Pentekontaetie (gelegentlich auch Pentekontaëtie, pentekontaetía „Periode von 50 Jahren“; aus pentḗkonta „fünfzig“ und étos „Jahr“) ist eine Bezeichnung für den Zeitraum der ungefähr 50 Jahre der antiken griechischen Geschichte vom Ende des Xerxes-Zuges mit der Schlacht von Plataiai (479 v. Chr.) bis zum Beginn des Peloponnesischen Krieges (431 v. Chr.). In diese Zeit fällt die endgültige Abwehr der Perser und die Befreiung der ionischen Städte in Kleinasien, das Bestreben der beiden Hauptmächte Sparta und Athen, die Hegemonie über das gesamte östliche Griechenland zu gewinnen, die Bildung eines attischen Reiches unter der Führung Athens, und endlich die Entfaltung und der Aufschwung der griechischen Kultur besonders auf dem Gebiet der Kunst, Literatur, Philosophie und der Demokratie. Der Begriff geht auf den antiken Historiker Thukydides zurück.Thukydides 1, 118, 2: „“ = „All dies zusammen, was die Hellenen gegeneinander und gegen den Barbaren taten, geschah in den annähernd fünfzig Jahren zwischen dem Rückzug des Xerxes und dem Beginn des (Peloponnesischen) Krieges.“ Das Wort Pentekontaetie wird bei Thukydides nur umschrieben, wird aber wörtlich in den Scholien zu 1, 89, 1; 97, 2 und 118, 2 gebraucht.
Eroberungen der Griechen Quellen Eine ausführliche Darstellung dieses Zeitraums ist nicht überliefert. Ersatz bietet der knappe Abriss bei Thukydides (1, 89–118), der auch das Ende des Pausanias und des Themistokles (1, 128–138) behandelt.
Breiter ist die Erzählung Diodors in Buch 11, 38 bis 12, 37. Diodor schöpft aus Ephoros, der die Geschichte dieser Zeit mit fast ausschließlicher Benutzung des Thukydides nach rhetorischen Gesichtspunkten und in athenerfreundlichem Sinn bearbeitet hatte. Die Chronologie des ganzen Abschnitts ist mit Ausnahme einiger fester Punkte durchaus relativ, da Thukydides Zeitbestimmungen nach bürgerlichen Jahren nicht gibt und die Anordnung bei Diodor ganz willkürlich ist. Einige wichtige Daten der attischen Verfassungsgeschichte sind in dem Aristoteles zugeschriebenen Werk Der Staat der Athener überliefert.
In Plutarchs Biografie des Kimon sind Stücke aus Theopompos von Chios, dem zweiten Schüler des Isokrates auf historischem Gebiet, erhalten, der 376 geboren, zwei Werke über die Geschichte der Jahre 411-394 und über das Zeitalter Philipps von Makedonien verfasste. In letzterem griff er auf die Geschichte Athens im 5. Jahrhundert zurück. Er war ein leidenschaftlicher Feind Athens und stand wie Ephoros unter dem Einfluss der Rhetorik.
Ende der Perserkriege 479 Die Griechen hatten die Perser in der Landschlacht von Plataiai (479) und dann in der Seeschlacht am Mykale-Gebirge (479) bei Milet besiegt. Die Seeschlacht wurde durch den Übertritt der Ionier zu den Griechen entschieden. Nach diesem Sieg entstand unter den Griechen ein Zwiespalt über die Befreiung Ioniens. Man einigte sich schließlich, die Bewohner der Inseln, besonders Samos, Chios und Lesbos, in den hellenischen Bund aufzunehmen. Das kleinasiatische Festland blieb vorläufig ausgeschlossen, seine Städte traten in ein näheres Verhältnis zu Athen. Die griechische Flotte fuhr darauf zum Hellespont in der Absicht, die persischen Brücken zu zerstören. Als die Griechen aber sahen, dass die Brücken bereits zerstört waren, fuhren die Peloponnesier sofort nach Hause. Die Athener belagerten im Verein mit den neuen Bundesgenossen Sestos, das sich im Frühjahr 478 ergab, worauf sie ebenfalls nach Hause fuhren.
Wiederaufbau Athens Sobald der Feind das Land verlassen hatte, machten sich die Athener auf Rat des Themistokles an den Wiederaufbau ihrer Stadt und der Mauern. Es galt, Athen in eine starke Festung zu verwandeln und dadurch unabhängig zu machen. Ihre Absicht stieß bei den Spartanern und deren Bundesgenossen auf Widerstand und Bedenken, die Themistokles aber geschickt entkräften konnte. Das Hauptgewicht der Baumaßnahmen legte man auf die Befestigung des Hafens. Die gesamte Halbinsel des Piräus wurde, wie die bis heute erhaltenen ansehnlichen Überreste zeigen, längs der Küstenlinie und auf der Landseite mit Mauern umgeben. Die drei Häfen konnten verschlossen werden und enthielten die Schiffshäuser. Der Abschluss des Befestigungswerks durch die langen Mauern, welche Hauptstadt und Hafen verbanden, fällt in spätere Zeit.
Entstehung des attischen Seebundes
Im Frühjahr 478 wurde Pausanias an der Spitze einer Bundesflotte ausgesandt. Zunächst befreite er Zypern, von da fuhr er zum Bosporus. Durch die Einnahme von Byzanz wurde die Verbindung Griechenlands mit dem Schwarzen Meer gesichert, die für die Versorgung mit Getreide wichtig war. Während des Aufenthalts der griechischen Flotte am Bosporus vollzog sich eine folgenschwere Änderung im hellenischen Bund. Pausanias soll mit dem Perserkönig in landesverräterische Verbindung getreten sein. Jedenfalls benahm er sich den Bundesgenossen gegenüber hochfahrend und wie ein Tyrann. Die Ionier und Hellespontier erklärten, nicht weiter unter seiner Führung stehen zu wollen, und wandten sich an die Athener mit der Bitte, die Führerschaft im Krieg gegen Persien zu übernehmen, was diese bereitwillig zusagten. Dies war sozusagen die Stiftung des Delisch-Attischen Seebunds. Von da an zogen sich die Peloponnesier vom Seekrieg zurück, doch wurde das Bundesverhältnis zwischen ihnen und den Athenern noch nicht aufgehoben.
Der Attische Seebund Der von Athen begründete Attische Seebund ist die bedeutendste politische Schöpfung des 5. Jahrhunderts. Das größte Verdienst um dessen Entstehung hatte Aristeides, der die attischen Schiffe vor Byzanz befehligte. Er organisierte ihn in seinen festen Formen, indem er die Verträge zwischen Athen und den Städten abschloss. Die Autonomie der einzelnen Glieder blieb gewahrt. Die Beratung über die gemeinsamen Angelegenheiten wurde einer Synode von Abgeordneten anvertraut, die auf Delos ihren Sitz hatte. Die Leistungen der Bündner bestanden entweder in der Stellung von Kriegsschiffen oder stattdessen in der Zahlung eines Bundestributs, Phoros. Die meisten Städte zogen schon beim Eintritt in den Bund vor, den Bundestribut zu entrichten. Die aus den Eingängen gebildete Bundeskasse wurde auf Delos unter dem Schutze Apollons aufbewahrt, ihre Verwaltung hatte eine neugeschaffene attische Behörde, Hellenotamiai. Die Höhe des ersten Bundestributs betrug 460 Talente Silber. Seine Veranlagung und Aufteilung auf die Bundesgenossen wurde Aristeides anvertraut. Der Bund umfasste bereits in den ersten Jahren seines Bestandes der Hauptsache nach: Euböa, die ionischen Inseln, Lesbos, Chios, Samos und die ionischen und äolischen Städte Kleinasiens bis zum Hellespont und der Propontis. Dagegen gehört die Einteilung des Bundes in Quartiere (Bezirke), die zunächst zur Erhebung des Phoros diente, nicht zu den ursprünglichen Einrichtungen. Es gab später folgende Quartiere: das ionische, das hellespontische, das thrakische, das karische und das Inselquartier.
Kimon Neben Themistokles und Aristeides gewann nun Miltiades’ Sohn Kimon Geltung. Er war ein großer Politiker und die Fortsetzung des Kriegs gegen Persien und die Bundesfreundschaft mit Sparta bildeten sein Programm, dem seine wesentlich militärische Begabung entsprach. Zu seiner Beliebtheit trugen die vornehme Offenheit seines Auftretens bei, seine Freigebigkeit und seine vielfältigen Aufwendungen zu gemeinnützigen Zwecken. Seine erste bedeutende Waffentat galt der Vertreibung der noch in Europa befindlichen persischen Besatzungen, deren Hauptplatz Eion am Strymon war. Der Versuch der Athener, das neugewonnene Gebiet durch Gründung einer Kolonie zu sichern, scheiterte. Dafür traten die griechischen Städte an der thrakischen und makedonischen Küste in den Bund. Ein weiteres Verdienst erwarb sich Kimon durch Befreiung des Ägäischen Meeres von den Seeräubern, die ihren Sitz auf der Insel Skyros hatten (bald nach 476/5). Die dort ruhenden Gebeine des Landeshelden Theseus wurden nach Athen gebracht und beigesetzt.
Pausanias Um die gleiche Zeit trat Pausanias wieder hervor. Er war abberufen, aber vor Gericht freigesprochen worden. Dann setzte er sich auf eigene Faust in Byzanz und Sestos fest und behauptete sich dort eine Reihe von Jahren. Es scheint eine Partei in Sparta sein Verhalten begünstigt zu haben, die erwartete, Athens Ausbreitung werde durch ihn lahmgelegt werden. In der Peloponnes machte sich eine demokratische Bewegung geltend, die geeignet war, Spartas Führerschaft bedenklich zu erschüttern. Vielleicht schon damals ging Argos zur Demokratie über. Die Strömung ergriff das benachbarte Arkadien und auch in Elis kam es zu einer demokratischen Umgestaltung der Verfassung.
Endlich schritten die Athener gegen Pausanias ein (472 oder 471). Er wurde durch Kimon aus Sestos und Byzanz vertrieben, blieb aber in der Troas. Da den Ephoren gemeldet wurde, dass er mit den Persern in Verbindung getreten sei, befahlen sie ihm heimzukehren. Er folgte dem Ruf und es gelang ihm aus der Haft entlassen zu werden. Die Freiheit nutzte er, um unter den Heloten einen Anhang zu werben. Als die Ephoren davon erfuhren, schritten sie zu seiner Verhaftung. Pausanias flüchtete in einen Tempel und wurde dort eingemauert, so dass er verhungerte.
Themistokles Ein ähnliches Los traf Themistokles. Sein Sturz war die Folge des scharfen politischen Gegensatzes, in welchem er sich zu Kimon und den mit diesem verbündeten mächtigen Familien (Philaiden und Alkmaioniden) befand. Auch die Spartaner werden dahin gewirkt haben, ihren bedeutendsten Gegner in Athen zu beseitigen. Wahrscheinlich im Frühjahr 470 wurde Themistokles durch das Scherbengericht (Ostrakismos) aus Athen verwiesen. Er ging nach Argos, von wo aus er die übrige Peloponnes besuchte und sicherlich an der gegen Sparta gerichteten Bewegung Anteil nahm. Durch den Sieg über die Arkader bei Dipaia wurde Spartas Stellung in der Peloponnes wiederhergestellt. Die Gelegenheit, Athen selbst zum Einschreiten gegen Themistokles zu veranlassen, ergab sich, als aus den bei Pausanias gefundenen Briefen angeblich seine Teilnahme an dessen verräterischen Bestrebungen hervorging, worauf die Spartaner ihn den Athenern anzeigten. Er wurde abwesend zum Tode verurteilt, und Athen und Sparta sandten Leute aus, um ihn zu ergreifen. Doch Themistokles war bereits auf der Flucht. Von Korkyra gelangte er nach Makedonien und von da zu Schiff nach Kleinasien. Im Perserreich hatte zur gleichen Zeit ein Thronwechsel stattgefunden: Xerxes war im Sommer 465 infolge einer Palastrevolution ermordet und sein Sohn Artaxerxes I. zum König erhoben worden. Nach einem Jahr erschien Themistokles am persischen Hof. Artaxerxes machte ihn zum Tyrannen der Städte Magnesia am Mäander, Lampsakos und Myus. In Magnesia lebte er noch einige Jahre.
Spartas Zug nach Thessalien Der Krieg gegen Persien ruhte fast ein Jahrzehnt lang. Die einzige auswärtige Aktion Spartas in dieser Zeit ist ein Zug unter Leotychidas II. nach Thessalien (469). Doch der König ließ sich bestechen und trat den Rückzug an. Er wurde verurteilt und starb in der Verbannung. An seine Stelle trat sein Enkel Archidamos II.
Erste Konflikte Athens mit den Bundesgenossen Die Athener werden diese Zeit hauptsächlich auf die Ordnung der Bundesverhältnisse verwendet haben. Dadurch, dass die meisten Städte sich durch Zahlung des Bundestributs von der Stellung der Schiffe loskauften, wurde die Macht Athens gestärkt, das Gewicht der Bundesgenossen hingegen vermindert. Zudem sahen die Athener auf genaue Einhaltung der Verpflichtungen. So kam es zu Abfällen von Bundesstädten, die mit Waffengewalt unterworfen und durch Verlust der Autonomie bestraft wurden. Die erste Stadt, welche geknechtet wurde, war Naxos (etwa 467).
Fortsetzung des Perserkriegs