu können. Außerdem muss der Lerner die Relevanz und Zuverlässigkeit der Medienquellen bewerten können. Die Verwendung von Medien kann und soll in allen Schulfächern, die Bewertung von Authentizität und Relevanz von Quellen und Bildern kann und soll schrittweise in geeigneten Fächern geübt werden.

Im beruflichen Kontext wird Lernkompetenz auch lebenslanges Lernen genannt. Dies umzusetzen setzt Lernkompetenz voraus und kann beispielsweise die Erarbeitung fachlicher Darstellungen, wie Fachbücher, -artikel, Zeichnungen, Schaltbilder sowie den kompetente Umgang in sozialen Beziehungen in Gruppen umfassen. Die Fähigkeit und Bereitschaft, im Beruf und über den Berufsbereich hinaus Lerntechniken und Lernstrategien zu entwickeln und diese zur Weiterbildung zu nutzen, wird in zahlreichen Berufsbildern erwartet.

Herkunft des Begriffs Der Begriff der Lernkompetenz ist im Fachbereich der Pädagogischen Psychologie angesiedelt, die ab der Jahrtausendwende eine konstruktivistische Lehr-Lern-Philosophie vertritt. Dies bedeutet, dass Lernen ein vom Lerner selbstgesteuerter, aktiver Prozess ist und keine reine Übernahme des Lehrerwissens oder von Sachverhalten. Der Lerner integriert dargebotene oder zur Verfügung stehende Inhalte entsprechend der eigenen Vorkenntnisse, Erfahrungen und Überzeugungen.

Durch die Idee der sich verringernden Halbwertszeit von Wissen gewinnt der Begriff der Lernkompetenz ab den 2010er Jahren zunehmend an Bedeutung, da das Lernen als aktive Fähigkeit garantieren soll, dass Personen sich selbst die jeweils nötigen Inhalte zur richtigen Zeit erarbeiten können, wenn sie lernkompetent sind.

(Vor-)Bedingungen der Lernkompetenz

Lernmotivation Um die Lernmotivation zu aktivieren, benötigt man ein Ziel, außerdem ein Interesse am Lernen der Inhalte und die Erwartung der gelingenden Selbstwirksamkeit, wie sie zuerst A. Bandura in den 1980ern formulierte.

Vorwissen Bei erfolgreichen Lernvorgängen werden vorhandene Konzepte beim Lerner aktiviert und die neuen Bestandteile in die bestehenden integriert und miteinander verknüpft. Dabei werden Basiswissen wie Kulturtechniken (Fertigkeiten in Sprachen) und Orientierungswissen (Anwendungssituationen) voneinander unterschieden. Beide Wissensarten sind Teil der Lernkompetenzen und werden für Lernen benötigt.

Selbststeuerungskompetenz Unter den zahlreichen Möglichkeiten der Zeitgestaltung ist es erforderlich, zur richtigen Zeit für das Lernen förderliche Mechanismen auszuwählen (Weinert) und andere Arten der Zeitgestaltung für den Moment des Lernens zurückzustellen.

Siehe auch Kompetenz (Pädagogik)

Literatur

Weblinks Heinz Mandl, Ulrike-Marie Krause, Lernkompetenz für die Wissensgesellschaft (PDF; 123 kB), 2001. Franz E. Weinert, Selbstgesteuertes Lernen als Voraussetzung, Methode und Ziel des Unterrichts 1982.

Einzelnachweise

Kategorie:Lernen Kategorie:Arbeits- und Organisationspsychologie