Die Handley Page H.P.67 Hastings war ein viermotoriges Transportflugzeug der britischen Handley Page Aircraft Company. Der Tiefdecker mit einziehbarem Spornradfahrwerk und Druckkabine war zu ihrer Zeit das größte speziell für die Royal Air Force konstruierte Transportflugzeug und löste die Avro York als Standard-Langstreckentransporter ab. Vier der 151 gebauten Maschinen erhielt die Royal New Zealand Air Force.

Geschichte mini|Prototyp Nach dem Erstflug des ersten Prototyps am 7. Mai 1946 sowie eines weiteren ein halbes Jahr später wurden in den folgenden Jahren vom RAF Transport Command insgesamt 143 Maschinen übernommen. Die Indienststellung dieser Flugzeuge erfolgte noch rechtzeitig vor Beginn der Berliner Luftbrücke im Juni 1948, die bis Mai 1949 andauern sollte.

Der erste Verband war ab 1948 die 47. Squadron auf dem Militärflugplatz RAF Dishforth. Hastings waren bei elf Staffeln des Transport Commands und einer im Bereich des RAF Coastal Commands im Einsatz. Sie dienten auch bei der Middle und der Far East Air Force. Neben der 47. Staffel waren die 24., 36., 47., 48., 53., 70., 99., 114., 116., 202., 297. und 511. Squadron mit der Transportversion ausgerüstet. Hinzu kamen diverse Schul- und Umschuleinheiten. Das Royal Aircraft Establishment nutzte Hastings zur Wetterforschung.

Bis zu ihrer Ablösung durch die Lockheed Hercules 1967/68 standen die Hastings beim Transport Command im Einsatz. Einige wenige Flugzeuge standen bei der No. 90 Group des Strike Command noch länger im Dienst.

Die letzte Hastings T.Mk.5 wurde am 30. Juli 1977 bei Radar Flight der 230. Umschuleinheit in RAF Scampton außer Dienst gestellt.Jackson, Paul. "The Hastings. Last of a Transport Line". In: Air Enthusiast 40, September-December 1989. Bromley, Kent:Tri-Service Press. pp. 1–7,47—52.

Die vier Maschinen der Royal New Zealand Air Force flogen bei der 41. und später bei der 40. Squadron. mini|H.P. Hastings, Exponat vor dem AlliiertenMuseum in Berlin mini|Hastings C2

Versionen Hastings C.Mk.1: Basisversion; 94 Exemplare gebaut Hastings C.Mk.1A: Die C.Mk.1 wurden später auf den C.Mk.2 Standard umgerüstet und als C.Mk.1A bezeichnet Hastings Met.Mk.1: Version zur Wetterbeobachtung durch das Met Office; 16 umgebaute C.Mk.1 Hastings C.Mk.2: Die zweite Serie C.Mk.2 wurde ab 1950 in einer Stückzahl von 43 Maschinen mit stärkeren Triebwerken und einigen anderen Änderungen, insbesondere einem etwas tiefer gesetzten Leitwerk für eine verbesserte Aerodynamik, gebaut. Hastings C.Mk.3: Version für die Royal New Zealand Air Force; 4 Exemplare gebaut Hastings C.Mk.4: Vier Maschinen wurden mit einer VIP-Innenausstattung versehen als Typ C.Mk.4 eingesetzt. Hastings T.Mk.5: Acht Hastings C.Mk.1 wurden 1959 durch Einbau von radargesteuerten Bombenzielgeräten und anderer Ausrüstung in Schulungsmaschinen T.Mk.5 umgebaut. Sie dienten zur Ausbildung von Besatzungen der Avro Vulcan.

Militärische Nutzung

Royal New Zealand Air Force

Royal Air Force Royal Aircraft Establishment

Zwischenfälle Vom Erstflug im Mai 1946 bis zur Außerdienststellung 1977 kam es mit Handley Page Hastings bei der Royal Air Force zu 34 Totalverlusten mit 115 Toten. Der einzige weitere Betreiber, die Royal New Zealand Air Force, verlor ein Flugzeug, jedoch ohne Todesopfer.Unfallstatistik HP Hastings, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2024. Vollständige Liste:

Am 2. Oktober 1948 kollidierte eine Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (Luftfahrzeugkennzeichen TG519) bei einem Anflug mit 3 laufenden Motoren auf den Militärflugplatz RAF Dishforth (England) mit Bäumen. Sie setzte vor der Landebahn auf, wodurch das Fahrwerk abgerissen wurde. Das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt. Alle Insassen überlebten den Unfall. Dies war der erste Totalverlust einer Handley Page Hastings.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 80.

Am 6. April 1949 fing eine Hastings C.1 der Royal Air Force (TG534) auf dem Militärflugplatz Schleswigland beim Anlassen der Triebwerke Feuer. Die Maschine war für die Berliner Luftbrücke im Einsatz. Als Ursache wurde eine Treibstoffleckage festgestellt. Die Besatzung blieb unverletzt, das Flugzeug wurde zerstört.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 87.Unfallbericht HP Hastings TG534, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 7. März 2019.

Am 16. Juli 1949 stürzte eine Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG611) kurz nach dem Start vom Flughafen Berlin-Tegel ab, da die Trimmung des Höhenruders falsch eingestellt war. Alle 5 Besatzungsmitglieder, die einzigen Insassen, wurden getötet. Es war der erste Unfall einer Hastings mit Todesopfern.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 90.

Am 26. September 1949 riss von einer Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG499) der unten eingehängte Frachtbehälter ab und traf das Heck. Die Maschine geriet außer Kontrolle und stürzte bei Beacon Hill (Vereinigtes Königreich) ab. Alle 3 Besatzungsmitglieder, die einzigen Insassen, kamen ums Leben.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 93.

Am 31. Juli 1950 setzte eine Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG583) bei der Landung auf dem Militärflugplatz RAF Dishforth (England) vor der Landebahn auf und fing Feuer. Alle vier Besatzungsmitglieder, die einzigen Insassen, überlebten den Unfall.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 104.

Am 20. Dezember 1950 löste sich von einer Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG574) im Reiseflug über dem Mittelmeer in 8500 Fuß (2600 Metern) Höhe ein Propellerblatt vom Triebwerk Nr. 2, schlitzte den Rumpf auf, durchschnitt mehrere Steuerseile und tötete den im Ruhequartier befindlichen Ersten Offizier. Durch die Unwucht löste sich das Triebwerk aus seinen Halterungen und fiel ins Meer. Der Kommandant wich zum Flughafen Bengasi-Benina (Italienisch-Libyen) aus. Im Endanflug berührte das Flugzeug einen Hügel aus Felsen und Sand, wodurch es auf den Rücken kippte. Von den 34 Insassen kamen fünf Besatzungsmitglieder ums Leben, die beiden anderen sowie alle 27 Passagiere überlebten.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 109.

Am 19. März 1951 wurden mit einer Handley Page Hastings C.2 der Royal Air Force (WD478) mehrere Flüge vom Militärflugplatz RAF Strubby (England) durchgeführt. Bei einem der Starts stieg die Maschine steil in die Höhe, es kam zum Strömungsabriss und Absturz. Auslöser dafür war offensichtlich, dass die Trimmung des Höhenruders voll nach oben eingestellt worden war. Von den 8 Insassen wurden 3 Besatzungsmitglieder getötet, die anderen beiden und die drei Passagiere überlebten.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 112.

Am 12. April 1951 verunglückte eine Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG552) bei der Landung auf der RAF Station Negombo (heute Bandaranaike International Airport) (Ceylon). Sie geriet nach links von der Landebahn ab, machte einen Ringelpiez und wurde irreparabel beschädigt. Alle vier Besatzungsmitglieder überlebten den Unfall.

Am 14. März 1952 verunglückte eine Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG562) beim Start vom Militärflugplatz RAF Fayid (Ägypten). Das Flugzeug wurde zerstört oder irreparabel beschädigt. Es hatte zwei Strahltriebwerke für Reparaturen in England geladen. Alle vier Besatzungsmitglieder überlebten den Unfall.

Am 16. Juni 1952 schlug eine Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG603) bei der Landung auf dem Flughafen Malta-Luqa neben der Landebahn auf und wurde irreparabel beschädigt. Möglicherweise war ein Höhenruderbolzen gebrochen. Alle Insassen überlebten den Unfall.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4.

Am 16. September 1952 wurde eine Handley Page Hastings C.2 der Royal Air Force (WD492) beim Abwurf von Versorgungsgütern aus nur 15 Metern Flughöhe 1,6 Kilometer südlich des Northice Camp (Grönland) in den Boden geflogen. Start- und Zielort der Hastings war die Thule Air Base. Trotz dieses CFIT (Controlled flight into terrain) überlebten alle 12 Insassen, Besatzungsmitglieder und Passagiere, den Unfall.

Am 12. Januar 1953 stieg eine Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG602) in steilen Kurven nach dem Start vom Militärflugplatz RAF Shallufa (Ägypten) nach oben. In etwa 600 Metern Höhe brach das rechte Höhenruder ab, gefolgt vom linken und von der gesamten Schwanzflosse. Das Flugzeug stürzte außer Kontrolle ab. Die Untersuchungen ergaben, dass der vorgeschriebene Austausch durch Bolzen mit größerem Durchmesser im Heckbereich durch die Wartungstechniker nicht durchgeführt worden war. Alle 9 Insassen, fünf Besatzungsmitglieder und 4 Passagiere, wurden getötet.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 139.

Am 22. Juni 1953 stieg eine Handley Page Hastings C.2 der Royal Air Force (WJ335) gleich nach dem Abheben von der Luftwaffenbasis RAF Abingdon (England) sehr steil nach oben. In etwa 90 Metern Höhe kam es zum Strömungsabriss und das Flugzeug stürzte zu Boden. Alle 6 Besatzungsmitglieder wurden getötet. Das Flugzeug wurde zerstört. Bei der Unfalluntersuchung wurde festgestellt, dass die Ruderverriegelung für das Höhenruder nicht entfernt worden war.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 146.James J. Halley: Royal Air Force Aircraft WA100 to WZ999. Air-Britain (Historians), Tonbridge, 2003, ISBN 0 85130 321 8, S. 64.

Am 22. Juli 1953 fielen an einer Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG613) 90 Minuten nach dem Start und 224 Kilometer vom Militärflugplatz RAF Idris (Libyen) entfernt drei der vier Triebwerke aus. Dadurch wurde eine Notwasserung unvermeidlich, bei der beide Tragflächen abgerissen wurden. Alle Insassen, Besatzungsmitglieder und Passagiere, wurden von einem Schiff aufgenommen und überlebten den Unfall, sechs davon verletzt. „Ölschlucken“ der Motoren schien ein möglicher Grund für den Ausfall der drei Motoren nacheinander zu sein.

Am 27. Juli 1953 geriet eine Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG564) kurz vor der Landung auf dem Flughafen Hongkong-Kai Tak in eine Windscherung. Dadurch schlug ihr Hauptfahrwerk gegen eine Hütte kurz vor der Landebahn. Die Maschine stürzte dann neben die Landebahn und ging in Flammen auf. Beide Piloten, die einzigen Insassen, überlebten den Unfall, jedoch wurde eine Person am Boden getötet.James J. Halley: Royal Air Force Aircraft MA100 to MZ999. Air-Britain (Historians), Tonbridge, 1991, ISBN 0 85130 194 0.

Am 9. Oktober 1953 kollidierte eine Handley Page Hastings C.1 der Royal Air Force (TG559) beim nächtlichen Anflug auf den Militärflugplatz RAF Abingdon (England) im Nebel mit dem Gelände. Eine Tragfläche grub sich in den Boden und brach ab. Das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt. Alle Insassen überlebten den Unfall.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 151.James J. Halley: Royal Air Force Aircraft SA100 to VZ999. Air-Britain (Historians), Tonbridge, 1985, ISBN 0 85130 136 3, S. 40.