mini|500px|Das Paradiesbollwerk (Bildmitte) und das Leonhardsbollwerk (Hintergrund links) der dritten Stadtbefestigung vom Platzspitz aus gesehen. Rechts das Niederdorftor und der Ketzerturm der zweiten Stadtbefestigung. Radierung von Johann Balthasar Bullinger, 1770

Die Stadtmauer bzw. die Stadtbefestigung von Zürich entstand in mehreren Schritten zwischen dem 13. und dem 18. Jahrhundert und wurde im 19. Jahrhundert bis auf wenige kleinere Reste wieder vollständig beseitigt.

Siehe auch: Liste von Fachbegriffen im Festungsbau

Die erste Stadtbefestigung Die erste Stadtbefestigung aus dem 11./12. Jahrhundert ist erst teilweise erforscht. Sie verlief links der Limmat vom Lindenhof, auf der damals noch eine Pfalz stand, entlang der Kuttelgasse zur heutigen Bahnhofstrasse und bog bei der Kappelergasse ab zum damals noch weiter westlich verlaufenden Ufer des Zürichsees. Rechts der Limmat vermutlich entlang der Kirchgasse zum Hirschengraben, dann entlang des Seilergrabens bis zur Gräbligasse, wo sie zur Limmat hinunterlief.

Die älteste Befestigung des Lindenhofs geht noch auf die Römerzeit zurück. Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. scheint ein römischer Militärposten in Turicum bestanden zu haben. In der spätrömischen Zeit wurde ein Kastell mit zehn Türmen auf dem Hügel errichtet. Das Kastell bestand bis ins Frühmittelalter, als auf seinen Grundmauern eine karolingische, später eine ottonische Pfalz errichtet wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Pfalz aber erst 1054. Über die karolingische Pfalz ist so gut wie nichts bekannt oder archäologisch belegt. Die zweite, ottonische Pfalz aus dem 10./11. Jahrhundert ist besser belegt. Sie war eines der Zentren des Herzogtums Schwaben und wies ein Palastgebäude und eine Kapelle auf. Im 11./12. Jahrhundert wurde der Komplex in eine Burg umgebaut, die 1172 zum letzten Mal erwähnt wurde. Ob die Anlage nach dem Aussterben der Zähringer 1218 planmässig zerstört wurde oder als Steinbruch dienend allmählich verschwunden ist, lässt sich nicht sicher belegen.

Die zweite Stadtbefestigung mini|Blick über den Hirschen- und Seilergraben zum Kronentor um 1750. Gut sichtbar das System von Mauer, Graben und Gegenmauer

Die zweite Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert ist durch mehrere Pläne und zeitgenössische Abbildungen, etwa den Murerplan, gut dokumentiert. Sie folgte links der Limmat vom Bahnhofquai (beim Mühlesteg) aus der Werdmühlestrasse über den Werdmühleplatz zur Einmündung des Rennwegs in die Bahnhofstrasse, verlief dann entlang der Bahnhofstrasse bis zur Börsenstrasse, die ehemals das Ufer zum Zürichsee bildete. Auf der rechten Limmatseite begannen die Befestigungen beim heutigen Hotel Bellevue und führten entlang der Torgasse auf den Hügel über der Rämistrasse zum Hirschengraben via Seilergraben bis zum Central.

Im 16. Jahrhundert wurden vereinzelt Bollwerke als Verstärkungen bzw. Modernisierungen der Anlage der zweiten Stadtbefestigung errichtet. Das bekannteste und grösste davon war das Rennwegbollwerk, das nach dem Vorbild des Kastells von Mailand konstruiert worden sein soll. Ab 1620 liess der Stadtrat Pläne zu einer Neubefestigung anfertigen, aber bis 1638 wurden wiederum nur vereinzelt Verstärkungen an den alten Anlagen vorgenommen, indem sog. Vorwerke zur Verstärkung der alten Türme angebaut wurden.

Die Gesamtlänge der Mauern betrug ca. 2400 Meter. Die Mauern waren gegen elf Meter hoch und bis zu 2,7 Meter dick. Sie wurden durch 16 Türme verstärkt, wovon fünf als Stadttore dienten. Gegen den See hin wurde die Stadt durch eine doppelte Reihe Palisaden geschützt, den sogenannten «Schwirren».Eine doppelte Reihe von Palisaden schützte den Limmatabfluss auf Seeseite, die «Schwirren». Allgemein als Schwirren bezeichnet werden Seeuferbefestigungen in Ufernähe, die das Anlanden feindlicher Schiffe verhindern sollten – die bedeutendsten sind bei Arth, Brunnen und Stansstad. Sie sind von Letzinen abgeleitet, welche zumeist in Form von Hecken, Holzzäunen, Palisaden und später Steinmauern mit Gräben, topographische Besonderheiten nutzten. Als Durchgang diente ein spezielles Tor im Wasser, das Grendeltor. Teilweise waren auch Häuser oder Häuserreihen in die Stadtmauer verbaut, etwa beim Oetenbachkloster, beim Kappelerhof oder in der Torgasse. Die ummauerte Fläche betrug etwa 38 Hektar und umfasste neben dem Siedlungsraum und den sechs Klöstern auch Weinberge und Gartenanlagen sowie Werkhöfe und den Hafen. Der links der Limmat gelegene Abschnitt der Mauer wurde durch Wassergräben, den Fröschengraben sowie den Sihlgraben verstärkt. Weil dies auf der rechten Seite der Limmat nicht möglich war, wurde unterhalb der Mauer ein tiefer Graben sowie ein kleinerer Wall, gefolgt von einem zweiten, weniger tiefer Graben angelegt. Beim Wollishoferturm und beim Wolfsturm wurden Wasserläufe durch die Mauern geleitet.

Türme und Tore der Stadtmauer rechts der Limmat mini|links|Prellstein aus dem 1652 explodierten Geissturm an der Winkelwiese (siehe kolorierter Murerplan arabische Ziffern 1–10) mini|500px|Nachträglich kolorierte Version des Murerplan von Jos Murer von 1576. Gelb die Mauer und Türme der zweiten Stadtbefestigung, orange die Adelstürme mini|Das Rennwegtor mit dem im 16. Jahrhundert hinzugefügten Bollwerk. Ähnliche Beispiele dieser ersten Verstärkung der mittelalterlichen Befestigung finden sich beim Lindentor und beim Ketzistürli mini|Das Neumarkttor mit dem im 17. Jahrhundert hinzugefügten Vorwerk. Ähnliche Beispiele dieser zweiten Verstärkung der mittelalterlichen Befestigung finden sich beim Ketzerturm und beim Niederdorftor Grendeltor, erbaut Mitte des 15. Jahrhunderts, diente als Durchgang durch das aus «Schwirren»Von mittelhochdeutsch swir ‚Uferpfahl‘; siehe Schweizerisches Idiotikon Bd. IX Sp. 2132, Artikel Schwir, besonders Bedeutung 1aλ Spalte 2137. gebildete, «Grendel»Von althochdeutsch grintil bzw. mittelhochdeutsch grindel, grendel ‚Riegel, Querbalken, -stange, Barrikade, Deichsel, Pflugbaum‘; Weiteres siehe Schweizerisches Idiotikon Bd. II Sp. 757, Artikel Grendel, Bed. 1. genannte Palisadenwerk. Wächterwohnung in Riegelwerk (sog. «Grendelhütte») über dem Torbogen aus Quadern, Zugang über eine an die Ringmauer angelehnte Treppe, abgebrochen 1836. Langenörlisturm oder Fischers- bzw. Salzturm (2), erstmals erwähnt 1444, später nur noch als «Salzturm» bezeichnet, bildete das untere Ende der Torgasse und war zuerst an das Lochmannsche Haus dann ans Haus zum Egli angebaut, abgebrochen 1889. Bollwerk am Dorf (3), 1525 erbaut zur Verstärkung der südlichen Befestigung, nahe daneben das sog. «Kohlenpörtchen», 1671 Umbau zum Salzmagazin, abgebrochen 1881. Oberdorftor (4), erstmals erwähnt 1266, mit Fallbrücke, Durchgang in Richtung Rapperswil, Innenseite ursprünglich offen, später zugemauert, nach 1580 mit Uhr, abgebrochen 1812. Geissturm (5) oder Pulverturm, diente als Pulverlager, da er der am weitesten von der städtischen Siedlung entfernte Turm war, Explosion 1652 durch Blitzschlag, anstelle des Turms wurde ein Pavillon errichtet. Lindentor oder Junkerntor (6), erstmals erwähnt 1149, «Lindentor» nach den auf dem Wall gepflanzten Linden, Durchgang in Richtung Hottingen, ursprünglicher, innenseitig offener Turm 1580 abgebrochen und ersetzt durch ein Bollwerk mit zwei Rondellen, «Junkerntor» wohl wegen nahe liegenden Residenzen wohlhabender Familien, abgebrochen 1813. Angebaut das feste Haus zum Engel oder St. Michaels Pfrundhaus, 1580 abgebrochen. Schrättelisturm oder Wolfsturm (7), seit 1576 «Wolfsturm» (nach dem Wolfsbach, der beim Turm in die Stadt geleitet wurde), diente u. a. zur Lagerung von Munition und Pulver, abgebrochen 1784. Neumarkt- oder Kronentor (8), erstmals erwähnt 1257, Durchgang Richtung Winterthur («Obere Strasse»), 1340 «Neumarktsturm», 1404 «Neumarktstor», nach 1637 «Kronentor» (nach dem Wirtshaus «zur Krone»), mit Fallbrücke, 1629 Verstärkung von Torturm und Torhaus mit Vorwerk, abgebrochen mit anliegendem Haus «zum Kronentor» 1827. Ketzerturm oder Neuer Turm (9), selten auch Gräblisturm (nach der Gräbligasse), 1314 erstmals erwähnt, seit 1526 «Neuer Turm», ab 1588 «Ketzerturm», diente zur Aufbewahrung von militärischer Ausrüstung und als Gefängnis (u. a. für die Täufer), seit 1543 mit der alten Turmuhr von St. Peter versehen, 1631 Verstärkung durch Bollwerk, abgebrochen 1878. Niederdorftor (10), erstmals erwähnt 1270, mit Fallbrücke, Durchgang in Richtung Schaffhausen und Eglisau («Untere Strasse»), 1629–33 Verstärkung durch ein Vorwerk, seit 1675 mit Uhr, abgebrochen 1824.

Türme und Tore der Stadtmauer links der Limmat (siehe kolorierter Murerplan arabische Ziffern 11–23)

Oetenbachbollwerk (11), erbaut 1532 anstelle einer hölzernen Befestigung im Garten des ehemaligen Klosters Oetenbach, zuerst offenes Rondell, 1642 mit einem Dach versehen, 1764 Umnutzung als Ökonomiegebäude des neu errichteten Waisenhauses, abgebrochen 1903. Beim Abbruch wurde der Grabstein von Ulrich von Regensberg gefunden, dessen Rückseite als Fenstersims verwendet worden war. Oetenbacherturm und Oetenbacher Amtshaus (12), ersterer erbaut ca. 1292 als Abtrittturm, 1545 ausgebaut und erhöht, mit zwei weiten von Strebepfeilern gestützten Bogen über das Wasser gebaut, mit einer dreistöckigen gedeckten Brücke mit dem Kloster verbunden, 1772 teilweise 1813 ganz abgebrochen. Rennwegtor bzw. Rennwegbollwerk (13), erstmals erwähnt 1355, Teil der Stadterweiterung nach Westen, löste das Kecinstürlin als wichtigsten Durchgang nach Westen zur Brücke bei St. Jakob an der Sihl ab (Landstrasse nach Baden), abgebrochen und ersetzt durch ein Bollwerk 1521, zwei Rondellen mit Tor und Wächterhaus, beide Rondellen später mit einem Dach überdeckt, 1789 Errichtung einer steinernen Brücke über den Fröschengraben, abgebrochen 1865. Neuturm, Kuttelturm oder Käuffelerturm (14), erstmals erwähnt 1224, am unteren Ende der Kuttelgasse (ursprünglich «Neue Gasse», da aus dem um 1300 gefüllten Graben der ersten Stadtbefestigung entstanden), abgebrochen 1816. Ketzistürli und Turm beim Ketzistürli bzw. Augustinerbollwerk (15), erstmals erwähnt 1224, ursprünglich der Hauptdurchgang in Richtung Westen zur Brücke bei St. Jakob an der Sihl (Landstrasse nach Baden), 1575 mit einem Bollwerk ersetzt, eine Rondelle mit Tor, später überdacht, abgebrochen 1812/13. Augustinerturm (16), erstmals erwähnt 1315, abgebrochen 1811. Hartmannsturm oder Löwenturm (17), erstmals erwähnt 1444, abgebrochen 1816. Wollishoferturm (18) und Wollishofertürchen, Türchen erstmals erwähnt 1293, Turm 1444, 1576 wurde der Durchgang in den Turm verlegt, ab 1650 Katzentor, seit 1630 mit Uhr, 1788 Errichtung einer steinernen Brücke über den Fröschengraben, abgebrochen 1815. Äbtissinnenturm oder Werkhofturm (19), erstmals erwähnt 1444, abgebrochen 1829. Kappelerhof (20), erstmals erwähnt 1270, Amtshaus des Klosters Kappel, abgebrochen 1878. Kratzturm (21), erstmals erwähnt 1293, seit 1444 «Kratzturm» (nach dem Quartier «Kratz»), 1621 durch das Bollwerk «am Spitz» verstärkt, 1803 Anbau eines Gesellschaftshauses, abgebrochen 1877 (Verlängerung der Bahnhofstrasse). Ravelin im Kratz (22), erbaut 1541, ein Rondell ohne Dach, 1583–1586 Anbau des städtischen Bauhauses, Erhöhung und Überdachung des Rondells, abgebrochen 1886. Wellenberg (23), diente als Gefängnis, 1778 Anbau eines Vorgebäudes auf der Nordseite mit zwei Verhörzimmern, 1799 teilweise ausgebrannt, abgebrochen 1837.

Adelstürme beidseits der Limmat (siehe kolorierter Murerplan römische Ziffern I–IX) mini|hochkant|Der dunkle Mülnerturm auf der rechten Seite des Platzes

Mülner- oder Schwerttürme (I), aus dem 13. Jahrhundert, Wohnsitz der Ritterfamilie Mülner, ehemaliges Hotel und heutiges Wohnhaus zum Schwert beinhaltet zwei ehemalige Türme an der West (Vorderer Schwertturm) und an der Nordseite (Hinterer Schwertturm) des Gebäudekomplexes, Türme als Teil des Wohnhauses bis heute erhalten.