mini|hochkant|St. Stephanus von Hans Memling

Der Stefanitag, Stephanstag, Stephanitag, Stefanstag, seltener Stephanustag oder Tag des Erzmärtyrers Stephanus,Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands und Evangelische Kirche der Union (Hrsg.): Evangelisches Gottesdienstbuch, Agende für die Evangelische Kirche der Union und für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, 5. Aufl., Berlin: Verlagsgem. Evang. Gottesdienstbuch 2012, ISBN 978-3-7859-0933-1, S. 416. wird am 26. Dezember als Fest () oder Gedenktag des heiligen Diakons Stephanus gefeiert. Er gilt als erster christlicher Märtyrer, weswegen sein Gedenktag meist in der liturgischen Farbe Rot zelebriert wird.

Verbreitung Das Fest des ersten christlichen Märtyrers Stephanus am 26. Dezember ist im Osten schon im 4. Jahrhundert bezeugtBieritz, Karl-Heinrich: Das Kirchenjahr: Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart, 2. Aufl., Berlin: Union-Verlag 1988, ISBN 978-3-372-00012-0, S. 190. und verbreitete sich zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert in der Ost- und Westkirche. Das Weihnachtsfest erhielt in der Liturgie erst später, frühestens ab dem 8. Jahrhundert, eine Oktav, in der aber die in diese Zeit fallenden Heiligenfeste, die (lateinisch für „Begleiter Christi“), erhalten blieben: Stephanus, Johannes der Evangelist (27. Dezember) und die Unschuldigen Kinder (28. Dezember). Anton Faber, Dompfarrer des Wiener Stephansdoms befand im Dezember 2016, dass der „Stefanitag [uns erinnert], dass Weihnachten nicht nur ein Fest der frommen Besinnung ist, sondern auch der Bereitschaft, bis zum Schluss am Glauben festzuhalten“.

In evangelischen Gemeinden in Deutschland wird an diesem Tag in manchen Gottesdiensten an Stephanus gedacht, da „das Gedächtnis des Erzmärtyrers Stephanus […] eine längere Tradition als das Weihnachtsfest [hat]. Es soll nicht völlig vom zweiten Weihnachtstag verdrängt werden, sondern nach Möglichkeit in einem Gottesdienst dieses Tages (eventuell am Abend) begangen werden.“ Andere Agenden wie die in Baden (1995), in der Pfalz (2006) oder die Reformierte Liturgie (1999) sehen dies nicht ausdrücklich vor. In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wird seit dem Jahr 2007 am Tag des Erzmärtyrers Stephanus der „Gebetstag für verfolgte Christen“ begangen. Seit 2012 wird auch in den deutschen römisch-katholischen Diözesen der Stephanustag als „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“ begangen.

Stephanstag als Feiertag in der Schweiz Der Stephanstag ist in folgenden Kantonen ein gesetzlich anerkannter Feiertag:Gesetzliche Feiertage und Tage, die in der Schweiz wie gesetzliche Feiertage behandelt werden / Jours fériés légaux ou considérés comme tels en Suisse / Giorni festivi legali o considerati tali in Svizzera, Stand 1. Januar 2011, Bundesamt für Justiz BJ, Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPD – auf admin.ch Datenbanken online. Zürich Bern Luzern UriDer Stephanstag wird nicht gefeiert, wenn der Weihnachtstag auf einen Montag oder Freitag fällt. vgl. Gesetzliche Feiertage und Tage, die in der Schweiz wie gesetzliche Feiertage behandelt werden / Jours fériés légaux ou considérés comme tels en Suisse / Giorni festivi legali o considerati tali in Svizzera. Schwyz Glarus Basel-Stadt und Basel-Landschaft Schaffhausen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden St. Gallen Graubünden Thurgau Tessin

In einzelnen Gemeinden des Kantons Solothurn ist der Stephanstag ein gesetzlich anerkannter Feiertag.vgl. Gesetzliche Feiertage und Tage, die in der Schweiz wie gesetzliche Feiertage behandelt werden / Jours fériés légaux ou considérés comme tels en Suisse / Giorni festivi legali o considerati tali in Svizzera, S. 15.

In einigen Kantonen wird der Stephanstag wie ein gesetzlicher Feiertag behandelt: Obwalden Nidwalden Zug Freiburg Solothurn Wallis

Liturgie Der Stephanustag wird in der Liturgie der römisch-katholischen Kirche, der Altkatholischen Kirche, der Anglikanischen Kirche, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche als Gedenktag des Martyriums des heiligen Diakons Stephanus gefeiert. Die liturgische Farbe des Tages ist dementsprechend rot. Die Vesper am Abend ist jedoch in der römisch-katholischen Kirche während der Weihnachtsoktav vom Weihnachtsfest zu nehmen und in weißer Farbe zu feiern. Obwohl er in den evangelischen Kirchen in der Regel durch den zweiten Weihnachtsfeiertag verdrängt wird, hält auch die Perikopenordnung nach der Revision von 2018 an einem eigenen Proprium fest, das jenes des Christfests II ersetzen kann.Perikopenbuch: nach der Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder: mit Einführungstexten zu den Sonn- und Feiertagen. 3. Auflage, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt GmbH, 2019, S. 675–687. Außerdem „kann auch der verfolgten Christinnen und Christen in unserer Zeit gedacht werden“.Perikopenbuch: nach der Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder: mit Einführungstexten zu den Sonn- und Feiertagen. 3. Auflage, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt GmbH, 2019, nach S. 684.

Die Lesungen stammen aus der Apostelgeschichte über Wirken und Martyrium des Stephanus (katholisch: , ; evangelisch: , ), das Evangelium aus Matthäus (katholisch: , evangelisch: ).

Fällt der 26. Dezember auf einen Sonntag, wird in der römisch-katholischen Kirche das Fest des heiligen Stephanus vom Fest der Heiligen Familie verdrängt, ausgenommen in der Erzdiözese Wien, wo stets das Fest des Patrons der Kathedrale Stephanus gefeiert wird (→ Stephansdom).

In der griechisch-orthodoxen Kirche, der rumänisch-orthodoxen KircheSfântul Ştefan, primul martir al Bisericii, celebrat pe 27 decembrie, Digi24, 26. Dezember 2023. und der bulgarisch-orthodoxen Kirche wird der Stephanstag am 27. Dezember gefeiert, in der serbisch-orthodoxen Kirche am 9. Januar.

Brauchtum Das europäische Stephanus-Brauchtum steht in enger Verbindung zu dem Winter-Brauchtum und ist erstmals seit der Zeit Karls des Großen bezeugt (Stephanus-Minne, Stephanus-Wasser, Stephanus-Hafer-Segnung).Gerhard Hotze, Michaela Zelzer, Hans J. Limburg: Artikel „Stephanus“, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Band 9, Freiburg, Basel, Wien 2009, durchgesehene Ausgabe der 3. Auflage 1993–2001, Sp. 958–959. In römisch-katholisch geprägten Gegenden existierten bis weit in das 20. Jahrhundert zahlreiche Bräuche, die am 26. Dezember auf die Person des Heiligen, dessen (überlieferte) Biographie und insbesondere dessen Todesumstände Bezug nehmen. So etwa das „Stephanus-Steinigen“, das bestimmte Trinkrituale vor allem der männlichen Bevölkerung nach dem Kirchgang bezeichnet.„Ich sehe den Himmel offen“: Der erste Märtyrer der Christenheit, Stephanus, Beitrag vom 26. Dezember 2011 im Deutschlandfunk Kultur. Zum Teil werden diese Bräuche in reduzierter Form auch noch im 21. Jahrhundert gepflegt.

In Oberhaching nahe München findet seit 1978 jährlich der Stephaniritt statt, der mit Pferden und Fuhrwerken dreimal um die Pfarrkirche St. Stephan führt.

Weitere Tagesbenennungen In Deutschland wird der Stefanitag als Zweiter Weihnachtsfeiertag bezeichnet, in der Schweiz entweder als Stephanstag oder als Zweiter Weihnachtstag und im Commonwealth of Nations als Boxing Day.

In Österreich wird ausschließlich die Bezeichnung Stefanitag verwendet,Brauchtum in Oberösterreich. während in der Schweiz die Form Stephanstag üblich ist., Stand 1. Januar 2011, Bundesamt für Justiz BJ, Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPD – auf admin.ch.

Die Niederlande bezeichnen den Festtag als , in Italien wird er genannt. In Irland ist der 26. Dezember ein gesetzlicher Feiertag und wird auf Englisch genannt. Auf Irisch heißt er entweder (Tag der Stephansfeier) oder (Tag des Zaunkönigs/Schneekönigs).

Siehe auch Good King Wenceslas

Literatur Klaus Beitl: Stephanus, Erzmärtyrer, II. Verehrungsgeschichte, III. Volksverehrung. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Bd. 9. Herder, Freiburg im Breisgau 1964, Sp. 1051–1052. Jürgen Küster: Wörterbuch der Feste und Bräuche im Jahreslauf. Eine Einführung in den Festkalender (= Herderbücherei. Bd. 1177). Herder, Freiburg im Breisgau 1985, ISBN 3-451-08177-6, S. 176–178.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Feiertag in der Schweiz Kategorie:Weihnachten Kategorie:Gedenk-, Feier- oder Aktionstag im Dezember Kategorie:Stephanus Kategorie:Heiligenfest