mini|hochkant|Stahlstich nach einem Entwurf von Johann Baptist Sonderland, um 1850/58 Die Laune des Verliebten ist ein Schäferspiel in Versen von Johann Wolfgang Goethe aus den Jahren 1767–1768. Am 20. Mai 1779 wurde es in Ettersburg mit Goethe in der Rolle des Eridon und Musik von Karl Siegmund von Seckendorff vor der Weimarer Hofgesellschaft uraufgeführt. 1806 lag der Erstdruck vor.

Das Stück ist – nach verschiedenen Fragment gebliebenen Versuchen – das erste abgeschlossene Drama Goethes und gilt als „ein letzter Höhepunkt in der Geschichte des deutschen Schäferspiels“ im literarischen Rokoko.

Inhalt Die Laune des verliebten Eridon heißt Eifersucht. Egle und Amine, zwei junge Mädchen, gestehen, sie lieben Schäfer. Egle liebt Lamon, Amine den launischen Eridon, der den Tanz flieht und die Geliebte „bei keinem Feste leidet“. Amine beklagt ihre Liebesbeziehung: „Hätt ich nicht so viel Macht ihm über mich gegeben, Er würde glücklicher und ich zufriedner leben.“ Für das nahe Tanzfest flicht sich Amine gerade einen Blumenkranz. Egle geht ihr dabei zur Hand. Sie weiß, wie es um die Liebe zwischen Amine und Eridon bestellt ist: „Man kann sehr ruhig sein und doch sehr zärtlich lieben.“ Das sind keine leeren Worte, so stellt sich gleich heraus. Passend zu der letzten Behauptung kommt ihr Schäfer Lamon und bringt Material für den Kranz – ein Band. Das Paar führt der unglücklichen Amine vor, wie eine intakte Partnerschaft funktionieren kann. Lamon gesteht seiner Egle nebenher, er habe soeben eine andere geküsst. Egle bleibt sehr ruhig: „Komm, gib mir doch den Kuss von deiner Chloris wieder.“

Lamon tut es. Die Zuschauerin Amine kann Egles Verhalten nicht gutheißen – Eridon dürfte kein fremdes Mädchen küssen. Auch Lamon durchschaut, genau wie seine Egle, die Beziehung des anderen Schäferpaares: „Ich merk’ es wohl, ihr plagt euch um die Wette.“ Auf dem Höhepunkt der Eifersüchteleien nimmt Amine die Kränze aus den Haaren und... wirft sie weg. Egle bringt die Beziehung ins Lot, indem sie Eridon auf ihre Art ernüchtert. Zuvor versichert sie sich des Einverständnisses von Amine. Als Egle mit Eridon allein ist, fasst sie ihn bei der Hand, stellt sich immer zärtlicher und lehnt sich auf seine Schulter. Die Verstellung wirkt sofort: Er nimmt ihre Hand und küsst sie. Eridon ist überführt; er ist auch nicht fehlerfrei und seine Eifersucht war unangebracht. Es kommt zum letzten Auftritt mit Amine. Egle eröffnet ihr die unerhörte Begebenheit. Das Happyend – Amine überwindet sich: „Komm mit zum Fest!“ Eridon, der keine Tanzveranstaltungen mag, kann nicht anders und gibt klein bei: „Ich muss. Ein Kuß belehrte mich.“

Rezeption Die Laune des Verliebten wurde zehn Jahre nach der Entstehung erstmals aufgeführt, und zwar am 20. Mai 1779 in Schloss Ettersburg (nördlich von Weimar) in einer Aufführung des Weimarer „Liebhabertheaters“ vor der Hofgesellschaft. Eine Gesellschafterin der Herzogin Anna Amalia berichtet davon:

Goethe selbst gab dabei den Eridon, Friedrich von Einsiedel den Lamon, Corona Schröter die Egle, während die Amine von Marianne von Wöllwarth, einer Hofdame der Herzogin Luise, gegeben wurde.

Die breitere öffentliche Rezeption konnte erst mit der Aufführung im Weimarer Hoftheater am 26. März 1805 und mit der Erstausgabe im Jahr 1806 beginnen. In Weimar, Dresden und Wien fanden in den folgenden Jahrzehnten nur wenige Aufführungen statt, wohingegen das Stück in Berlin recht beliebt war, wie 54 Aufführungen in den Jahren 1813 bis 1858 zeigen. – – Karl Eibl, Fotis Jannidis, Marianne Willems (Hrsg.): Der junge Goethe in seiner Zeit. Texte und Kontexte. – Der junge Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. In zwei Bänden und einer CD-ROM (= Insel Taschenbuch, Nr. 2100). Band 1. Insel Verlag, Frankfurt/Leipzig 1998, ISBN 3-458-33800-4, S. 733.

Der 16-jährige Richard Wagner ließ sich 1830 von Goethes Schäferspiel zum Projekt einer eigenen Schäferoper (WWV 6) inspirieren, von der er (nach eigenem Bericht) wohl zwei Nummern fertigstellte und von der nichts erhalten blieb.Die Quellenlage ist schlecht, viele Angaben zu diesem Werk sind daher unsicher. – – –

Selbstzeugnisse

Goethe nimmt hier retrospektiv Bezug auf „Ännchen“ (eigentlich Käthchen SchönkopfZu Anna Katharina (Käthchen) Schönkopf, der „Annette“ von Goethes Leipziger Lyrik und dem „Ännchen“ der zitierten Stelle: ) und seine eigene damalige Lebenssituation in Leipzig, ebenso wie bereits zur Entstehungszeit des „Stückgens“ in dem Brief an seine Schwester, und stellt dieses damit in einen autobiographischen Zusammenhang. Andererseits hatte er zur Gestaltung ein in der literarischen Tradition des Schäferspiels „von konkreten gesellschaftlichen Bezügen stark entlastetes Gattungsmuster“Karl Eibl, Fotis Jannidis, Marianne Willems (Hrsg.): Der junge Goethe in seiner Zeit. Texte und Kontexte. – Der junge Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. In zwei Bänden und einer CD-ROM (= Insel Taschenbuch, Nr. 2100). Band 1. Insel Verlag, Frankfurt/Leipzig 1998, ISBN 3-458-33800-4, S. 733. gewählt. Diese Gegensätzlichkeit, diese Spannung zwischen realitätsbezogenem Gehalt und realitätsferner dichterischer Gestalt (literarischer Form) ist von Bedeutung für die Beurteilung des Stücks.

Literatur Ausgaben Johann Wolfgang von Goethe: Goethes Werke – Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Herausgegeben von Erich Trunz. Band 4: Dramatische Dichtungen II. Textkritisch durchgesehen und kommentiert von Wolfgang Kayser. 13. Auflage. Verlag C. H. Beck, München 1994, S. 7–27 und 469–473.

Karl Eibl, Fotis Jannidis, Marianne Willems (Hrsg.): Der junge Goethe in seiner Zeit. Texte und Kontexte. – Der junge Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Schriften bis 1775. In zwei Bänden und einer CD-ROM (= Insel Taschenbuch, Nr. 2100). Band 1. Insel Verlag, Frankfurt/Leipzig 1998, ISBN 3-458-33800-4, S. 21–45 und 731–733.

Sekundärliteratur Werner Deetjen (Hrsg.): Die Göchhausen. Briefe einer Hofdame aus dem klassischen Weimar. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1923, . Richard Friedenthal: Goethe – sein Leben und seine Zeit. Piper, München 1963, S. 60–65. Nicholas Boyle: Goethe. Der Dichter in seiner Zeit. Band 1: 1749–1790. Verlag C. H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39801-4, S. 106–107. Gero von Wilpert: Goethe-Lexikon (= Kröners Taschenausgabe. Band 407). Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-40701-9, S. 609. Karl Otto Conrady: Goethe – Leben und Werk. Düsseldorf und Zürich 1999, ISBN 3-538-06638-8, S. 68–70. Helmut Koopmann: Willkomm und Abschied. Goethe und Friederike Brion. Verlag C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-65998-0, S. 30–41.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Werk von Johann Wolfgang von Goethe Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Drama