Stiletto Studios, kurz Stiletto, bürgerlich Frank Schreiner (* 1959 in Rüsselsheim), ist ein deutscher Autorendesigner des Neuen Deutschen Design.
Leben mini|Stühle 1983 Von 1980 bis 1981 studierte Stiletto Maschinenbau an der TU Berlin. Von 1982 bis 1986 folgte ein Studium der visuellen Kommunikation an der Hochschule der Künste Berlin. Ab 1982 war er Teilnehmerhttps://www.thing.de/projekte/7:9%23/horobin_apt_9_lemon.html#@1503-1511http://idioideo.pleintekst.nl/Book1982Wurzburg.html und Mitveranstalterhttps://www.stewarthomesociety.org/neoism/deff.htm mehrerer neoistischer Festivals. 1988 war er Meisterschüler in der Klasse von Nam June Paik an der Kunstakademie Düsseldorf und Artist in Residence am MoMA PS1 in New York.
Sein künstlerischer Schwerpunkt lag ursprünglich auf der Verwendung von Büro-, Hobby- und Heimwerkertechnik für Mail Art, Copy Art, selbstverlegerische Künstlerbücher, Sofortbildkunst, No-Budget-Film, stereoskopische Fotografie und selbstentwickelte DIY-3D-Copygrafik, Bricolage-, AV- und später zeitweilig auch holografische Installationen.
Stilettos bekannteste Arbeit ist der Consumer’s Rest Lounge Chair von 1983, ein an Charles Eames’ Wire Chair und Harry Bertoias Diamond Chair angelehnter „umgedrehter“ Freischwinger-Drahtsessel, der als kritisch-ironische Designsimulation nach dem Prinzip des Objet trouvé aus einem durch minimale Eingriffe transformierten Supermarkt-Einkaufswagen entstand. Erstmals durch Veröffentlichungen des Designkritikers Christian Borngräber wurde Stiletto mit diesem und anderen Objekten ab 1985 als Künstler des Neuen Deutschen Designs bekannt.Kunstforum International, Bd. 82, 1986, „Das deutsche Avantgarde-Design“, Hrsg.: Christian Borngräber, S. 130–143 (Kapitel Stiletto) ()
Zuvor war Stiletto im Umfeld der Postpunk-Kultur des damaligen West-Berlin als Medienkünstler mit Kurzfilmen in der Experimentalfilmfestivalszene wie dem Internationalen Experimentalfilm Workshop Osnabrück präsent gewesen. Er filmte z. B. mit Super-8-Kameras, die von einem Aussichtsturm geworfen und dabei zerstört wurden (Camerakiller von 1984), oder mockumentierte eine Motorrad-Rennfahrt durch seine Ladenwohnung (FORMEL Super VIII von 1982, der 1983 mit einer zeitgleichen Motorradfahrt durch den Saal des Arsenal-Kinos auf dem Internationalen Forum des Jungen Films der Berlinale aufgeführt wurde).Erläuterung zur Filmvorführung und Buchpräsentation Wer sagt denn, dass Beton nicht brennt, hast Du's probiert?, 2008 im Kino Arsenal (Memento vom 25. Januar 2018 im Internet Archive)
Interaktive Rauminstallationen wie Kaffee Sendeschluß und TV-Diner, die unter anderem 1991 auf der Ars Electronica und 1994 in der Berliner Akademie der Künste gezeigt wurden, verbinden Kaffeehaus-artige Kommunikationsräume mit totaler, für die Gäste sowohl unmittelbar sichtbarer Videoüberwachung, als auch „unsichtbarer“ Audioüberwachung durch über den Tischen hängenden Mikrophonen, deren Präsenz durch eine camp-artige Tarnung mit billigen Plastik-Lampenschirmchen verblüffend wirksam verharmlost wurde. Die Videoinstallationen, ironisch „interpassiv“ genannt, konnten von Besuchern auch als „Speakers’ Corner“ genannte Video-Redetribünen für unzensierte sofortige Fernsehübertragungen durch den Offenen Kanal Berlin genutzt werden.Stiletto Studio's: „Das Testbild als interpassive Kommunikationsdienstleistung“ in: Durchblick Nr. 11, Zeitschrift des Offenen Kanals Berlin, II/1994Berichte von tENTATIVELY, a cONVENIENCE über Stilettos Design Hospital Projekte Blau-Milch Kanal/Kaffee Sendeschluß, TV Hospital, 1994, Akademie der Künste, Berlin; Projektbeschreibungen 177 bis 183, (auf Seven by Nine Squares homepage)Illustrierte Kurzbeschreibungen durch die künstlerische Mitarbeiterin verschiedener Projekte von Stiletto, Kerstin Quitsch, 1988–2004X 94 – Junge Kunst und Kultur, Stiletto Studio's: Der „Blaumilchkanal“, S. 122–123, Akademie der Künste, Berlin, 1994, ISBN 3-929139-56-1Letter from Florian Cramer to Stewart Home of 25/10/95 über eine von vielen „interpassiven“ „Schlafgastschlafs“-Kabelfernsehliveübertragungen von der „Offenen Couch“ des „Kaffee Sendeschluß“tENTATIVELY, a cONVENIENCE über den Begriff der Interpassivität in einer Buchkritik über Florian Cramers Buch „Anti-Media“
Seit den 1990er Jahren betreibt er hauptberuflich ein DESIGN VERTReiB genanntes Beleuchtungskörper-Bauunternehmen.
Einzelausstellungen (Auswahl) 1987: Stiletto – Kraft durch Design, Prodomo, Wien, 1989: Stiletto Studios „FUNC“, Willoughby Sharp Gallery, New York City
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) 1986: Gefühlscollagen – Wohnen von Sinnen, Kunstmuseum Düsseldorf, Bonnefantenmuseum, Maastricht u. a. 1987: Möbel als Kunstobjekt, Künstlerwerkstatt Lothringerstrasse, München 1988: Les avant-gardes du mobilier: Berlin, Centre Georges-Pompidou, Galerie Neotu, Paris (Katalogpublikation des Internationalen Design Zentrums, Berlin)Dokumentation der Ausstellung Les avant-gardes du mobilier: Berlin mit Plakatabbildung (Motiv Consumer’s Rest) auf der Internetseite des Centre Georges Pompidou, abgerufen am 18. April 2018 1998–2009: bewußt, einfach, Vitra Design Museum, Weil am Rhein u. a., weltweite Wanderausstellung des ifa (ifa-eigene Katalogpublikation erschienen) 2012: Century of the Child: Growing by Design, 1900–2000, Museum of Modern Art (MoMA), New York City (Katalog Thames & Hudson Verlag, London 2012, ISBN 978-0-87070-826-8)Seite des Museum of Modern Art, New York Abbildung Short Rest und Kurztext über Stilettos Multiples Consumer’s Rest Lounge Chair und Short Rest im Rahmen der MoMA- Ausstellung Century of the Child, 2012 2014–2015: Schrill Bizarr Brachial. Das Neue Deutsche Design der 80er Jahre, Bröhan-Museum, Berlin 2017–2018: Driven by German Design, im Rahmen von Germany Qatar 2017 – Year of Culture, Auswärtiges Amt, Goethe-Institut, Volkswagen AG und Qatar Museums, Al Riwaq Gallery, Doha, KatarMartin Roth et al. [Hrsg.]: German Design – Glossary, S. 119, Koenig Books, London 2018, ISBN 978-3-96098-279-1 (designdidaktische Arbeitsbroschüre der Volkswagen Group in Zusammenarbeit mit den Qatar Museums)
Ausstellungsgestaltung, Kunstprojektentwicklungen, Installationen und Kuratorentätigkeit (Auswahl) 1991: prodomo Design Hospital, Projektinitiator, Kurator und Teilnehmer (von Stiletto eingeladene weitere Teilnehmer: Art d’Ameublement, Käthe Be, Kain Karawahn, Paul Lincoln, X99), Prodomo, Wien (prodomo-eigene Katalogpublikation erschienen) 1991: TV-Diner, Out of Control (zusammen mit Kerstin Quitsch, Art d’Ameublement = Rena Tangens und padeluun, Käthe Be, Kain Karawahn, Paul Lincoln, X99 u. v. a. Künstler), Ars Electronica, Linz (Katalog ISBN 3-85329-907-5)Stiletto Studios [Red.]: prodomo Design Hospital, Hrsg.: Peter Teichgräber, Katalog Nr. 13, Prodomo, Wien 1991Seite der ars electronica 1991 zu Stilettos Projekt TV Diner (English version)TV-Bericht über das Projekt TV-Diner 1992: Motorräder aus Zschopau – Das Sichtbarmachen des Vorhandenen, Projektleitung zu Ausstellung, Werkstattperformanceevent und Podiumsdiskussion; Veranstalter und Ausstellungsort im Rahmen der Design Horizonte: Rat für Formgebung, Frankfurt/Main 1994: Kaffee Sendeschluß im TV-Hospital, zweimonatige Kaffeehaus-Installation mit täglich fünfzehnstündiger überwachungskamerabasierter Dauerbild- und -tonübertragung über ISDN in das Berliner Kabelfernsehnetz via Offener Kanal; Projektinitiator, Kurator und Redakteur (von Stiletto eingeladene weitere Teilnehmer: Jeder, der wollte oder es nicht merkte, auf Sendung zu sein; außerdem: Kerstin Quitsch, tENTATIVELY, a cONVENIENCE, Axel Jagemann († 2016) It’s a Bollerman’s World, The International Funny Farm = Laura Kikauka und Gordon Monahan u. v. a. Künstler und Störenfriede), im Rahmen von X94 – Junge Kunst und Kultur, Akademie der Künste am Hanseatenweg, Berlin (Katalog ISBN 3-929139-56-1) 1996–1997: „Gsellmann’sche Weltmaschine“, stereoskopische Fotoinstallation, gemeinsam mit P. Russek, zur Ausstellung Austria im Rosennetz von Harald Szeemann, Museum für angewandte Kunst (Wien), Kunsthaus Zürich, Palais des Beaux-Arts de Bruxelles
Vorträge, Workshops und Performances (Auswahl) 1988: Workshop auf dem Festival of Plagiarism an der Hochschule für Bildende Künste BraunschweigStewart Home Erwähnung des Festival of Plagiarism an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig vom 8. bis 10. Juni 1988 1992: Motorräder aus Zschopau – Das Sichtbarmachen des Vorhandenen, Werkstattperformanceevent und Podiumsdiskussion; Veranstalter und Ausstellungsort im Rahmen der Design Horizonte: Rat für Formgebung, Frankfurt/Main 2001: „Design – Problem oder Lösung?!“ Laudatio von Stiletto zur Verleihung des Designpreis Rheinland-Pfalz 2001Stiletto: „Design – Problem oder Lösung?!“, Laudatio zur Verleihung des Designpreises Rheinland-Pfalz am 6. Dezember 2001, Seite des Designforums Rheinland-Pfalz (descom), (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) 2013: „Kritisches zur Lampenindustrie und Praktisches zur Lichtqualität“, Public Domain 161, Digitalcourage e. V., Bunker Ulmenwall, Bielefeldhttps://digitalcourage.de/public-domain/public-domain-161-mehr-licht 2010, 2016: designkritische Vorträge auf Einladung des Verbands Deutscher Industriedesigner (VDID) in Stuttgart und BerlinAnkündigungstext zur VDID-Vortragsveranstaltung „Sind Maker die retromodernen Consumer der Zukunft?“, Galerie erster erster, Berlin 2016, Villa Grisebach, Berlin 2016 Berlin
Filmographie (Auswahl) FORMEL Super VIII, Experimental-Dokumentar-Kurzfilm eines Motorradrennens durch Stilettos Ladenwohnung mit einer Soundcollage aus einer martialischen Rundfunkmoderation eines Automobilrennens auf dem Nürburgring, dem Großen Preis von Deutschland von 1932, separat auf Musikkassette geschnitten (später auf Kopie auf Tonspur angelegt); Super 8, Farbe, Ton, 1:20 min, 1982 Über Nacht berühmt, Mail Art-Super8-Filmkompilation, 46 45-Sekunden-Kurzfilm- und Trailer-Beiträge von Robert Quitta, Jörg Buttgereit, Dietmar Brehm, Unternehmen von der Hand in den Mund, Peter Tscherkassky, Michael Krause, Hans Dieter Huber, Michael Brinntrupp, Boris Nieslony, Stiletto, Anarchistische GummiZelle, Lisl Ponger (in der Reihe der Beitragsabfolge) u. v. a., Konzept und Koproduktion stiletto studios, Super 8, Farbe, Ton, 34 min, 1983Über Nacht berühmt Film in voller Länge https://www.youtube.com/watch?v=lZfMOzz03ng DIY-FilmentwicklungenMichael Brynntrup: Jesus – Der Film – Das Buch, S. 39ff, 44ff, 62ff, Verlag Vorwerk 8, Berlin, 2014, ISBN 978-3-940384-58-4, Filmtricks und eigene Jesuswunder-Filmepisoden: Blindenheilung (Co-Regie, Kamera, Effekte), 1:30 min; Jesus und die Fischer (Drehbuch, Regie, Kamera, Schnitt, Darsteller, Spezialeffekte: Wandeln über das Wasser), 4:21 min; Die wundersame Brotvermehrung (Drehbuch, Regie, Kamera, Animationseffekte, Schnitt), 1:47 min; Einzug in Jerusalem (Darsteller, Stop-Motion-Effekte), 3:18 min; Das letzte Abendmahl (Darsteller, Effekte), 7:15 min; alle für Jesus – Der Film, Episoden-„Monumentalfilm auf Super-8“, initiiert von Michael Brynntrup, Super 8, s/w, Ton, 127 min, 1986
Veröffentlichungen (Auswahl) Über Nacht berühmt (Hrsg.), 45Sekunden-Super8-Filmmagazin, Eigenverlag, Berlin 1983https://www.lomholtmailartarchive.dk/networkers/stiletto/1984-00-00-stilettohttps://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=idn%3D551164514 Brennholzdesign, ein philosophischer Dialog mit dem Anarchodesigner und Politkünstler Christian Specht über „Bastel-Kunst“, in: Christian Borngräber (Hrsg.): Berliner Design-Handbuch, Merve Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-88396-055-1, S. 83–88.Helmut Höge über „Holzjournalismus“ in seiner Laudatio zu Christian Spechts 40. Geburtstag, taz, 6. Januar 2009, (online auf taz.de) prodomo Design Hospital (Red.), Hrsg.: Peter Teichgräber, Kunstkatalog Nr. 13, Prodomo, Wien 1991 Mythos Motorrad – zum Design der wundersamen Zweitakter aus Zschopau in Design Horizonte, Frankfurt/Main 1992