mini|Bela krajina mit dem Fluss Kulpa, im Bildhintergrund das Gebirge Gorjanci mini|Lage der Region Bela krajina in Slowenien mini|Ein für die Bela krajina typischer Steljnik, wo Adlerfarn als Einstreu () für Ställe angebaut wurde Die Weißkrain (), deutsch auch Weiße Mark (im Mittelalter Grafschaft Möttling, Mark von Metlika bzw. Grafschaft in der Mark und Metlika), ist eine der historischen Landschaften (Pokrajina) in Slowenien. Sie war als Teil des Kronlandes Krain ein Teil der Österreichischen Monarchie (Cisleithanien). Der Fluss Kulpa und das Gorjanci-Gebirge stellten die Grenze zur östlichen ungarischen Reichshälfte (Transleithanien) dar.
Geographie Die Landschaft der Bela Krajna ist eine niedrig gelegene Karstebene: 48 % der Oberfläche liegen in einem Höhenbereich von 100 bis 200 m. Das Gelände ist geprägt von niedrigen Karsthügeln, zahlreichen flachen Dolinen und ausgedehnten Birkenwäldern. Der Hauptfluss ist die Kolpa mit ihren Nebenflüssen Lahinja, Dobličica und Krupa.
Im Westen geht die Ebene direkt in die Poljanska Gora über. Das Gebiet wird im Norden und Westen durch das Gorjanci-Gebirge und den Gebirgszug Kočevski Rog sowie im Süden und Osten durch den Fluss Kolpa/Kupa begrenzt, der auch Teil der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien ist.
Die südöstlichen und östlichen Teile zeichnen sich durch Reliefoffenheit und den Übergang zu den pannonischen Regionen des benachbarten Kroatiens aus. Durch diese Lage herrscht in der Bela Krajna die pannonischen Klimamerkmale vor – in deutlichem Unterschied zu den anderen slowenischen Regionen.
Ortschaften Auf dem Gebiet der Bela krajina liegen drei Gemeinden: Metlika, Semič und Črnomelj.
Rohstoffe Braunkohle In Kanižarica bei Črnomelj gibt es Braunkohlevorkommen. Die Kohle wurde ab 1857 unter Tage in einem Bergwerk abgebaut, das 1997 geschlossen wurde. Nun ist auf dem Gelände ein Museum mit Ausstellung zum Kohlebergbau und einem begehbaren Stollen als kleines Besucherbergwerk eingerichtet worden.
Bauxit In der Ortschaft Hrast bei Vinica gibt es einen der größten Fundorte von Bauxit in der Bela krajina, die allerdings insgesamt zu gering sind, um wirtschaftlich ausgebeutet zu werden. Beim Weiher Krivača gibt es eine Fundstelle mit Lehrtafel.Andreja Škedel Petrič, Zavod RS za varstvo narave, OE Novo mesto, Nahajališče boksita Hrast pri Vinici "v novi preobleki" (dt. Bauxitfundort Hrast bei Vinica erneuert), Dolensjki list, 29. November 2018, S. 22
Geschichte Kelten und Römer Um den Ort Podzemelj herum finden sich keltische Hügelgräber. Überreste einer keltischen Siedlung findet man auf dem Hügel Kučar, an dessen Fuß die Orte Podzemelj und Zemelj liegen. Aufgrund der geologischen Gegebenheiten sind die Grabbeigaben stark verwittert. Im Jahre 2018 wurde bei Bauarbeiten auf einem Feld in Podzemelj eine Goldmünze gefunden. Auf dieser keltischen Nachahmung ist Alexander der Große abgebildet. Bereits im Jahre 1930 fand man bei Grabungen eine Urne, die aber zerstört worden ist.V grobu številka 11 je bil skrit zlatnik (dt. Im Grab Nr. 11 war eine Goldmünze versteckt), Dolenjski list, 20. Dezember 2018, S. 1
Bei Rožanec ist im Wald ein Mithräum aus dem 2. Jahrhundert vorhanden. An der Wand eines aufgelassenen Steinbruchs ist ein Relief zu sehen, das zu einer Kultstätte gehörte. Durch sauren Regen und Bewuchs mit Flechten und Moos ist das Relief in den letzten Jahrzehnten verfallen, eine Kopie von 1953 ist im Regionalmuseum der Weißkrain „Belokranjski muzej“ in Metlika zu sehen.
Kroatisches Königreich Das Gebiet der heutigen Bela krajina erscheint unter diesem Namen erst ab dem Jahre 1288 in alten Dokumenten. Es gehörte einst zum ungarisch-kroatischen Königreich. Die Besiedelung durch Slowenen wurde durch Urwälder und Gebirge behindert. Im Gegensatz dazu war das Gebiet nach Süden und Westen offen für die Besiedelung durch Kroaten bis zum 12. Jahrhundert; als der deutsche Adel dieses Gebiet besetzte, war es unter allen Gesichtspunkten als kroatisch zu bezeichnen.Dušan Kos: Bela krajina v poznem srednjem veku (deutsch: Die Bela krajina im späten Mittelalter), Zveza zgodovinskih društev Slovenije, Ljubljana 1987.
Österreichische Monarchie Anfang des 12. Jahrhunderts verlief die Grenze der Windischen Mark und der Mark Krain zu Ungarn und Kroatien am Oberlauf der Krka und nördlich der Gorjanci. Etwa um 1127 (bis 1131) begannen die Grafen von Weichselberg gemeinsam mit dem Spanheimer Bernhard von Trixen und den Truppen des Erzbistums Salzburg eine Offensive gegen Ungarn, dessen Streitkräfte sie jenseits der Flüsse Kolpa (kroatisch Kupa) und Bregana (südlich der Gorjanci) zurückdrängten. Irgendwann zwischen den Jahren 1135 und 1172 wurde das Gebiet der heutigen Bela krajina den Kroaten entrissen. Aus den von den Grafen von Weichselberg eroberten Gebieten in den Grenzen Poljanska Gora im Westen, entlang der Kolpa bis zu den westlichen Ausläufern der Gorjanci im Osten entstand dadurch die Bela krajina.
In späteren Zeiten gibt es in der Bela krajina keine Nachweis von kroatischen Feudalherren mehr. Im 13. Jahrhundert begannen beide Parteien mit einer intensiven Kolonisierung beiderseits der Kolpa. Hierbei spielte der deutsche Ritterorden in der Bela krajina eine wichtige Rolle. Die Kolpa wurde als Grenze anerkannt, was der Bela krajina im Mittelalter zu einer stabilen Grenze verhalf.
Die Bela krajina wird häufig als Teil der Region Dolenjska betrachtet. Das ist historisch gesehen aber nur insoweit sinnvoll, als die Herrscher der Dolenjska auch über die Bela krajina geherrscht haben. Es ist also eine rein politische Sichtweise. Diese recht einseitige Betrachtung lässt aber wichtige kulturelle (der Einfluss Kroatiens und die ursprüngliche Besiedelung durch Kroaten), soziologische (Vermischung der Bevölkerung), klimatische aber auch wichtige geschichtliche Differenzen (Einwanderung von Uskoken und anderen Flüchtlingen) zwischen der Bela krajina und der Dolenjska außer Acht.
Hierzu führen die Historiker Peter Štih und Vasko Simoniti von der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana an, dass die „Grafschaft in der Mark und Metlika“, welche vor allem die heutige Bela krajina umfasst, unter den Habsburgern bis zum 16. Jahrhundert ihre Eigenständigkeit bewahrte. Obwohl sich ihr Herrschaftsbereich durch die Erbschaft der Besitzungen des Görzer Grafen Alberts III. im Jahre 1374 bis an die Kolpa erweiterte, schlossen sie die Grafschaft in der Mark und Metlika ihren Krainer Besitzungen nie an, sondern bestätigten deren Privilegien aus dem Jahre 1365. Die Grafschaft bewahrte sich somit durch das Mittelalter hindurch ihre rechtliche Souveränität. Erst im Jahre 1593 bestätigte Kaiser Rudolf II. die Privilegien von Krain, der Mark und Istriens gemeinsam in einem Dokument.Peter Štih, Vasko Simoniti: Slovenska zgodovina od prazgodovinskih kultur do konca 18. stoletja-Na stičišču svetov (deutsch: Slowenische Geschichte von der vorzeitlichen Kulturen bis zum Ende des 18. Jhd. - An der Nahtstelle der Welten), Verlag Modrijan, Ljubljana 2010, S. 118.
Verwaltungsgliederung zu k. u. k.-Zeiten Zusammen mit dem Gerichtsbezirk Tschernembl (Črnomelj) bildete der Gerichtsbezirk Möttling den politischen Bezirk Tschernembl.
Burgen und Schlösser Im Gegensatz zum rechten Ufer der Kolpa, das durch Sumpfgebiete, Wälder und Brachland eine Art von natürlichem Verteidigungsgürtel besaß, hatte die Bela krajina nichts dergleichen. Erst die bewaldeten Gorjanci boten dem dahinterliegenden Gebiet der Unterkrain einen natürlichen Schutzwall gegen Einfälle aus dem Süden.
Eine ihrer wichtigsten Burgen lag ab dem 14. Jahrhundert im heutigen Metlika (deutsch: Möttling), wodurch auch Grafschaft Möttling oder Mark von Metlika zu lesen ist. Als Grenzland hatte die Bela krajina früher viele Burgen, die jedoch durch Kriege zerstört wurden. Weitere Burgen und Festungen bzw. deren Überreste befinden sich beispielsweise in Črnomelj, Gradac und Vinica. Die davon historisch bedeutendste und größte Burg Pobrežje, wurde im Zweiten Weltkrieg durch Brände stark beschädigt und nach dem Krieg zerstört. Nur noch fragmentarische Überreste können heute besichtigt werden.
Bevölkerung Die Zusammensetzung der Bevölkerung spiegelt die Geschichte wider. Es gab immer auch einen kroatischen Einfluss, es gibt natürlich viele ethnisch gemischte Ehen zwischen Kroaten und Slowenen. Als Besonderheit in Slowenien bestehen auch heute noch ethnisch ziemlich homogene serbische Dörfer, deren uskokische Vorfahren als Wehrbauern entlang der Kolpa bzw. damaligen Militärgrenze angesiedelt wurden. Hierzu zählen die Dörfer Marindol, Žuniči, Miliči, Paunoviči und Bojanci.Alenka Misja Zgaga, 1408: Prišli so Turki, za njimi Uskoki, Belokranjska dediščina (dt. „Es kamen die Türken, nach ihnen die Uskoken, das Weißkrainer Erbe“), Belokranjski muzej (Weißkrainer Museum), Ausstellungskatalog, Metlika 2008, S. 35. Weiterhin gibt es eine verhältnismäßig starke Romabevölkerung. Zum Teil sind die Roma gut integriert, zum Teil aber auch sehr schlecht. Der Lebensstandard der Roma ist sehr unterschiedlich. In den Romasiedlungen findet man einerseits sehr schöne Häuser, andererseits aber auch baufällige Hütten. Teilweise sind die Romasiedlungen überhaupt nicht an die öffentliche Infrastruktur angebunden, wie z. B. Trinkwasserversorgung, Stromnetz oder Kanalisation. Die Siedlungen wurden oft illegal errichtet, und nicht überall wurden sie legalisiert. Es werden viele Ursachen für die Nichtintegration aufgeführt, unter anderem auch die mangelnde Bereitschaft der Roma, sich zu integrieren. Andererseits wird von diesen angeführt, dass die gemachten Integrations- bzw. Hilfsangebote unpassend seien bzw. auch, dass es zu wenig sozialen Wohnraum für Romafamilien gäbe, die meist viele Mitglieder umfassen. Teilweise wehren sich Dorfgemeinschaften erbittert, wenn eine Romafamilie sich dort ansiedeln möchte, wie z. B. im Falle des Ortes Vranoviči.M. Bezek-Jakše: Sedemčlanska družina pod polivinilom - Bo tik pred zimo trma popustila? (dt. „Eine siebenköpfige Familie unter Plastikfolien - wird kurz vor dem Winter die Sturheit nachlassen?“), Beilage Dolenske Novice in Dolensjki list, 17. Oktober 2013, S. 22.
Das Verhältnis zu den benachbarten Kroaten auf der anderen Seite der Kolpa kann man als durchaus gut nachbarschaftlich bezeichnen. Im Gegensatz zu anderen Grenzgebieten gab es nie größere Probleme oder gar Grenzstreitigkeiten. Bei Hochzeiten spielt die Grenze keine Rolle. Auch Beschäftigung finden vor allem die Kroaten in Betrieben in der Bela krajina und in Novo mesto.
Ethnologisches Schatzkästlein Die Bela krajina gilt als ethnologisches Schatzkästlein Sloweniens. Unter anderem deswegen, weil sich hier noch viele alte Bräuche, wie beispielsweise das Jurjevanje-Fest, erhalten und verschiedene Kulturkreise berührt und vermischt haben (Slowenen, Kroaten, Uskoken). Das Jurjevanje-Fest wird am 24. April (Sankt Georgstag) begangen. Es ist ein Frühlingsfest: Ein junger Mann wird mit grünen Baumzweigen vollkommen verkleidet und von einer Trachtengruppe begleitet. Die verschiedenen Kultureinflüsse zeigen sich vor allem in den unterschiedlichen hier gesprochenen Dialekten. Während der Dialekt in der Gegend von Semič sehr an die Mundart in der Region Dolenjska um Novo mesto herum erinnert, verwendet man in der Gegend von Adlešiči bis nach Vinica an der Kolpa schon sehr viele kroatische Ausdrücke. Die Ursachen dafür, dass sich diese „Eigentümlichkeiten“ erhalten haben, liegen darin, dass diese Gegend bedingt durch die geographischen Gegebenheiten lange Zeit schwer erreichbar war. Nach Norden und Westen wird die Bela krajina von den Gebirgszügen Gorjanci und Kočevski Rog vom restlichen Slowenien abgetrennt, nach Süden und Osten hin vom Fluss Kolpa. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz geschah beispielsweise erst vor ca. 100 Jahren, und noch heute ist die Straßenanbindung über das Gorjanci-Gebirge nach Novo mesto unzulänglich.
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