mini|hochkant=0.9|Therese Neumann, 1926

Therese Neumann, genannt Resl von Konnersreuth (* 8. April 1898 in Konnersreuth; † 18. September 1962 ebenda), war eine Bauernmagd, die als katholische Mystikerin durch ihre angeblichen Stigmata (an das Leiden Jesu erinnernde Blutungen) und die ihr nachgesagte jahrelange Nahrungslosigkeit weit über Bayern hinaus bekannt wurde und regelrechte Wallfahrten auslöste. Die römisch-katholische Kirche lehnte den Kult jedoch ab. Erst lange nach ihrem Tode und unter anhaltendem Druck der organisierten Anhängerschaft stimmte der Vatikan der Eröffnung eines Seligsprechungsverfahrens im Bistum Regensburg 2005 auf Betreiben des Bischofs Gerhard Ludwig Müller schließlich zu.Eröffnung des Seligsprechungs-Verfahrens von Therese Neumann. Meldung auf der Internetseite des Bistums Regensburg vom 14. Februar 2005 (abgerufen am 8. Juni 2016).

Leben mini|Geburtshaus der Therese Neumann (2014) mini|Votivtafeln am Grab (2005)

Therese Neumann wurde als erstes von elf Kindern des Schneidermeisters Ferdinand Neumann und seiner Ehefrau Anna, geborene Grillmeier, geboren und in ihrem Geburtsort Konnersreuth getauft. Das Kirchenbuch verzeichnet den 9. April, „früh, 12 1/4“, als Zeitpunkt der Geburt. In den Anmerkungen ist ergänzt, die Mutter habe versichert, das Kind sei „noch vor Mitternacht, also am Charfreitag“ geboren worden.https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/konnersreuth/Konnersreuth008/?pg=138 Der Geburtseintrag im Standesamt Konnersreuth ist nicht bekannt. Die Familie ist möglicherweise mit dem berühmten Egerer Baumeister Balthasar Neumann (1687–1753) verwandt.Hinweise dazu bei Karl Siegl: Balthasar Neumann. In: Unser Egerland – Zeitschrift für Heimaterkundung und Heimatpflege, Jg. 1932, Seite 74 bis 89. Eine Schwester war Haushälterin des Eichstätter Bischofs Joseph Schröffer; eine weitere, Ottilie, Haushälterin des Konnersreuther Ortsgeistlichen Joseph Naber. Resls dreizehn Jahre jüngerer Bruder Ferdinand Neumann (genannt Ferdl) war Lokalpolitiker, von 1949 bis 1957 Landrat in Kemnath und saß von 1946 bis 1950 für die CSU im Bayerischen Landtag. Über die anderen Geschwister und deren Nachkommen ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Eines der Geschwister ist vor 1955 verstorben.Wer ist schuldig? In: Der Spiegel, Nr. 16/1955, S. 20.

Seit 1912 arbeitete das Mädchen als Magd auf dem einem Verwandten gehörenden Nachbarshof und führte die Wirtschaft ab 1915 während der kriegsbedingten Abwesenheit des Hofbesitzers in verantwortlicher Stellung als Großmagd. Nach Löscharbeiten bei einem Scheunenbrand im März 1918 begann Therese zu kränkeln. Vegetative Beschwerden setzten ein, die zu körperlichen Zusammenbrüchen und verschiedentlichen Stürzen führten. Im September 1918 begannen Sehstörungen aufzutreten, die sich bis zum März 1919 zu völliger Blindheit steigerten und vorübergehend auch von Taubheit sowie epilepsieähnlichen Anfällen begleitet wurden. Seit Oktober 1918 litt sie unter Lähmungen, die zu Bettlägerigkeit und Arbeitsunfähigkeit führten. Therese Neumann musste jahrelang gepflegt werden. Ab Dezember 1922 traten zusätzlich Schluckbeschwerden auf. Erst 1923, am Tag der Seligsprechung der Therese von Lisieux, konnte sie plötzlich wieder sehen; 1925, am Tag der Heiligsprechung ihrer Namenspatronin, verschwand nach Angaben aus ihrer Umgebung, die in die spätere Vita einflossen, auch die Lähmung.Otmar Seidl: Zur Stigmatisation und Nahrungslosigkeit der Therese Neumann (1898–1962). In: Der Nervenarzt, Fachzeitschrift für die Bereiche Psychiatrie und Neurologie. Band 79, Heft 7, 2008, Springer Wissenschaftsverlag, S. 836–844.Kurzbiografie auf der Webseite des „Konnersreuther Rings“.

Ab Februar 1926 zeigten sich bei Therese Neumann Stigmata sowie Blutungen aus den AugenParamahansa Yogananda: Therese Neumann, the Catholic Stigmatist of Bavaria. In: Autobiography of a Yogi. Kap. 39, Oxford (Mississippi) 1946., was zu einem starken Besucherandrang führte. Teilweise wurden an Karfreitagen, an welchen die Stigmatisierungen besonders deutlich in Erscheinung traten, bis zu 5.000 Besucher gezählt.

Sie soll auch seit 1926 außer der Kommunion weder gegessen noch getrunken haben. Ebenso soll sie seitdem regelmäßig Visionen von vorwiegend biblischen Szenen des Neuen Testamentes erlebt haben.

Zwischen dem 26. Mai und dem 6. Juni 1927 wurde Therese Neumann fast täglich von der Schriftstellerin Emmy Hennings besucht, worüber diese in ihren Briefen an ihren Ehemann Hugo Ball ausführlich berichtete.Bernhard M. Baron: Durchlöchert von einer Wunde. Als Emmy Ball-Hennings 1927 die „Konnersreuther Resl“ besuchte. Dada meets Stigma. Volltext im Literaturportal Bayern. mini|hochkant|Grabstätte der Therese Neumann auf dem Konnersreuther Friedhof (2004) Paramahansa Yogananda besuchte die „große katholische Mystikerin, Therese Neumann von Konnersreuth“ am 16. Juli 1935. In seinem Buch Autobiographie eines Yogi beschreibt er den Besuch.Paramahansa Yogananda: Jesu Versuchung in der Wüste In: Die Wiederkunft Christi Diskurs: 8, Seite: 200–201, Self-Realization Fellowship, 2013.Paramahansa Yogananda: Autobiographie eines Yogi. In: Therese Neumann, die stigmatisierte Heilige. Kapitel 39, 2012, S. 407–416. Therese Neumann starb 1962 an einem Herzinfarkt und wurde auf dem Friedhof in Konnersreuth in einer Gruft beerdigt. Heute ist ihr Grab das Ziel von Pilgern und Touristen aus aller Welt. Vor ihrem Tod wurde durch ihre Initiative und finanziellem Beitrag aus ihr zugedachten Spendengeldern Schloss und Gut Fockenfeld gekauft und in dem Anwesen das Kloster Fockenfeld bei Konnersreuth und Mitterteich gegründet. Nach ihrem Tod entstand nahe der Gruft der Therese Neumann, durch Spendengelder finanziert, das Kloster Theresianum. Seit dem Jahr 2010 widmet sich ihrem Andenken auch das Informations- und Begegnungszentrum e. V. in Konnersreuth.

Stigmata Das Erscheinen der Stigmata begann in der Fastenzeit vor Ostern 1926 bei einer Vision, in der sie nach ihren Aussagen Jesus am Ölberg Blut schwitzen sah, als sich eine gut 3 cm lange und ca. 1 cm breite Wunde in der Herzgegend zeigte.Anni Spiegl: Leben und Sterben der Therese Neumann von Konnersreuth. Eigenverlag, Konnersreuth 1976 Später kamen noch Wunden an Händen, Füßen und am Kopf hinzu, sowie über den Körper verteilt kleinere Wunden, die als Spuren der Geißelung interpretiert wurden. An Karfreitagen zeigte sich auch eine Schulterwunde, die durch das Tragen des Kreuzes erklärt wurde. Die Wundmale an Hand- und Fußrücken waren zunächst rundlich mit einem Durchmesser von 12–13 mmFritz Gerlich: Die Stigmatisierte von Konnersreuth – Band 1: Die Lebensgeschichte der Therese Neumann. Verlag J. Kösel & F. Pustet, München 1929 (PDF; 830 kB) und wurden später quadratisch. An den Handinnenflächen bzw. an den Fußsohlen waren sie kleiner. Am Kopf blutete sie an neun Stellen, die kranzförmig angeordnet waren. Die Wundmale an Herz, Händen und Füßen bluteten gewöhnlich jeden Freitag bei ihren Visionen über die Passion Christi. An Karfreitagen bluteten auch die Geißel- und Kopfwunden und aus ihren Augen flossen Bluttränen. Die Wundmale trug Therese Neumann bis zu ihrem Lebensende.

Kontroverse mini|hochkant|Hans Natonek (1927) Therese Neumann polarisiert. Es gab und gibt leidenschaftliche Fürsprecher, vor allem die Augenzeugen aus dem Konnersreuther Kreis wie Pfarrer Joseph Naber, den Eichstätter Priester und Paläontologen Franz Xaver Mayr, den Historiker Fritz Gerlich, und ebensolche Gegner wie den katholischen Priester Josef Hanauer, den Arzt Josef Deutsch oder die Historikerin und Publizistin Hilda Graef, die mit ihr in Konnersreuth ein kurzes Gespräch in Gegenwart des Ortspfarrers Joseph Naber hatte. Wiederholt wurden Besucher auf Verlangen von Therese Neumann wieder ausgeladen; insbesondere Kritiker und auch lediglich potenzielle Zweifler wurden – von wenigen Ausnahmen abgesehen – niemals von ihr empfangen.Josef Hanauer: Konnersreuth als Testfall. Kritischer Bericht über das Leben der Therese Neumann. Manz, München 1972. Beide Seiten verfassten Bücher und Schriften zu Konnersreuth, so beispielsweise der Augenzeuge Johannes Steiner, der das gesamte Geschehen um Therese Neumann und ihre mystischen Erlebnisse beschrieb, und auch Hanauer, der zahlreiche Widersprüche, Ungereimtheiten und ungewöhnliche Tatsachen im Leben der Therese Neumann aufdeckte und sich vehement gegen die, nach seinen Worten, „Pseudomystik“ und „Wundersucht“ wehrte.