mini|hochkant|Pfarrkirche Heiliger Stefan mini|Gebäudekomplex des Schlosses Orsini-Rosenberg mini|Die Gurk bei Truttendorf mini|Schloss Pakein mini|Schloss Riedenegg in Lind mini|Schloss Saager mini|Markus Pernhart (1824–1871): Schloss Saager mini|Sankt Anna in Saager
Grafenstein () ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Klagenfurt-Land in Österreich, im Bundesland Kärnten.
Geographie Grafenstein liegt im Klagenfurter Becken, etwa 12 km östlich der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee.
Gemeindegliederung Die Gemeinde ist in acht Katastralgemeinden gegliedert: Berg, Grafenstein (Grabštanj), Pakein (Pokinj), Replach (Replje), Saager (Zagorje), Thon (Jadovce), Truttendorf (Sepec), Wölfnitz (Valovca)
Das Gemeindegebiet umfasst folgende 31 Ortschaften (Einwohnerzahl Stand ):
Eine weitere Ortslage ist die Rotte Haslach.
Nachbargemeinden
Geschichte Grafenstein wurde 890 erstmals urkundlich erwähnt: Arnulf von Kärnten bestätigte dem Erzbischof Friedrich von Salzburg den Besitz von „Grauindorf“. Die im romanischen Baustil errichtete Pfarrkirche wurde 1116 geweiht. Anlässlich der Belehnung der Besitzung und des Hofes „Gravindorf“ wurde 1158 die Burg Grafenstein erstmals genannt. Nach dieser Burg benannte sich das Adelsgeschlecht der Grafensteiner, deren Siegel als Vorlage für das heutige Gemeindewappen diente, das aber schon im 14. Jahrhundert wieder ausstarb. Burg und Herrschaft wechselten anschließend häufig den Besitzer. Die Burg wurde beim Bergsturz des Dobratsch im Jahr 1348 stark beschädigt und verfiel allmählich. Als Johann Andreas von Rosenberg im Jahr 1629 Grafenstein erwarb, ließ er die bereits zur Ruine verfallene Burg nicht wiederherstellen, sondern westlich des Dorfes ein neues Schloss errichten.
Die Ortsgemeinde Grafenstein wurde im Jahr 1850 gebildet.
Im Kärntner Abwehrkampf wurde Grafenstein zum Kampfgebiet, als am 14. und 15. Dezember 1918 ein südslawischer Angriff auf Klagenfurt abgewehrt wurde. Bei der Kärntner Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 stimmten in Grafenstein 88,1 % für einen Verbleib bei Österreich.
Bei der Gemeindestrukturreform 1973 wurde Grafenstein um Teile des Gebiets der aufgelösten Ortsgemeinde Mieger erweitert. 1990 wurde Grafenstein das Recht zur Führung der Bezeichnung „Marktgemeinde“ verliehen.
Bevölkerung Nach der Volkszählung 2001 hat die Gemeinde Grafenstein 2.602 Einwohner, davon besitzen 97,1 % die österreichische Staatsbürgerschaft. Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 90,1 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 2,8 %, ohne religiöses Bekenntnis sind 5,5 %.
Bevölkerungsentwicklung
Der slowenische Dialekt Die Gemeinde Grafenstein zählt historisch zum slowenischen Dialektbereich (Mundart) des Klagenfurter Feldes (poljanski govor oz. poljanščina Celovškega Polja), der ein Übergangsdialekt zwischen den slowenischen Dialekten des Jauntals (podjunščina) und des Rosentals (rožanščina) ist. Als besondere Variante des slowenischen Rosentaler Dialekts hat ihn bereits Johann Scheinigg 1882 identifiziert, was in der dialektologischen Studie von Katja Sturm-Schnabl aufgrund von Feldforschungen bestätigt werden konnte. Scheinigg unterteilt in seinem Werk „Die Assimilation…“ den slowenischen Rosentaler Dialekt in drei geographische Gebiete: Das Untere Rosental, das Obere Rosental sowie die Klagenfurter Ebene. Zum letztgenannten Gebiet meint er: „…Die dritte Unter-Mundart herrscht in der Ebene um Klagenfurt (kl.), sie hat mit der ersten die Aussprache des e und o gemein, unterscheidet sich aber von den beiden vorhergehenden durch die häufige Zurückziehung des Accentes, wo ihn jene auf den Endsilben haben; dies gilt namentlich vom Neutrum der Substantive und Adjektive, z. B. […]“.Johann Scheinigg, Die Assimilation im Rosenthaler Dialekt, Ein Beitrag zur Kärntner-Slovenischen Dialektforschung. Erschienen in XXXII Programm des k.k. Staatsgymn zu Klagenfurt 1882. zitiert nach: Katja Sturm-Schnabl, Die slowenischen Mundarten und Mundartreste im Klagenfurter Becken, phil. Diss., Wien 1973, 287 S.(Zitat Seite 33).
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Autobahnkirche Dolina
Burg Altgrafenstein Schloss Grafenstein Schloss Pakein Schloss Riedenegg in Lind Schloss Saager Katholische Pfarrkirche Grafenstein: Der Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche wurde 1116 geweiht und war eine Eigenkirche der Edlen von Lungau. Sie wurde wegen Baufälligkeit wiederaufgebaut und ging 1158 an das Gurker Domkapitel. Die Kirche ist ein einschiffiger, romanischer Bau mit Chorturm, polygonalem Chor und barocken Kapellenanbauten an der Nord- und Südseite. Der Turm hat spitzbogige Schallfenster und einen ZwiebelhelmDehio-Handbuch Kärnten, Wien 2001, S. 236 Katholische Filialkirche Saager hl. Anna Katholische Pfarrkirche St. Peter bei Grafenstein Katholische Filialkirche Thon hl. Oswald Katholische Filialkirche Hl. Maria im Walde in Dolina (Autobahnkirche) war einst eine beliebte und bedeutende slowenische, heute zweisprachige WallfahrtskircheStefan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Dekanates Tainach. Klagenfurt/Celovec [e.a.] 1995.Odilo Hajnšek: Marijine božje poti. v Celovcu 1971
Abwehrkämpfer-Bildstöcke Lerchbaumerkreuz bei Lind Pinterkreuz bei Thon Studentenkreuz bei Klein Venedig Gedenktafel am Wirtschaftsgebäude Korpitsch bei Schulterndorf Kriegerdenkmal am Kirchplatz in Grafenstein
Kunstwerke Brunnen mit der Plastik „Jakob ringt mit dem Engel“ vom Bildhauer Jan Milan Krkoška auf dem Kirchplatz in Grafenstein „Der Stier“ von Prof. Wu Shaoxiang in Pakein (auf Initiative des Kunstförderers Gfrerer des Schlosses Pakein) „Vier Bilder des Lebens“ (1993/94) von Ernst Gradischnig in Pakein (auf Initiative des Kunstförderers Gfrerer des Schlosses Pakein) „Der gute Wächter“ von Karl Brandstätter im Kreisverkehr vor dem Marktgemeindeamt
Kunsthandwerk In Grafenstein ist Österreichs letzte Handziegelei, in der Bodenfliesen – die Grafensteiner Platte – händisch „geschlagen“ werden, in Betrieb. Alois Falkinger hat die alte Ziegelfabrik von der Familie Orsini-Rosenberg in den 90er Jahren übernommen und damit ein altes Handwerk gerettet. Denkmalgeschützte Gebäude in den Alpen wie das Heihsgut wurden mit diesem besonderen Boden traditionell ausgestattet.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Grafensteiner Landesstraße (L107) zweigt von der B 70 (Verbindung Klagenfurt nach Völkermarkt) östlich der Gurkerbrücke nahe Schloss Rain von der Packerstraße ab und führt direkt nach Grafenstein. Am Kreisverkehr vor dem Marktgemeindeamt führt die Route in südlicher Richtung weiter bis zur Annabrücke, Gallizien und Eisenkappel. Vom ÖR-Valentin-Deutschmann-Platz führt die L116 in östliche Richtung nach Tainach und Sankt Kanzian am Klopeinersee. Außerdem führt vom Marktgemeindeamt die L102 in westliche Richtung und verbindet die Ortschaft Truttendorf mit der L100, der Miegerer Straße in Ebenthal in Kärnten.
Einschneidende Maßnahmen erforderte der Bau der Koralmbahn, die künftig die Landeshauptstädte Klagenfurt und Graz miteinander verbinden wird: Die Tieferlegung der Trasse erforderte die Beseitigung von Industriegebäuden; die alte Bahnschrankenanlage wurde durch eine Straßenüberführung ersetzt.
Medizinische Versorgung Die Marktgemeinde Grafenstein verfügt über eine Apotheke, zwei Kassenärzte für Allgemeinmedizin, eine Zahnärztin sowie Wahlärzte für Allgemeinchirurgie, Innere Medizin und Orthopädie. Mittels eines neuen, 2020 fertiggestellten Gesundheitszentrums Grafenstein mit Arztpraxen und Apotheke wird die Versorgung östlich der Landeshauptstadt Klagenfurt ausgebaut.
Nahversorgung Der Ort verfügt über ein Lagerhaus, einen Spar-Markt, einen Billa-Markt, sowie einen Bäcker und einen Fleischhauer. Industrie In Grafenstein liegt das Kraftwerk Annabrücke, ein Laufkraftwerk an der Drau.
Politik mini|Marktgemeindeamt in Grafenstein Gemeinderat Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder.
Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 1985: Liste Deutschmann (ÖVP) 14, SPÖ 4, FPÖ 1. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 1991: Liste Deutschmann (ÖVP) 10, SPÖ 4, FPÖ 3, GFG 2. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 1997: Liste Deutschmann (ÖVP) 10, FPÖ 4, SPÖ 3, GFG 2. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2003: Liste Deutschmann (ÖVP) 11, FPÖ 5, SPÖ 3. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2009: BZÖ 9, Liste Deutschmann (ÖVP) 8, SPÖ 2. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2015: Liste Deutschmann (ÖVP) 11, SPÖ 3, BA 3, FPÖ 2. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2021: Liste Deutschmann (ÖVP) 11, SPÖ 3, BA 3, FPÖ 3.
Bürgermeister
1958–2008 Valentin Deutschmann (ÖVP) seit 2008 Stefan Deutschmann (ÖVP)
Wappen Als Vorlage für das Wappen der Gemeinde diente das Siegel des Heinrich von Grafenstein, das an Urkunden aus den Jahren 1239 und 1240 erhalten ist. Es wurde der Gemeinde am 1. September 1954 verliehen und hat folgende Blasonierung: „Ein roter Schild, in welchem aus einer goldenen, mit fünf sichtbaren Perlenzinken gezierten Krone ein silberner goldbezungter Wolf hervorwächst.“zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 122 Die Fahne ist Rot-Gelb mit eingearbeitetem Wappen.
Persönlichkeiten mini|Oswald Gutsmann, Deutsch-windisches Wörterbuch, Klagenfurt 1789
Söhne und Töchter der Gemeinde
Oswald Gutsmann/ Ožbalt Gutsman (1727–1790), slowenischer Lexikograf und Sprachwissenschaftler, Autor bedeutender WerkeMarija Mitrović: Geschichte der slowenischen Literatur, Von den Anfängen bis zur Gegenwart, aus dem Serbokroatischen übersetzt und ergänzt von Katja Sturm-Schnabl, Hermagoras, Klagenfurt/Celovec 2001, S. 89 f. Franz Xaver Luschin (1781–1854), Fürstbischof von Trient 1824–1834, Erzbischof von Lemberg 1834–1835 und Fürsterzbischof von Görz 1835–1854, geboren am Sonnenhof vulgo Luschin in Hum 18 Gustav von Metnitz (1862–1915), Bürgermeister von Klagenfurt 1909–1915, geboren im Schloss Rain bei Grafenstein Michael Nagele (1884–1969), Politiker (SPÖ) und Bundesbahnbeamter Valentin Deutschmann (1928–2010), Landwirt und Politiker (ÖVP), Bürgermeister von Grafenstein 1958–2008 Peter Barac (1964–2025), Fußballspieler Stephan Stückler (* 1985), Fußballspieler
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
Bernhard Gritsch (* 1963), Rauchfangkehrermeister und Politiker (FPK, früher FPÖ bzw. BZÖ) Giselbert Hoke (1927–2015), Bildhauer und Maler, hatte sich im Schloss Saager ein Domizil und Atelier geschaffen. Helmut Nikel (* 1966), Politiker (BZÖ) Stephan Michael Tauschitz (* 1978), Beamter und Politiker (ÖVP)
Literatur Peter Orasch: Marktgemeinde Grafenstein. Festschrift zur Markterhebung. Klagenfurt 1990.
Weblinks
Marktgemeinde Grafenstein
Einzelnachweise
Kategorie:Ersterwähnung 890