Der Dunenspecht (Dryobates pubescens, Syn.: Picoides pubescens) aus der Unterfamilie der Echten Spechte (Picinae) ist der kleinste nordamerikanische Specht. Die in Nordamerika weit verbreitete Art ist sehr nahe mit dem Texasspecht (Dryobates scalaris) und mit dem Nuttallspecht (Dryobates nuttallii) verwandt.Amy C. Weibel, William S. Moore: Molecular Phylogeny of a Cosmopolitan Group of Woodpeckers (Genus Picoides) Based on COI and cyt b Mitochondrial Gene Sequences. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Vol. 22, No. 1, Januar 2002, S. 65–75. Linnés Erstbeschreibung lagen Zeichnungen und Beschreibungen von Mark Catesby zugrunde, der dieser Art auch ihren englischen Namen Downy Woodpecker gab. Wahrscheinlich war das flauschige, weiße Gefiederareal am mittleren Rücken für diese Namensgebung ausschlaggebend.Jackson et al. Introduction Dunenspechte kommen in unterschiedlichsten Habitaten von der arktischen Baumtundra bis zu immergrünen, subtropischen Sumpflandschaften an der Golfküste und flussbegleitenden Gehölzen in semiariden Gebieten Südwestkaliforniens und Arizonas vor. Sie nisten meist in selbstgezimmerten Höhlen und ernähren sich vornehmlich von Insekten. Laut IUCN ist die Art ungefährdet.Factsheet auf BirdLife International

Beschreibung mini|hochkant=1|Dunenspecht, Männchen mini|hochkant=1|Dunenspecht, Weibchen Der Dunenspecht ist ein sehr kleiner, stark kontrastierend schwarz-weiß gezeichneter Specht, der mit einer Körpermasse von bis zu 27 Gramm und einer maximalen Größe von 17 Zentimetern in Bezug auf Gewicht und Größe mit dem paläarktischen Kleinspecht vergleichbar ist. Die Spannweite liegt bei 30 Zentimetern.David Sibley: Field Guide to the Birds of Eastern America. Christopher Helm, London 2003, ISBN 0-7136-6657-9, S. 248. Charakteristisch ist das reinweiße, flauschige Gefiederareal, das zentral vom oberen zum unteren Rücken verläuft.

Die Geschlechter unterscheiden sich im Bezug auf die Färbung nur durch den kleinen roten Nackenfleck des Männchens, der beim Weibchen fehlt. Weibchen sind meist etwas schwerer und etwas langflügeliger. Jungvögel mausern im ersten Herbst ins Adultgefieder. Im ersten Immaturkleid ähneln sie bereits sehr stark ausgefärbten Individuen, tragen aber meist in beiden Geschlechtern eine rote, oft mit deutlichen schwarzen Schaftstreifen durchsetzte Stirn- und Scheitelzeichnung. Insgesamt ist der Schwarz-Weiß-Kontrast bei Jungvögeln weniger ausgeprägt, in den schwarzen Gefiederbereichen können Brauntöne auftreten, in den weißen cremefarbene oder graue. Eine Geschlechtsbestimmung immaturer Dunenspechte ist feldornithologisch meist nicht möglich.

Aussehen (Nominatform) Die Oberseite ist von einer relativ breiten, reinweißen Gefiederzone gekennzeichnet, die über den gesamten zentralen Rücken verläuft. Der untere Rücken ist auf schwarzem Grund deutlich weiß gebändert. Die zentralen, verlängerten Steuerfedern sind auf der Oberseite schwarz, die äußeren sind weiß, meist mit einigen schwarzen Bänderungen oder Tropfenzeichnungen an ihren Rändern. Die Schultern sind weitgehend ungezeichnet schwarz, die Armdecken auf schwarzem Grund tropfenförmig weiß gezeichnet. Diese Weißzeichnungen können ineinander fließen und große weiße Felder bilden. Die Arm- und Handschwingen sind meist dreifach weiß gebändert.

Die gesamte Unterseite ist rein weiß, manchmal auch leicht gräulich, nur in der Steißregion können feine schwarze Strichelungen erkennbar sein.

Der Kopf ist deutlich kontrastierend schwarz-weiß gezeichnet. Die buntspechttypische Rotzeichnung ist bei dieser Art auf einen kleinen roten Nackenfleck des Männchens reduziert. Stirn und Oberkopf sind schwarz; vom oberen Augenrand verläuft ein weißer Streifen zum schwarzen Nackenband hin, der von einem breiten schwarzen Areal begrenzt wird, das sich über Augen und Ohrdecken erstreckt und auch den Nacken umschließt. Darauf folgt wieder ein weißer Gefiederabschnitt, der am oberen Schnabelansatz beginnt und sich verbreiternd zum Nacken und Oberrücken hin verläuft. Der deutliche Malarstreif ist schwarz, die Kehle wieder weiß. Die Borsten über dem Schnabelansatz sind sehr ausgeprägt. Der Schnabel ist grauschwarz, kurz und spitz. Die Iris ist schwarz, die vierzehigen Beine sind hellgrau.

Dunenspechte fliegen in einem typisch bogenförmigen Spechtflug mit einer Vortriebsphase von 5 – 6 tief durchgezogenen Flügelschlägen, auf die eine Fallphase mit angelegten Flügeln folgt.

Lautäußerungen Wie die meisten Arten dieser Gattung ist auch der Dunenspecht während der Herbstbalz und im zeitigen Frühjahr akustisch recht auffällig, verstummt aber während der Brutzeit weitgehend. Alle Rufe sind eher hoch, spitz und nicht besonders laut. Häufigster Ruf ist ein von beiden Geschlechtern geäußertes Kwit oder Pik, das in Erregungssituationen gedehnt oder zu Lautfolgen aneinandergereiht werden kann, so dass die Einzelelemente kaum mehr unterscheidbar sind. Als Distanzruf dient eine hohe, abfallende Lautreihe, die im Englischen Rattle call genannt wird. Beide Geschlechter trommeln, wie bei allen trommelnden Spechten die Männchen lauter und intensiver. Die Trommelwirbel sind kurz und werden 10–15 mal in der Minute wiederholt.

Ähnliche Arten mini|hochkant|links|Haarspecht-Weibchen. Diese Art ist dem Dunenspecht sehr ähnlich, aber etwas größer, langschnäbeliger und bedeutend schwerer Im Aussehen ist der Dunenspecht dem Haarspecht, mit dem er in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes sympatrisch vorkommt, sehr ähnlich. Neben der wesentlich geringeren Größe des Dunenspechts und seines kurzen Schnabels können oft auch die äußeren Steuerfedern eine gute Bestimmungshilfe abgeben: Diese sind beim Haarspecht rein weiß, während sie beim Dunenspecht meist mehrere schwarze Tropfenzeichnungen aufweisen. Auch die Lautäußerungen dieser Arten sowie ihre Nahrungsnischen unterscheiden sich deutlich voneinander.

Verwechslungen mit den nahe verwandten Arten Nuttallspecht und Texasspecht in den südlichen und südwestlichen Teilen des Verbreitungsgebietes können auf Grund des leiterartig schwarz-weiß gezeichneten Rückens dieser Arten vermieden werden.

Verbreitung mini|hochkant=1.5|Verbreitung des Dunenspechts. In den heller gefärbten Regionen kommt die Art unregelmäßig oder nur selten vor. Das große Verbreitungsgebiet ist auf die USA und Kanada beschränkt. Gelegentlich scheint es auch auf der nördlichen Baja California zu Bruten zu kommen. Auf den Hawaii-Inseln sollte der Dunenspecht gegen Ende des 19. eingebürgert werden. Ob diese Einbürgerungsversuche tatsächlich in Angriff genommen wurden oder erfolglos blieben, ist unklar.Jackson et al. (2001) Distribution

Die nördlichsten Verbreitungsgebiete in Alaska und Kanada liegen im Bereich der Übergangszone von der Taiga in die Baumtundra. Vom mittleren Yukon in Alaska verläuft die nördliche Verbreitungsgrenze in ostsüdöstlicher Richtung bis Neufundland. Nördlich von 57° Nord im Westen und 50° Nord im Osten kommt die Art jedoch nur sehr spärlich oder nur in besonders günstigen Jahren vor. Die südliche Verbreitungsgrenze liegt im Westen in Südkalifornien und verläuft über Zentralarizona, Nord-New Mexico und Zentraltexas zur Küste des Golfs von Mexiko.Distribution Die Art kommt vom Meeresniveau bis in Höhen von über 2700 Metern vor.S. 285.

Lebensraum Dunenspechte können sehr unterschiedliche Habitate besiedeln, sofern lichte, mit Laubbäumen, insbesondere mit Weiden, Birken oder Pappeln bestandene Areale mit niedrigem Kronenschluss vorhanden sind. Der Dunenspecht gehört zu jenen Spechtarten, die alte, totholzreiche Bestände weitgehend meiden und bevorzugt junge Gehölze besiedeln. Gelegentlich brütet die Art jedoch auch in brandgeschädigten Nadelwaldgebieten, vor allem dann, wenn sich dort frischer Unterwuchs entwickelt. Die Art kommt in flussbegleitenden Gehölzen, in Parks und großen Gärten, auf Friedhöfen und in anderen locker baumbestandenen Gebieten, auch im Kulturland vor. Im Südwesten seines Verbreitungsgebietes besiedelt er Zitrusplantagen. Geschlossene, dichte Nadelwälder meidet die Art, kann aber in lichten Fichtenwäldern brüten, wenn einzelne Birken oder Espen eingestreut sind. In aride Gebiete vermag die Art nur entlang von Flüssen vorzudringen.

Der Raumbedarf von Dunenspechten ist wenig erforscht. Die wenigen Daten lassen auf außerbrutzeitliche Reviergrößen zwischen 2 und 12 Hektar schließen. Die Größe der Brutterritorien schwankt um die 5 Hektar.Spacing

Wanderungen Dunenspechte sind überwiegend Standvögel, können aber außerbrutzeitlich ungerichtet umherstreifen. Die nördlichsten Populationen verlassen wohl weitgehend ihre Brutgebiete und ziehen nach Süden ab. Die Zugdistanzen überschreiten jedoch 1000 Kilometer kaum. Im Winterhalbjahr erscheinen Dunenspechte gelegentlich im nördlichen Mexiko. Brutvögel höhergelegener Gebiete ziehen in Tallagen.

Nahrung und Nahrungserwerb mini|hochkant=1|Bei Massenauftreten der Goldrutengallmücke können sich Dunenspechte zeitweilig fast ausschließlich von deren Larven ernährenDiet Etwa 75 Prozent der Nahrung besteht aus Insekten und anderen Wirbellosen, der Rest aus Früchten, Beeren und Baumsäften. Unter den Insekten überwiegen Käfer und deren holzbewohnende Larven, sowie Ameisen. Sie bilden zusammen etwa die Hälfte der Insektennahrung. Daneben werden noch Rüsselkäfer, Hautflügler, Raupen, Blattläuse, sowie Spinnen und Schnecken verzehrt.

Die pflanzliche Nahrung besteht aus Beeren und Früchten, verschiedenen Samen, Getreide, Eicheln, Baumrinde und Baumsäften. Eine sehr wichtige Winternahrung sind die Früchte des Kletternden Giftsumach und des Giftefeus. Lange Zeit galt der Dunenspecht vor allem bei den Obstbauern der nordöstlichen USA als Schädling, da er im Verdacht stand, durch sein Ringeln die Obstbäume zu schädigen. Diese Ansicht ist heute widerlegt, da Dunenspechte vor allem die Saftlöcher von Saftleckern ausbeuten. Ihre eigenen Saftlöcher sind sehr klein, nicht sehr tief und schädigen die Bäume nicht. Im Winter besuchen Dunenspechte häufig Futterstellen. mini|hochkant=1|links|Nahrungssuchender weiblicher Dunenspecht Dunenspechte gewinnen ihre Insektennahrung vor allem durch Stochern, Bohren und Ablesen von Blatt-, Stamm- oder Zweigoberflächen. In geringerem Maße werden auch oberflächennahe Fraßgänge von holzbewohnenden Larven aufgehämmert, sowie Gallen verschiedener Insektenarten geöffnet. Früchte und Samen pflücken Dunenspechte direkt von den betreffenden Pflanzen, wobei die Spechte oft kopfüber an den Zweigen hängen.

Die Nahrung wird vor allem in lebenden Gehölzen gesucht. Niedrige und solche mit geringem Durchmesser werden offenbar bevorzugt, doch suchen Dunenspechte gelegentlich auch stehendes oder liegendes Totholz ab. Auf Grund ihrer Kleinheit und ihres geringen Gewichts können Dunenspechte Nahrungsquellen auf dünnen Zweigen, in Röhricht oder anderen dünnen Halmen ausbeuten.

Ob die Geschlechter generell unterschiedliche Nahrungsnischen haben und unterschiedliche Erwerbsstrategien anwenden, oder ob die festgestellten Unterschiede nur zeitweilig und regional auftreten, wird kontrovers diskutiert. Nach Winkler et al. suchen Männchen ihre Nahrung in größeren Höhen und auf schmaleren Zweigen, Weibchen mehr in den mittleren und unteren Stammabschnitten.S. 286 Männchen sollen häufiger als Weibchen ihre Nahrung durch Aufhämmern gewinnen.

Verhalten Wie alle Spechte ist auch der Dunenspecht tagaktiv. Seine Aktivitätsphase entspricht in etwa der jeweiligen Tageslänge. Die Tagesruhezeiten liegen vor allem in den Mittagsstunden und werden dösend meist auf Zweigen in guter Deckung verbracht, die Nächte verbringen sie in Schlafhöhlen, von denen mehrere während des Jahres errichtet werden. Diese sind in der Regel flacher als die eigentlichen Bruthöhlen. Dunenspechte nehmen Staubbäder, baden aber auch im Wasser und gelegentlich im Schnee.

Agonistisches Verhalten